Katalogsammlung (III) – Neuzugang End/Becker 1950

Hallo

Ich konnte im September auf einer Auktion meine Sammlung an Saar-Spezial-Katalogen um ein weiteres Werk erweitern. Es handelt sich um ein Exemplar der 1. Auflage aus dem Jahr 1950 des von den beiden Saarländern Karl End und Willibald Becker unter Mitarbeit von Louis Lutz (FR) und Josef Schwarz erarbeiteten SAAR-Briefmarken-Spezial-KATALOG.

Was unterscheidet diesen – ausserordentlich gut erhaltenen – Katalog von all den anderen in meiner Sammlung?

Erst einmal sein Alter. Die 1. Auflage des Katalogs von End/Becker ist 68 Jahre alt und wurde zu einer Zeit herausgegeben, als die Ausgabe der ersten Briefmarken für das Saargebiet gerade einmal 30 Jahre und – für mich viel interessanter – die Ausgabe der ersten Briefmarken für das Saarland bloss 3 Jahre zurücklag. Die Autoren waren im Vergleich zu uns zeitlich sehr nahe an der Materie.

Ferner legen die Autoren den Schwerpunkt des Kataloges auf die „neuen, seit 1945 erschienenen Saarmarken“ und bei diesen wiederum auf die „Abarten, Fehldrucke etc.“. 57 von den gesamthaft 150 Seiten beschäftigen sich allein mit der Entstehung, der Herstellung und den einzelnen Werten der 1. und 2. Offenbacher Ausgabe sowie deren Aufdrucken. Das kenne ich sonst nur von Paul Staedels Étude (60 Seiten).

Schlussendlich faszinierten mich noch zwei Dinge:

  • Die sich sehr an der Chronologie der Markenentstehung orientierende Gliederung der einzelnen Ausgaben und ihrer Überdrucke.
  • Die vielen Feldmerkmale, welche in anderen Katalogen nur teilweise aufgeführt sind.

Sollten sich aus dem Studium des SAAR-Briefmarken-Spezial-KATALOGES von End/Becker interessante Aspekte für den heutigen Saar-Sammler ergeben – und ich bin überzeugt, dass es davon einige geben wird, werde ich die Erkenntnisse im Saarphilatelie-Blog© publizieren.

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Die vom Projekt Saarphilatelie.com erarbeitete und hier erstmals publizierte Übersicht über die unterschiedlichen Katalognummern der 20 Werte der 1. Offenburger Ausgabe in den bekanntesten Katalogen habe ich nachstehend mit der Angabe zu End/Becker ergänzt:

  • Saarphilatelie: SP14-SP33
  • End/Becker: SAAR-Briefmarken-Spezial-KATALOG 1950, 206-225
  • Paul Staedel: Étude 1955, numéros 1-20
  • Yvert & Tellier: Colonies française, Sarre, numéros 196-215
  • Saarhandbuch (SHB): Kap. 402. verwendet keine Nummerierung
  • Catalogue F.S.A.: numéros 196-215
  • Stanley Gibbons: Germany, Saar, III. French Occupation Nos. 203-222
  • Scott: Saar, French Administration, nos. 155-171 sowie nos. 172-174 für die Werte zu 12, 45, 75 Pfennig (Achtung: die 20 Werte sind hierdurch nicht durchgehend aufsteigend nummeriert)
  • Michel: Deutschland, Saarland (1947), Nr. 206-225
  • Austria Netto Katalog (ANK): Deutschland, Saarland, 206-225
  • Philotax Saar-Spezial: SG206-SG225
  • Leuchtturm DNK: Deutschland, Saarland, 206-225
  • Philex: Deutschland, Saarland, 206-225

Bis dann

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Grundwissen Philatelie (XI) – Stockflecken, die Briefmarkenseuche

Hallo

Ich hoffe, euch gruselt es ob des Titels bereits ein wenig. Eine Seuche, die Briefmarken befällt! Im Ernst: Der Begriff Stockflecken (frz. la rousseur, la tache brune; engl. foxing) jagt selbst ausgekochten Sammlern einen Schauer den Rücken herunter.

Weshalb eigentlich? Was verstehen wir unter dem Begriff Stockflecken? Und was könnt  oder solltet ihr tun, wenn eigene Marken von Stockflecken befallen sind? Wie sieht eine wirksame Vorbeugung aus?

Das sind die Fragen, auf die ich in diesem Beitrag Antworten geben werde. Dieser Beitrag ist einmal mehr etwas textlastig. Ich gehe jedoch davon aus, dass bei diesem Thema euer Interesse dennoch nicht erlahmt.

Zugabe: Wie habe ich mein Chemielabor organisiert. Ein Inhaltsverzeichnis in Stichworten.

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Weshalb schaudert es jeden Briefmarken-Sammler, wenn er den Begriff Stockflecken hört?

Wahrscheinlich, weil er an den Verlust – ideell wie materiell – denkt, falls seine Marken betroffen wären. Es ist zwar nicht so, dass Briefmarken mit Stockflecken komplett wertlos oder nicht mehr sammelwürdig wären. Doch braucht der Sammler einiges an Aufwand und auch etwas Glück, um den direkten Schaden an einer stockfleckigen Marke zu beheben sowie die anderen Marken vor „Ansteckung“ zu schützen.

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Was verstehen wir unter dem Begriff Stockflecken? Da fängt das Dilemma an. Obschon nicht ausschliesslich Briefmarken – also wichtige und teils sehr seltene Kulturgüter erster Güte – sondern ebenfalls seltene Bücher und alte Handschriften vom Befall mit Stockflecken betroffen sind, ist die exakte Natur dieses Befalls noch nicht abschliessend erforscht. Ich kann euch an dieser Stelle keine gesicherte Definition des Begriffs Stockfleck bieten (hier wird eine Begriffsbestimmung versucht). Ich zähle einfach einmal auf, was wir über Stockflecken so alles wissen:

  • wir erkennen den Befall mit Stockflecken durch anfänglich punktuelle gelbliche bis bräunliche Verfärbung(en) des Papiers oder der Gummierung; bei Nichtbehandlung breitet sich die Verfärbung schnell aus
  • es existieren zwei Spielarten: eine regelmässig runde – recht harmlose und einfach zu entfernende – Variante und eine unregelmässige, mit der Zeit tiefbraun-rötliche bis schwarze Variante, die nach meiner Erfahrung sowohl das Briefmarkenpapier wie auch eventuell vorhandene Gummierung soweit angreift, dass dünne Stellen oder sogar Löcher entstehen können
  • Feuchtigkeit, dazu zähle ich auch erhöhte Raumfeuchtigkeit, scheint den Befall mit Stockflecken zu befördern
  • mangelnde Belüftung der Briefmarken in eng zusammengepressten Albumblättern scheint den Befall mit Stockflecken zu befördern
  • Die Aufbewahrung von Briefmarken in Plastik (PVC) insbesondere unter Luftabschluss scheint den Befall mit Stockflecken ebenfalls zu befördern
  • Sporen des Schimmelpilzes als Auslöser von Stockflecken wird in diversen Artikeln erwähnt; meine Erfahrung: Schimmelbefall auf Briefmarken sieht anders aus: noch gruseliger als Stockflecken

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Jetzt kommt die Frage, auf deren Antwort ihr wohl sehnsüchtig gewartet habt. Wie entferne ich Stockflecken? Ich kann in diesem Beitrag keine Patentlösung aus dem Ärmel schütteln. Jedoch werde ich euch einige Ratschläge zur Aufbewahrung von Briefmarken geben sowie Tipps, wie ihr Stockflecken zumindest im Anfangsstadium entfernen könnt. Ist die Verfärbung zu stark, eine dünne Stelle oder ein Loch bereits vorhanden … tja, … das kann man halt nicht stopfen, wie eine kaputte Socke.

Item. Was solltet ihr tun, um einen Befall mit Stockflecken von vornherein zu vermeiden?

  • Schaut euch eure Sammlung möglichst häufig an, öffnet das Album und lasst Luft an eure Preziosen; das ist die einfachste Möglichkeit, Stockflecken zu vermeiden
  • Fasst eure Briefmarken nicht mit den Fingern an! Punkt. Kein aber, keine Ausnahme. Unsere Haut schwitzt immer und sondert stetig Hautfett ab, sonst sähen unsere Finger nämlich nach zwei Tagen aus wie verschrumpelte Möhren. Benutzt  I M M E R  Pinzette und leichte Baumwoll-Handschuhe, die wir sehr günstig im Baumarkt erhalten (unter Numismatikern ist die Verwendung von Handschuhen und Pinzette schon lange eine Reflexhandlung)
  • Verwahrt eure Marken in weissen Steckbüchern mit Pergaminstreifen und Pergamin-Zwischenblättern, diese sind in der Regel pH-neutral; möchtet ihr für eine Präsentation lieber einen Schwarzen Hintergrund, könnt ihr diese immer noch kurzfristig auf spezielle schwarze Plastiksteckkarten arrangieren*
  • Habt ihr Marken gewaschen (Ablösung vom Umschlag, Briefstück oder Entfernung von Falzen), achtet darauf, die gewaschenen Marken durchzutrocknen. Nach meiner Erfahrung solltet ihr die Marken im Sommer ca. 24 Stunden, im Winter eher 48 Stunden in der Kaltpresse lassen. Bevor ihr die Marken nun einsortiert, lasst diese zuvor ca. 2 Stunden an der frischen Luft

* Tipp: Achtet bei schwarzen Steckkarten unbedingt darauf, dass diese nicht aus Karton gefertigt sind. Weshalb? Die schwarze Farbe des Kartons hat die unangenehme Eigenschaft, schnell abzufärben. Schaut mal durch eure Sammlung. Ihr werdet sicherlich die eine oder andere Marke finden, die in der unteren Hälfte – dort, wo die Marke hinter dem Streifen gesteckt hat – schwärzlich verfärbt ist. Diese Verfärbung ist bei ungebrauchten Marken gar nicht – ausser Sie waschen die Marke – und bei gewaschenen Marken nur schwer wieder zu entfernen.

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Ihr habe in der Schule sicherlich Biologie- und Chemie-Unterricht genossen. Dann ist euch klar, wie ihr Stockfleckbefall behandeln könnt. Nicht? Schulbesuch ist zu lang her? Lehrer(in) war schlecht? Fensterplatz gehabt? Also gut: hier ein wenig Nachhilfe.

Tipp 1:

Werft die Marke bitte nicht in den Müll … die nachfolgenden Tipps helfen euch sonst nicht weiter

Tipp 2:

Vermeidet tunlichst, als potentieller Bombenbauer eingesperrt zu werden. Kauft die wenigen Zutaten im Tante Emma-Laden um die Ecke und in der Apotheke, nicht in Grossmengen im Internet.

Tipp 3:

Marken, die von Stockflecken befallen sind, müssen zwingend gewaschen werden; ein Erhalt einer evtl. vorhandenen Gummierung ist nach allem was ich weiss nicht möglich; wer euch das verspricht, wird eure Marke dennoch erst waschen und nach dem Waschen neu gummieren, sprich: Fälschung

Tipp 4:

Lindner Original  bietet ein aus zwei Komponenten bestehendes Set zur Stockfleckentfernung an; ich kann hierzu keine Beurteilung abgeben, da die Firma Lindner mir noch kein Test-Set zur Verfügung gestellt hat

Tipp 5:

So mache ich es … ok, was jetzt folgt bezieht sich ausschliesslich auf die Marken der 1. und 2. Offenburger Ausgabe. Für andere Marken bitte vorgängig prüfen, ob eine Wasserlöslichkeit der Druckfarben o.ä. vorliegt. Für Marken der 1. Offenburger Ausgabe habe ich das Verfahren bereits häufig getestet. Bei sorgfältiger Anwendung kommen eure Marken nicht zu schaden. Es kann jedoch nicht schaden, das Verfahren – insbesondere die Applizierung der alkalischen Lösung – vorgängig an Dubletten oder an Ausschuss zu testen

Hinweis: Die Anleitung eignet sich auch für die normale Ablösung von Falzen oder Anhaftungen an Briefmarken.

  • Schritt 1: Die mit Stockflecken befallene Briefmarke wird gewaschen. Was benötigen wir zum Waschen von Briefmarken? Ihr werdet jetzt total überrascht sein: Wasser! Viel sauberes, handwarmes Wasser. Ein sauberes Behältnis, beispielsweise eine Salatschüssel. Ein trockenes, fettfreies und glattes Stofftuch.  Ausserdem Natronpulver (beispielweise Kaiser Natron) und Spülmittel. Füllt klares, handwarmes Wasser in das Behältnis und fügt pro 100 Millilitern Wasser ca. 1 Messerspitze voll Natronpulver  zur Neutralisation hinzu. Nun solltet ihr noch die Oberflächenspannung des Wassers brechen. Gebt hierzu ganz, ganz wenig, möglichst farbloses Spülmittel auf eine Fingerspitze und verteilt das Spülmittel im Wasser. Wichtig: Das Spülmittel sollte  k e i n e  Essig- oder Estherbestandteile aufweisen. Die befallene Briefmarke wird nun für mindestens 30 Minuten eingeweicht. Die Marken der 1. und 2. Offenburger Ausgabe vertragen Wasser ohne dass die Farbqualität leidet. Auch für damals applizierte Stempelabschläge gilt: Nur falsche Stempel scheuen den Kontakt mir Wasser. Nach 45 Minuten nehmt die Marke vorsichtig mit einer Pinzette aus dem Wasser und haltet diese unter fliessendes Wasser. Im Normalfalls sind nun keine Gummierungs- oder Falzreste mehr vorhanden. Nach meiner Erfahrung können Falzreste jedoch manchmal recht hartnäckig sein. Seien Sie in einem solchen Fall geduldig und legen Sie die Marke einfach für weitere 45 Minuten zurück in die Wasserschüssel.
  • Schritt 2: Die mit Stockflecken befallene Briefmarke wird gereinigt. Für diesen Schritt benötigen wir einen handelsüblichen Ultraschallreiniger – fragt eure Frau, diese verwendet das Ultraschallgerät zur Reinigung ihres Schmucks. Als Frau wisst ihr ohnehin, wovon ich schreibe. Die Zusammensetzung der Flüssigkeit ist dieselbe wie bei Schritt 1, seien Sie grosszügig. Lassen Sie die Marke ca. 5-10 Minuten durch Ultraschall reinigen. Wundern Sie sich nicht, falls Ihre Marke – insbesondere falls es eine Marke zu 12-, 45-, oder 75 Pfennig sein sollte – während der Behandlung leicht durchscheinend wird. Das ist normal.
  • Schritt 3: Die Reste der von Stockflecken hervogerufenen Verfärbung werden entfernt. Jetzt wird es spannend. Wir benötigen handelsübliches Javelwasser (2.5%), welches wir im Tante Emma-Laden bei den Waschmitteln finden. Ich fülle meinen geringen Bedarf aus der grossen (2 Liter) Flasche mittels eines kleinen Plastiktrichters in ein kleines Glasfläschchen mit Pipette (erhalten wir in der Apotheke). Ich nehme die noch nasse Marke und tröpfle aus der Pipette Javelwasser auf die Verfärbung(en). Dies tötet sämtliche evtl. vorhandenen Bakterien oder Sporen ab. Hinzu kommt ein – leichter, kaum wahrnehmbarer – Bleicheffekt. Circa 1-2 Minuten einziehen lassen, dann unter fliessendem Wasser abspülen. Mit der Lupe prüfen und den Vorgang falls nötig wiederholen. Ihr werdet mit der Zeit Routine entwickeln. Bitte achtet bei der Verwendung von Javelwasser auf gute Durchlüftung des Raums.
  • Schritt 4: Die Marke nochmals mindestens 10 Minuten in klarem Wasser liegen lassen und zwischendurch bewegen. N i c h t  dasselbe Wasser wie für Schritt 1 oder Schritt 2 verwenden. Danach vorsichtig – das Markenpapier ist durchfeuchtet und daher leicht verletzlich – mit der Pinzette aus dem Wasser nehmen und auf ein sauberes, glattes und fettfreies Tuch legen.  Mit einem Kleenex leicht von beiden Seiten abtupfen und warten, bis sich die Markenränder leicht aufstellen. Nun könnt ihr die Marke in ein Trockenbuch legen und für 24-48 Stunden pressen. Nicht vergessen: die Briefmarke vor dem Einsortieren noch gut durchlüften lassen!

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Jetzt denkt ihr sicherlich: „Der Typ spinnt“. So ein Aufwand, nur um Marken zu waschen oder Stockflecken zu entfernen? Vielleicht habt ihr mit dieser Einschätzung  Recht. Gespannt erwarte ich alternativen Vorschläge. Zuvor ein Beispiel nach meiner Methode:

Eine Marke, die an fünf Stellen (vgl. Ringe) von Stockflecken befallen ist. Die Stelle am rechten Markenrand weist bereits einen schwarzen Punkt im Zentrum auf.

Dieselbe Marke nach der unter Schritt 1-4 beschriebenen Behandlung.

Viel Spass beim Ausprobieren.

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Mein Chemielabor

Mein Chemielabor besteht nur aus wenigen Ingredienzien. Dennoch reicht es aus, die im Alltag eines Philatelisten anfallenden Aufgaben ohne Schwierigkeiten zu meistern. Die allermeisten Mittel erhaltet ihr in der örtlichen Apotheke, im Tante Emma-Laden oder im Supermarkt.

Wasser

Kommt in Europa in der Regel aus dem Wasserhahn. Ganz wichtig. Verwendet handwarmes Wasser. Und seid nicht sparsam. Ihr braucht keinen Pool zu füllen, um eine Marke zu waschen, aber ein Petrischälchen ist definitiv zu klein. Denkt daran. Wascht ihr mehrere Marken zugleich, zwischendurch das Wasser wechseln. Ihr werdet euch wundern, wie schnell das Wasser dreckig wird. Prüft vor der Verwendung von Wasser, ob eure Marken Wasser vertragen. Die Marken der 1. und 2. Offenburger Ausgabe haben da kein Problem. Gönnt euren Marken das Bad. Wenn ihr ein Bad nehmt, hüpft ihr ja auch nicht nach fünf Minuten gleich wieder aus der Wanne! Oder?

Spülmittel

Erhaltet ihr im Tante Emma-Laden um die Ecke. Verwendet farbloses Spülmittel ohne Essig- oder Estheranteilen. Nur in minimen Dosen verwenden. Zweck des Spülmittels ist die Brechung der Oberflächenspannung des Wassers. Ein winziges Tröpfchen an eurem Finger im Wasser aufgelöst, ist völlig ausreichend. Ihr wollt doch kein fettiges Geschirr waschen.

Chemisch reines Benzin

Nicht an der Tankstelle, aber in der  Apotheke erhältlich. Wichtig: Immer gekühlt und gut verschlossen (Bakelitverschluss) an einem kühlen Ort, am Besten im Kühlschrank aufbewahren. Verdunstet sonst sehr rasch. Bei der Verwendung immer auf ausreichende Raumbelüftung achten. Chemisch reines Benzin ist in Deutschland auch als Wundbenzin bekannt. Verwendet kein Feuerzeugbenzin und prüft zuvor (Katalog), ob eure Marken ein Benzinbad vertragen. Für Marken der 1. Offenburger Ausgabe der schnellste und günstigste Weg, das Wasserzeichen zu bestimmen. Bei ganz leichtem und nur auf der Gummiseite sichtbaren Befall von Stockflecken verhindert ein Benzinbad die weitere Ausbreitung. ACHTUNG: Gewisse Markensorten, auf sogenanntem Kreidepapier oder mit löslicher Farbe gedruckt, dürfen nicht in Benzin gelegt werden, da sie sich ansonsten verfärben. In der Regel in Katalogen entsprechend gekennzeichnet.

Natron (Natriumhydrogencarbonat)

Im Tante Emma-Laden entweder bei den Backzutaten oder neben Alka-Selzer zu finden. Als Pulver kaufen. Kostet nur kleines Geld und hält ewig. Ist stark basisch und wirkt säureabbauend.

Javelwasser

Im Tante Emma-Laden bei den Waschmitteln zu finden: Französisch: l’eau de Javel(le); Englisch: javelle water, sodium hypochloride. Javelwasser hat einen pH-Wert von >11,4 und ist damit alkalisch resp. basisch. Ein wirksames Mittel gegen Stockflecken und Schimmelbefall. Hat verdünnt eine geringe Bleichwirkung. Bei der Verwendung auf gute Raumdurchlüftung achten.

Briefmarkenablöser

Im Fachgeschäft, resp. Fachhandel erhältlich. Welchen Briefmarkenablöser ihr wählt, überlasse ich euch. Ich habe mit dem Briefmarkenablöser von Lindner Original gute Erfahrungen gemacht. Schenkt den vollmundigen Versprechungen, dass die Gummierung erhalten bliebe, bitte keinen Glauben. Das ist ein schlechter Werbewitz. Der Briefmarkenablöser hilft aber bei der Entfernung einiger sehr, sehr alter Falze (klappt nicht bei jedem Kleber: Uhu, Pattex und einige der sehr alten Knochenleime gehen definitiv nicht). Auch bei selbstklebenden Marken das Mittel meiner Wahl.

Alkohol 70%

In der Apotheke erhältlich. Gekühlt aufbewahren und bei Verwendung auf gute Raumdurchlüftung achten. Ich verwende Alkohol zur Reinigung der Pinzette und sonstigen Zubehörs. N i c h t  direkt mit Briefmarken verwenden, n i c h t  trinken. Normaler Alkohol – z.B. Bier, Wein, Champagner dagegen eignet sich nicht für Briefmarken, aber hervorragend zur Feier von besonderen Neuzugängen in der Sammlung.

Bis dann

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Katalogsammlung (II) – Die Michel-Kataloge

Hallo

Ich konnte unlängst meine Sammlung an Saar-Spezial-Katalogen antiquarisch um zwei weitere Exemplare erweitern, welche ich euch kurz vorstellen möchte.

Da wären einmal der Michel Saar-Spezial-Katalog 2002 und der Michel Handbuch-Katalog Saar 2003. Beide Kataloge haben zwar farbenfroh gestaltete Umschläge, der Inhalt inkl. Abbildungen sind jedoch schwarzweiss gehalten. Zusammen mit dem Michel Handbuch-Katalog 2004 (Abbildung vgl. hier) und dem Michel Saar-Spezial 2017 (Abbildung vgl. hier) sind dies sämtliche, mir bekannten Saar-Kataloge aus dem Schwaneberger-Verlag.

Anhand dieser 15 Jahre umspannenden Katalogausgaben lässt sich gut nachvollziehen, dass sich hinsichtlich neuer Erkenntnisse oder Bewertung der Marken nichts getan hat. Die Abbildungen wurden zwar farbig, aber deswegen nicht korrekter. Desgleichen die Beschreibungen.

Beim der Ausgabe des Saar-Spezial 2017 hat die Michel-Redaktion zwei unterschiedliche Feldmerkmale des 30 Pfennig-Werts (SP25) zu einem Feldmerkmal zusammengefasst, obschon es sich bei den beiden Feldmerkmalen  n i c h t  um Merkmale aus der Negativ- oder Diapositivphase der Druckvorstufe handelt. Konkret: SP25 Feld 59A entspricht Mi. 217 III sowie SP25 Feld 59B entspricht Mi. 217 II wurden neu zu Mi. 217 II, Mi. 217 III enfällt.

Der nächste Neuzugang stammt ebenfalls aus dem Schwaneberger-Verlag.

Der Bildpostkarten- und Motivganzsachen-Katalog Deutschland 1997 ist mir trotz des sperrigen Namens eine geschätzte Hilfe bei der Identifikation von Ganzsachen geworden, bei welchen Bildmotive von Saar-Briefmarken verwendet werden.

Briefmarken-Kataloge gehören neben Pinzette, Lupe und Steckbuch zu den wichtigen Utensilien des Briefmarken-Sammlers. Sie ermöglichen einen Überblick über das eigene Sammelgebiet, geben Anhaltspunkte zu Bewertung von Marken und Belegen, bilden bei Vollständigkeits-Sammlern oft die Basis einer Fehlliste und bieten auch sonst eine Fülle an – leider nicht immer korrekten – Informationen.

Ich bin überzeugt, dass es sinnvoll ist, sich nicht nur auf  e i n e n  Briefmarken-Katalog und damit  e i n e  Sichtweise zu stützen. Gerade für deutsche Briefmarken-Sammler ist dies schwierig, hat der Schwaneberger-Verlag mit seiner Michel-Reihe in Deutschland inzwischen eine Monopolstellung inne. Die anderen Kataloge wie Philex, DNK, Philotax etc. bieten kaum Neues und stellen das System Michel nicht in Frage.

Für das abgeschlossene Sammelgebiet Ausgaben für das Territoire de la Sarre 1946/47 gibt es reelle Alternativen, beispielsweise:

  • Kricheldorf, Deutschland-Kataloge
  • Müller, Deutschland Spezialkatalog
  • End/Becker, Saar-Briefmarken-Spezial-Katalog
  • Paul Staedel, Étude des timbres-poste et oblitérations de la Sarre
  • F.S.A., Saar-Spezial-Katalog
  • Yvert & Tellier, Spezial-Kataloge

Diese Kataloge könnt ihr über die Zeit ergänzen durch:

  • Handbücher, wie das Saarhandbuch
  • Studien zu Teilaspekten des Sammelgebietes
  • Ausschnitte aus Fach-Zeitschriften (auch von ennet der Grenze)
  • sonstige Fachliteratur

So stellt ihr euch um das Grundgerüst des ersten Briefmarken-Kataloges rasch eine kleine aber feine Fachbibliothek zusammen.

Ich empfinde es als sehr hilfreich, sich mit der Sprache und den philatelistischen Gepflogenheiten des jeweiligen Sammelgebietes auseinanderzusetzen. Für die Sammelgebiete Saargebiet 1920-1935, Territoire de la Sarre 1946/47 und Saarland 1948-1956 sowie der Zone d’occupation françaises en Allemagne 1945-1948 hat es für euch sicherlich Vorteile, wenn ihr etwas Französisch versteht und euch mit der französischen Kultur sowie deren Traditionslinien auseinandersetzt.

Bis dann

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Katalogsammlung (I) – Neuzugang F.S.A. 1960

Hallo

Ich konnte unlängst meine Sammlung an Saar-Spezial-Katalogen um ein weiteres Exemplar erweitern, welches ich euch hier vorstellen möchte.

Es handelt sich um ein Exemplar des Catalogue F.S.A. 1960 des Briefmarkenhauses Franco-Sarroise-Allmande im XV. Pariser Arrondissement. Das Briefmarkenhaus F.S.A. hatte sich seit der Gründung  1927 unter anderem auf die Briefmarkenausgaben des Saargebietes spezialisiert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen die Ausgaben der Französischen Besatzungszonen sowie des Saarlandes hinzu. Der Catalogue F.S.A. verwendet das Nummerierungssystem von Yvert & Tellier, das bedeutet, die Werte der 1. Offenburger Ausgabe führen die Nummern 196-215.

Interessant ist dieser Katalog unter anderem, da es sich um einen – wie in Frankreich, Grossbritannien, der Schweiz oder auch den USA üblich – Händler- oder Verkaufskatalog handelt. Was bedeutet das?

Die in Händler- oder Verkaufskatalogen aufgeführten Preisangaben sind keine Mondpreise, die das reale Marktgeschehen ignorieren und nur einem kleinen Klüngel von Profiteuren helfen, den Sammler abzuzocken, wie das beispielsweise bei den deutschen Michel-Katalogen der Fall ist. Verkaufskataloge listen klar die Preise auf, zu welchen ein Kunde die entsprechenden Marken in der beschriebenen Qualität beim Katalogherausgeber, der gleichzeitig Händler ist, erwerben kann.

Unter dieser Prämisse, aber auch nur unter dieser, ergibt es Sinn, Kataloge jährlich oder sogar häufiger zu aktualisieren. Bei Mondpreiskatalogen kann der Sammler abgeschlossener Sammelgebiete, wie des Saargebiets, Sardiniens und selbstverständlich auch des Territoire de la Sarre, sein Exemplar bedenkenlos 10 Jahre oder länger verwenden. Eine Erneuerung desselben braucht nur ins Auge gefasst zu werden, sollten neue Erkenntnisse zum Sammelgebiet, neue Abarten, neue Forschungsergebnisse etc. im Katalog aufgenommen werden. Die von Katalogherstellern so häufig händeringend als Kaufargument beschworenen „Preisbewegungen“ kann der Sammler getrost ignorieren, resp. aus der Fachpresse in sein Katalog-Exemplar übertragen. Eine Verwendungsdauer von über 10 Jahren für einen Katalog ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Im Hause Schwaneberger war für Saar-Sammler – bitte festhalten – 1 3   J a h r e  lang der Michel Handbuch-Katalog Saar 2004 das Mass aller Dinge.

Dieser wurde erst 2017 durch den Michel Saar-Spezial 2017 abgelöst. Ich bin gespannt, wann beim Schwaneberger-Verlag die nächste Überarbeitung folgt.

Was kostete 1960 ein kompletter Satz der 1. Offenburger Ausgabe? In postfrischer Erhaltung 2,50 Nouveaux Francs (entsprach etwa SFr. 2,80 oder DM 2,25) und gestempelt 4,00 Nouveaux Francs. Der Katalog ist in dieser Hinsicht auch ein Zeitdokument. Frankreich hatte zum 1. Januar 1960 im Zuge einer Währungsabwertung die Einführung des neuen Französischen Francs zu 100 alten Französischen Francs (Ancient Francs) beschlossen.

Soviel zu dem Neuzugang in meiner Katalogsammlung Saarland. Habt ihr hierzu Fragen? Kontaktiert mich via Facebook.

Bis dann

Grundwissen Philatelie (VI) – Bestimmung des Zähnungsmasses

Hallo

Welches Zähnungsmass haben die Marken der Freimarkenserie Berufe und Ansichten aus dem Saarla? Diese Frage kann mit Hilfe eines einschlägigen Briefmarkenkataloges rasch beantwortet werden. Das Zähnungsmass, auch als Zähnungszahl oder Zähnungsgrad bezeichnet, ist 14 x 14 (auch 14:14). In einigen Katalogen findet sich auch verkürzt K14, wobei das „K“ für Kammzähnung steht.

  • Doch was bedeutet dieses Zähnungsmass?
  • Wie messen wir es?
  • Wieso sollten wir Sammler uns damit beschäftigen?

Die ersten Briefmarken, die Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegeben wurden, wiesen noch keine Perforation, keine heute für Briefmarken typischen „Zähne“ auf. Diese ersten Briefmarken wurden vom Postbeamten mit der Schere aus dem Schalterbogen geschnitten. In Geschäften und Unternehmen, die häufig ganze Bogen oder Bogenteile bei der Post kauften, war hierfür ein Mitarbeiter zuständig.

One Penny Black von 1840. Dieses Exemplar wurde mit einem ungewöhnlich gleichmässigen Rand aus dem Bogen geschnitten. (Sammlung Projekt Saarphilatelie.com)

In Grossbritannien wurde schon wenige Jahre nach Ausgabe der ersten Briefmarken darüber nachgedacht, wie man die einzelnen Marken einfacher als mit der Schere aus dem Schalterbogen trennen könnte. Zuerst experimentierte man mit rotierenden Messerchen, die in gerader Linie und in regelmässigen Abständen zwischen den einzelnen Marken kleine Schnitte ins Papier stachen. Das Durchstechen (frz. la perçage, engl. rouletting) war eine Verbesserung führte aber häufig zu Rissen in den Marken, weshalb weiterhin zur Schere gegriffen wurde. Nur schnitt man nun entlang der Durchstiche.

Die zündende Idee war die regelmässige Entfernung von Papier durch geschärfte Lochstifte. Sie alle kennen wahrscheinlich die Revolver-Lochzange, mit deren unterschiedlich grossen Lochstiften ein zusätzliches Loch in den Gürtel gestanzt werden kann, wenn das Essen im Urlaub wieder einmal zu üppig ausfiel.

© Diktum GmbH

Mittels solcher Lochstifte, in gleichmässigen Abständen als Kamm auf eine Leiste oder als Kreuzkamm auf ein Gitter montiert – für die verschiedenen Varianten klicken Sie hier, wurden die Schalterbögen nach dem Druck zwischen den Markenbildern gelocht. Der Philatelist spricht von Perforation. Im Gegensatz zum Durchstich mittels Messer, wurde bei der Lochung – denken Sie ans Lochen von Papier vor dem Abheften im Ordner – Papiermaterial entfernt, was die Trennung der Marken – immer noch ein Zerreissen von Papier, nur weniger – aus dem Bogen sehr vereinfachte. Die Briefmarken waren zu ihren Zähnen gekommen.

One Penny Red von 1855 (Sammlung Projekt Saarphilatelie.com)

Schnell fand man heraus, dass eine Lochung mit weitem Abstand zwischen den einzelnen Löchern zu unbefriedigenden Ergebnissen führte, da immer noch viel Papier zu zerreissen war. Ebenso wurde die Verwendung von Lochstiften mit grossem Durchmesser schnell aufgegeben. Kleine Löcher, dafür eng beieinander erbrachten die besten Resultate.

Die Kennzahl, die uns angibt, wie eng die einzelnen Perforationslöcher angebracht wurden, ist das Zähnungsmass. Es wird berechnet als die Anzahl Zähnungslöcher pro 2 Zentimeter. Konkretes Beispiel: Der 1 Mark-Wert der Berufe und Ansichten aus dem Saarland mit dem Bildmotiv Saarschleife bei Mettlach ist 22,5 Millimeter hoch und knapp 41 Millimeter breit. Wir zählen 17 auf 29 Zähnungslöcher. Auf 2 Zentimeter gerechnet, ergibt dies 14 x 14 (Breite x Länge). Auf den vorstehenden Absatz angewandt gilt bis zu einem gewissen Grad: je höher das Zähnungsmass ist, desto leichter lassen sich die Briefmarken voneinander trennen.

Das Zähnungsmass ist nicht in allen Fällen auf allen Seiten der Briefmarke gleich: Es kommt durchaus vor, dass die waagerechten Seiten mit 14 ¾ gezähnt sind und die senkrechten Seiten mit 14. Diese unsymmetrische Zähnung wird in der Literatur mit 14¾ x 14 (auch 14¾:14) wiedergegeben. Es gibt auch Briefmarkenausgaben, die im Verlauf der Gültigkeit ein- oder mehrmals nachgedruckt wurden und dabei eine unterschiedliche Perforation erhielten. Dies kann sich – je nach Seltenheit der einzelnen Zähnungsmasse – rasch im monetären Wert der Marke niederschlagen.

Nun können wir zwar das Zähnungsmass berechnen; die einen im Kopf, die anderen mit Taschenrechner. Wir müssen es aber nicht. Es gibt viel interessantes Zubehör, welches uns diese Rechenarbeit abnimmt und in einigen Fällen auch Zusatznutzen bietet. Und dies sogar für kleines Geld.

Dieses Zubehör ist der Zähnungsschlüssel (frz. odontomètre, engl. perforation gauge, perforation tester). Ein einfaches Gerät, welches uns Sammler über optische, optisch-mechanische oder sogar digitale Ansätze das Rechnen abnimmt. Klingt gut? Ist es auch.

Von oben nach unten: Die einfachen Zähnungsschlüssel von Leuchtturm, Lindner und Saarphila. Letztere ist in der jeweils aktuellen Version besonders praktisch, da auf der Rückseite des gratis abgegebenen Zähnungsschlüssels der für Saar-Sammler wichtige Auktionskalender dieses Briefmarkenhauses aufgedruckt ist.

All diesen Zähnungsschlüsseln ist gemeinsam, dass wir zur Bestimmung des Zähnungsmasses unsere Briefmarke solange auf den ausschliesslich optisch wiedergegebenen Zähnungen auflegen müssen, bis wir eine genaue Übereinstimmung erhalten. Sie merken schon: diese Methode ist schnell und günstig, aber auch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.

WICHTIG: Für die Messung von Marken auf philatelistischen Belegen sind im Fachhandel transparente Varianten des Zähnungsschlüssels erhältlich.

Ein optisch-mechanisches Zubehör ist die Phila Combi-Box aus dem Haus Lindner.

Dieses Zubehör vereinigt den Zähnungsschlüssel mit einer Schale für die Wasserzeichensuche mittels chemisch reinem Benzin. Bei der Phila Combi-Box sind die Zähnungslöcher nicht nur aufgezeichnet, sondern als kleine Stifte ausgeführt. So findet ihr durch vorsichtiges Anlegen der Briefmarke rasch das korrekte Zähnungsmass. Wie das aussieht? Seht selbst.

Was wir benötigen: Phila Combi Box, Briefmarke, Pinzette
Die Marke – vorsichtig – mit der Pinzette den Zähnungsschlüssel entlangfahren, bis Stifte und Zähnung exakt zusammenpassen.
Zähnungsmass 14, was messe ich überhaupt … steht doch schon oben auf der Marke, oder?

Ich persönlich erachte die computergestützten Varianten des Zähnungsschlüssels für sehr praktisch, da sich das sehr genaue Ergebnis der Messung speichern und ausdrucken lässt. Alles, was es zur Zähnungsbestimmung braucht, ist ein Scan oder ein Foto unserer Briefmarke.

Für das weit verbreitete Betriebssystem Microsoft Windows gibt es den PERFOMaster 3000 aus dem Haus Buxsoft. Dieses arbeitet unter der steinzeitlichen Version Windows XP genauso wie unter Windows 7, aber genauso tadellos unter Windows 10.

Für Mac OS X sowie iOS gibt es die Applikation Stamp Analyser des Entwicklers Rakium Inc. aus den USA. Neben dem Zähnungsmass ermittelt diese Software auch noch den – in den USA sehr entscheidenden – „Grade“ (Zentrierung) der Briefmarke. Besitzer eines iPhones können mittels der integrierten Kamera die Aufnahme einer Briefmarke direkt in die Software einlesen und analysieren. Die App erkennt auch selbständig die Skalierung der Abbildung, kann damit in der Regel auch auf Angebote aus ebay, Delcampe & Co. angewendet werden. Für mich ein Muss für alle Philatelisten.

Schaut euch bitte die Ergebnisse der beiden softwarebasierten Lösungen genau an. Ihr werdet feststellen, dass das Zähnungsmass einer gewissen Bandbreite unterworfen ist. Ich habe für die Messungen unter beiden Systemen denselben Scan derselben Briefmarke verwendet. Die Variation resp. die kleinen Abweichungen des Ergebnisses sind völlig normal. Das Zähnungsmass bleibt 14×14.

Wofür benötigen wir nun diese Messzahl Zähnungsgrad? Zur Erkennung von seltenen Abarten und unerwünschten Fälschungen. Bei der Perforation und der Zähnung einer Briefmarke gibt es viele Ansätze, um aus einer häufigen, günstig zu erwerbenden Marke, eine seltene, gesuchte und damit teurere Marke zu „basteln“. Oft werden Briefmarken mit schlechter, beschädigter Zähnung nachgezähnt. Dies bedeutet, dass die Zähnung repariert wird und für Otto-Normalsammler wie eine unbehandelte Zähnung aussieht. Es gibt jedoch auch Fälle, wo skrupellose Fälscher durch Anbringung eines anderen Zähnungsgrades als des ursprünglich vorhandenen, selten vorkommende Mischzähnungen herstellen.

In all diesen Fällen helfen uns Zähnungsschlüssel. Ihr könnt euch sicherlich gut vorstellen, dass auf Briefmarkenbörsen oder -messen die rasche und unkomplizierte Bestimmung des Zähnungsgrades und der Dimensionen einer Briefmarke über die Kamerafunktion eines Smartphones viel Geld wert sein kann.

Bis dann

Grundwissen Philatelie (III) – Wie nützlich ist ein Koordinatensystem für Briefmarken?

Mein Landsmann Carl Hilty hat einmal gesagt: „Der einzige Weg, auf welchem wahre Kenntnis erreicht werden kann, ist durch liebevolles Studium.“

Ich sage: „Ich stehe auf den Schultern von Titanen, die mich an ihrem Wissen teilhaben liessen. Sie stellten mir nur eine Bedingung: ‚Gib Dein erworbene Wissen freigiebig weiter ohne je etwas dafür zu verlangen, so wie wir nichts von Dir verlangen. Halte Dich daran und nicht nur Dein Wissen, sondern auch Du wirst wachsen und eines Tages vielleicht selbst ein Titan werden.'“

Hallo

Im Beitrag Aktuell bei ebay habe ich anhand eines konkreten Beispiels zeigen können, dass Feldmerkmale von Briefmarken präzise beschrieben werden sollten, um Missverständnissen vorzubeugen. Im selben Beitrag habe ich die Koordinaten eines Druckbogens der Originalausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland vorgestellt: Druckbogen mit zwei Schalterbögen (A-Bogen und B-Bogen) aufgeteilt in jeweils 100 resp. bei den beiden grossformatigen Werten 50 Bogenfelder, woraus sich sozusagen die Hausnummer einer Briefmarke ergibt.

Spinnen wir heute den Gedanken Koordinatensystem einmal etwas weiter, denn die Bogenfelder allein helfen uns – wie wir gesehen haben – nicht in jedem Fall weiter. Bei dem besprochenen Ami Faux (50 Pfennig-Wert, SP28 Feld 70A zu Feld 20AB) definitiv nicht. Wir sehen ja beim Händler, auf der Messe oder auf ebay eine Marke nicht an ihrem Platz im Schalterbogen. Was wir sehen, ist meist eine einzelne Marke, ein Markenpaar, ein Viererblock ohne die zugehörige Hausnummer.

Können uns Koordinaten dennoch bei unserer Suche nach bestimmten Abweichungen vom gewünschten Markenbild helfen? Falls ja, wie müsste ein solches Koordinatensystem beschaffen sein? Und wie käme es in der Praxis zum Einsatz? Heute werden wir uns erstmals mit der äusserst umfangreichen Thematik Briefmarken-Zubehör beschäftigen.

Wir beschränkten unsere Suche nach einem passenden Hilfsmittel nicht ausschliesslich auf die Schweiz, sondern werfen auch einen Blick über die Grenzen auf das Mutterland aller Briefmarken, nach Grossbritannien. Grossbritannien und die Schweiz sind die Länder mit der weltweit längsten Briefmarkengeschichte. In beiden Ländern werden Marken mit Feldmerkmalen oder anderen spezifischen Eigenschaften gesammelt, ge- und verkauft sowie getauscht.

Was ist unser Ziel? Die Kommunikation zwischen Käufer und Verkäufer sollte klar sein, bei Vertragsabschluss Einverständnis herrschen, sonst sind Probleme vorprogrammiert. Im Ladengeschäft, auf der Briefmarkenbörse, auf dem Flohmarkt können beide Parteien miteinander reden. Dieser direkte Kommunikationskanal entfällt, wenn die philatelistische Transaktion wie so häufig über eine Internetplattform abgewickelt wird. Die Möglichkeit, den Verkäufer über die meist gebotenen Kontaktfunktionen anzusprechen, wird meist nicht genutzt. Das Internet mit seinen diversen Plattformen sowie den Onlineshops der unzähligen Briefmarkenhändler dürfte geschätzte 85% der weltweiten Umsätze im Briefmarkenhandel generieren – auch wenn die hier erzielten Preise, selbst bei qualitativ einwandfreien und kompetent geprüften Stücken offensichtlich bei den Marken-Bewertungen von einigen Katalogherausgebern komplett ignoriert werden. Jedem seine Insel, sage ich da, in Anlehnung an einen Romantitel von Johannes Mario Simmel. Über den grossen Anteil des Internets am gesamten Briefmarkenhandel sind sich die allermeisten Beobachter im deutschsprachigen Raum mit ihren Kollegen aus dem frankophonen, anglophonen und sinophonen Raum einig. Diskutiert wird schlussendlich nur noch über die Grössenordnung, also ob der Anteil nicht bereits über 90% beträgt.

Zurück zu den Koordinaten und Lösungsansätzen in Grossbritannien und der Schweiz. Aus Grossbritannien stammt ein ausgereift wirkendes Zubehör im Zusammenhang mit der Verortung von Feldmerkmalen: der Thirkell Position Finder aus dem Traditionshaus Stanley Gibbons. Eine preiswerte Schablone aus stabilem, glasklarem Plastik mit X/Y-Koordinatensystem (Zahlen/Buchstaben) und zusätzlicher Millimeterskala, die über die Briefmarke gelegt wird. Die Schablone kommt mit einer kurzen Benutzungsanleitung. Die Zeichnungen sind so selbsterklärend, dass ihr keine Schwierigkeiten bei der Anwendung haben solltet, selbst falls ihr der englischen Sprache nicht mächtig seid.

Konkurrenz erhält der Thirkell aus dem – immerhin bereits 113 Jahre bestehenden – Hause Zumstein, bekannt für seine Schweiz-Kataloge. Von Zumstein stammt der Abartensucher, eine dünne quadratische Plastikfolie, die über die zu bestimmende oder zu durchsuchende Briefmarke gelegt wird. Das X/Y-Koordinatensystem wie auch die Anwendung entspricht dem des Thirkell, jedoch lässt der Zumstein auf der Y-Achse den Buchstaben „I“ aus.

Lakmustest: Wird die Bestimmung von Feldmerkmalen durch dieses Zubehör einfacher? Vereinfacht es die Kommunikation zwischen Verkäufern und Käufern auf Distanz? Wir werden es mit bereits bekannten im Michel-Katalog unter römisch II katalogisierten Merkmal des Feldes 20AB des 50 Pfennig-Wertes der 1. Offenburger Ausgabe ausprobieren.

Nachstehend erst die Briefmarke – das gesuchte Feldmerkmal ist der waagerechte Farbstrich im Abschwung des S von SAAR, erinnern Sie sich? Danach die Scans der Marke mit aufgelegtem Koordinatennetz der Positionsfinder.

Bei beiden Hilfsmitteln ist das Feldmerkmal am linken oberen Rand von H2 zu finden. Für alle von euch, deren Mathematikunterricht wie bei mir schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt:

H = Position auf der senkrechten Y-Achse, 2 = Position auf der waagerechten X-Achse des Koordinatennetzes.

Eine mögliche Beschreibung könnte also lauten: „Kurzer waagerechter Farbstrich über S von SAAR bei H2.“ Das schliesst eine Verwechslung mit dem Amis Faux von Feld 70A schon einmal aus, denn dieses würde in der Mitte von G2 zu liegen kommen. Dazu gibt es an dieser Stelle keine Abbildung … ich hatte bereits Probleme, saubere Scans mit den Positionsfindern über der Marke anzufertigen, die Marke ist immer wieder verrutscht! Macht nichts! Die vorstehende Beschreibung ist auch wesentlich kürzer als die von mir vorgeschlagene im Beitrag Aktuell bei ebay . Doch bleibt die Beschreibung auch so simple, wenn das zu beschreibende Merkmal unter einer der Linien oder sogar einem Kreuzungspunkt von Linien zu liegen kommt? Nein! Die Beschreibung wird wieder sehr komplex.

Die Linien des Thirkell sind stärker als die des Abartensuchers, dafür – ein wenig ist es auf dem Scan mit dem Abartensucher zu erkennen – verschmiert man bei Verwendung die schwarze Farbe schnell. Landet zwar nicht auf der Marke, sondern auf den Fingern. Dagegen hilft Seife. Dennoch ein Makel. Falls ihr euch einen Abartensucher von Zumstein zulegen möchtet, bestellt sinnvollerweise gleich 2 oder 3 Stück.

Quintessenz: Die Hilfsmittel von Stanley Gibbons und Zumstein können mich nicht wirklich überzeugen. Obschon das Konzept durch seine einfache Handhabung und die offensichtlich gewollte Übereinstimmung in der Koordinatengestaltung besticht, ist die Linienstärke der Schablonen zu dick, um im Alltag wirklich zu helfen. Das grösste Manko: Kein mir bekannter Katalog listet derzeit Koordinaten für Abweichungen des Markenbildes. Mit diesem Mangel bleiben die beiden Tools nettes Spielzeug, aber ohne grosse Verwendbarkeit im philatelistischen Alltag.

Die einfachste und sicherste Lösung für die Beschreibung von Feldmerkmalen sind und bleiben saubere Abbildungen mit Hinweis auf das Merkmal oder die Abweichungen. Abbildungen en gros machen einen gedruckten Katalog umfangreich, was sich wiederum im Preis niederschlägt (vgl. den Philotax).

Weiterhin sind präzise Beschreibungen ein unverzichtbares Muss. Diese sollten sich hinsichtlich der Wortwahl an bestimmten allgemein verbindlichen Leitplanken orientieren. In schwierigen Fällen könnten die Beschreibungen durch ein Millimeter-Koordinatensystem ergänzt werden, welches dem Sammler exakt angibt, wo er das Feldmerkmal findet. Präzise Beschreibungen nehmen in gedruckten Katalogen ebenfalls Platz ein, was – wenn einmal umgesetzt – sich ebenfalls im Preis für den Katalog niederschlagen würde.

Was jedoch sind die einmaligen zusätzlichen Kosten im Vergleich zur eingesparten Zeit und dem durch weniger Fehlkäufe eingesparten Geld?

Bei den uns heute zur Verfügung stehenden Informationen, Darstellungsmöglichkeiten und Distributionskanälen hat sich ein Konzept der Wissensvermittlung überlebt: Teure Kataloge, die nichts weiter bieten als verschwurbelte, unverständliche und nicht nachvollziehbare Beschreibungen ohne erläuternde oder mit schlicht falschen Abbildungen, die über Jahre hinweg nicht aktualisiert/korrigiert werden. Wer in einem sich ständig veränderndem Umfeld nicht flexibel agiert, der wird verschwinden … das gilt insbesondere für „Dinosaurier“.

Seid ihr unsicher, ob es sich bei der vor euch liegenden oder auf dem Bildschirm angezeigten Marke der 1. Offenburger Ausgabe um einen im Michel gelisteten „Plattenfehler“ (sic!) handelt? Ihr könnt mir gerne ein E-Mail mit einem aussagekräftigen Scan zusenden. Ich beantworte Anfragen in der Regel innerhalb von 24 Stunden (vielleicht nicht gerade an den bevorstehenden Festtagen). Es entstehen euch keine Kosten. Weshalb nicht? Lest mein Zitat am Anfang des heutigen Beitrags.

Die Philatelie ist nicht tot, obschon manche Journalisten und Vereinshuber nicht müde werden, in ihren Beiträgen das Ende heraufzubeschwören. Vielleicht wird die Philatelie, wie sie bislang betrieben wurde, in wenigen Jahren nicht mehr sein, als eine blasse Erinnerung. Doch die Philatelie lebt weiter, dafür sind die Millionen von Sammlern, die weltweit Jahr für Jahr einen niedrigen dreistelligen €-Milliardenbetrag für ihr Hobby ausgeben, viel zu lebendig. Wir Menschen sind alle kleine Sammler und Schatzsucher. Dennoch lässt sich nicht leugnen: Die Philatelie ist heute einem ständigen und raschen Wandel unterworfen. Doch wir Sammler sind flexibel, sehr flexibel und erfindungsreich, wenn es um unsere Freizeitbeschäftigung geht. Althergebrachte Strukturen können sich häufig nicht einfach so anpassen. Dort wirken oft mächtige Beharrungskräfte. Es geht um Pfründe, Geld und Einfluss. Wo verkrustete Strukturen langsam zur Bewegungslosigkeit erstarren, suchen wir beweglichen Sammler uns andere, neue Wege. Denn: „Rückwärts gewandt lässt sich schlecht voran schreiten.“ Das wird dann das Thema eines weiteren Beitrags werden.

Bis dann