Fotorealistische Bildmotive der Offenburger Ausgaben

Hallo

Bei der Vorstellung der Werte zu 60, 75 sowie 80 Pfennig der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland habe ich jeweils geschrieben, das Bildmotiv Alter Turm in Mettlach sei vom Gestalter Vytautas Kazimieras Jonynas fotorealistisch dargestellt worden.

Diese Aussage gilt ebenfalls für die Bildmotive der Werte zu 84 Pfennig und 1 Mark: ersterer zeigt das Denkmal für Maréchal Ney in Saarlouis, letzterer – wie ihr aus den Beiträgen zu den Bildmotive (I) wisst – die Saarschleife bei Mettlach.

Die Aussage wollte ich bei einem Ortstermin im Saarland auf die Probe stellen. Diejenigen unter euch, welche dem Projekt Saarphilatelie.com auch auf Facebook folgen, profitierten während des Ortstermins vom 28. Mai bis 3. Juni 2019 von den laufend über diesen Kommunikationskanal des Projekts veröffentlichen Beiträgen.

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Beginnen wir mit dem spannenden Bildmotiv Alter Turm in Mettlach.

Der heute etwa 100jährige Götterbaum im Vordergrund, ist gegenüber dem Bildmotiv enorm gewachsen und verändert die Proportionen des Bildaufbaus. Um das Zeltdach des Gebäudes aus dem selben Winkel zu fotografieren, wie auf der Briefmarke dargestellt, hätte ich mit auf eine hohe Leiter stellen müssen … und das bei meiner Höhenangst.

Der Alte Turm ziert nicht nur die Marken der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland, sondern ebenfalls einige Marken des Saargebietes (vgl. hier).

Auch zwei Marken der Ausgabe Bilder aus Industrie, Handel, Landwirtschaft und Kultur des souveränen Saarlandes zeigen den Alten Turm zusammen mit Produkten der bekannten Steingutfabrik Villeroy & Boch:

    • 12 Pfennig von 1949
    • 18 Pfennig von 1951

Schlussendlich ist der Alte Turm auch auf dem 1953 verausgabten 6 Franken-Wert der Briefmarkenserie Ansichten aus dem Saarland zu finden (vgl. auch den letzten Abschnitt dieses Beitrags).

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Das nächste Bildmotiv ist das Denkmal für Maréchal Ney in Saarlouis.

Die Ähnlichkeit zwischen Original und Bildmotiv ist offensichtlich. Ebenso offensichtlich ist jedoch auch, dass Jonynas künstlerische Freiheit nutzte und bei Gesicht und Pose vom Original abwich.

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Das nächste Bildmotiv ist die Saarschleife bei Mettlach. Dass Vytautas Kazimieras Jonynas 1946 selbst nicht auf der Cloef oberhalb des Scheitels der Saarschleife war, sondern als Vorlage für seinen Entwurf eine Ansichtskarte mit einer Abbildung der Saarschleife aus den späten 1920er-Jahren verwendete, habe ich in diesem Blog bereits zweifelsfrei nachgewiesen (vgl. hier und hier).

SP33, 1. Offenburger Ausgabe
SP46, 2. Offenburger Ausgabe

Einmal am Aussichtspunkt Cloef angekommen habe ich weitere Aufnahmen gemacht, um diese mit dem Bildmotiv der beiden 30 Pfennig-Werte der 1. Pariser Ausgabe (auch 1. Vaugirard Ausgabe oder Landschaftsbilder I) des Saargebiets von 1921 in Deckung zu bringen.

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Der 5 Pfennig-Wert der Ausgabe 1. Pariser Ausgabe zeigt ebenfalls die Saarschleife, jedoch ist die Perspektive eine andere: es ist der Blick vom rechten Saarufer etwa bei der Anlegestelle der Saarfähre Welles auf die Einmündung des Steinbachs in die Saar und das dort stehende Haus Becker am linken Saarufer (auf der obigen Aufnahme die helle Einbuchtung im Wald am rechten Bildrand).

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Ab dem 1. April 1948 kamen die Werte der Briefmarkenausgabe Wiederaufbau des Saarlandes an die saarländischen Postschalter. Diese Serie löste die Werte des Malstatt-Burbacher Drucks, der Überdruckausgabe der Serie Berufe und Ansichten aus dem Saarland, ab. Die Serie Wiederaufbau des Saarlandes umfasste drei separate Luftpostmarken zu 25, 50 und 200 Franken, die als Bildmotiv jeweils einen Flugzeugschatten über der Saarschleife zeigen.

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Ein weiteres Bildmotiv einer Saarbriefmarke ist nicht weit von der Saarschleife und Mettlach entfernt: die Mettlacher Saarbrücke. Bildmotiv des 1953 verausgabten 6 Franken-Werts der Briefmarkenausgabe Ansichten aus dem Saarland.

Auch auf dem Bild (links von der Bildmitte): Der Alte Turm und die ehemalige Benediktinerabtei Mettlach, seit der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Verwaltungssitz der bekannten Steingutfabrik Villeroy & Boch.

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Die ehemalige Benediktinerabtei Mettlach ist Bildmotiv einiger Briefmarken des Saargebietes:

    • Landschaftsbilder I: 3 Mark
    • Landschaftsbilder II: 1 Franken
    • Landschaftsbilder III: 40 Centime
    • Landschaftsbilder III: 75 Centime
    • Landschaftsbilder IV: 75 Centime

Bereits während des Ortstermins habe ich erkannt, dass die Bildmotive zwar in allen Fällen noch vorhanden sind, jedoch einige Faktoren die Ablichtung derselben in Übereinstimmung mit den Briefmarkenmotiven erschweren:

    • diverse Renaturierungsmassnahmen und der Bau der Mettlacher Schleuse als Ersatz für das zuvor an gleicher Stelle befindliche Stauwehr haben den Wasserpegel und den Lauf der Saar geändert
    • die Landzunge innerhalb der Saarschleife wird heute – im Gegensatz zu früher – kaum noch forstwirtschaftlich, sondern touristisch genutzt; das hat ihr Aussehen verändert
    • gewisse Orte (Blickwinkel) sind heute nicht mehr ohne weiteres zugänglich oder komplett verbaut
    • die Gestalter der Bildmotive haben definitiv ihre künstlerische Freiheit genutzt
    • meine fotografischen Fähigkeiten sind begrenzt

Bis dann

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Basiswissen Philatelie (XIV) – Fälschungen

Hallo

Ab und an stosse ich auf eine Briefmarke, die auf den ersten Blick ganz normal wirkt, aber bei welcher mich irgendetwas stört. Neugierig geworden, zücke ich dann die hoch vergrössernde Lupe.

Häufig stellt sich die „Störung“ dann als eine interessante Druckzufälligkeit heraus. Manchmal jedoch auch als eine Fälschung.

Gefälscht wird bekanntlich alles, was wertvoll ist oder dem Fälscher mit geringem Aufwand einen hohen Profit verspricht. Briefmarken sind seit ihrer Einführung im Jahr 1840 im Visier begabter oder weniger begabter Fälscher. Illustre Namen kommen mir hierbei in den Sinn:

Bei den Marken der 1. Offenburger Ausgabe auf eine Fälschung zu stossen, die Gefahr ist zumindest bei ungebrauchten Marken eher gering. Weshalb? Sämtliche Werte dieser Ausgabe sind – auch heute noch – in hoher Menge und guter Qualität zu moderaten Preisen auf dem Markt verfügbar. Darüber hinaus bieten selbst die Phantasiebewertungen des Michel-Katalogs für die Werte der 1. Offenburger Ausgabe keinen Anreiz, grossen Aufwand zu betreiben. Zumindest clevere Fälscher können kalkulieren.

Die Situation bei gestempelten Werten, Briefstücken und Belegen aus dieser Zeit ist dagegen nicht so rosig. Leider gelangten echte Poststempel auf unbekanntem Weg in Privathand und es ist naheliegend, dass diese Stempel nicht unbenutzt in einer Vitrine schlummern. Zu den Stempeln, die aus diesem Grund nicht mehr geprüft werden, gehören:

    • Saarwellingen (a)
    • Völklingen (a)

Profi Tipp an euch: Finger weg von sämtlichen gestempelten Marken des 75 Pfennig-Werts mit Wasserzeichen fallende Wellenlinien, soweit diese nicht aktuell, also nach 2010 geprüft wurden. Ich habe selbst einige Exemplare dieser Marke in meiner Sammlung. Mit Teilstempel, mit nicht identifizierbarem Stempel etc. Für diese gelten die Bewertungen in den Michel-Katalogen nicht! Um es ganz klar zu sagen: Eine gestempelte 75 Pfennig-Marke mit Wasserzeichen fallende Wellenlinien ist selten (Frankatur für Auslands-Briefe). Die hohe Bewertung im Michel trifft – wenn überhaupt – auf:

    • perfekt zentrierte
    • perfekt perforierte
    • makellose
    • farbfrische und
    • identifizierbar (Ort, Datum) gestempelte

Exemplare zu, wobei der Stempel nicht einmal einen Hauch einer Verschmierung aufweisen darf. Marken, die nur einer dieser hohen Anforderungen nicht genügen, dürften im Bereich um Euro 20,00 notieren.

So, genug der Vorrede. Ich werde euch nun drei „Fälschungen“ vorstellen.

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Die vorstehende Abbildung zeigt eine 3 Pfennig mit schönem Stempelabschlag aus St. Wendel (Saar). Ein Vergleich mit meiner Stempeldatenbank zeigt, dass es sich um den Stempel „f“ handeln sollte. Dies können wir gut an dem weiten Abstand zwischen dem „L“ und der „(“ erkennen.

Vergleichsmarke aus Stempeldatenbank saarphilatelie.com

Was bei der ersten Abbildung nicht passt ist das Datum der Abstempelung. Die 20 Werte der 1. Offenburger Ausgabe waren nur bis zum 27. November 1947 gültig. Der Stempelabschlag ist jedoch eindeutig von 1948. In diesem Fall gehe ich jedoch nicht von einer Fälschung aus. Die nicht verkauften Marken des 3 Pfennig-Wertes sowie die 3 Pfennig-Werte der bereits bestellten Neuauflage – aus der eine Neuausgabe wurde – wurden im Zuge der Währungsreform vom November 1947 in der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei mit der Wertangabe 60 cent. überdruckt. Diese Marken des Malstatt-Burbacher Drucks besassen bis zum 1. April 1948 Gültigkeit (offiziell ausser Kurs gesetzt wurden sie mit dem 31. Mai 1948). Es ist gut vorstellbar, dass der stempelnde Postbeamte die 3 Pfennig-Marke der Originalausgabe für eine Marke zu 60 cent. des Malstatt-Burbacher Drucks gehalten hat.

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Die Abbildung zeigt eine Fälschung, wobei der oder die Fälscher sehr plump vorgegangen sind. Vierstellige Postleitzahlen wurden erst am 23. März 1962 in Deutschland eingeführt. Darüber hinaus liegt 7108 Möckmühl in Württemberg und nicht im Saarland.

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Bei dieser Marke wurde das (SAAR) im Stempel Dillingen prominent platziert. Das Datum blieb jedoch leserlich. Im November 1953 lag sicherlich keine Verwechslung durch einen Postbeamten mehr vor.

Bis dann

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Basiswissen Philatelie (XIII) – Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks

Hallo

Ich hatte in meinem Beitrag vom 11. November angekündigt, die im Saarphilatelie-Blog© schon häufig erwähnte Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks aus dem Jahr 1934 vorzustellen.

Fragt ihr euch soeben, was eine Bildpostkartenserie aus der Zeit des Dritten Reiches mit den Briefmarkenausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland zu tun hat?

Die Gedankengänge der verantwortlichen Personen, die Anordnungen und die Vorgänge, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu eigenständigen Ausgaben von Briefmarken für das Saarland führten, werden verständlicher, sobald diese vor ihrem geschichtlichen und sozio-ökonomischen Hintergrund betrachtet werden. Zu diesem Hintergrund zähle ich u.a. das Ende des Ersten Weltkrieges, den Versailler Vertrag und seine Folgen für alle Vertragsparteien, die Weltwirtschaftskrise, die intensive Propaganda im Vorfeld der Saarabstimmung (Volksentscheid) vom 13. Januar 1935 sowie die Folgen dieses Entscheides für die Saarländer und das Saargebiet.

Es gibt auch philatelistische Gründe. Einerseits haben wir gesehen, dass eine der Postkarten dieser Bildpostkartenserie für den Gestalter der Bildmotive der Berufe und Ansichten aus dem Saarland Vytautas Kazimieras Jonynas die Vorlage für das Bildmotiv des 1 Mark-Wertes Saarschleife bei Mettlach bildete (vgl. hier, hier und hier). Doch auch zwei weitere Motive aus der Bildpostkartenserie fanden Eingang in die Bildmotive der Saarbriefmarken, wenn auch erst in den Jahren 1950 resp. 1956. Der Vollständigkeit halber: Einige Motive finden sich auch auf Briefmarken der Volkshilfe-Ausgaben des Saargebietes.

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Ich möchte zu Beginn auf die so harmlos klingende Organisation Saar-Hilfswerk eingehen. Heute würden wir hinter einer solchen Bezeichnung wahrscheinlich eine karitative aber sicherlich gemeinnützige Institution vermuten. Weit gefehlt! Das Saar-Hilfswerk war eine im Jahr 1934 vom Saarbevollmächtigten (1) des Dritten Reiches gegründete, nach dem Führerprinzip aufgebaute, nationalsozialistische Organisation. Der alleinige Zweck dieser Organisation war das Sammeln resp. Eintreiben von Spenden für die intensive – auch kostenintensive – nationalsozialistische Propaganda im Vorfeld der Saarabstimmung vom 13. Januar 1935.

Das schlesische Namslauer Stadtblatt (2) vom Weihnachtstag 1934 bringt auf der Frontseite einen aufschlussreichen Dank des Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers (Adolf Hitler) für Spenden aus Kreisen der Industrie. Selbstverständlich nicht, ohne prominent die Bankverbindung des Saar-Hilfswerks (3) zu nennen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Konsequenterweise war dem Saar-Hilfswerk nur eine kurze Existenz beschieden. Es wurde nach der „gewonnenen“ Saarabstimmung 1935 aufgelöst. Die Akten der Organisation befinden sich heute im Bundesarchiv in Berlin-Lichtenfelde.

So, nach den einleitenden Bemerkungen kommen wir zu den 12 Ansichtskarten der Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks. Postkarten für politische Propaganda einzusetzen war 1934 beileibe keine neue Idee. Jedoch immer noch eine zündende Idee. Postkarten, insbesondere Ansichtkarten, waren nicht nur bei der deutschen Bevölkerung enorm beliebt. Es ist heute im Zeitalter von E-Mail, SMS, Whatsapp, Facebook etc. kaum vorstellbar, dass zwischen den Weltkriegen weltweit Jahr für Jahr schätzungsweise 15 Milliarden Post- und Ansichtskarten verschickt wurden. Das sind etwa 475 Karten pro Sekunde!

Der Bedarf an Postkarten war vorhanden. Die Nazis brauchten die Nachfrage nur befriedigen. Möglichst harmlos und subtil, ohne dass die eigentliche Stossrichtung offensichtlich wurde. Zu diesem Zweck wurde dem Saar-Hilfswerk das Saar-Bild-Archiv angegliedert. Das Saar-Bild-Archiv war eine nationalsozialistische Nachrichten- und Bildagentur zur Belieferung der deutschen und ausländischen Presse mit Materialien zur Saarfrage, in enger Verbindung mit dem Saarbevollmächtigten, dem Saarreferat des Reichs- und preussischen Ministerium des Innern sowie der Saarabteilung der NSDAP. Der Saarreferent Bayerns – den gab es tatsächlich, die Bayern sind da ja eigen – spielte in dem Konzert keine Rolle mehr. Es war in Berlin längst entschieden worden, dass die Einwohner und Gemeinden des Saargebiets nicht wieder an Preussen und Bayern zurückgegliedert würden, sondern als Reichsland „Saarland“ dem frisch ernannten Reichskommissar für das Saarland – trara – Josef Bürckel, dem ehemaligen Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers zu Lehen gegeben würden. Pardon! Von diesem ordnungsgemäss verwaltet werden würden.

Das Saar-Bild-Archiv war eine ad hoc-Einrichtung, verfügte somit – trotz des Namens – nicht über ein eigenes Bild-Archiv. Daraus ergab sich anfangs 1934 eine intensive Korrespondenz mit verschiedenen Verlagen zur – selbstverständlich kostenlosen – Überlassung von Bildmaterial zwecks … Propaganda. Diese Korrespondenz macht einen Grossteil des Aktenvolumens im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde aus.

Die 12 Ansichtskarten waren in einem Streifband eingebunden.

Deutsch ist das Land, das Volk an der Saar – Eisern geschmiedet in Not und Gefahr

Die Aussenseite zeigt unter dem Titel Unser Saargebiet eine Kartenskizze des Saargebiets sowie prominent den Bergmann von der Saar. Der Preis von 30 Pfennig ist für 12 Ansichtskarten sehr moderat und entspricht kaufkraftbereinigt 2018 etwa Euro 1,35. Versucht einmal heute, für Euro 1,35 zwölf Ansichtskarten zu erwerben!

Um Vertriebskanäle musste sich das Saar-Hilfswerk keine Gedanken machen: von HJ (Hitlerjugend), BdM (Bund deutscher Mädels), Saarvereine, NSDAP-Ortsgruppen bis hin zu Schülern und Lehrern wurden alle eingespannt. Nachstehend ein Zitat aus der vom Schulrektor geführten Schulchronik der Schule I in Limburg (an der Lahn) vom 14. Dezember 1934:

„Um 10 ½ Uhr bringt die Post von dem Saarbeauftragten des Führers ein Paket Saarpostkarten (480 Stck) zum Verkauf an die Schüler u. durch die Schüler. Da die Saar-Abstimmung vor der Tür steht, werden sie schleunigst verkauft. An diesem Tage sammle ich Geld: 1) für Saarpostkarten, 2) für Weihnachtskerzen des VDA, 3) für Krippenspiel der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, 4) wir nageln für das Winterhilfswerk (pro Nagel 5 Pf.), 5) für Sippschaftsbogen, die von den Kindern auszufüllen sind.“

Die genaue Reihenfolge, falls es eine festgelegte Reihenfolge überhaupt gab, in welcher sich die 12 Ansichtskarten im Streifband befanden, lässt sich – trotz jahrelanger Recherche – bis auf die erste Ansichtskarte – das Bildmotiv Bergmann von der Saar – nicht genau festlegen. Die Reihenfolge, in welcher ich die Ansichtskarten vorstelle, ist somit völlig zufällig.

Bergmann von der Saar

Das erste Bildmotiv ist der Bergmann von der Saar, eine Skulptur des saarländischen Bildhauers Fritz Koelle, die 1934 vor der Nationalgalerie in Berlin stand. Geschickt gewähltes Motiv: Bergmänner gab es an der Saar zuhauf, der Künstler stammte – obschon bei den Nazis nicht gerade beliebt – aus dem Saarland und die Skulptur stand in Berlin … der Reichshauptstadt!

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Saarschleife bei Mettlach

Das zweite – von mir gewählte – Motiv ist die Saarschleife bei Mettlach. Vorlage für das Bildmotiv des 1 Mark-Werts der 1. Offenburger Ausgabe.

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Burgruine Kirkel

Das dritte Motiv ist eine Ansicht der Burgruine Kirkel, einem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Verteidigungsbau im Osten des Saarlands zwischen den Städten St. Ingbert, Homburg, Neunkirchen und Zweibrücken.

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Ottweiler: Markt und Wehrturm

Das vierte Motiv ist der Marktplatz und der Wehrturm von Ottweiler. Kommt Ihnen dieses Bildmotiv bekannt vor? Ja? Sie brauchen sich nicht wundern. Hier ist die Auflösung: Die saarländische Sondermarke zum 400. Stadtjubiläum im Jahr 1950.

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Das fünfte Motiv stammt aus Saarbrücken und zeig die Ludwigs– sowie die Jakobskirche.

Ludwigskirche, Jakobskirche

Wiederum eine geschickte Motivwahl. Eine repräsentative evangelische Barockkirche neben einer römisch-katholischen Kirche. Man wollte es sich ja mit niemandem verderben, obschon die Nazis grundsätzlich kirchenfeindlich eingestellt waren. Ihr Ziel war: statt Kreuz das Hakenkreuz.

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Das sechste Motiv ist eine – anfangs der 30er-Jahre noch eher seltene – Luftaufnahme der unter militärischen Aspekten angelegten Kasernenstadt Saarlouis. Auf der Propaganda-Ansichtskarte interessanterweise noch als Saarlouis bezeichnet, wurde die Stadt nach dem Anschluss des Saarlandes von den Nazis –  da zu frankophon klingend – zur ungeteilten Begeisterung der Einwohner am Jahrestag der Abstimmung am 13. Januar 1936 in Saarlautern umbenannt.

Sollte dieses Motiv vielleicht – sanft – die bevorstehende Militarisierung des gesamten Saargebiets andeuten?

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Das siebte Motiv visualisiert den für das Saargebiet so wichtigen Kohlenbergbau. Abgebildet ist das Rosseltal (heute der Stadtteil Klarenthal von Saarbrücken) im Süden des Saarlands mit der Grube Velsen.

Grube Velsen

Übrigens. Hatte ich erwähnt, dass dieser Beitrag sehr bildlastig sein würde? Nein? Nun wisst ihr es.

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Winterbergdenkmal Saarbrücken

Kein saarländisches Motiv ist propagandistisch, politisch und emotional so aufgeladen wie das 1874 aus Spenden errichtete Winterbergdenkmal. Erbaut in Erinnerung an den Sieg Preussens über Frankreich in dem von Reichskanzler Fürst Bismarck angezettelten Krieg von 1870/71, wurde es – Ironie der Geschichte – am 10. September 1939 von den Nazis gesprengt.

Warum, zum Teufel, haben die Deutschen, die ja eigentlich liebenswürdige Mitmenschen und Nachbarn sein können, in 150 Jahren fünf, für Europa desaströse Kriege angezettelt?

Müssen wir uns darauf einstellen, dass die Deutschen wieder zuschlagen? Oder wird Ministerin von der Leyen die komplette Kastrierung der deutschen Armee erfolgreich umsetzen können?

Item. Kommt euch dieses Bildmotiv ebenfalls bekannt vor? Auch dieses Mal braucht ihr euch nicht wundern. Das Motiv wurde 1956 für eine drei Werte umfassende Sondermarkenserie zur Finanzierung des Wiederaufbaus des gesprengten Denkmals verwendet.

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Das neunte Motiv war sicherlich so recht nach dem Geschmack der Nazis. Bekenntnissprüche auf Häusern in St. Wendel, die den deutschen Charakter der Gemeinde St. Wendel unterstrichen.

Domplatz St. Wendel

Die Sprüche:

„Ich bin geboren, deutsch zu fühlen. Bin ganz auf deutsches Denken eingestellt. Erst kommt mein Volk, dann all die andren vielen. Erst meine Heimat, dann die Welt.“

„Deutschland und wenn Dich das Elend umnachtet wir haben Dich lieb wie nie zuvor.“

Beim zweiten Spruch drängt sich die Frage auf, ob da Anfang der 30er-Jahre jemand hellseherische Fähigkeiten an den Tag gelegt hat?

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Das zehnte Motiv ist die Gemeinde Tholey mit der 1794 aufgehobenen und seit 1949 wieder bewohnten Benediktiner-Abtei. Die Siedlung Tholey geht auf keltische Wurzeln zurück und war bereits unter römischer Herrschaft besiedelt

Tholey mit ehemaliger Abtei

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Elftes Motiv der Serie ist der Wendelinus-Brunnen mit Blick auf die Basilika von St. Wendel.

Wendelinus-Brunnen

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Das zwölfte Motiv zeigt die Röchlingsche Eisenwerke in Völklingen bei Nacht. Eine eindrucksvolle Aufnahme, auch 85 Jahre nach ihrer Entstehung.

Röchling Eisenwerke in Völklingen bei Nacht

Bis dann

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Anmerkungen

(1) Durch Kabinettsbeschluss seit Mitte November 1933 der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen, der als Katholik den katholischen Klerus für die Sache der Nazis einspannte, ab 28. Juli 1934 dann der stramme Nazi und Gauleiter des Saarlandes Josef Bürckel. Dem Saarbevollmächtigten unterstanden – Führerprinzip – die Saarreferenten Preussens, Bayerns und des Reichs, das Saar-Hilfswerk sowie der Saarpropaganda-Ausschuss

(2) Namslau ist heute eine Gemeinde in Polen und heisst Namyslów

(3) Neustadt an der Haardt ist eine Gemeinde im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz  heisst heute Neustadt an der Weinstrasse

Basiswissen Philatelie (XII) – Ein Beleg dokumentiert Geschichte

Hallo

1935 war für die Einwohner des Saarlands, dass damals noch Saargebiet hiess – in den Sprachen des Völkerbunds Territoire du bassin de la Sarre resp. Saar Basin – ein wichtiges, ein entscheidendes Jahr. Was zu Beginn des Jahres 1935 niemand wusste oder ahnte: Im Saargebiet wurde in diesem Jahr europäische Geschichte, wenn nicht Weltgeschichte geschrieben.

Blenden wir 15 Jahre zurück. Am 20. Januar 1920 trat der Versailler Vertrag in Kraft, mit welchem offiziell der Friedenszustand zwischen den Siegermächten der Entente und Deutschland nach dem – schon 1920 als solcher bezeichneten – Ersten Weltkrieg wiederhergestellt wurde.

Für mich ist es ein passendes Zusammentreffen, dass wir heute dem Inkrafttreten des Waffenstillstandes am Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedenken. Am 11. November 1918 um 11:00 Uhr Pariser Zeit hatte das Abermillionen von Menschenleben fressende, über vier Jahre andauernde, fürchterliche Gemetzel – alternierend als Schlachthaus, Knochenmühle, Blutpumpe etc. bezeichnet – zumindest an der Westfront ein Ende.

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 wurde die Region an der Saar erstmals räumlich zusammengefasst und als Saargebiet (1) für die kommenden 15 Jahre ein Mandatsgebiet des Völkerbundes. Nach Ablauf von 15 Jahren sollte mittels eines Volksentscheids bestimmt werden, ob das Saargebiet weiterhin ein Mandatsgebiet des Völkerbundes bleiben, ein Teil der Französischen Republik oder ein Teil des Deutschen Reiches werden sollte. Am 27. Januar 1920 löste die vom Völkerbund eingesetzte Regierungskommission die bisherige französische Militärverwaltung ab. Frankreich erhielt vom Völkerbund zur wirtschaftlichen Wiedergutmachung der von Deutschen in Frankreich hinterlassenen Zerstörungen ohne zeitliche Begrenzung das Eigentum an sämtlichen Steinkohlegruben im Saargebiet und das Recht auf alleinige Ausbeutung der Steinkohlevorkommen im Saarbecken.

    

Abb.: Flagge (links) und Wappen (rechts) des Saargebiets von 1920-1935

Schon gegen Ende des Jahres 1933 begann das Nazi-Regime in Deutschland eine intensive Propagandakampagne zur Vorbereitung der auf den 13. Januar 1935 festgesetzten Volksabstimmung. Ein dem Reichskanzler Adolf Hitler direkt unterstellter Saarbevollmächtigter (2) wurde ernannt, ein Saarpropaganda-Ausschuss (3) wurde konstituiert, die vielerorts im Dritten Reich bestehenden Saarvereine wurden gleichgeschaltet, die katholische Kirche und die gleichgeschaltete Presse eingespannt, die wenigen im Saargebiet bestehenden, noch unabhängigen Pressehäuser resp. deren kritische Redaktoren mundtot gemacht (4) und Schüler verteilten Bildpostkarten mit Ansichten aus dem Saarland (5). Die Nazis begannen, im Saargebiet auf den Reichsrundfunk voreingestellte Volksempfänger (Radiogeräte) zu verteilen, um die Saarländer zu erreichen. Die Regierungskommission hatte es dagegen all die Jahre versäumt, einen eigenen Rundfunk im Saargebiet aufzubauen. Der Bund der Saarvereine begann, sämtliche abstimmungsberechtigte Saarländer mit Wohnsitz im Reich resp. im Ausland zu erfassen (6). Über die Saarvereine resp. die Auslandsorganisation der NSDAP wurden diese Saarländer bearbeitet, für die „Heimkehr ins Reich“ zu stimmen.

Ein Beispiel für die intensive Werbung um die im Reich ansässigen Abstimmungsberechtigten. Die Frontseite des „Ramslauer Stadtblatts“ vom Weihnachtstag 1934 bringt gleich drei Artikel zur bevorstehenden Saarabstimmung. Ramslau liegt in Schlesien (heute Namyslów, Polen).

Die Deutsche Reichsbahn begann mir Planungen, sämtliche im Dritten Reich ansässigen, abstimmungsberechtigten (7) Saarländer für den Abstimmungssonntag mit Dutzenden Bussen und Sonderzügen ins oder zumindest örtlich nahe an das Saargebiet zu transportieren. Das Nazi-Regime resp. Nazi-Organisationen wie das Saar-Hilfswerk übernahm in sehr vielen Fällen die – für die von den Folgen der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Menschen – nicht unerheblichen Reisekosten. Dieser gut geschmierten Propagandamaschine des Nazi-Regimes sowie dem erheblichen Einfluss der seit dem Reichskonkordat von 1933 staatstreuen katholischen Amtskirche (8) bei den mehrheitlich katholischen Saarländern hatten die Regierungskommission, die sehr ungeschickt agierenden Franzosen sowie die den Nationalsozialisten ablehnend gegenüberstehenden Kreise im Saargebiet nur wenig entgegenzusetzen.

Ungeschickt agierende Franzosen: Vignette zur Abstimmung auf Französisch schürte Ängste vor dem Verlust der eigenen Sprache und Kultur wie in Elsass-Lothringen

Am Abstimmungssonntag entschieden sich bei einer Wahlbeteiligung von fast unvorstellbaren 98% ganze 90% der abstimmungsberechtigten Saarländer für eine Eingliederung des Saargebiets ans Dritte Reich, der am 1. März 1935 vollzogen wurde. Das Nazi-Regime zahlte 900 Millionen Goldfranken – etwa eine ¾ Milliarde Reichsmark – an Frankreich, um die Eigentumsrechte an den saarländischen Steinkohlegruben zu erwerben.

Etwa 2 bis 3 Prozent der saarländischen Bevölkerung verliess nach diesem eindeutigen Abstimmungs-Ergebnis – zum Teil fluchtartig – das Land. Die meisten von Ihnen Warner vor dem menschenverachtenden Nationalsozialismus, wie der spätere Regierungschef des Saarlandes Johannes Hoffmann, sowie fast alle Menschen jüdischen Glaubens.

Die für das Saargebiet ausgegebenen, und auf französische Franc lautenden Briefmarken verloren am 28. Februar 1935 um Mitternacht ihre Gültigkeit. Ab dem 1. März 1935 besassen ausschliesslich die Briefmarken der Deutschen Reichspost Frankaturkraft.

Der nachfolgende Beleg ist daher so interessant, da er einerseits zwei Letztagsstempel von Mitternacht auf einer nicht portogerecht – es wären 30 Centimes zu verkleben gewesen – frankierten Postkarte mit einem Erstverwendungsstempel auf einer 3 (Reichs-) Pfennig-Sonderbriefmarke, der Deutschen Reichspost zum Anlass der Eingliederung des Saarlandes, vereint.

Dieser Beleg ist philatelistisch beeinflusst, was durch die Rückseite der Postkarte mit den Abbildungen sämtlicher, im Saargebiet im Vorfeld der Volksabstimmung ausgegebenen Saarbriefmarken betont wird. Obschon der Tenor der Postkarte klar Pro-Deutsch ist, lief der Beleg zu einem Empfänger in Frankreich, wo er am 2. März 1935 im Postamt Douai abgeschlagen wurde.

Philatelistisch inspirierte Postkarten wurden 1935 viele hergestellt. Hier ein simples Exemplar aus dem Hause Hermann. E. Sieger.

Schön zu sehen, wie auch auf dem nachfolgenden Beleg, der Sonderwerbestempel Saarbrücken vom Ersttag mit den ersten Noten des Saarlandlieds von Hanns Maria Lux.

Wie hätte sich die Geschichte entwickelt, wenn die Saarabstimmung von 1935 anders ausgegangen wäre? Wenn Adolf Hitler 1935 nicht einen aussenpolitischen Triumph hätte feiern können, der sein Prestige im In- und Ausland massiv steigerte? Hätte er im März 1935 die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht – auch für Saarländer – sowie die Existenz der heimlich aufgebauten Luftwaffe verkündet? Hätte er 1936 das entmilitarisierte Rheinland besetzt oder ab Juli offen den aufständischen, faschistischen General Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg unterstützt? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass am 13. Januar 1935 in den Abstimmungslokalen des Saargebiets Geschichte geschrieben wurde.

Bis dann

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Anmerkungen

(1) Artikel 45-50 Versailler Vertrag

(2) Durch Kabinettsbeschluss seit Mitte November 1933 der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen, der als Katholik den katholischen Klerus für die Sache der Nazis einspannte, ab 28. Juli 1934 dann der stramme Nazi und Gauleiter des Saarlandes Josef Bürckel. Dem Saarbevollmächtigten unterstanden – Führerprinzip – die Saarreferenten Preussens, Bayerns und des Reichs, das Saar-Hilfswerk sowie der Saarpropaganda-Ausschuss

(3) Der Saarpropaganda-Ausschuss konstituierte sich im Dezember 1933.

(4) Die meist kleinen Pressehäuser an der Saar wurden bereits seit Jahren mittels Krediten und Papierlieferungen vom Deutschen Reich alimentiert

(5) Zu der Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks erscheint demnächst ein separater Beitrag im Saarphilatelie-Blog©

(6) In der deutschen Presse wurden Aufrufe geschaltet, dass sich potentielle Abstimmungsberechtigte zwecks Registrierung bei der örtlichen Polizeidienststelle melden sollten. Im Rundfunk und in den Lichtspielhäusern sowie durch Anzeigen in überregionalen Zeitungen und kleinsten Lokalblättern wurden die im Reich lebenden Saarländer ermahnt, „ihre vaterländische Pflicht zu erfüllen“.

(7) Abstimmungsberechtigt waren nach Artikel 50 des Versailler Vertrags, Anlage §34, alle Saarländer, die am 28. Juni 1919 – dem Tag der Unterzeichnung des Vertrages – ihren Wohnsitz in einer Gemeinde des Saargebiets und am Abstimmungstag das 20. Lebensjahr vollendet hatten.

(8) Hirtenbrief der auf ausdrückliche Anordnung der Bischöfe von Trier und Mainz vor der Abstimmung in allen katholischen Kirchen des Saarlandes verlesen wurde: „Am Sonntag, dem 13. Januar 1935, wird im Saargebiet die Volksabstimmung stattfinden über die Frage, ob dieses deutsche Land und seine Bewohner in der durch den Versailler Gewaltfrieden aufgezwungenen Trennung vom Deutschen Reich verbleiben sollen. Als deutsche Katholiken sind wir verpflichtet, für die Grösse, die Wohlfahrt und den Frieden unseres Vaterlandes uns einzusetzen. Deshalb verordnen wir, dass am genannten Sonntag in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet drei Vaterunser und Ave Maria gebetet werden, um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen.“

Basiswissen Philatelie (XI) – Definition Feldmerkmal

Hallo

Ein Sammlerkollege aus der sehr empfehlenswerten Facebook-Gruppe WhatsBriefmarken.de hat mich gebeten, eine Definition für den Begriff Feldmerkmal zu erarbeiten.

Feldmerkmale und ihre Erscheinungsformen habe ich in Bezug auf die Werte der 1. Offenburger Ausgabe an dieser Stelle bereits in einigen Beiträgen behandelt (bspw. hier), weshalb ich dieser Bitte gerne Folge leiste.

Briefmarken, die im Bogendruck (Druckplatte, Formzylinder mit oder ohne Gummituchzylinder) hergestellt wurden oder werden, können am Bildmotiv und/oder auf dem Markenrand Abweichungen vom vorgesehenen Druckbild, sogenannte Feldmerkmale, aufweisen.

Beispiel für im Bogendruck hergestellt Briefmarken

Diese Abweichung haben ihre Ursache in:

    • Druckvorstufe
    • Druckvorgang
    • Beschädigung des Druckmaterials bei Unterhalt, Pflege, Reinigung etc.
    • Abnützung des Druckmaterials

Die Abweichungen können sporadisch oder regelmässig auftreten und betreffen dabei entweder die Gesamtauflage oder nur einen Teil der Auflage.

Zu den sporadisch auftretenden Abweichungen gehören beispielsweise Druckzufälligkeiten wie der Butzendruck (vgl. Erklärung am Schluss des Beitrags). Für den Philatelisten von besonderem Interesse sind die regelmässig auftretenden Abweichungen, auch Feldmerkmale oder – beim seltenen Plattendruckverfahren – auch Plattenfehler genannt, die auf allen oder einem grösseren Teil der hergestellten Druckbögen ein bestimmtes Bogenfeld und damit eine bestimmte Briefmarke aus dem Druckbogen kennzeichnen. (1)

  

Die Abbildungen zeigen 12 Pfennig-Werte (SP19FS) der 1. Offenburger Ausgabe. Links ohne Feldmerkmal und recht das Feldmerkmal Endstrich der 2 der Wertangabe 12 fehlt vom Feld 60AB (hier vom B-Bogen).

In einigen Sammelgebieten werden bestimmte regelmässig und im grösseren Stil auftretende Abweichungen vom Druckbild auch als Typen bezeichnet. Ein bekanntes Beispiel stammt aus den – ebenfalls von Vytautas Kazimieras Jonynas gestalteten und bei der Druckerei Franz Burda im Rotations-Rastertiefdruckverfahren hergestellten – Länderausgaben der Zone d’occupation française en Allemagne: Rheinland-Pfalz, 15 Pfennig, Bildmotiv Karl Marx.

  

Die linke Abbildung zeigt Type I, K von Karl ohne Serife. Die rechte Abbildung Type II, K von Karl mit Serife.

Feldmerkmale können fehlende Bestandteile des Markenbildes (vgl. Abbildung der 12 Pfennig-Werte) oder – häufiger – hinzugekommene Bestandteile, wie beispielsweise Striche, Flecken oder Linien sein. Die Karl Marx-Marke links weist zum Beispiel je einen kleinen Farbfleck auf der linken Wange und auf dem Haar links auf, welche auf der Marke rechts fehlen.

Wir können verschiedene Erscheinungsformen von Feldmerkmalen unterscheiden. Unter anderem:

    • Reihenmerkmale, die alle oder sehr viele Marken einer bestimmten senkrechten oder waagerechten Bogenreihe kennzeichnen
    • Wiederkehrende Feldmerkmale, die bei einem anderen Wert mit demselben Bildmotiv auf einem anderen Bogenfeld auftreten
    • Feldmerkmale in Teilauflage, die nachweislich nur während einer bestimmten Zeitspanne gedruckt wurden; diese Feldmerkmale wurden entweder innerhalb der Druckperiode durch eine Retusche entfernt oder sind durch eine Retusche resp. eine Beschädigung des Druckmaterials während des Drucks entstanden

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Definition Feldmerkmal

Der Begriff Feldmerkmal bezeichnet bei Briefmarken eine Abweichung des Markenbildes vom gewollten Zustand. Das Feldmerkmal tritt entweder über die gesamte Auflage oder einen Teil derselben auf demselben Bogenfeld auf. Wir unterscheiden bei den Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland:

    • Primäre Feldmerkmale: Diese sind schon vor dem ersten Druck auf dem Druckklischee vorhanden und stammen aus der Diapositivphase der Herstellung und kommen daher auf beiden Schalterbögen (A- und B-Bogen) vor. Bei primären Feldmerkmalen existieren von diesem Druckzylinder/dieser Druckform an dem betroffenen Bogenfeld keine einwandfreien Marken. Kann es auch nicht geben, da der Schaden am Klischee schon von Beginn des Druckprozesses an vorhanden ist. Oftmals sind primäre Feldmerkmale gleichzeitig auch wiederkehrende Feldmerkmale.
    • Sekundäre Feldmerkmale: Diese entstehen durch Beschädigungen des Druckklischees während des Druckvorgangs, beispielsweise bei der Montage der Druckform, deren Wartung oder Retusche. Sekundäre Feldmerkmale kommen nur auf einem der beiden Schalterbögen (A- oder B-Bogen) vor und können in der Regel innerhalb der Auflage zeitlich eingegrenzt werden. Bei sekundären Feldmerkmalen existieren von diesem Druckzylinder/dieser Druckform an dem betroffenen Bogenfeld sowohl einwandfreie Marken als auch Marken mit dem entsprechenden Feldmerkmal, da die Beschädigung am Klischee erst während des Druckvorgangs entstanden ist.
    • Tertiäre Feldmerkmale: Diese entstehen infolge der Abnutzung des Druckklischees über den gesamten Druckprozess. Tertiäre Feldmerkmale nehmen im Verlauf des Druckprozesses an Intensität zu, was für uns verständlich wird, wenn wir uns vor Augen halten, dass Abnutzung nun mal ein fortlaufender Prozess ist.

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Definition Butzendruck

Der Begriff Butzendruck. Ein Butzen entsteht beim Druck durch die Anlagerung von kleinen Staub-, oder Schmutzpartikeln auf dem druckenden Element (Druckplatte, Druckzylinder oder beim Offset Gummituch). Butzen verhindern die vollständige Einfärbung und beeinträchtigen das Aussehen des Drucks durch kleine Stellen, an denen Farbe fehlt bzw. ungleichmässig verteilt ist. Ursache der Butzen sind Staubflusen, getrocknete Druckfarbe oder winzig Papierstücke (vgl. auch hier).

Bis dann

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(1) Mit meiner Überzeugung, dass es technisch korrekter und sinnvoller ist, bei individuellen Abweichungen von Briefmarken einzelner Bogenfelder nicht von Plattenfehlern, sondern von Feldmerkmalen zu sprechen, stehe ich keineswegs allein. Hans Zerbel, langjähriger Leiter der Abteilung Postwert- und Steuerzeichen bei der Bundesdruckerei als auch Torsten Berndt, Redaktionsleiter der DBZ, sind dieser Meinung (vgl. DBZ 13/2011).

Basiswissen Philatelie (X) – Stockflecken, die Briefmarkenseuche

Hallo

Ich hoffe, euch gruselt es ob des Titels bereits ein wenig. Eine Seuche, die Briefmarken befällt! Im Ernst: Der Begriff Stockflecken (frz. la rousseur, la tache brune; engl. foxing) jagt selbst ausgekochten Sammlern einen Schauer den Rücken herunter.

Weshalb eigentlich? Was verstehen wir unter dem Begriff Stockflecken? Und was könnt  oder solltet ihr tun, wenn eigene Marken von Stockflecken befallen sind? Wie sieht eine wirksame Vorbeugung aus?

Das sind die Fragen, auf die ich in diesem Beitrag Antworten geben werde. Dieser Beitrag ist einmal mehr etwas textlastig. Ich gehe jedoch davon aus, dass bei diesem Thema euer Interesse dennoch nicht erlahmt.

Zugabe: Wie habe ich mein Chemielabor organisiert. Ein Inhaltsverzeichnis in Stichworten.

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Weshalb schaudert es jeden Briefmarken-Sammler, wenn er den Begriff Stockflecken hört?

Wahrscheinlich, weil er an den Verlust – ideell wie materiell – denkt, falls seine Marken betroffen wären. Es ist zwar nicht so, dass Briefmarken mit Stockflecken komplett wertlos oder nicht mehr sammelwürdig wären. Doch braucht der Sammler einiges an Aufwand und auch etwas Glück, um den direkten Schaden an einer stockfleckigen Marke zu beheben sowie die anderen Marken vor „Ansteckung“ zu schützen.

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Was verstehen wir unter dem Begriff Stockflecken? Da fängt das Dilemma an. Obschon nicht ausschliesslich Briefmarken – also wichtige und teils sehr seltene Kulturgüter erster Güte – sondern ebenfalls seltene Bücher und alte Handschriften vom Befall mit Stockflecken betroffen sind, ist die exakte Natur dieses Befalls noch nicht abschliessend erforscht. Ich kann euch an dieser Stelle keine gesicherte Definition des Begriffs Stockfleck bieten (hier wird eine Begriffsbestimmung versucht). Ich zähle einfach einmal auf, was wir über Stockflecken so alles wissen:

    • wir erkennen den Befall mit Stockflecken durch anfänglich punktuelle gelbliche bis bräunliche Verfärbung(en) des Papiers oder der Gummierung; bei Nichtbehandlung breitet sich die Verfärbung schnell aus
    • es existieren zwei Spielarten: eine regelmässig runde – recht harmlose und einfach zu entfernende – Variante und eine unregelmässige, mit der Zeit tiefbraun-rötliche bis schwarze Variante, die nach meiner Erfahrung sowohl das Briefmarkenpapier wie auch eventuell vorhandene Gummierung soweit angreift, dass dünne Stellen oder sogar Löcher entstehen können
    • Feuchtigkeit, dazu zähle ich auch erhöhte Raumfeuchtigkeit, scheint den Befall mit Stockflecken zu befördern
    • mangelnde Belüftung der Briefmarken in eng zusammengepressten Albumblättern scheint den Befall mit Stockflecken zu befördern
    • Die Aufbewahrung von Briefmarken in Plastik (PVC) insbesondere unter Luftabschluss scheint den Befall mit Stockflecken ebenfalls zu befördern
    • Sporen des Schimmelpilzes als Auslöser von Stockflecken wird in diversen Artikeln erwähnt; meine Erfahrung: Schimmelbefall auf Briefmarken sieht anders aus: noch gruseliger als Stockflecken

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Jetzt kommt die Frage, auf deren Antwort ihr wohl sehnsüchtig gewartet habt. Wie entferne ich Stockflecken? Ich kann in diesem Beitrag keine Patentlösung aus dem Ärmel schütteln. Jedoch werde ich euch einige Ratschläge zur Aufbewahrung von Briefmarken geben sowie Tipps, wie ihr Stockflecken zumindest im Anfangsstadium entfernen könnt. Ist die Verfärbung zu stark, eine dünne Stelle oder ein Loch bereits vorhanden … tja, … das kann man halt nicht stopfen, wie eine kaputte Socke.

Item. Was solltet ihr tun, um einen Befall mit Stockflecken von vornherein zu vermeiden?

    • Schaut euch eure Sammlung möglichst häufig an, öffnet das Album und lasst Luft an eure Preziosen; das ist die einfachste Möglichkeit, Stockflecken zu vermeiden
    • Fasst eure Briefmarken nicht mit den Fingern an! Punkt. Kein aber, keine Ausnahme. Unsere Haut schwitzt immer und sondert stetig Hautfett ab, sonst sähen unsere Finger nämlich nach zwei Tagen aus wie verschrumpelte Möhren. Benutzt  I M M E R  Pinzette und leichte Baumwoll-Handschuhe, die wir sehr günstig im Baumarkt erhalten (unter Numismatikern ist die Verwendung von Handschuhen und Pinzette schon lange eine Reflexhandlung)
    • Verwahrt eure Marken in weissen Steckbüchern mit Pergaminstreifen und Pergamin-Zwischenblättern, diese sind in der Regel pH-neutral; möchtet ihr für eine Präsentation lieber einen Schwarzen Hintergrund, könnt ihr diese immer noch kurzfristig auf spezielle schwarze Plastiksteckkarten arrangieren*
    • Habt ihr Marken gewaschen (Ablösung vom Umschlag, Briefstück oder Entfernung von Falzen), achtet darauf, die gewaschenen Marken durchzutrocknen. Nach meiner Erfahrung solltet ihr die Marken im Sommer ca. 24 Stunden, im Winter eher 48 Stunden in der Kaltpresse lassen. Bevor ihr die Marken nun einsortiert, lasst diese zuvor ca. 2 Stunden an der frischen Luft

* Tipp: Achtet bei schwarzen Steckkarten unbedingt darauf, dass diese nicht aus Karton gefertigt sind. Weshalb? Die schwarze Farbe des Kartons hat die unangenehme Eigenschaft, schnell abzufärben. Schaut mal durch eure Sammlung. Ihr werdet sicherlich die eine oder andere Marke finden, die in der unteren Hälfte – dort, wo die Marke hinter dem Streifen gesteckt hat – schwärzlich verfärbt ist. Diese Verfärbung ist bei ungebrauchten Marken gar nicht – ausser Sie waschen die Marke – und bei gewaschenen Marken nur schwer wieder zu entfernen.

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Ihr habe in der Schule sicherlich Biologie- und Chemie-Unterricht genossen. Dann ist euch klar, wie ihr Stockfleckbefall behandeln könnt. Nicht? Schulbesuch ist zu lang her? Lehrer(in) war schlecht? Fensterplatz gehabt? Also gut: hier ein wenig Nachhilfe.

Tipp 1:

Werft die Marke bitte nicht in den Müll … die nachfolgenden Tipps helfen euch sonst nicht weiter

Tipp 2:

Vermeidet tunlichst, als potentieller Bombenbauer eingesperrt zu werden. Kauft die wenigen Zutaten im Tante Emma-Laden um die Ecke und in der Apotheke, nicht in Grossmengen im Internet.

Tipp 3:

Marken, die von Stockflecken befallen sind, müssen zwingend gewaschen werden; ein Erhalt einer evtl. vorhandenen Gummierung ist nach allem was ich weiss nicht möglich; wer euch das verspricht, wird eure Marke dennoch erst waschen und nach dem Waschen neu gummieren, sprich: Fälschung

Tipp 4:

Lindner Original  bietet ein aus zwei Komponenten bestehendes Set zur Stockfleckentfernung an; ich kann hierzu keine Beurteilung abgeben, da die Firma Lindner mir noch kein Test-Set zur Verfügung gestellt hat

Tipp 5:

So mache ich es … ok, was jetzt folgt bezieht sich ausschliesslich auf die Marken der 1. und 2. Offenburger Ausgabe. Für andere Marken bitte vorgängig prüfen, ob eine Wasserlöslichkeit der Druckfarben o.ä. vorliegt. Für Marken der 1. Offenburger Ausgabe habe ich das Verfahren bereits häufig getestet. Bei sorgfältiger Anwendung kommen eure Marken nicht zu schaden. Es kann jedoch nicht schaden, das Verfahren – insbesondere die Applizierung der alkalischen Lösung – vorgängig an Dubletten oder an Ausschuss zu testen

Hinweis: Die Anleitung eignet sich auch für die normale Ablösung von Falzen oder Anhaftungen an Briefmarken.

    • Schritt 1: Die mit Stockflecken befallene Briefmarke wird gewaschen. Was benötigen wir zum Waschen von Briefmarken? Ihr werdet jetzt total überrascht sein: Wasser! Viel sauberes, handwarmes Wasser. Ein sauberes Behältnis, beispielsweise eine Salatschüssel. Ein trockenes, fettfreies und glattes Stofftuch.  Ausserdem Natronpulver (beispielweise Kaiser Natron) und Spülmittel. Füllt klares, handwarmes Wasser in das Behältnis und fügt pro 100 Millilitern Wasser ca. 1 Messerspitze voll Natronpulver  zur Neutralisation hinzu. Nun solltet ihr noch die Oberflächenspannung des Wassers brechen. Gebt hierzu ganz, ganz wenig, möglichst farbloses Spülmittel auf eine Fingerspitze und verteilt das Spülmittel im Wasser. Wichtig: Das Spülmittel sollte  k e i n e  Essig- oder Estherbestandteile aufweisen. Die befallene Briefmarke wird nun für mindestens 30 Minuten eingeweicht. Die Marken der 1. und 2. Offenburger Ausgabe vertragen Wasser ohne dass die Farbqualität leidet. Auch für damals applizierte Stempelabschläge gilt: Nur falsche Stempel scheuen den Kontakt mir Wasser. Nach 45 Minuten nehmt die Marke vorsichtig mit einer Pinzette aus dem Wasser und haltet diese unter fliessendes Wasser. Im Normalfalls sind nun keine Gummierungs- oder Falzreste mehr vorhanden. Nach meiner Erfahrung können Falzreste jedoch manchmal recht hartnäckig sein. Seien Sie in einem solchen Fall geduldig und legen Sie die Marke einfach für weitere 45 Minuten zurück in die Wasserschüssel.
    • Schritt 2: Die mit Stockflecken befallene Briefmarke wird gereinigt. Für diesen Schritt benötigen wir einen handelsüblichen Ultraschallreiniger – fragt eure Frau, diese verwendet das Ultraschallgerät zur Reinigung ihres Schmucks. Als Frau wisst ihr ohnehin, wovon ich schreibe. Die Zusammensetzung der Flüssigkeit ist dieselbe wie bei Schritt 1, seien Sie grosszügig. Lassen Sie die Marke ca. 5-10 Minuten durch Ultraschall reinigen. Wundern Sie sich nicht, falls Ihre Marke – insbesondere falls es eine Marke zu 12-, 45-, oder 75 Pfennig sein sollte – während der Behandlung leicht durchscheinend wird. Das ist normal.
    • Schritt 3: Die Reste der von Stockflecken hervogerufenen Verfärbung werden entfernt. Jetzt wird es spannend. Wir benötigen handelsübliches Javelwasser (2.5%), welches wir im Tante Emma-Laden bei den Waschmitteln finden. Ich fülle meinen geringen Bedarf aus der grossen (2 Liter) Flasche mittels eines kleinen Plastiktrichters in ein kleines Glasfläschchen mit Pipette (erhalten wir in der Apotheke). Ich nehme die noch nasse Marke und tröpfle aus der Pipette Javelwasser auf die Verfärbung(en). Dies tötet sämtliche evtl. vorhandenen Bakterien oder Sporen ab. Hinzu kommt ein – leichter, kaum wahrnehmbarer – Bleicheffekt. Circa 1-2 Minuten einziehen lassen, dann unter fliessendem Wasser abspülen. Mit der Lupe prüfen und den Vorgang falls nötig wiederholen. Ihr werdet mit der Zeit Routine entwickeln. Bitte achtet bei der Verwendung von Javelwasser auf gute Durchlüftung des Raums.
    • Schritt 4: Die Marke nochmals mindestens 10 Minuten in klarem Wasser liegen lassen und zwischendurch bewegen. N i c h t  dasselbe Wasser wie für Schritt 1 oder Schritt 2 verwenden. Danach vorsichtig – das Markenpapier ist durchfeuchtet und daher leicht verletzlich – mit der Pinzette aus dem Wasser nehmen und auf ein sauberes, glattes und fettfreies Tuch legen.  Mit einem Kleenex leicht von beiden Seiten abtupfen und warten, bis sich die Markenränder leicht aufstellen. Nun könnt ihr die Marke in ein Trockenbuch legen und für 24-48 Stunden pressen. Nicht vergessen: die Briefmarke vor dem Einsortieren noch gut durchlüften lassen!

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Jetzt denkt ihr sicherlich: „Der Typ spinnt“. So ein Aufwand, nur um Marken zu waschen oder Stockflecken zu entfernen? Vielleicht habt ihr mit dieser Einschätzung  Recht. Gespannt erwarte ich alternativen Vorschläge. Zuvor ein Beispiel nach meiner Methode:

Eine Marke, die an fünf Stellen (vgl. Ringe) von Stockflecken befallen ist. Die Stelle am rechten Markenrand weist bereits einen schwarzen Punkt im Zentrum auf.

Dieselbe Marke nach der unter Schritt 1-4 beschriebenen Behandlung.

Viel Spass beim Ausprobieren.

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Mein Chemielabor

Mein Chemielabor besteht nur aus wenigen Ingredienzien. Dennoch reicht es aus, die im Alltag eines Philatelisten anfallenden Aufgaben ohne Schwierigkeiten zu meistern. Die allermeisten Mittel erhaltet ihr in der örtlichen Apotheke, im Tante Emma-Laden oder im Supermarkt.

Wasser

Kommt in Europa in der Regel aus dem Wasserhahn. Ganz wichtig. Verwendet handwarmes Wasser. Und seid nicht sparsam. Ihr braucht keinen Pool zu füllen, um eine Marke zu waschen, aber ein Petrischälchen ist definitiv zu klein. Denkt daran. Wascht ihr mehrere Marken zugleich, zwischendurch das Wasser wechseln. Ihr werdet euch wundern, wie schnell das Wasser dreckig wird. Prüft vor der Verwendung von Wasser, ob eure Marken Wasser vertragen. Die Marken der 1. und 2. Offenburger Ausgabe haben da kein Problem. Gönnt euren Marken das Bad. Wenn ihr ein Bad nehmt, hüpft ihr ja auch nicht nach fünf Minuten gleich wieder aus der Wanne! Oder?

Spülmittel

Erhaltet ihr im Tante Emma-Laden um die Ecke. Verwendet farbloses Spülmittel ohne Essig- oder Estheranteilen. Nur in minimen Dosen verwenden. Zweck des Spülmittels ist die Brechung der Oberflächenspannung des Wassers. Ein winziges Tröpfchen an eurem Finger im Wasser aufgelöst, ist völlig ausreichend. Ihr wollt doch kein fettiges Geschirr waschen.

Chemisch reines Benzin

Nicht an der Tankstelle, aber in der  Apotheke erhältlich. Wichtig: Immer gekühlt und gut verschlossen (Bakelitverschluss) an einem kühlen Ort, am Besten im Kühlschrank aufbewahren. Verdunstet sonst sehr rasch. Bei der Verwendung immer auf ausreichende Raumbelüftung achten. Chemisch reines Benzin ist in Deutschland auch als Wundbenzin bekannt. Verwendet kein Feuerzeugbenzin und prüft zuvor (Katalog), ob eure Marken ein Benzinbad vertragen. Für Marken der 1. Offenburger Ausgabe der schnellste und günstigste Weg, das Wasserzeichen zu bestimmen. Bei ganz leichtem und nur auf der Gummiseite sichtbaren Befall von Stockflecken verhindert ein Benzinbad die weitere Ausbreitung. ACHTUNG: Gewisse Markensorten, auf sogenanntem Kreidepapier oder mit löslicher Farbe gedruckt, dürfen nicht in Benzin gelegt werden, da sie sich ansonsten verfärben. In der Regel in Katalogen entsprechend gekennzeichnet.

Natron (Natriumhydrogencarbonat)

Im Tante Emma-Laden entweder bei den Backzutaten oder neben Alka-Selzer zu finden. Als Pulver kaufen. Kostet nur kleines Geld und hält ewig. Ist stark basisch und wirkt säureabbauend.

Javelwasser

Im Tante Emma-Laden bei den Waschmitteln zu finden: Französisch: l’eau de Javel(le); Englisch: javelle water, sodium hypochloride. Javelwasser hat einen pH-Wert von >11,4 und ist damit alkalisch resp. basisch. Ein wirksames Mittel gegen Stockflecken und Schimmelbefall. Hat verdünnt eine geringe Bleichwirkung. Bei der Verwendung auf gute Raumdurchlüftung achten.

Briefmarkenablöser

Im Fachgeschäft, resp. Fachhandel erhältlich. Welchen Briefmarkenablöser ihr wählt, überlasse ich euch. Ich habe mit dem Briefmarkenablöser von Lindner Original gute Erfahrungen gemacht. Schenkt den vollmundigen Versprechungen, dass die Gummierung erhalten bliebe, bitte keinen Glauben. Das ist ein schlechter Werbewitz. Der Briefmarkenablöser hilft aber bei der Entfernung einiger sehr, sehr alter Falze (klappt nicht bei jedem Kleber: Uhu, Pattex und einige der sehr alten Knochenleime gehen definitiv nicht). Auch bei selbstklebenden Marken das Mittel meiner Wahl.

Alkohol 70%

In der Apotheke erhältlich. Gekühlt aufbewahren und bei Verwendung auf gute Raumdurchlüftung achten. Ich verwende Alkohol zur Reinigung der Pinzette und sonstigen Zubehörs. N i c h t  direkt mit Briefmarken verwenden, n i c h t  trinken. Normaler Alkohol – z.B. Bier, Wein, Champagner dagegen eignet sich nicht für Briefmarken, aber hervorragend zur Feier von besonderen Neuzugängen in der Sammlung.

Bis dann

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Basiswissen Philatelie (IX) – Kataloge und Katalognummern

Hallo

In diesem Blog habe ich euch bereits einige Briefmarken-Kataloge vorgestellt. Diese Kataloge haben oft ganz unterschiedliche Katalognummernsysteme und weisen meist eine unterschiedliche Zuordnung eines Sammelgebietes auf.

Beispiele:

Ein Karibikstaat ist in einem deutschen Katalog vielleicht im Band Übersee zu finden, während derselbe Staat in Frankreich unter ehemalige Kolonien/Herrschaftsgebiete fällt.

In der Schweiz teilt der Zumstein-Katalog Briefmarken nach Ausgabezweck ein: es existiert ein Kapitel für die Flugpostmarken, eines für die Ausgaben der Vereinten Nationen, andere Kapitel listen die Pro Patria-Marken oder die beliebten Pro Juventute-Marken. Innerhalb der einzelnen Kapitel sind die Marken chronologisch nach Emissionsdatum sortiert und nummeriert.

In Frankreich werden Flugpostmarken (poste aérienne), Steuermarken (timbres taxe) und gewisse Kriegsausgaben gerne in separaten Kapiteln behandelt und entsprechend nummeriert.

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Für die20 Werte der 1. Offenburger Ausgabe nachfolgend eine Übersicht über die Katalognummern in den bekanntesten Katalogen:

    • Saarphilatelie: SP14-SP33
    • Paul Staedel: Étude 1955, numéros 1-20
    • Yvert & Tellier: Colonies française, Sarre, numéros Yv 196-Yv 215
    • Saarhandbuch: verwendet keine Nummerierung
    • Catalogue F.S.A.: numéros 196-215
    • Stanley Gibbons: Germany, Saar, III. French Occupation Nos. SG 203-SG 222
    • Scott: Saar, French Administration, nos. Sc 155-Sc 171 sowie nos. Sc 172-Sc 174 für die Werte zu 12, 45, 75 Pfennig (Achtung: die 20 Werte sind nicht durchgehend aufsteigend nummeriert)
    • Michel: Deutschland, Saarland (1947), Nr. Mi. 206-Mi. 225
    • Austria Netto Katalog (ANK): 206-225
    • Philotax Saar-Spezial: SG0206-SG0225
    • Leuchtturm DNK: Deutschland, Saarland, 206-225
    • Philex: Deutschland, Saarland, 206-225

Bis dann

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Basiswissen Philatelie (VIII) – Bogenrandsignaturen

Hallo

Heute wenden wir uns einem sehr interessanten Randgebiet der Philatelie zu: den Bogenrandsignaturen. Welche Aufdrucke und Angaben können wir auf den Rändern von Schalterbögen der ersten Briefmarkenausgabe für das Saarland finden?

Schauen wir uns einen Schalterbogen der 1. Offenburger Ausgabe einmal genau an.

Die Abbildung zeigt einen Schalterbogen des 75 Pfennig-Wertes bestehend aus zehn Reihen zu jeweils zehn Marken; insgesamt somit 100 Marken. Der Bogen ist im Bereich des Markenaufdrucks sowie am oberen Rand perforiert. Der Rest des Bogens, also der linke, der untere und der rechte Rand weisen keine Perforation auf.

Am oberen Rand des Schalterbogens sind über jeder der zehn Reihen Werte in der Farbe der Marken, im konkreten Fall Blau, aufgedruckt. Die Werte geben den Wert der in den Reihen vorhandenen Marken von links nach rechts addierend in Reichsmark – ohne Währungsangabe – wieder und werden als Reihenwertzähler bezeichnet. Die linke Reihe hat einen Wert von 7,50 RM, die zwei linken Reihen zusammen 15,00 RM usw. Der gesamte Bogen hat einen Wert von 75 RM. Die Postbeamten fingen mit der Trennung der Marken aus dem Schalterbogen in der Regel unten rechts an. Sie gaben also die Marken von unten nach oben und von rechts nach links aus. Am Abend konnte der Schalterbeamte bei der täglichen Bestandsaufnahme den Wert der verbleibenden Marken mit Hilfe des Reihenwertzählers rasch ermitteln. Beispiel: Es verbleiben sechs vollständige Reihen und drei Marken der siebten Reihe. Das ergibt 45 RM gemäss Reihenwertzähler der sechsten Reihe plus dreimal 75 Pfennig oder gesamt 47,25 RM. In Zeiten ohne Addiermaschine oder Taschenrechner ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel.

Uns Briefmarkensammler helfen die Reihenwertzähler bei der Bestimmung des Bogenfeldes. Nehmen wir das Beispiel des 75 Pfennig-Wertes. Liegt und eine Marke mit anhängendem Reihenwertzähler 37,50 vor, wissen wir, dass es sich um eine Marke des Bogenfeldes 5 handelt.

Auch eine weitere Markierung auf dem abgebildeten Bogen half den Schalterbeamten bei der Bestandsaufnahme. Rechts oben finden wir die Zahl 59 in Handschrift notiert. Die Schalterbögen kamen in Stapeln zu den Poststellen und wurden häufig bei Erhalt von Hand durchnummeriert. Der unterste Bogen erhielt dabei die Nummer 1. Der Schalterbeamte wusste so jederzeit genau, wie viele vollständige Bögen eines Werts noch verblieben. Dies war sowohl für die rasche Bestandsaufnahme aber auch für die Steuerung von Nachbestellungen hilfreich. Diese Markierung wird auch handschriftlicher Bogenzähler genannt.

Wenden wir uns nun dem Unterrand des Schalterbogens zu.

    • Links unten die Bogennummer: der Buchstabe A, gefolgt von No der Zahl 416 und einem Stern resp. Rosette.
    • Rechts unten das Druckdatum: „Gedruckt am: 28. Dezember 1946“

Bogennummer und Druckdatum wurden nach dem Druck der Markenbögen in einem weiteren Arbeitsschritt mit einer Schnellpresse Typ Rex im Buchdruckverfahren aufgedruckt. Der linke Teil des Druckbogens (zwei Schalterbögen) erhielt bei diesem Arbeitsschritt den Buchstaben A mit fortlaufender Nummerierung, der rechte Teil des Druckbogens den Buchstaben B mit derselben Nummerierung. Die Druckerei Franz Burda verwendete rückwärts zählende Nummerierwerke. Das heisst, die früher gedruckten Bögen weisen höhere Bogennummern auf als die später gedruckten.

Beim Druck von Bogennummern und Druckdatum auf den Druckbögen des 75 Pfennig-Werts – dieser Wert wurde als erster der 20 Werte der 1. Offenburger Ausgabe an den Tagen 27./28./30. Dezember 1946 hergestellt – war das Nummerierwerk so eingestellt, dass bei kleineren Nummern keine voranlaufenden Nullen gedruckt wurden. Hierdurch kommen sowohl fünf-, vier-, drei-, und wahrscheinlich sogar zwei- und einstellige Bogennummern vor. Von zwei- und einstelligen Bogennummern liegen mir keine Exemplare vor.

Nachfolgend eine Bogennummer im Detail:

45 Pfennig-Wert, 4-stellige Bogennummer

Es handelt sich um die Bogennummer eines 45 Pfennig-Bogens. Schön zu erkennen: Das Zählwerk war auf vierstellige Nummern voreingestellt. Im Gegensatz zum 75 Pfennig-Wert jedoch mit voranlaufenden Nullen. Die Bogennummern sind somit immer vierstellig, z.B. 0092.

Die Aussage des Saarhandbuches, Kap. 402 S. 6, dass „die alten, für den Druck der 75 Pf verwendeten Nummerierwerke … für den Druck der übrigen Werte durch neue, fünfstellige Nummerierwerke ersetzt [wurden]“, ist so nicht korrekt. Wie ich in einem späteren Beitrag darlegen werde, wurden die beiden Nummerierwerke der Schnellpresse Typ Rex gar nicht ausgetauscht. Bei den ersten gedruckten Werten, 75 Pfennig, 12 Pfennig und 45 Pfennig Bogenrandsignaturhat man jedoch mit den Einstellungen der Nummerierwerke gespielt

45 Pfennig-Wert, 4-stellige Bogennummer voranlaufende Nullen

Sämtliche anderen Werte der Saar I wurden von fünfstelligen Zählwerke mit voranlaufenden Nullen bedruckt (vgl. nachstehende Abbildung).

12 Pfennig-Wert, 5-stellige Bogennummer

Beim Druckdatum unterscheiden wir gemäss Saarhandbuch drei Typen (I, II, III):

    • Typ I: Druck in Grotesk-Schrift. Nach am folgt ein Doppelpunkt. Typ I tritt bei allen Bögen vom 27. Dezember 1946 bis einschliesslich 8. Februar 1947 auf. Ausnahme: 6 Pfennig-Wert mit Druckdatum 5. Februar 1947 (vgl. Abbildung)
    • Typ II: Druck in Grotesk-Schrift. Vom 10. Februar bis zum letzten Drucktag am 21. Februar 1947 folgt dem „am“ kein Doppelpunkt.
    • Typ III: Druck in Antiqua-Schrift. An den Drucktagen 16./17. Februar 1947 wurde das Druckdatum einer Teilauflage des 8 Pfennig-Werts und der Gesamtauflage des 80-Pfennig-Werts in Antiqua gedruckt. Die ist erkennt man rasch an den Ligaturen der Buchstaben und Zahlen. Bei dem ebenfalls am 17. Februar 1947 gedruckten 40 Pfennig-Wert tritt Typ III nicht auf.
Druckdatum Typ I (mit Doppelpunkt) gedruckt in Grotesk-Schrift
Druckdatum Typ II (ohne Doppelpunkt) gedruckt in Grotesk-Schrift
Druckdatum Typ II (ohne Doppelpunkt, Ausnahme)
Druckdatum Typ III (ohne Doppelpunkt nach „am“) gedruckt in Antiqua-Schrift

Ihr habt sicherlich bemerkt, dass beim abgebildeten Druckdatum des 8 Pfennig-Werts zur Kennzeichnung der Ordnungszahl statt eines Punkts ein Komma gesetzt wurde. Dieser Fehler wurde nach etwa 2’000 bedruckten Bögen von Mitarbeitern der Druckerei Burda entdeckt und retuschiert. Die retuschierten Druckdaten des 8 Pfennig- sowie des 80 Pfennig-Werts weisen alle ein verstümmeltes Komma anstatt eines Ordnungspunktes auf.

Die drei Bogenrandsignaturen, die auf allen Schalterbögen der 1. Offenburger Ausgabe vorkommen, sind:

    • Reihenwertzähler auf dem Oberrand
    • Bogennummer auf dem Unterrand links
    • Druckdatum auf dem Unterrand rechts

Was findet ihr sonst noch auf den Bogenrändern?

    • Handschriftlicher Bogenzähler oben rechts (nicht immer)
    • Am Unterrand der Bögen oft Spuren, die die Greifer einer der beiden verwendeten Titan-Flachperforationsmaschinen hinterlassen hat.

Bis dann

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Basiswissen Philatelie (VII) – Definition Feldmerkmal

Hallo

Wer von euch meinem Weblog aufmerksam folgt, hat wahrscheinlich bemerkt, dass ich im Zusammenhang mit Abweichungen vom gewünschten Druckbild bei den Werten der Freimarkenserie Berufe und Ansichten aus dem Saarland von 1947 von Feldmerkmalen schreibe, jedoch den Begriff Plattenfehler vermeide.

Ich möchte kurz erläutern, weshalb ich den Begriff Feldmerkmal vorziehe.

In der philatelistischen Literatur werden bei Abweichungen einer Briefmarke vom gewollten Zustand häufig die nachstehenden Ausdrücke verwenden:

    • Abart
    • Abweichung
    • Druckmängel
    • Druckzufälligkeit
    • Feldmerkmal
    • Plattenfehler

Der Begriff Abart, nach Duden eine Varietät, wird in der Philatelie gerne als Oberbegriff für sämtliche Abweichungen einer Briefmarke vom gewünschten oder vorgesehenen Ergebnis verwendet. Beispielsweise gibt es eine Publikation mit dem Titel Michel Abartenführer.

© Projekt Saarphilatelie.com

Zu diesen Abweichungen gehören u.a.:

    • Abweichungen bei Zähnung, Durchstich etc.
    • Abweichungen bei der Gummierung
    • Druck auf der Gummiseite
    • Druckzufälligkeiten
    • Feldmerkmale
    • Farbabweichungen
    • Doppeldrucke
    • Butzendrucke
    • uvm.

Tritt eine Abart bei einer Ausgabe häufiger auf, wie beispielsweise bei Abweichungen:

    • der Wasserzeichenorientierung
    • der verwendeten Papiersorte
    • der verwendeten Farbe

wird diese Abart in Briefmarken-Katalogen häufig als Type definiert.

Der Oberbegriff Abart ist in seiner Verwendung vage. Diese begriffliche Unschärfe trifft auch auf den Ausdruck Abweichung zu. Bei einer Abart oder einer Abweichung ist für uns Sammler das präzise Wissen darum, wie die Norm – also die gewollte Erscheinung einer bestimmten Briefmarke – beschaffen sein muss und auszusehen hat, unerlässlich.

Zurück zum Begriff Plattenfehler. Die Michel-Redaktion des Schwaneberger-Verlags lässt in seinen Publikationen nichts unversucht, den deutschsprachigen Sammlern ihre eigenen Begrifflichkeiten aufzuzwingen, selbst wenn diese unpräzis oder schlichtweg falsch sind. Der Begriff Plattenfehler hat ja durchaus seine Berechtigung; bei Briefmarken, die mit einer Druckplatte im Plattendruckverfahren hergestellt wurden. Briefmarken, die mittels eines Formzylinders im Rotationsdruck hergestellt wurden, können mangels Druckplatte keine Plattenfehler aufweisen, auch wenn uns die Michel-Redaktion dies weismachen will. (1)

Wie wir wissen wurden sämtliche Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg im Rastertiefdruckverfahren mittels Formzylindern gedruckt. Hier ist die Verwendung des Begriffes Plattenfehler für Abweichungen des Markenbildes nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch. Der rein technische Hintergrund ist jedoch nicht allein verantwortlich für den von mir bevorzugten Begriff Feldmerkmal. Ganz anders als Platten-„fehler“ zielt Feldmerkmal positiv auf die spezifischen Eigenschaften des Markenbildes eines Bogenfeldes ab ohne wertend zu sein.

Definition Feldmerkmal

Der Begriff Feldmerkmal bezeichnet bei Briefmarken eine Abweichung des Markenbildes vom gewollten Zustand. Das Feldmerkmal tritt entweder über die gesamte Auflage oder einen Teil derselben auf demselben Bogenfeld auf. Wir unterscheiden bei den Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland:

    • Primäre Feldmerkmale: Diese sind schon vor dem ersten Druck auf dem Druckklischee vorhanden und stammen aus der Diapositivphase der Herstellung und kommen daher auf beiden Schalterbögen (A- und B-Bogen) vor. Bei primären Feldmerkmalen existieren von diesem Druckzylinder/dieser Druckform an dem betroffenen Bogenfeld keine einwandfreien Marken. Kann es auch nicht geben, da der Schaden am Klischee schon von Beginn des Druckprozesses an vorhanden ist. Oftmals sind primäre Feldmerkmale gleichzeitig auch wiederkehrende Feldmerkmale.
    • Sekundäre Feldmerkmale: Diese entstehen durch Beschädigungen des Druckklischees während des Druckvorgangs, beispielsweise bei der Montage der Druckform, deren Wartung oder Retusche. Sekundäre Feldmerkmale kommen nur auf einem der beiden Schalterbögen (A- oder B-Bogen) vor und können in der Regel innerhalb der Auflage zeitlich eingegrenzt werden. Bei sekundären Feldmerkmalen existieren von diesem Druckzylinder/dieser Druckform an dem betroffenen Bogenfeld sowohl einwandfreie Marken als auch Marken mit dem entsprechenden Feldmerkmal, da die Beschädigung am Klischee erst während des Druckvorgangs entstanden ist.
    • Tertiäre Feldmerkmale: Diese entstehen infolge der Abnutzung des Druckklischees über den gesamten Druckprozess. Tertiäre Feldmerkmale nehmen im Verlauf des Druckprozesses an Intensität zu, was für uns verständlich wird, wenn wir uns vor Augen halten, dass Abnutzung nun mal ein fortlaufender Prozess ist.

Bis dann

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(1) Mit meiner Überzeugung, dass es technisch korrekter und sinnvoller ist, bei individuellen Abweichungen von Briefmarken einzelner Bogenfelder nicht von Plattenfehlern, sondern von Feldmerkmalen zu sprechen, stehe ich keineswegs allein. Hans Zerbel, langjähriger Leiter der Abteilung Postwert- und Steuerzeichen bei der Bundesdruckerei als auch Torsten Berndt, Redaktionsleiter der DBZ, sind dieser Meinung (vgl. DBZ 13/2011).

Basiswissen Philatelie (VI) – Bestimmung des Zähnungsmasses

Hallo

Welches Zähnungsmass haben die Marken der Freimarkenserie Berufe und Ansichten aus dem Saarla? Diese Frage kann mit Hilfe eines einschlägigen Briefmarkenkataloges rasch beantwortet werden. Das Zähnungsmass, auch als Zähnungszahl oder Zähnungsgrad bezeichnet, ist 14 x 14 (auch 14:14). In einigen Katalogen findet sich auch verkürzt K14, wobei das „K“ für Kammzähnung steht.

    • Doch was bedeutet dieses Zähnungsmass?
    • Wie messen wir es?
    • Wieso sollten wir Sammler uns damit beschäftigen?

Die ersten Briefmarken, die Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegeben wurden, wiesen noch keine Perforation, keine heute für Briefmarken typischen „Zähne“ auf. Diese ersten Briefmarken wurden vom Postbeamten mit der Schere aus dem Schalterbogen geschnitten. In Geschäften und Unternehmen, die häufig ganze Bogen oder Bogenteile bei der Post kauften, war hierfür ein Mitarbeiter zuständig.

One Penny Black von 1840. Dieses Exemplar wurde mit einem ungewöhnlich gleichmässigen Rand aus dem Bogen geschnitten. (Sammlung Projekt Saarphilatelie.com)

In Grossbritannien wurde schon wenige Jahre nach Ausgabe der ersten Briefmarken darüber nachgedacht, wie man die einzelnen Marken einfacher als mit der Schere aus dem Schalterbogen trennen könnte. Zuerst experimentierte man mit rotierenden Messerchen, die in gerader Linie und in regelmässigen Abständen zwischen den einzelnen Marken kleine Schnitte ins Papier stachen. Das Durchstechen (frz. la perçage, engl. rouletting) war eine Verbesserung führte aber häufig zu Rissen in den Marken, weshalb weiterhin zur Schere gegriffen wurde. Nur schnitt man nun entlang der Durchstiche.

Die zündende Idee war die regelmässige Entfernung von Papier durch geschärfte Lochstifte. Sie alle kennen wahrscheinlich die Revolver-Lochzange, mit deren unterschiedlich grossen Lochstiften ein zusätzliches Loch in den Gürtel gestanzt werden kann, wenn das Essen im Urlaub wieder einmal zu üppig ausfiel.

© Diktum GmbH

Mittels solcher Lochstifte, in gleichmässigen Abständen als Kamm auf eine Leiste oder als Kreuzkamm auf ein Gitter montiert – für die verschiedenen Varianten klicken Sie hier, wurden die Schalterbögen nach dem Druck zwischen den Markenbildern gelocht. Der Philatelist spricht von Perforation. Im Gegensatz zum Durchstich mittels Messer, wurde bei der Lochung – denken Sie ans Lochen von Papier vor dem Abheften im Ordner – Papiermaterial entfernt, was die Trennung der Marken – immer noch ein Zerreissen von Papier, nur weniger – aus dem Bogen sehr vereinfachte. Die Briefmarken waren zu ihren Zähnen gekommen.

One Penny Red von 1855 (Sammlung Projekt Saarphilatelie.com)

Schnell fand man heraus, dass eine Lochung mit weitem Abstand zwischen den einzelnen Löchern zu unbefriedigenden Ergebnissen führte, da immer noch viel Papier zu zerreissen war. Ebenso wurde die Verwendung von Lochstiften mit grossem Durchmesser schnell aufgegeben. Kleine Löcher, dafür eng beieinander erbrachten die besten Resultate.

Die Kennzahl, die uns angibt, wie eng die einzelnen Perforationslöcher angebracht wurden, ist das Zähnungsmass. Es wird berechnet als die Anzahl Zähnungslöcher pro 2 Zentimeter. Konkretes Beispiel: Der 1 Mark-Wert der Berufe und Ansichten aus dem Saarland mit dem Bildmotiv Saarschleife bei Mettlach ist 22,5 Millimeter hoch und knapp 41 Millimeter breit. Wir zählen 17 auf 29 Zähnungslöcher. Auf 2 Zentimeter gerechnet, ergibt dies 14 x 14 (Breite x Länge). Auf den vorstehenden Absatz angewandt gilt bis zu einem gewissen Grad: je höher das Zähnungsmass ist, desto leichter lassen sich die Briefmarken voneinander trennen.

Das Zähnungsmass ist nicht in allen Fällen auf allen Seiten der Briefmarke gleich: Es kommt durchaus vor, dass die waagerechten Seiten mit 14 ¾ gezähnt sind und die senkrechten Seiten mit 14. Diese unsymmetrische Zähnung wird in der Literatur mit 14¾ x 14 (auch 14¾:14) wiedergegeben. Es gibt auch Briefmarkenausgaben, die im Verlauf der Gültigkeit ein- oder mehrmals nachgedruckt wurden und dabei eine unterschiedliche Perforation erhielten. Dies kann sich – je nach Seltenheit der einzelnen Zähnungsmasse – rasch im monetären Wert der Marke niederschlagen.

Nun können wir zwar das Zähnungsmass berechnen; die einen im Kopf, die anderen mit Taschenrechner. Wir müssen es aber nicht. Es gibt viel interessantes Zubehör, welches uns diese Rechenarbeit abnimmt und in einigen Fällen auch Zusatznutzen bietet. Und dies sogar für kleines Geld.

Dieses Zubehör ist der Zähnungsschlüssel (frz. odontomètre, engl. perforation gauge, perforation tester). Ein einfaches Gerät, welches uns Sammler über optische, optisch-mechanische oder sogar digitale Ansätze das Rechnen abnimmt. Klingt gut? Ist es auch.

Von oben nach unten: Die einfachen Zähnungsschlüssel von Leuchtturm, Lindner und Saarphila. Letztere ist in der jeweils aktuellen Version besonders praktisch, da auf der Rückseite des gratis abgegebenen Zähnungsschlüssels der für Saar-Sammler wichtige Auktionskalender dieses Briefmarkenhauses aufgedruckt ist.

All diesen Zähnungsschlüsseln ist gemeinsam, dass wir zur Bestimmung des Zähnungsmasses unsere Briefmarke solange auf den ausschliesslich optisch wiedergegebenen Zähnungen auflegen müssen, bis wir eine genaue Übereinstimmung erhalten. Sie merken schon: diese Methode ist schnell und günstig, aber auch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.

WICHTIG: Für die Messung von Marken auf philatelistischen Belegen sind im Fachhandel transparente Varianten des Zähnungsschlüssels erhältlich.

Ein optisch-mechanisches Zubehör ist die Phila Combi-Box aus dem Haus Lindner.

Dieses Zubehör vereinigt den Zähnungsschlüssel mit einer Schale für die Wasserzeichensuche mittels chemisch reinem Benzin. Bei der Phila Combi-Box sind die Zähnungslöcher nicht nur aufgezeichnet, sondern als kleine Stifte ausgeführt. So findet ihr durch vorsichtiges Anlegen der Briefmarke rasch das korrekte Zähnungsmass. Wie das aussieht? Seht selbst.

Was wir benötigen: Phila Combi Box, Briefmarke, Pinzette
Die Marke – vorsichtig – mit der Pinzette den Zähnungsschlüssel entlangfahren, bis Stifte und Zähnung exakt zusammenpassen.
Zähnungsmass 14, was messe ich überhaupt … steht doch schon oben auf der Marke, oder?

Ich persönlich erachte die computergestützten Varianten des Zähnungsschlüssels für sehr praktisch, da sich das sehr genaue Ergebnis der Messung speichern und ausdrucken lässt. Alles, was es zur Zähnungsbestimmung braucht, ist ein Scan oder ein Foto unserer Briefmarke.

Für das weit verbreitete Betriebssystem Microsoft Windows gibt es den PERFOMaster 3000 aus dem Haus Buxsoft. Dieses arbeitet unter der steinzeitlichen Version Windows XP genauso wie unter Windows 7, aber genauso tadellos unter Windows 10.

Für Mac OS X sowie iOS gibt es die Applikation Stamp Analyser des Entwicklers Rakium Inc. aus den USA. Neben dem Zähnungsmass ermittelt diese Software auch noch den – in den USA sehr entscheidenden – „Grade“ (Zentrierung) der Briefmarke. Besitzer eines iPhones können mittels der integrierten Kamera die Aufnahme einer Briefmarke direkt in die Software einlesen und analysieren. Die App erkennt auch selbständig die Skalierung der Abbildung, kann damit in der Regel auch auf Angebote aus ebay, Delcampe & Co. angewendet werden. Für mich ein Muss für alle Philatelisten.

Schaut euch bitte die Ergebnisse der beiden softwarebasierten Lösungen genau an. Ihr werdet feststellen, dass das Zähnungsmass einer gewissen Bandbreite unterworfen ist. Ich habe für die Messungen unter beiden Systemen denselben Scan derselben Briefmarke verwendet. Die Variation resp. die kleinen Abweichungen des Ergebnisses sind völlig normal. Das Zähnungsmass bleibt 14×14.

Wofür benötigen wir nun diese Messzahl Zähnungsgrad? Zur Erkennung von seltenen Abarten und unerwünschten Fälschungen. Bei der Perforation und der Zähnung einer Briefmarke gibt es viele Ansätze, um aus einer häufigen, günstig zu erwerbenden Marke, eine seltene, gesuchte und damit teurere Marke zu „basteln“. Oft werden Briefmarken mit schlechter, beschädigter Zähnung nachgezähnt. Dies bedeutet, dass die Zähnung repariert wird und für Otto-Normalsammler wie eine unbehandelte Zähnung aussieht. Es gibt jedoch auch Fälle, wo skrupellose Fälscher durch Anbringung eines anderen Zähnungsgrades als des ursprünglich vorhandenen, selten vorkommende Mischzähnungen herstellen.

In all diesen Fällen helfen uns Zähnungsschlüssel. Ihr könnt euch sicherlich gut vorstellen, dass auf Briefmarkenbörsen oder -messen die rasche und unkomplizierte Bestimmung des Zähnungsgrades und der Dimensionen einer Briefmarke über die Kamerafunktion eines Smartphones viel Geld wert sein kann.

Bis dann