Reihenmerkmale (II) – Perforationsanomalie bei A-Bögen

Hallo

Der Saarphilatelie-Blog geht 2019 in sein zweites Jahr. Bin ich darüber erstaunt? Die Antwort ist ein klares ja. Sicher, als ich im Dezember 2017 den ersten Beitrag des Saarphilatelie-Blogs schrieb, ging ich davon aus, dass  Saarphilatelie.com und damit auch dieser Blog mehr als nur ein paar Monate existieren würde. Dennoch ist es etwas anderes, zu Beginn eines soeben begonnenen Jahres schon auf mehr als nur einige Beiträge zurückschauen zu können.

Im Jahresrückblick 2018 habe ich keinen Blick in die Glaskugel geworfen und ich werde es auch jetzt nicht tun. Einen Vorsatz habe ich für das Jahr 2019 jedoch gefasst. Ich werde mehr Zeit als im letzten Jahr meiner Sammlung widmen. Das bedeutet keine Vernachlässigung des Saarphilatelie-Blogs. Jedoch plane ich keine forschungsintensiven Beitragsserien wie beispielsweise zu den rätselhaften Feldmerkmale beim 12 Pfennig-Wert.

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Doch nun zum Thema dieses Beitrags. Der Perforationsanomalie. Was genau wir uns unter diesem Begriff vorzustellen haben, dazu später mehr.

Die Werte der 1. Offenburger Ausgabe gelangten 1947 in perforierten Bögen zu 100 Marken resp. bei den beiden grossformatigen Motiven Marschall Ney sowie Saarschleife bei Mettlach in perforierten Bögen zu 50 Marken an die saarländischen Postschalter.

Schalterbogen zu 100 Marken (hier 75 Pfennig-Wert)
Schalterbogen zu 50 Marken (hier 84 Pfennig-Wert)

Die Perforation der Markenbögen half und hilft Schalterbeamten wie Postbenutzern bei der einfachen und regelmässigen Trennung der Briefmarken ohne Zuhilfenahme eines Messers oder einer Schere, wie dies noch in den Anfangsjahren der Briefmarken gang und gäbe gewesen war.

Wie wir wissen, wurden die Markenbögen der 1. Offenburger Ausgabe nach dem Druck durch eine Titan Flachperforiermaschine mittels Kammzähnung perforiert. Solltet ihr nun bei Perforationsanomalie naheliegenderweise an verschobene Perforation (vgl. Abb.) denken, liegt ihr falsch.

Wir werden und im Folgenden nicht mit mehr oder weniger stark verschobenen Perforationen beschäftigen und auch nicht mit der sogenannten rauen Perforation, die auftritt, wenn die verwendete Titan Flachperforiermaschine mit mehr als vier Druckbögen zugleich befüllt wurde (vgl. die nachfolgenden zwei Abb.).

Sicherlich ist euch bei der Durchsicht eurer Sammlung einmal eine Marke wie die nachstehend abgebildete in die Pinzette gekommen und ihr habt euch gefragt, weshalb wohl auf der rechten Seite der Marke das dritte Zähnungsloch von oben so merkwürdig nach innen verschoben ist.

Ursache dieser Verschiebung sind nicht exakt fluchtende Zähnungsstifte einer einzigen Reihe, und zwar der zweiten senkrechten Zahnreihe von links. Die hierdurch verursachte Perforationsanomalie wiederholt sich auf jedem A-Bogen wogegen die B-Bögen diese Veränderung nicht aufweisen. Warum nicht? Perforiert wurden ganze Druckbögen, bestehend aus je einem A- und B-Bogen. Die Druckbögen wurden ja erst nach der Perforation mittels eines Planschneiders in Schalterbögen getrennt.

Einige Beispiele, an denen Sie die regelmässig wiederkehrende Verschiebung des dritten Kammzahns nachvollziehen können:

Die Perforationsanomalie des bei Marken der ersten Bogenreihe rechts nach innen und bei Marken der zweiten Bogenreihe links nach aussen verschobenen Zahnlochs – verkürzter Zahn – tritt bei sämtlichen Werten der kleinformatigen Marken von 2 Pfennig bis 80 Pfennig auf. Warum nicht auch bei den grossformatigen Werten zu 84 Pfennig und 1 Mark? Die Erklärung ist einfach.

Da diese beiden grossformatigen Werte im Querformat gedruckt wurden, musste bei der Perforation aus dem Zähnungskamm jede zweite Zahnreihe entnommen werden, darunter auch die nicht richtig fluchtende zweite Zahnreihe.

Falls ihr nun das nächste Mal eine Marke der 1. Offenburger Ausgabe mit dem verschobenen Zähnungsloch seht, wisst ihr, dass diese bei einem rechts nach innen verschobenem Zahnloch aus der ersten Reihe und bei einem links nach aussen verschobenen Zahnloch (verkürzter Zahn) aus der zweiten Reihe eines A-Bogens stammt.

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Das zuvor geschilderte Zustandekommen der Perforationsanomalie hat noch eine weitere, eventuell nur für den Spezialisten interessante Konsequenz. Das Saarhandbuch schreibt zum Thema Perforation der Marken der 1. Offenburger Ausgabe in Kapitel 402, Seite 7, d) Zähnung:

Sämtliche Werte wurden in Kammzähnung 14 gezähnt. Dabei wurden die Druckbogen von je zwei Arbeiterinnen in zwei automatische „Titan“-Flachperforiermaschinen eingelegt.

Die Aussage, dass die Perforation in der Druckerei Burda durch zwei Perforiermaschinen vorgenommen wurde, ist falsch. Es käme einem kleinen Wunder gleich, würden bei gleich zwei Perforationsmaschinen jeweils der zweite Kamm von links die exakt gleichen nicht fluchtenden Zähne aufweisen.

Bis dann

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