Die einzelnen Werte – 20 Pfennig

Hallo

Dies ist der zehnte Beitrag zu den einzelnen Werten der 1. Offenburger Ausgabe. Wir beschäftigen uns mit dem 20 Pfennig-Wert, einem weiteren Wert mit dem Bildmotiv Stahlwerker beim Hochofenabstich.

Der 20 Pfennig-Wert der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland war ein klassischer Ergänzungswert, weshalb die Marke erst am letzten der vier Ausgabetermine, dem 7. März 1947, an die saarländischen Postschalter gelangte. 20 Pfennig wurde als Frankatur benötigt für:

    • Postanweisung bis 10 Reichsmark
    • Zahlkarte von 25 bis 100 Reichsmark
    • Gebühr (Zuschlag) für:
      • eigenhändig
      • Wertsendung je 500 Reichsmark
    • ab dem 15. September 1947 auch für:
      • Warenproben Ausland bis 100 g
SP22, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Das Markenbild zeigt vier Stahlwerker beim Abstich eines Hochofens. Die beiden Stahlwerker im Vordergrund drehen dem Betrachter den Rücken zu und tragen je ein Stocheisen.

Mit dem Bildmotiv hat Vytautas Kazimieras Jonynas, der Entwerfer sämtlicher Bildmotive der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland, den zweiten für das Saarland bedeutsamen Wirtschaftszweig auf 18,5 x 22 Millimeter fixiert:

Die Eisenhütte, als gewichtiges Standbein der Wirtschaft im Gebiet der Saar, wurde bereits anfangs der 1920er-Jahre als Bildmotiv für Briefmarken des Saargebiets verwendet. Auf den jeweils höchsten Werten der Ausgaben Landschaftsbilder I/II/III stand jedoch im Gegensatz zum Bildmotiv der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland die Hütte – in diesem Fall die Burbacher Hütte – im Vordergrund, nicht der dort arbeitende Mensch.

25 Mark; 1921 Landschaftsbilder I
5 Franken (auf 25 Mark); 1921 Landschaftsbilder II
5 Franken; 1922 Landschaftsbilder III

Bei der Beschäftigung mit diesem Beitrag bin ich auf einen interessanten Zusammenhang gestossen. Bestimmte Achate aus dem Gebiet bei Freisen (St. Wendel) im Saarland zeigen eine Färbung, die der Farbgebung des 25 Mark-Werts der Landschaftsbilder I verblüffend ähnelt. Zufall?

Achat aus dem Raum Freisen (Hans-Georg Windisch)

Abbildungen

Der 20 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, von denen die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg eine Neuauflage bestellte. Von dem 20 Pfennig-Wert existieren somit vier Varianten: Marken der Originalausgabe, Marken der Neuausgabe, Marken der Originalausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck (Urdruck/Altdruck) sowie Marken der Neuausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck.

SP40, Neuausgabe Herbst 1947
SP53 I, Originalausgabe mit Aufdruck 5 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ I)
SP53 II, Neuausgabe mit Aufdruck 5 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ II)

Für den Sammler ist die Unterscheidung von überdruckten Marken der Originalausgabe – dem sogenannten Alt- oder Urdruck – und überdruckten Marken der Neuausgabe nicht ohne Tücken. Achtet auf:

    • Die Farbe des Papiers. Für die Neuausgabe stand fast weisses Papier zur Verfügung. Weisses Papier werdet ihr bei der Originalausgabe nicht finden.
    • Die Bodenplatten sind auf der Neuausgabe besser zu erkennen. In dem Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlarbeiters wurde eine Retusche an der Originalvorlage vorgenommen.
    • Die Zeichnung von 2 und 0 der Wertangabe der Neuausgabe wurde verändert und insgesamt kräftiger ausgeführt (dieses Unterscheidungsmerkmal ist je nach Lage des schwarzen Aufdrucks nicht immer zu erkennen).
    • Die Gummierung der Neuausgabe ist wesentlich heller und transparenter als die der Originalausgabe (vgl. Abbildungen)
Gummierung Originalausgabe, leicht bräunlich, diagonal geriffelt
Gummierung Neuausgabe, hell und transparent

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Dokumentation der Druckdaten der Originalausgabe, Groteskschrift ohne Doppelpunkt, Typ II

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 12. Februar 1947, B 00424 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bogennummern sind durchgehend 5-stellig

Dokumentation Abklatsch

Abklatsch (Originalausgabe), schwach ausgeprägt
Abklatsch (Neuausgabe), schwach ausgeprägt
Abklatsch (Neuausgabe), stark ausgeprägt

Die vorstehenden Abbildungen zeigen Abklatsche, entstanden durch Druck auf der gummierten Seite des Markenbogens. Da der Abklatsch deckungsgleich mit der Bildseite der Marke ist, entstand dieser maschinell: ein sogenannter Maschinenabklatsch. Wurde ein Druckbogen nicht korrekt von der Druckmaschine eingezogen oder kam es mangels Druckbögen zu einem Leerlauf, gab der farbgetränkte Formzylinder Farbe auf die – eigentlich hinter dem zu bedruckenden Druckbogen liegenden – Halterolle ab. Sobald nun der Druckvorgang wieder ordnungsgemäss verlief, gab die Halterolle die Farbe an die gummierte Seite des folgenden Druckbogens ab.

Dokumentation verschobene Perforation

Dokumentation raue Perforation

Dokumentation unpeforierte Marke

Von allen Werten der 1. Offenburger Ausgabe sind ungezähnte Stücke und sogar Bogenteile bekannt. Diese Marken wurden nach derzeitigem Wissenstand nicht über die saarländischen Postschalter verkauft, sondern stammen aus Ausschuss resp. Makulatur bei der Druckerei Franz Burda. Der Ausschuss wurde zwar unter behördlicher Aufsicht vernichtet, doch scheint es bei der Überwachung Lücken gegeben zu haben.

Dokumentation Quetschfalten

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, war bei der 1. Offenburger Ausgabe die Qualität des verwendeten Papiers minderwertig. Immer wieder kam es vor, dass sich in den bereits gummiert angelieferten Papierstapeln Druckbögen mit Quetschfalten befanden und nicht immer wurden diese vor dem Druck entfernt oder landeten nach dem Druck im Ausschuss.

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Steckbrief des 20 Pfennig-Werts

    • Wert/Währung: 20 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 20 (Saar-) Pfennig
    • Bildmotiv: Stahlwerker beim Hochofenabstich
    • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
    • Farben (Aufzählung):
      • RAL: 3031 Orientrot
      • Stanley Gibbons Farbenführer: carmine-red
      • End/Becker: Braunkarmin
      • Paul Staedel: carmin
      • Saarhandbuch (SHB): Karmin
      • Michel: lebhaft Karminrot
      • Scott: brown rose
      • Stanley Gibbons: lake
      • Yvert & Tellier: rouge-carminé
    • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
    • Wasserzeichen: kein
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
    • Masse: ca.22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
    • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
    • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
    • Bogenrandsignaturen:
      • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
      • Druckdatum ausgeführt in Groteskschrift, Typ II
    • Druckdatum/-daten: 10./11. Februar 1947
    • Auflage: 3’020’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit rd. 3’010’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Erstausgabetag: 7. März 1947
    • Verkauf bis: 19. November 1947
    • Gültigkeit: 7. März 1947 bis 27. November 1947
    • Hauptwert/Ergänzungswert: Ergänzungswert
    • Katalognummern (Aufzählung):
      • End/Becker: 214
      • Paul Staedel: 9
      • F.S.A.: 204
      • Michel: 214
      • Saarphilatelie: 22
      • ANK: 214
      • Scott: 162
      • Stanley Gibbons: 211
      • Yvert & Tellier: 204
    • Neuausgabe im Herbst 1947: ja (vgl. Abbildung)
    • Druckdatum/-daten der Neuausgabe: 24./25. Oktober 1947
    • Auflagehöhe der Neuausgabe: 3’040’000 Stück
    • Überdruck der Originalausgabe (Urdruck, MBD I): ja; 8’700 Stück von denen 400 Stück am 24. März 1948 vernichtet wurden (vgl. Abbildung)
    • Wert/Währung des Malstatt-Burbacher Drucks: 5 F
    • Erstausgabetag des 5 F-Werts des Malstatt-Burbacher Drucks: 27. November 1947

Eine kurze Erklärung zu der Verwendung der Begriffe Originalausgabe (1. Offenburger Ausgabe) und Neuausgabe (2. Offenburger Ausgabe). Die Originalausgabe wurde vom 27. Dezember 1946 bis zum 21. Februar 1947 bei der Druckerei Franz Burda gedruckt. Die Druckerei erhielt im Spätsommer/Herbst 1947 den Auftrag zu einer Neuauflage von 13 der 20 Werte, um die Briefmarkenbestände aufzufüllen. Der höchste Wert zu einer Mark sollte dabei auf die seit dem 16. Juni 1947 gültige neue Währung Saarmark umgestellt werden. Die Negative, Diapositive und Druckzylinder der Originalausgabe waren bei der Druckerei Franz Burda jedoch nicht mehr vorhanden oder nicht mehr benutzbar. Es mussten also von Jonynas‘ Originalvorlagen – diese waren noch vorhanden – neue Abzüge erstellt werden. Kleinere Beanstandungen wurden an den Originalvorlagen vorgängig retuschiert, wie beispielsweise im Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlwerkers bei den Werten zu 15, 16, 20 sowie 24 Pfennig. Da die Herstellung der 13 nachbestellten Werte von geänderten Originalen erfolgte, sprechen wir von einer Neuausgabe und nicht von einer Neuauflage. Der Malstatt-Burbacher Druck ist wiederum eine Überdruckausgabe beider Ausgaben. Die Originalausgabe mit Überdruck bezeichnen wir als MBD Typ I und die Neuausgabe mit Überdruck als MBD Typ II.

Bis dann

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