Die einzelnen Werte – 30 Pfennig

Hallo

und willkommen zum 13. Beitrag zu den einzelnen Werten der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland . Wir sind nicht abergläubisch und beschäftigen uns mit dem 30 Pfennig-Wert, dem zweiten von fünf Werten mit dem Bildmotiv Bäuerinnen bei der Rübenernte vor Industrieanlagen.

Der 30 Pfennig-Wert war einer von zwei Werten die man mit Fug und Recht als Schweizer Offiziersmesser dieser Briefmarkenserie bezeichnen kann. Als Frankatur kamen 30 Pfennig zum Einsatz:

    • Drucksache 4. Gewichtsstufe 100 g bis 250 g
    • Zeitungsdrucksache 4. Gewichtsstufe 250 g bis 500 g
    • Warenproben 2. Gewichtsstufe 100 g bis 250 g
    • Geschäftspapiere 100 g bis 250 g
    • Mischsendung 2. Gewichtsstufe 100 g bis 250 g
    • Postanweisung bis 25 Mark
    • Zahlkarte 250 Mark bis 500 Mark
    • ab dem 15. September 1947 auch für:
      • Auslandspostkarte
      • Warenproben Ausland 2. Gewichtsstufe 100 g bis 150 g
SP25, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Das Markenbild zeigt zwei Bäuerinnen bei der Ernte; vermutlich bei der Rübenernte. Nach Bergbau und Stahlindustrie wird mit dem dritten Bildmotiv die Ende der 40er-Jahre nicht nur im Saarland noch sehr bedeutsame Landwirtschaft thematisiert. Im Bildhintergrund erkennen wir dagegen Industrieanlagen mit Gasometer, sieben rauchenden Fabrikschloten unterschiedlicher Höhe, Industriehallen und einer Dampflokomotive mit Waggons.

Der Bildaufbau erinnert an das erste Bildmotiv Bergmann im Streb vor Saarlandschaft, mit dem körperlich schwer arbeitenden Hauer vor einer ländlichen Idylle.

Wieder gelingt dem Entwerfer Vytautas Kazimieras Jonynas das Kunststück, wichtige Zusammenhänge subtil in das gerade einmal 18,5 x 22 Millimeter grosse Markenbild einfliessen zu lassen. Wieder steht dabei der in seiner Umwelt agierende Mensch im Mittelpunkt.

Interessanterweise lässt Vytautas Kazimieras Jonynas Frauen das Bildmotiv prominent dominieren; nicht dekorativ platzierte Frauen, sondern Frauen, die körperlich hart arbeiten und ihre Werkzeuge routiniert benutzen. Dabei ist seine Darstellung der Frauen überaus detailliert: Kopftuch, Hemd, Rock über Strumpfhosen, Schürze und derbe Schuhe.

Vytautas Kazimieras Jonynas stellt – wie beim Bergmann – auch mit diesem Bildmotiv den essentiellen Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Industrie her. Ohne Nahrungsmittel keine Arbeiter, keine Produktion, kein Wohlstand. Wieder ist es für ihn, wie bereits beim Bergmann und den Stahlwerkern, harte körperliche Arbeit, welche den wirtschaftlichen Erfolg – hier symbolisiert durch die rauchenden Fabrikschlote – und damit den Wohlstand der Saarländer erst generiert.

Das i-Tüpfelchen des Bildmotivs ist jedoch der abgebildete Gasometer. Dieser ist eine subtile Warnung vor den Gefahren industrieller Arbeit. 1932 war bei Wartungsarbeiten der grosse Gasometer in Neunkirchen explodiert. Ein Unglück, dass sehr viele Opfer forderte und weltweit beachtet wurde. Den Saarländern dürften 1947 – bloss 15 Jahre nach dem Unglück – die Bilder des verwüsteten Neunkirchen trotz aller zwischenzeitlichen Kriegsbilder noch gut in Erinnerung gewesen sein.

Ein Hinweis zu dem weiter unten folgenden Steckbrief des 30 Pfennig-Werts. Bei der Aufzählung der Farben sticht die Beschreibung des Michel-Kataloges – dunkelgrünlicholiv bis (dunkel-) grünoliv – negativ hervor. Weder andere Katalogredaktionen noch die Farbenführer von RAL resp. Stanley Gibbons kommen auch nur zu einem ähnlichen Ergebnis. Was meint ihr? Erkennt ihr in der Farbe des 30 Pfennig-Werts Oliv?

Abbildungen

Der 30 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, von denen die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg eine Neuauflage bestellte. Von dem 30 Pfennig-Wert existieren somit vier Varianten: Marken der Originalausgabe, Marken der Neuausgabe, Marken der Originalausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck (Urdruck/Altdruck) sowie Marken der Neuausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck.

SP42, Neuausgabe Herbst 1947
SP55 I, Originalausgabe mit Aufdruck 9 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ I)
SP55 II, Neuausgabe mit Aufdruck 9 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ II)

Für den Sammler ist die Unterscheidung von überdruckten Marken der Originalausgabe – dem sogenannten Alt- oder Urdruck – und überdruckten Marken der Neuausgabe nicht ohne Tücken. Achtet auf:

    • Die Farbe des Papiers. Für die Neuausgabe stand fast weisses Papier zur Verfügung. Weisses Papier werdet ihr bei der Originalausgabe nicht finden.
    • Die Grossbuchstaben des Schriftbands SAAR. Die Querstriche der beiden A von SAAR wurden tiefer gelegt.
    • Die Darstellung insbesondere der Ränder, bspw. der Rocksaum der stehenden Bäuerin, sind detaillierter ausgeführt.
    • Die Gummierung der Neuausgabe ist wesentlich heller und transparenter als die der Originalausgabe (vgl. Abbildungen)
Gummierung Originalausgabe, leicht bräunlich, diagonal geriffelt
Gummierung Neuausgabe, hell und transparent

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Dokumentation des Druckdatums der Originalausgabe, Groteskschrift ohne Doppelpunkt, Typ II

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 15. Februar 1947, A 01068 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bogennummern sind durchgehend 5-stellig

Dokumentation verschobene Perforation

Dokumentation raue Perforation

Schöne Beispiele für die sogenannte raue Perforation. Diese entstand, wenn die Mitarbeiter die Titan Flachperforiermaschine mit mehr als den maximal zulässigen vier Druckbögen befüllten und/oder die Stifte des Perforationskamms stumpf wurden. Die Trennung der Marke aus dem Bogen gestaltete sich bei rauer Perforation schwer, was sich anhand der Abbildungen schön nachvollziehen lässt. Hier Abbildungen der 1. Offenburger Ausgabe und des Malstatt-Burbacher Drucks (Typ II).

Dokumentation Einschluss und Quetschfalte

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, war bei der 1. Offenburger Ausgabe die Qualität des verwendeten Papiers – mit Ausnahme des Wasserzeichenpapiers für die Werte zu 12, 45 und 75 Pfennig – überwiegend minderwertig. Immer wieder kam es vor, dass sich in den bereits gummiert angelieferten Papierstapeln Druckbögen mit Quetschfalten (vgl. Pfeile) befanden und nicht immer wurden diese vor dem Druck entfernt oder landeten nach dem Druck im Ausschuss.

In dem dicken, rauen, gräulichweissen bis gelbbräunlichen Papier findet man häufig Holzeinschlüsse. Unter der Lupe treten oft feine, farbige Stofffäden hervor. Der vorstehend abgebildete Holzeinschluss ist jedoch aussergewöhnlich gross und dick.

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Steckbrief des 30 Pfennig-Werts
    • Wert/Währung: 30 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 30 (Saar-) Pfennig
    • Bildmotiv: Bäuerinnen bei der Rübenernte vor Industrieanlagen
    • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
    • Farben (Aufzählung):
      • RAL: 6010 Grasgrün
      • Stanley Gibbons Farbenführer: yellow-green
      • End/Becker: Grün
      • Paul Staedel: vert-jaune
      • Saarhandbuch (SHB): Grün
      • Michel: Dunkelgrünlicholiv bis (dunkel-) Grünoliv
      • Scott: light green
      • Stanley Gibbons: yellow-green
      • Yvert & Tellier: vert-jaune
    • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
    • Wasserzeichen: kein
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
    • Masse: ca.22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
    • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
    • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
    • Bogenrandsignaturen:
      • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
      • Druckdatum ausgeführt in Groteskschrift, Typ II
    • Druckdatum/-daten: 15. Februar 1947
    • Auflage: 1’520’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit 1’510’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Erstausgabetag: 7. März 1947
    • Verkauf bis: 19. November 1947
    • Gültigkeit: 7. März 1947 bis 27. November 1947
    • Hauptwert/Ergänzungswert: Hauptwert
    • Katalognummern (Aufzählung):
      • End/Becker: 217
      • Paul Staedel: 12
      • F.S.A.: 207
      • Michel: 217
      • Saarphilatelie: 25
      • ANK: 217
      • Scott: 165
      • Stanley Gibbons: 214
      • Yvert & Tellier: 207
    • Neuausgabe im Herbst 1947: ja (vgl. Abbildung)
    • Druckdatum/-daten der Neuausgabe: 14. November 1947
    • Auflagehöhe der Neuausgabe: 2’057’000 Stück
    • Überdruck der Originalausgabe (Urdruck, MBD I): ja; 8’300 Stück von denen 600 Stück am 24. März 1948 vernichtet wurden (vgl. Abbildung)
    • Wert/Währung des Malstatt-Burbacher Drucks: 9 F
    • Erstausgabetag der 9 F-Werts des Malstatt-Burbacher Drucks: 27. November 1947

Eine kurze Erklärung zu der Verwendung der Begriffe Originalausgabe (1. Offenburger Ausgabe) und Neuausgabe (2. Offenburger Ausgabe). Die Originalausgabe wurde vom 27. Dezember 1946 bis zum 21. Februar 1947 bei der Druckerei Franz Burda gedruckt. Die Druckerei erhielt im Spätsommer/Herbst 1947 den Auftrag zu einer Neuauflage von 13 der 20 Werte, um die Briefmarkenbestände aufzufüllen. Der höchste Wert zu einer Mark sollte dabei auf die seit dem 16. Juni 1947 gültige neue Währung Saarmark umgestellt werden. Die Negative, Diapositive und Druckzylinder der Originalausgabe waren bei der Druckerei Franz Burda jedoch nicht mehr vorhanden oder nicht mehr benutzbar. Es mussten also von Jonynas‘ Originalvorlagen – diese waren noch vorhanden – neue Abzüge erstellt werden. Kleinere Beanstandungen wurden an den Originalvorlagen vorgängig retuschiert, wie beispielsweise im Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlwerkers bei den Werten zu 15, 16, 20 sowie 24 Pfennig. Da die Herstellung der 13 nachbestellten Werte von geänderten Originalen erfolgte, sprechen wir von einer Neuausgabe und nicht von einer Neuauflage. Der Malstatt-Burbacher Druck ist wiederum eine Überdruckausgabe beider Ausgaben. Die Originalausgabe mit Überdruck bezeichnen wir als MBD Typ I und die Neuausgabe als Überdruck ist MBD Typ II.

Bis dann

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