Wappen und Dichter – Die ersten Briefmarken für das Saarland (I)

Wappen und Dichter – Generelle Bemerkungen

Hallo

Wahrscheinlich habt ihr an dieser Stelle einen Beitrag zum 84 Pfennig-Wert der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland erwartet. Ich hoffe, eurre Enttäuschung hält sich in Grenzen.

Die Beiträge zum 84 Pfennig-Wert sowie zum 1 Mark-Wert der Saar I habe ich, wie ich finde, aus gutem Grund etwas aufgeschoben. Welcher Grund ist das? Das Projekt Saarphilatelie.com wird die kommenden Tage in der Region Saar-Lor-Lux unterwegs sein und dabei die originalen Vorlagen für die von Vytautas Kazimieras Jonynas fotorealistisch ausgeführten Bildmotive – den Alten Turm in Mettlach, das Denkmal für Maréchal Ney in Saarlouis sowie die Saarschleife bei Mettlach – aufsuchen. Ich werde ausgiebig recherchieren, fotografieren und die – hoffentlich vorzeigbaren – Ergebnisse in die ausstehenden zwei Beiträge zu den einzelnen Werten der 1. Offenburger Ausgabe einfliessen lassen.

Diese ausgiebige Ortsbesichtigung hat zur Folge, dass der reguläre Beitrag vom 2. Juni 2019 ausfallen wird. Der nächste Beitrag erscheint dann wieder wie gewohnt am Sonntag, 9. Juni 2019.

So, genug der Vorrede. Worum geht es in diesem Beitrag? Einerseits zeige ich euch einige Belege mit Marken der Ausgabe Wappen und Dichter. Andererseits stelle ich den Forschungsschwerpunkt des Projekts Saarphilatelie.com für die kommenden Wochen vor.

Beginnen wir mit den Belegen mit Marken der Ausgabe Wappen und Dichter. Bereits wenige Monate nach Kriegsende in Europa (vgl. hier) liessen die Militärbehörden der Zone d’occupation française en Allemagne, zu welcher die Saar-Region (grob, das ehemalige Saargebiet) zu dieser Zeit noch gehörte, nach und nach den zivilen Postverkehr wieder zu. Zur Freimachung von Briefen und Postkarten fehlte es jedoch an den notwendigen Briefmarken und die Sendungen mussten im Postamt bar frankiert werden. Zur Kenntlichmachung solchermassen freigemachter Sendungen wurden Stempel mit Aufdruck Taxe perçue oder Gebühr bezahlt verwendet.

Die P.T.T. der Zone d’occupation française en Allemagne in Baden-Baden gab eine Briefmarkenserie in Auftrag, deren Werte von führenden französischen Gestaltern und Graveuren wie Robert Louis, Achille Ouvré, Jules Piel und Henri Cortot geschaffen und in der Pariser Staatsdruckerei gedruckt wurden. Die ersten der 13 in Mark und Pfennig (Reichswährung) denominierten Werte der Ausgabe Wappen und Dichter – der Gestalter Robert Louis war in Heraldik bewandert und hatte sich auf Wappen spezialisiert- gelangten im Saarland am 5. Januar 1946, die letzten bereits am 28. März 1946 an die Postschalter. Die Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter war somit ein Vorläufer der Briefmarkenausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

SP1-SP13, Wappen und Dichter

Was macht diese Freimarken-Serie für uns Saarsammler so aussergewöhnlich?

  • Die Marken wurden in (Reichs-) Mark und -pfennigen ausgegeben und blieben im Saarland bis zum 27. November 1947 – also fünf Monate nach der kleinen und eine Woche nach der grossen Währungsreform – frankaturgültig. Deswegen bezeichnen wir die Werte der Ausgabe Wappen und Dichter als Mitläufer.
  • Die Marken tragen die Aufschrift Zone Française. Das Saarland war jedoch bereits seit dem 16. Februar 1946 nicht mehr dem Alliierten Kontrollrat für das ehemalige Deutsche Reich in Berlin unterstellt und wurde Schritt für Schritt aus der Zone d’occupation française en Allemagne herausgelöst. Spätestens mit der Errichtung einer streng überwachten Zollgrenze zu dieser Zone am 22. Dezember 1946 war die französische Annexion des Saarlands abgeschlossen (vgl. hier). Also: Obschon die Saar-Region und nachher das Saarland nicht mehr zur Zone d’occupation française en Allemagne gehörte, blieben die Werte der Ausgabe Wappen und Dichter mit der Aufschrift Zone Française dennoch frankaturgültig.
  • Diese – für die damalige Umbruchszeit – mit fast 2 Jahren enorm lange Frankaturgültigkeit der Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter brachte auf Belegen schöne Mischfrankaturen hervor:
    • Wappen und Dichter mit zusätzlichem Stempel Gebühr bezahlt
    • Wappen und Dichter mit Werten der 1. Offenburger Ausgabe
    • Wappen und Dichter mit Werten des Malstatt-Burbacher Drucks
    • Wappen und Dichter mit den Werten von 1. Offenburger Ausgabe (möglich wäre auch 2. Offenburger Ausgabe) sowie des Malstatt-Burbacher Drucks (auf einem solchen Beleg wären dann drei unterschiedliche Währungen verklebt: Reichsmark, Saarmark und Franken)

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Abbildungen
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Dieser Beleg ist mit 12 Pfennig portogerecht frankiert, jedoch nicht gelaufen, also postalisch befördert worden. Ich zeige den Beleg dennoch, da hier zwei sehr spezielle Stempel vereint sind.

  • Stempel von Saarlouis vom 19. Mai 1946 mit der schriftgeraden Zahl 18 im Kreis (Letzteres existiert bei anderen Stempeln des Saarlandes nicht)
  • Als Nebenstempel ein Sonderstempel zu den Französischen Festtagen und der Einweihung des Denkmals für Maréchal Ney auf der Vauban-Insel in Saarlouis; das Denkmal für Maréchal Ney ist das Bildmotiv des 84 Pfennig-Werts der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Dieser Beleg vom 5. März 1947 von Mettlach nach Stuttgart ist mit 24 Pfennig ebenfalls portogerecht frankiert. Verklebt wurden neben einem 16 Pfennig-Wert der 1. Offenburger Ausgabe je ein 3 Pfennig-Wert (SP2) und ein 5 Pfennig-Wert (SP3) der Ausgabe Wappen und Dichter. Dies, obschon der eigentlich vorgesehene 24 Pfennig-Wert der 1. Offenburger Ausgabe bereits seit dem 4. Februar 1947 an den Postschaltern verfügbar gewesen wäre. Daraus lässt sich schliessen, das sechs Wochen nachdem am 20. Januar 1947 die ersten Werte der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland an die saarländischen Postschalter gelange waren, insbesondere Firmen noch Bestand an Marken der Ausgabe Wappen und Dichter hatten.

Beim genauen Hinschauen erkennt man unterhalb der Werte der Ausgabe Wappen und Dichter kleine Stempel. Ein Prüfer hat hier die Markentypen, die bei der Ausgabe Wappen und Dichter existieren, geprüft, jedoch das Ergebnis leider nicht als schriftliche Expertise, sondern als unschönes und wertminderndes Grafitti auf dem ansonsten einwandfreien Beleg hinterlassen.

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Ein portogerecht frankiertes Einschreiben vom 13. März 1947 von Reisbach nach Babenhausen im besetzten ehemaligen Deutschen Reich (48 Pfennig für einen Brief der 2. Gewichtsstufe plus 60 Pfennig Einschreibegebühr). Was ist an diesem Beleg so speziell, dass ich Ihnen diesen nicht vorenthalten wollte?

Der Poststempel wurde aptiert, das bedeutet amtlich abgeändert. Aus Reisbach über Saarlautern wurde Reisbach über Saarl.. Saarlautern war von 1936 bis 1945 der Name der Stadt Saarlouis. Der Name Saarlouis wurde am 13. Januar 1936, ein Jahr nach dem verhängnisvollen Plebiszit im Saargebiet in Saarlautern „germanisiert“. Der von den US-amerikanischen Truppen in das von ihnen neugeschaffene Regierungspräsidium Saar eingesetzte Regierungspräsident Hans Neureuther  hat den geschichtlich begründeten Namen der Stadt mit Wirkung zum 14. Juli 1945 wiederhergestellt. Nur zwischen dem Verwaltungsakt und dem vollständigen Vollzug liegen – insbesondere in Zeiten allgemeinen Mangels – zwar nicht Welten, aber doch Jahre. Schaut genau hin. Der Einschreibezettel vermerkt weiterhin als Aufgabeort Reisbach über Saarlautern.

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Steckbrief der Ausgabe Wappen und Dichter

  • die Freimarkenserie Wappen und Dichter besteht aus 13 Werten:
    • 1 Pfennig – Wappen Rheinland
    • 3 Pfennig – Wappen Pfalz
    • 5 Pfennig – Wappen Württemberg
    • 8 Pfennig – Wappen Baden
    • 10 Pfennig – Wappen Rheinland
    • 12 Pfennig – Wappen Pfalz
    • 15 Pfennig – Wappen Saarbrücken
    • 20 Pfennig – Wappen Württemberg
    • 24 Pfennig – Wappen Saarbrücken
    • 30 Pfennig – Wappen Baden
    • 1 Mark – Dichter Johann Wolfgang von Goethe
    • 2 Mark – Dichter Friedrich von Schiller
    • 5 Mark – Dichter Heinrich Heine
  • die Marken werden durch das Projekt Saarphilatelie.com unter SP1-SP13 katalogisiert
  • die Marken wurden in Reichsmark und -pfennig verausgabt
  • die Bildmotive wurden von führenden französischen Künstlern gestaltet
  • der Markendruck erfolgte bei der französischen Staatsdruckerei in Paris
  • erste Marken wurden am 17. Dezember 1945 (ZOF)/5. Januar 1946 (Saarland) verausgabt, die letzten Marken gelangten am 28. März 1946 (Saarland)/1. April 1946 (ZOF) an die Postschalter
  • die Marken wurden ab Januar 1947 durch Briefmarkenausgaben für das Saarland, sowie die neu geschaffenen Länder des besetzten ehemaligen Deutschen Reichs: Baden (bis Dezember 1946 Südbaden), Württemberg-Hohenzollern und Rheinland-Pfalz (bis 18. Mai 1947 Land Rheinpfalz) ergänzt, behielten aber Frankaturgültigkeit bis:
    • Saarland: 27. November 1947
    • Land Baden: 20 Juni 1948
    • Land Württemberg-Hohenzollern: 20 Juni 1948
    • Land Rheinland-Pfalz: 20 Juni 1948
  • die Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter wird auch als Allgemeine Ausgabe bezeichnet, da die Marken in allen Teilen der Zone d’occupation française en Allemagne sowie im Saarland frankaturgültig waren.

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Ausblick auf weitere Vorhaben des Projekts Saarphilatelie.com

Die Fragestellung, die mich in den kommenden Wochen intensiv beschäftigen wird ist:

Befinden sich in der Forschungs- und Referenzsammlung von Saarphilatelie.com Marken der 1. Offenburger Ausgabe ohne Aufdruck, jedoch mit Blinddruck des Überdrucks für die Überdruckausgabe Malstatt-Burbacher Druck, analog den Marken der 2. Offenburger Ausgabe?

Ausgangslage

In Folge der geplanten Währungsumstellung auf Frankenwährung wurden die noch vorhandenen Bestände an Schalterbögen der 1. Offenburger Ausgabe sowie die bereits ausgelieferten resp. weiterhin von der Druckerei Franz Burda in Offenburg gelieferten Schalterbögen der 2. Offenburger Ausgabe von der P.T.T. des Saarlandes in Saarbrücken an die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH geschickt. Hier wurden die Schalterbögen unbesehen ihrer Provinienz im Buchdruckverfahren (Typographie) mit neuen Werte und neuen Währungskürzeln überdruckt.

Wir wissen, dass der für den Überdruck verwendete, bereits in die Jahre gekommene Heidelberger Automat nicht fehlerfrei arbeitete. Unter anderem kam es zu partiellen oder totalen Druckausfällen oder es wurden statt eines Schalterbogens deren zwei zugeführt, mit dem Ergebnis, dass der hintere der zwei Bögen nicht überdruckt wurde.

Erkennbar sind fehlende Aufdrucke an dem sogenannten Blinddruck. Der Buchdruck ist ein Hochdruckverfahren und verändert die Markenrückseiten mehr oder weniger deutlich durch reliefartige Durchprägung. Dieser Effekt wird besonders bei Streiflichtbeleuchtung gut erkennbar, gelegentlich ist er auch mit dem Finger zu fühlen.

Marken der 1. Offenburger Ausgabe ohne Aufdruck jedoch vorhandenem Blinddruck sind meines Wissens nach bislang in keinem Katalog und in keinem Fachbuch erwähnt.

These

Die Schalterbögen von Original- und Neuausgabe wurden in der Malstatt Burbacher Handelsdruckerei GmbH unterschiedslos behandelt, also überdruckt. Die teilweisen resp. totalen Druckausfälle wie auch der Überdruck von zwei Schalterbögen gleichzeitig müssten somit auf beiden „Sorten“ Schalterbögen auftreten. Diese These ist originär vom Projekt Saarphilatelie.com aufgestellt worden und wurde m. E. noch an keiner anderen Stelle behandelt.

Ich werde euch über den Verlauf der Forschung auf dem Laufenden halten.

Bis dann

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Die einzelnen Werte – 24 Pfennig

Hallo

und willkommen zu einem weiteren Beitrag über die einzelnen Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland. Wir beschäftigen uns mit dem 24 Pfennig-Wert, dem letzten Wert mit dem Bildmotiv Stahlwerker beim Hochofenabstich.

Der 24 Pfennig-Wert der Briefmarkenausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland war einer der wichtigsten Werte für Privat- wie auch für Geschäftskunden der saarländischen Post., weshalb die Marke bereits am zweiten der vier Ausgabetermine, dem 4. Februar 1947, als dritter Wert überhaupt an die saarländischen Postschalter gelangte. 24 Pfennig wurde als Frankatur benötigt für:

  • Inlandsbrief bis 20 g

In Doppelfrankatur deckte der Wert das Porto für den Inlandsbrief der zweiten Gewichtsstufe von 20 g bis 250 g ab.

SP23, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Das Markenbild zeigt vier Stahlwerker beim Abstich eines Hochofens. Die beiden Stahlwerker im Vordergrund drehen dem Betrachter den Rücken zu und tragen je ein Stocheisen.

Mit dem Bildmotiv hat Vytautas Kazimieras Jonynas, der Entwerfer sämtlicher Bildmotive der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland, den zweiten für das Saarland bedeutsamen Wirtschaftszweig auf 18,5 x 22 Millimeter fixiert:

Abbildungen

Der 24 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, von denen die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg eine Neuauflage bestellte. Von dem 24 Pfennig-Wert existieren somit vier Varianten: Marken der Originalausgabe, Marken der Neuausgabe, Marken der Originalausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck (Urdruck/Altdruck) sowie Marken der Neuausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck.

SP41, Neuausgabe Herbst 1947

Die Marken der 2. Offenburger Ausgabe zu 24 Pfennig wurden tatsächlich – wie im Spätsommer von der P.T.T. Saarbrücken vorgesehen – an die Postschalter ausgeliefert und dort verkauft. Im Gegensatz zu Marken der Neuausgabe, die aus unterschiedlichen Gründen bei der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH zwecks Überdruck in Frankenwährung zwar durch die Druckmaschine liefen, aber keinen erkennbaren Aufdruck erhielten, weisen die Marken der Neuausgabe zu 24 Pfennig, die über den Postschalter verkauft wurden, keinen Blinddruck auf (diese Marken haben die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH nie von innen gesehen).

Bei solchen, regulär über den Postschalter verkauften Marken der Neuausgabe stimmt die Kategorisierung der Michel-Kataloge nicht. Es handelt sich keineswegs um Briefmarken des Malstatt-Burbacher Drucks, denen der Aufdruck fehlt (fA im Michel = fehlender Aufdruck), sondern um Briefmarken der 2. Offenburger Ausgabe, die ihrer ursprünglichen Bestimmung – Auffüllung der Markenbestände bei den Postämtern – zugeführt worden waren.

Neben dem 24 Pfennig-Wert wurde nur die Neuausgabe des 15 Pfennig-Werts und vielleicht des 16 Pfennig-Werts an die saarländischen Postämter ausgeliefert und über den Postschalter verkauft. In den Michel-Katalogen findet sich nachstehende Aussage:

Nur Mi.Nr. 229 II fA, 230 II fA und 233 II fA wurden an einigen Postämtern abgegeben; diese Werte können bis 27.11.1947 (Marken in deutscher Währung durften danach weder verkauft noch verwendet werden) gebraucht vorkommen.

Diese Aussage ist in mehrfacher Hinsicht falsch (vgl. hier).

SP54 I, Originalausgabe mit Aufdruck 6 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ I)
SP54 II, Neuausgabe mit Aufdruck 6 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ II)

Für den Sammler ist die Unterscheidung von überdruckten Marken der Originalausgabe – dem sogenannten Urdruck – und überdruckten Marken der Neuausgabe nicht ohne Tücken. Achtet auf:

  • Die Farbe des Papiers. Für die Neuausgabe stand fast weisses Papier zur Verfügung. Weisses Papier werdet ihr bei der Originalausgabe nicht finden.
  • Die Bodenplatten sind auf der Neuausgabe besser zu erkennen. In dem Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlarbeiters wurde eine Retusche an der Originalvorlage vorgenommen.
  • Die Zeichnung von 2 und 4 der Wertangabe der Neuausgabe wurde verändert (dieses Unterscheidungsmerkmal ist je nach Lage des schwarzen Aufdrucks nicht immer zu erkennen).
  • Die Gummierung der Neuausgabe ist wesentlich heller und transparenter als die der Originalausgabe (vgl. Abbildungen)
Gummierung Originalausgabe, leicht bräunlich, diagonal geriffelt
Gummierung Neuausgabe, hell und transparent

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Dokumentation der Druckdaten der Originalausgabe, Groteskschrift mit Doppelpunkt, Typ I

Vom Druckdatum 17. Januar 1947 liegt mir leider kein Beleg vor.

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 23. Januar 1947, A 04105 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bogennummern sind durchgehend 5-stellig

Dokumentation Abklatsch

Abklatsch (Originalausgabe), stark ausgeprägt
Abklatsch (Originalausgabe, Urdruck MBD I), stark ausgeprägt

Die vorstehenden Abbildungen zeigen Abklatsche, entstanden durch Druck auf der gummierten Seite des Markenbogens. Da der Abklatsch deckungsgleich mit der Bildseite der Marke ist, entstand dieser maschinell: ein sogenannter Maschinenabklatsch. Wurde ein Druckbogen nicht korrekt von der Druckmaschine eingezogen oder kam es mangels Druckbögen zu einem Leerlauf, gab der farbgetränkte Formzylinder Farbe auf die – eigentlich hinter dem zu bedruckenden Druckbogen liegenden – Halterolle ab. Sobald nun der Druckvorgang wieder ordnungsgemäss verlief, gab die Halterolle die Farbe an die gummierte Seite des folgenden Druckbogens ab.

Die untere der beiden Abbildungen zeigt einen Abklatsch einer Marke der Originalausgabe, die auf der Bildseite den Aufdruck 6 F des Malstatt-Burbacher Drucks zeigt (auf der Abbildung schwach als schwarzer Umriss zu erkennen). Was ist daran speziell? Es zeigt, dass Bögen mit Abklatsch auf der Gummiseite beim ursprünglichen Druck in der Druckerei Franz Burda nicht generell als Makulatur oder Ausschuss ausgeschieden wurden, da ansonsten der Bogen, zu der die abgebildete Marke gehörte, nicht zum Überdruck in die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH gelangt wäre.

Dokumentation verschobene Perforation

Ein aufmerksamer Betrachter erkennt, dass die abgebildete Marke ein auffälliges Feldmerkmal zeigt. Erkennen Sie es?

SP23 75A, 24 Pfennig (Feldmerkmal im roten Kreis)

Ich kann Ihnen auf dem Saarphilatelie-Blog© einmal mehr ein neues, bislang nicht dokumentiertes Feldmerkmal der 1. Offenburger Ausgabe vorstellen: „heller Fleck in der linken unteren Ecke des Markenbildes“ auf Feld 75A.

Die anderen Erstpublikationen von Feldmerkmalen auf dem Saarphilatelie-Blog© finden Sie hier:

Dokumentation Beleg

Inlandsbrief vom 3. Oktober 1947

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Steckbrief des 24 Pfennig-Werts

  • Wert/Währung: 24 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 24 (Saar-) Pfennig
  • Bildmotiv: Stahlwerker beim Hochofenabstich
  • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
  • Farben (Aufzählung):
    • RAL: 8023 Orangebraun
    • Stanley Gibbons Farbenführer: orange-brown
    • End/Becker: Gelbbraun
    • Paul Staedel: brun-orange
    • Saarhandbuch (SHB): Rotbraun
    • Michel: Dunkelbraunorange (Töne)
    • Scott: deep brown orange
    • Stanley Gibbons: red-brown
    • Yvert & Tellier: brun-orange
  • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
  • Wasserzeichen: kein
  • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
  • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
  • Masse: ca.22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
  • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
  • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
  • Bogenrandsignaturen:
    • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
    • Druckdatum ausgeführt in Groteskschrift, Typ I
  • Druckdatum/-daten: 15.-18./20.-24. Januar 1947; das in einigen Quellen zu findende Druckdatum 14. Januar 1947 konnte meines Wissens nach bislang nicht nachgewiesen werden
  • Auflage: 15’060’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit rd. 10’575’000 Stück am Schalter verkauft wurden
  • Erstausgabetag: 4. Februar 1947
  • Verkauf bis: 19. November 1947
  • Gültigkeit: 4. Februar 1947 bis 27. November 1947
  • Hauptwert/Ergänzungswert: Hauptwert
  • Katalognummern (Aufzählung):
    • End/Becker: 215
    • Paul Staedel: 10
    • F.S.A.: 205
    • Michel: 215
    • Saarphilatelie: 23
    • ANK: 215
    • Scott: 163
    • Stanley Gibbons: 212
    • Yvert & Tellier: 205
  • Neuausgabe im Herbst 1947: ja (vgl. Abbildung)
  • Erstausgabe der Neuausgabe: Ende Oktober 1947
  • Druckdatum/-daten der Neuausgabe: 13./14./15. Oktober 1947
  • Auflagehöhe der Neuausgabe: 6’030’000 Stück
  • Überdruck der Originalausgabe (Urdruck, MBD I): ja; 4’368’200 Stück von denen 6’600 Stück am 24. März 1948 vernichtet wurden (vgl. Abbildung)
  • Wert/Währung des Malstatt-Burbacher Drucks: 6 F
  • Erstausgabetag des 6 F-Werts des Malstatt-Burbacher Drucks: 20. November 1947

Eine kurze Erklärung zu der Verwendung der Begriffe Originalausgabe (1. Offenburger Ausgabe) und Neuausgabe (2. Offenburger Ausgabe). Die Originalausgabe wurde vom 27. Dezember 1946 bis zum 21. Februar 1947 bei der Druckerei Franz Burda gedruckt. Die Druckerei erhielt im Spätsommer/Herbst 1947 den Auftrag zu einer Neuauflage von 13 der 20 Werte, um die Briefmarkenbestände aufzufüllen. Der höchste Wert zu einer Mark sollte dabei auf die seit dem 16. Juni 1947 gültige neue Währung Saarmark umgestellt werden. Die Negative, Diapositive und Druckzylinder der Originalausgabe waren bei der Druckerei Franz Burda jedoch nicht mehr vorhanden oder nicht mehr benutzbar. Es mussten also von Jonynas‘ Originalvorlagen – diese waren noch vorhanden – neue Abzüge erstellt werden. Kleinere Beanstandungen wurden an den Originalvorlagen vorgängig retuschiert, wie beispielsweise im Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlwerkers bei den Werten zu 15, 16, 20 sowie 24 Pfennig. Da die Herstellung der 13 nachbestellten Werte von geänderten Originalen erfolgte, sprechen wir von einer Neuausgabe und nicht von einer Neuauflage. Der Malstatt-Burbacher Druck ist wiederum eine Überdruckausgabe beider Ausgaben. Die Originalausgabe mit Überdruck bezeichnen wir als MBD Typ I und die Neuausgabe mit Überdruck als MBD Typ II.

Bis dann

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Wichtige Hinweise für den Saarsammler

Erster Abschnitt: Falschstempel resp. gängige Stempel, welche nicht geprüft werden (alphabetisch nach Ort):

  • Altheim (Saar) / KSDBG
  • Aschbach über Lebach (Saar) / DKS
  • Beckingen * (Saar) a KSDB
  • Beckingen (Saar) – Heimatfest – / WST
  • Berus (Kr. Saarlouis) / KSDBG
  • Besseringen (Saar) / KSDBG
  • Bierbach (Saar) / KSDB
  • Blickweiler (Saar) / KSDB
  • Blieskastel / K
  • Bous * (Saar) * / KSDB
  • Bous (Saar) – 1000 Jahr Feier – / OWST
  • Brebach (Saar) b / DKS
  • Bübingen (Kr. Saarbrücken) a
  • Eppelborn (Saar) / KSDB
  • Eschringen * (Saar) * / KSDB
  • Haustadt über Merzig (Saar) / DKS
  • Homburg (Saar) 1 g / DKS
  • Illingen (Bez. Trier) i
  • Illingen (Saar) – 1100 Jahre Illingen – /OWST
  • Mettlach (Saar) b
  • Neunkirchen * (Saar) 1 b / KSDB
  • Ottweiler (Saar) b / DKS
  • Ottweiler (Saar) – 400 Jahre Stadt – / WST
  • Saarbrücken * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 1 d / KSDB
  • Saarbrücken 1 f / KSDB
  • Saarbrücken 1 g / KSDB
  • Saarbrücken 2 – Der französische Aussenminister … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Der Bundespräsident … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Saarland-Bundesland … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 c
  • Saarbrücken 2 e / DKS
  • Saarbrücken 2 * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 2  1 / DKS
  • Saarbrücken 2 ac / DKS
  • Saarbrücken 3 * (St. Johann) / KSDBG
  • Saarbrücken 3 a / DKS
  • Saarbrücken 5 * (Burbach) / KSDBG
  • Saarhölzbach * (Saar) * / KSDBG
  • Saarlouis 1 c / DKS
  • (18) Saarlouis 1 h / DKS
  • Saarwellingen a / DKS
  • St. Ingbert (Saar) d / KSDB
  • St. Wendel ** a / KSDBG
  • St. Wendel – Missionshaus – / WST
  • Sulzbach * (Saar) c / KSDB
  • Völklingen (Saar), insb. Völklingen (Saar) a / KSDB
  • Wehrden * (Saar) * / KSDB
  • Wiebelskirchen (Bz. Trier) / KOSeg
  • Wiebelskirchen (Saar) / a DKS
  • Wustweiler (Saar) / DKS

Abkürzungen:

  • DKS = Doppelkreis-Steg-Stempel
  • K = Kreisstempel
  • KOSeg = Kreis-Obersegment-Stempel
  • KSDB = Kreis-Steg-Doppelbogen-Stempel
  • KSDGB = Kreis-Steg Doppelbogen-Gitterstempel
  • OWST = Ortswerbestempel
  • SoSt = Sonderstempel
  • WST = Werbestempel

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Zweiter Abschnitt: Gefälschte/gestohlene Prüfzeichen von Briefmarken-Prüfern des BPP (alphabetisch):

  • A. Burger BPP
  • Bechtold BPP
  • Bothe BPP
  • Dr. Lantelme BPP
  • Dr. Petersein BPP
  • Eliades BPP
  • Flemming BPP
  • Georg Bühler
  • Gotw. Zenker BPP
  • Grobe
  • Hefer BPP
  • Heintze BPP
  • Helbig BPP
  • Herbst BPP
  • Hey BPP
  • Hollmann BPP
  • INFLA Berlin (+)
  • INFLA Berlin (B)
  • INFLA Berlin (H)
  • INFLA Berlin (W)
  • INFLA Berlin (Echt im Block geprüft)
  • Jäschke-L BPP
  • Keiler BPP
  • Kimmel BPP
  • Kesselstatt BPP
  • Lemberger BPP
  • Mahr BPP
  • Modry BPP
  • M. Sommer BPP
  • Peschl BPP
  • Pfenninger
  • Pickenpack BPP
  • Salomon BPP
  • Schlegel BPP
  • Ströh BPP
  • Sturm BPP
  • Thoma BPP
  • W. Engel BPP
  • Wiegand BPP
  • Zierer BPP
  • Zirath

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Dritter Abschnitt: Diverse gefälschte/gestohlene Typ-, Farb- und Wasserzeichen-Stempel:

  • a
  • b
  • c
  • d
  • e
  • f
  • x
  • y
  • z
  • X
  • Y
  • Z
  • I
  • II
  • II
  • V
  • X

Tipp: Falls ihr euch mit den Marken eures Sammelgebietes nicht genauestens auskennt: Vertraut bei Käufen, für welche ihr mehr als 4 Euro bezahlen müsstet, K E I N E R  Signatur, sondern ausschliesslich aktuellsten, d. h. innerhalb der letzten fünf Jahre ausgestellten, Fotoattesten von einer der diversen Prüfvereine. Ansonsten „Finger weg“!

Die einzelnen Werte – 15 Pfennig

Hallo

Dieser Beitrag hat den 15 Pfennig-Wert, den ersten Wert mit dem Bildmotiv Stahlwerker beim Hochofenabstich zum Thema. Für den letzten Beitrag, die Abrundung der ersten sechs Beiträge zu den Werten mit dem Bildmotiv Hauer im Streb vor stilisierter Saarlandschaft, klickt hier.

Der 15 Pfennig-Wert der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland war der erste Nebenwert dieser Serie, welcher gedruckt wurde. Benötigt wurde er für:

  • Zahlkarte 10 bis 25 Reichsmark

Unmittelbar nach seiner Erstausgabe am 17. Februar 1947 dürfte der Wert als Mehrfachfrakatur für den noch nicht verfügbaren 30 Pfennig-Wert verwendet worden sein. 30 Pfennig war die Frankatur für höhere Gewichtsstufen von:

  • Drucksache
  • Zeitungsdrucksache
  • Warenproben
  • Geschäftspapiere
  • Mischsendungen

Die eingeschränkten Verwendungsmöglichkeiten des 15 Pfennig-Werts dürften der Grund dafür sein, dass kaum Belege mit Einzel- oder Mehrfachfrankaturen dieses Wertes erhältlich sind.

SP20, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Das Markenbild zeigt vier Stahlwerker beim Abstich eines Hochofens. Die beiden Stahlwerker im Vordergrund drehen dem Betrachter den Rücken zu und tragen je ein Stocheisen.

Mit dem Bildmotiv hat Vytautas Kazimieras Jonynas, der Entwerfer sämtlicher Bildmotive der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland, den zweiten für das Saarland bedeutsamen Wirtschaftszweig auf 18,5 x 22 Millimeter fixiert:

Völklinger Hütte etwa 1950 (National Archives and Records Administration, NAID 541686)

Abbildungen

Der 15 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, von denen die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg eine Neuauflage bestellte. Von dem 15 Pfennig-Wert existieren somit vier Varianten: Marken der Originalausgabe, Marken der Neuausgabe, Marken der Originalausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck (Urdruck/Altdruck) sowie Marken der Neuausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck.

SP38, Neuausgabe Herbst 1947

Die Marken der 2. Offenburger Ausgabe zu 15 Pfennig wurden tatsächlich – wie von der P.T.T. Saarbrücken vorgesehen – an die Postschalter ausgeliefert und dort verkauft. Im Gegensatz zu Marken der Neuausgabe, die aus unterschiedlichen Gründen bei der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH zwecks Überdruck in Frankenwährung zwar durch die Druckmaschine liefen, aber keinen erkennbaren Aufdruck erhielten, weisen die Marken der Neuausgabe zu 15 Pfennig, die über den Postschalter verkauft wurden, keinen Blinddruck auf (diese Marken haben die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH nie von innen gesehen).

Bei solchen, regulär über den Postschalter verkauften Marken der Neuausgabe stimmt die Kategorisierung der Michel-Kataloge nicht. Es handelt sich keineswegs um Briefmarken des Malstatt-Burbacher Drucks, denen der Aufdruck fehlt (fA im Michel = fehlender Aufdruck), sondern um Briefmarken der 2. Offenburger Ausgabe, die ihrer ursprünglichen Bestimmung – Auffüllung der Markenbestände bei den Postämtern – zugeführt worden waren.

Neben dem 15 Pfennig-Wert wurde nur die Neuausgabe des 24 Pfennig-Werts und vielleicht des 16 Pfennig-Werts an die saarländischen Postämter ausgeliefert und über den Postschalter verkauft. In den Michel-Katalogen findet sich nachstehende Aussage:

Nur Mi.Nr. 229 II fA, 230 II fA und 233 II fA wurden an einigen Postämtern abgegeben; diese Werte können bis 27.11.1947 (Marken in deutscher Währung durften danach weder verkauft noch verwendet werden) gebraucht vorkommen.

Diese Aussage ist in mehrfacher Hinsicht falsch (vgl. hier).

SP51 I, Originalausgabe mit Aufdruck 3 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ I)
SP51 II, Neuausgabe mit Aufdruck 3 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ II)

Für den Sammler ist die Unterscheidung von überdruckten Marken der Originalausgabe (die 15 Pfennig/3 Franken ist selten und hoch bewertet) – dem sogenannten Urdruck – und überdruckten Marken der Neuausgabe nicht ohne Tücken. Achtet auf:

  • Die Farbe des Papiers. Für die Neuausgabe stand fast weisses Papier zur Verfügung. Weisses Papier werdet ihr bei der Originalausgabe nicht finden.
  • Die Bodenplatten sind auf der Neuausgabe besser zu erkennen. In dem Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlarbeiters wurde eine Retusche an der Originalvorlage vorgenommen. Die Buchstaben von SAAR sind kräftiger ausgeführt.
  • Die Zeichnung von 1 und 5 der Wertangabe der Neuausgabe wurde verändert. Beispielsweise weist die 1 der Neuausgabe am Fuss einen waagerechten Querstrich auf (dieses Unterscheidungsmerkmal ist je nach Lage des schwarzen Aufdrucks nicht immer zu erkennen).
  • Die Gummierung der Neuausgabe ist wesentlich heller und transparenter als die der Originalausgabe (vgl. Abbildungen)
Gummierung Originalausgabe, leicht bräunlich, diagonal geriffelt
Gummierung Neuausgabe, hell und transparent

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Dokumentation des Druckdatums der Originalausgabe, Groteskschrift mit Doppelpunkt, Typ I.

Etwa 80 Bögen der Originalausgabe des 15 Pfennig-Werts wurden im Zuge der Währungsreform von 1947 bei der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH überdruckt.

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 7. Februar 1947, B 00272 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bogennummern sind durchgehend 5-stellig

Dokumentation Abklatsch

Abklatsch (Originalausgabe), schwach ausgeprägt

Die vorstehende Abbildung zeigt einen Abklatsch, entstanden durch Druck auf der gummierten Seite des Markenbogens. Da der Abklatsch deckungsgleich mit der Bildseite der Marke ist, entstanden diese maschinell: sogenannte Maschinenabklatsche. Wurde ein Druckbogen nicht korrekt von der Druckmaschine eingezogen oder kam es mangels Druckbögen zu einem Leerlauf, gab der farbgetränkte Formzylinder Farbe auf die – eigentlich hinter dem zu bedruckenden Druckbogen liegenden – Halterolle ab. Sobald nun der Druckvorgang wieder ordnungsgemäss verlief, gab die Halterolle die Farbe an die gummierte Seite des folgenden Druckbogens ab.

Dokumentation verschobene Perforation

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Steckbrief des 15 Pfennig-Werts

  • Wert/Währung: 15 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 15 (Saar-) Pfennig
  • Bildmotiv: Stahlwerker beim Hochofenabstich
  • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
  • Farben (Aufzählung):
    • RAL: 8011 Nussbraun
    • Stanley Gibbons Farbenführer: sepia
    • End/Becker: Braun
    • Paul Staedel: marron
    • Saarhandbuch (SHB): Schwarzbraun
    • Michel: (Dunkel-) Siena (Töne)
    • Scott: brown
    • Stanley Gibbons: brown
    • Yvert & Tellier: marron
  • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
  • Wasserzeichen: kein
  • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
  • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
  • Masse: ca.22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
  • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
  • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
  • Bogenrandsignaturen:
    • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
    • Druckdatum ausgeführt in Groteskschrift, Typ I
  • Druckdatum/-daten: 7. Februar 1947
  • Auflage: 1’520’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit rd. 1’510’000 Stück am Schalter verkauft wurden
  • Erstausgabetag: 17. Februar 1947
  • Verkauf bis: 19. November 1947
  • Gültigkeit: 17. Februar 1947 bis 27. November 1947
  • Hauptwert/Ergänzungswert: Nebenwert
  • Katalognummern (Aufzählung):
    • End/Becker: 212
    • Paul Staedel: 7
    • F.S.A.: 202
    • Michel: 212
    • Saarphilatelie: 20
    • ANK: 212
    • Scott: 160
    • Stanley Gibbons: 209
    • Yvert & Tellier: 202
  • Neuausgabe im Herbst 1947: ja (vgl. Abbildung)
  • Druckdatum/-daten der Neuausgabe: 21./22. Oktober 1947
  • Auflagehöhe der Neuausgabe: 3’060’000 Stück
  • Erstausgabe der Neuausgabe: Ende Oktober 1947
  • Überdruck der Originalausgabe (Urdruck, MBD I): ja; 8’300 Stück von denen 400 Stück am 24. März 1948 vernichtet wurden (vgl. Abbildung)
  • Wert/Währung des Malstatt-Burbacher Drucks: 3 F
  • Erstausgabetag des 3 F-Werts des Malstatt-Burbacher Drucks: 20. November 1947

Eine kurze Erklärung zu der Verwendung der Begriffe Originalausgabe (1. Offenburger Ausgabe) und Neuausgabe (2. Offenburger Ausgabe). Die Originalausgabe wurde vom 27. Dezember 1946 bis zum 21. Februar 1947 bei der Druckerei Franz Burda gedruckt. Die Druckerei erhielt im Spätsommer/Herbst 1947 den Auftrag zu einer Neuauflage von 13 der 20 Werte, um die Briefmarkenbestände aufzufüllen. Der höchste Wert zu einer Mark sollte dabei auf die seit dem 16. Juni 1947 gültige neue Währung Saarmark umgestellt werden. Die Negative, Diapositive und Druckzylinder der Originalausgabe waren bei der Druckerei Franz Burda jedoch nicht mehr vorhanden oder nicht mehr benutzbar. Es mussten also von Jonynas‘ Originalvorlagen – diese waren noch vorhanden – neue Abzüge erstellt werden. Kleinere Beanstandungen wurden an den Originalvorlagen vorgängig retuschiert, wie beispielsweise im Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlwerkers bei den Werten zu 15, 16, 20 sowie 24 Pfennig. Da die Herstellung der 13 nachbestellten Werte von geänderten Originalen erfolgte, sprechen wir von einer Neuausgabe und nicht von einer Neuauflage. Der Malstatt-Burbacher Druck ist wiederum eine Überdruckausgabe beider Ausgaben. Die Originalausgabe mit Überdruck bezeichnen wir als MBD Typ I und die Neuausgabe mit Überdruck als MBD Typ II.

Das Projekt Saarphilatelie.com recherchiert für einige Tage in Frankreich. Der nächste Beitrag erscheint am 15. Februar 2019.

Bis dann

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Folgt dem Projekt Saarphilatelie.com auch auf Facebook sowie Twitter und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

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Wichtige Hinweise für den Saarsammler

Erster Abschnitt: Falschstempel resp. gängige Stempel, welche nicht geprüft werden (alphabetisch nach Ort):

  • Altheim (Saar) / KSDBG
  • Aschbach über Lebach (Saar) / DKS
  • Beckingen * (Saar) a KSDB
  • Beckingen (Saar) – Heimatfest – / WST
  • Berus (Kr. Saarlouis) / KSDBG
  • Besseringen (Saar) / KSDBG
  • Bierbach (Saar) / KSDB
  • Blickweiler (Saar) / KSDB
  • Blieskastel / K
  • Bous * (Saar) * / KSDB
  • Bous (Saar) – 1000 Jahr Feier – / OWST
  • Brebach (Saar) b / DKS
  • Bübingen (Kr. Saarbrücken) a
  • Eppelborn (Saar) / KSDB
  • Eschringen * (Saar) * / KSDB
  • Haustadt über Merzig (Saar) / DKS
  • Homburg (Saar) 1 g / DKS
  • Illingen (Bez. Trier) i
  • Illingen (Saar) – 1100 Jahre Illingen – /OWST
  • Mettlach (Saar) b
  • Neunkirchen * (Saar) 1 b / KSDB
  • Ottweiler (Saar) b / DKS
  • Ottweiler (Saar) – 400 Jahre Stadt – / WST
  • Saarbrücken * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 1 d / KSDB
  • Saarbrücken 1 f / KSDB
  • Saarbrücken 1 g / KSDB
  • Saarbrücken 2 – Der französische Aussenminister … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Der Bundespräsident … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Saarland-Bundesland … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 c
  • Saarbrücken 2 e / DKS
  • Saarbrücken 2 * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 2  1 / DKS
  • Saarbrücken 2 ac / DKS
  • Saarbrücken 3 * (St. Johann) / KSDBG
  • Saarbrücken 3 a / DKS
  • Saarbrücken 5 * (Burbach) / KSDBG
  • Saarhölzbach * (Saar) * / KSDBG
  • Saarlouis 1 c / DKS
  • (18) Saarlouis 1 h / DKS
  • Saarwellingen a / DKS
  • St. Ingbert (Saar) d / KSDB
  • St. Wendel ** a / KSDBG
  • St. Wendel – Missionshaus – / WST
  • Sulzbach * (Saar) c / KSDB
  • Völklingen (Saar), insb. Völklingen (Saar) a / KSDB
  • Wehrden * (Saar) * / KSDB
  • Wiebelskirchen (Bz. Trier) / KOSeg
  • Wiebelskirchen (Saar) / a DKS
  • Wustweiler (Saar) / DKS

Abkürzungen:

  • DKS = Doppelkreis-Steg-Stempel
  • K = Kreisstempel
  • KOSeg = Kreis-Obersegment-Stempel
  • KSDB = Kreis-Steg-Doppelbogen-Stempel
  • KSDGB = Kreis-Steg Doppelbogen-Gitterstempel
  • OWST = Ortswerbestempel
  • SoSt = Sonderstempel
  • WST = Werbestempel

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Zweiter Abschnitt: Gefälschte/gestohlene Prüfzeichen von Briefmarken-Prüfern des BPP (alphabetisch):

  • A. Burger BPP
  • Bechtold BPP
  • Bothe BPP
  • Dr. Lantelme BPP
  • Dr. Petersein BPP
  • Eliades BPP
  • Flemming BPP
  • Georg Bühler
  • Gotw. Zenker BPP
  • Grobe
  • Hefer BPP
  • Heintze BPP
  • Helbig BPP
  • Herbst BPP
  • Hey BPP
  • Hollmann BPP
  • INFLA Berlin (+)
  • INFLA Berlin (B)
  • INFLA Berlin (H)
  • INFLA Berlin (W)
  • INFLA Berlin (Echt im Block geprüft)
  • Jäschke-L BPP
  • Keiler BPP
  • Kimmel BPP
  • Kesselstatt BPP
  • Lemberger BPP
  • Mahr BPP
  • Modry BPP
  • M. Sommer BPP
  • Peschl BPP
  • Pfenninger
  • Pickenpack BPP
  • Salomon BPP
  • Schlegel BPP
  • Ströh BPP
  • Sturm BPP
  • Thoma BPP
  • W. Engel BPP
  • Wiegand BPP
  • Zierer BPP
  • Zirath

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Dritter Abschnitt: Diverse gefälschte/gestohlene Typ-, Farb- und Wasserzeichen-Stempel:

  • a
  • b
  • c
  • d
  • e
  • f
  • x
  • y
  • z
  • X
  • Y
  • Z
  • I
  • II
  • II
  • V
  • X

Tipp: Falls ihr euch mit den Marken eures Sammelgebietes nicht genauestens auskennt: Vertraut bei Käufen, für welche ihr mehr als 4 Euro bezahlen müsstet, K E I N E R  Signatur, sondern ausschliesslich aktuellsten, d. h. innerhalb der letzten fünf Jahre ausgestellten, Fotoattesten von einer der diversen Prüfvereine. Ansonsten „Finger weg“!

Die einzelnen Werte – Nachträge (I)

Hallo

Die letzten sechs Beiträge behandelten nach aufsteigendem Wert die einzelnen Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland. Ihr erwartet nun sicherlich den Beitrag zum 15 Pfennig-Wert. Ich hoffe, eure Enttäuschung hält sich in Grenzen. Auf unserer gemeinsamen Wanderung durch 20 Werte lege ich eine Rast ein. Weshalb? In den letzten sechs Beiträgen haben wir uns mit den Marken beschäftigt, die das Bildmotiv Hauer im Streb vor stilisierter Saarlandschaft zeigen. Die kommenden vier Beiträge werden die Werte mit dem Bildmotiv Stahlwerker beim Hochofenabstich behandeln. Bei den beiden Ausgaben der Berufe und Ansichten aus dem Saarland sind die Bildmotive nach aufsteigenden Werten sortiert. Das ist eher ungewöhnlich, wenn wir uns andere Freimarkenserien aus dieser Zeit ansehen:

  • Ausgabe Wappen und Dichter frankaturgültig im Territoire de la Sarre wie auch in den Gebieten der Zone d’occupation française en Allemagne
  • 2. Alliierte Kontrollratsausgabe
  • Ausgabe Bauten der Bizone
  • Länderausgaben Zone d’occupation française en Allemagne

All diesen Briefmarkenserien ist gemeinsam, dass bei ihrer Sortierung nach aufsteigenden Werten die verwendeten Bildmotive – für die Länderausgabe für Rheinland-Pfalz gilt diese Aussage nur mit Einschränkungen – bunt gemischt erscheinen. Auch warten jeweils die zwei bis vier höchsten Werte nicht nur mit anderen Formaten, sondern auch mit separaten Bildmotiven auf (vgl. Abbildungen). Damit wären wir schon mitten im ersten Abschnitt dieses Beitrages.

Ausgabe Wappen und Dichter der Zone d’occupation française en Allemagne
Zweite Kontrollratsausgabe (hier mit Schwarzaufdruck Berlin)
Bi-Zone Ausgabe Bauten (weit gezähnt)

Zum Vergleich die Marken der 1. Offenburger Ausgabe, sortiert nach aufsteigenden Werten.

SP14-SP33, sortiert nach aufsteigenden Werten

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Ein bunter Auftakt. Was kommt nun? Ich schreibe keine Zusammenfassung, sondern eher eine Abrundung. Gegliedert habe ich diesen Beitrag in drei Abschnitte.

  • Statistik. Keine Sorge, mathematische Kenntnisse werden keine vorausgesetzt und wie ihr wisst, kann ein Blick aus der statistischen Perspektive erhellend sein.
  • Abbildungen. Immer gut, immer schön.
  • Fehler. Nicht so gut. Es geht aber nicht um meine eigenen.

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Statistik

Das Bildmotiv des Bergmanns wird bei der 1. Offenburger Ausgabe für sechs Werte und bei der 2. Offenburger Ausgabe für vier Werte verwendet. Damit ist es das häufigste Bildmotiv dieser Ausgaben.

Bildmotiv Hauer im Streb vor stilisierter Saarlandschaft

Verwendung der sechs Bildmotive bei den beiden Ausgaben:

  • Hauer im Streb: 10x
  • Stahlarbeiter beim Hochofenabstich: 8x
  • Bäuerinnen bei der Ernte: 7x
  • Alter Turm Mettlach: 4x
  • Marschall Ney: 2x
  • Grosse Saarschleife Mettlach: 2x
Bildmotiv Bäuerinnen bei der Ernte

Bei der Anzahl katalogisierter Feldmerkmale der 1. Offenburger Ausgabe nehmen die sechs Werte mit dem Bildmotiv Hauer im Streb eine Spitzenposition ein. Nicht nur bei der Gesamtzahl der Feldmerkmale, sondern mit einer Ausnahme auch bei der bereinigten durchschnittlichen Anzahl Feldmerkmale pro Wert:

  • Michel-Katalog: 43 (∅ 7.61) von gesamt 109 Feldmerkmalen gefolgt von Stahlarbeiter beim Hochofenabstich mit 22 (∅ 5.5) und Bäuerinnen bei der Ernte mit 21 (∅ 4.2)
  • End/Becker: 55 (∅ 9.16) von gesamt 154 Feldmerkmalen gefolgt von Bäuerinnen bei der Ernte mit 37 (∅ 7.4) und Stahlarbeiter beim Hochofenabstich mit 32 (∅ 7.4)
  • Paul Staedel: 61 (∅ 10.16) von gesamt 161 Feldmerkmalen gefolgt von Stahlarbeiter beim Hochofenabstich mit 40 (∅ 10) und Bäuerinnen bei der Ernte mit 30 (∅ 6)
  • F.S.A.: 28 (∅ 4.66) von gesamt 89 Feldmerkmalen gefolgt von Stahlarbeiter beim Hochofenabstich mit 22 (∅ 5.5) und Bäuerinnen bei der Ernte mit ebenfalls 22 (∅ 4.4)
  • Saarhandbuch: 287 (∅ 47.8) von gesamt 808 Feldmerkmalen gefolgt von Bäuerinnen bei der Ernte mit 195 (∅ 39) und Stahlarbeiter beim Hochofenabstich mit 169 (∅ 42.25)
Bildmotiv Stahlarbeiter beim Hochofenabstich

Welche Schlussfolgerung können wir hieraus ziehen? Feldmerkmale treten nach meinen Beobachtungen über alle Werte hinweg gleich häufig auf. Es gibt kaum ein Bogenfeld, welches dem anderen gleicht. Nur haben sich die Sammler und die Autoren der massgeblichen Studien wie Paul Staedel, Karl End, Willibald Becker, Louis Lutz, Josef Schwarz, Dr. Charles Dufloz sowie die Autoren des Saarhandbuchs wohl ausgiebiger mit dem Bildmotiv Bergmann auseinandergesetzt als mit den anderen.

Der 12 Pfennig-Wert – die eierlegende Wollmilchsau der 1. Offenburger Ausgabe – ist zusammen mit seiner Neu- und Überdruckausgabe bereits allein ein eigenes Forschungsgebiet mit sehr vielen Facetten. Beispielsweise:

  • 1. Offenburger Ausgabe / Originalausgabe
    • Frühe Ausgaben 30. Dezember 1946 – 3. Januar 1947
    • Späte Ausgaben 4.-8. Januar 1947
    • 7 Druckdaten
    • Wasserzeichen fallende Wellenlinien / steigende Wellenlinien
    • 38 Feldmerkmale im Saarhandbuch
    • Abklatsche
    • Druck auf Gummiseite
    • ungezähnte, also geschnittene Marken
    • Viele Bogennummern
  • 2. Offenburger Ausgabe / Neuausgabe
    • 2 Druckdaten
    • 23 Feldmerkmale im Saarhandbuch
    • Abklatsche
    • Druck auf Gummiseite
    • Viele Bogennummern
  • Malstatt-Burbacher Druck (Typ I) / Überdruckausgabe (Urdruck)
    • Wasserzeichen fallende Wellenlinien / steigende Wellenlinien
    • 38 Feldmerkmale im Saarhandbuch
    • 13 Aufdruckfehler im Saarhandbuch
    • kopfstehende Aufdrucke
    • verschobene Aufdrucke
    • Doppelaufdrucke
    • Abklatsche
    • Druck auf Gummiseite
  • Malstatt-Burbacher Druck (Typ II) / Überdruckausgabe (Neuausgabe)
    • 23 Feldmerkmale im Saarhandbuch
    • 13 Aufdruckfehler im Saarhandbuch
    • kopfstehende Aufdrucke
    • verschobene Aufdrucke
    • Doppelaufdrucke
    • Abklatsche
    • Druck auf Gummiseite

Der 12 Pfennig-Wert hatte auch die längste Gültigkeit von allen Werten: 20. Januar 1947 – 31. Mai 1948

Warum setzen sich die Sammler hauptsächlich mit den Werten auseinander, welche das Bildmotiv Hauer im Streb zeigen? Ich bin der Meinung, dass die hohen Auflagen dieser Marken und die schiere Menge an tatsächlich verkauften Marken der Hauptgrund sind:

  • Auflage, Motiv Hauer im Streb: ca. 39,345 Millionen
  • Verkaufte Marken, Motiv Hauer im Streb: ca. 29,843 Millionen

All diese Statistiken unterstreichen meiner Ansicht nach generell die Bedeutung, die der Bergmann, der ja überwiegend zum Arbeiterstand gehörte, in dieser Zeit für das Saarland hatte. Der Beruf des Bergmann nimmt noch heute einen Spitzenplatz auf der Liste der weltweit gefährlichsten Berufe ein. Zu dem enorm hohen Unfallrisiko kommen die vielen Berufskrankheiten wie Wurmerkrankungen, Staublunge, Silikose oder Lungenkrebs. Beides führt zu einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung des Bergmanns. Dennoch oder gerade deshalb hat dieser Beruf auch ein grosses Prestige.

Saarbergmann mit Grubenlampe, Skulptur von Fritz Koelle

Die hohen Auflagen einiger Marken erwecken schnell den Eindruck, dass es unendlich viele Sätze der verschiedenen Ausgaben gegeben hätte und zum Teil auch heute noch geben müsste. Dem ist nicht so.

  • 1. Offenburger Ausgabe: max. 1’010’000 komplette Sätze möglich
  • Malstatt-Burbacher Druck (Typ I): max. 5’700 komplette Sätze möglich
  • Malstatt-Burbacher Druck (Typ II) : max. 703’000 komplette Sätze möglich

Die Zahlen geben die theoretisch mögliche Anzahl wieder. In der Praxis wurde mit vielen Briefmarken das gemacht, wozu sie vorgesehen waren; sie wurden verwendet. Viele Marken dürften somit erst gar nicht den Weg zu einem Sammler gefunden haben.

Nun wird jedem klar, weshalb ein ungebrauchter Satz des Malstatt-Burbacher Drucks (Typ I, Urdruck) erstens selten und zweitens entsprechend teuer ist. Auch die Bewertungsunterschiede von Feldmerkmalen auf unterschiedlichen Werten der Urdruckmarken lassen sich nun rasch erläutern:

Von dem  3 Pfennig-Wert (Überdruck 60 cent.) wurden 7’000 Marken MBD I (Urdruck) verkauft, das sind 70 komplette Schalterbögen. Von Feldmerkmalen, welche sowohl auf A- wie auf B-Bögen vorkommen wie die Nabelschnur zwischen Streb und Kirchturm (Michel IV) existieren weltweit nur 70 Exemplare. Alle anderen, im Michel katalogisierten Feldmerkmale dieses Wertes kommen jedoch ausschliesslich auf dem A- oder dem B-Bogen vor. Von diesen Feldmerkmalen existieren somit maximal 35 Exemplare. Diese Zahl errechnet sich unter der Annahme, dass die Verteilung der 70 überdruckten Schalterbögen auf A- und B-Bögen gleichmässig gewesen ist. Das sind Raritäten, die im Bereich der blauen Mauritius liegen. Die Bewertung in den Michel-Katalogen von Euro 400 für eine Marke, von der maximal 35 Exemplare existieren, ist grob fahrlässig. Unterschätzt die Redaktion des Michel unsere Rechenkünste? Auf gut Deutsch: Halten die uns für blöd?

Von dem 12 Pfennig-Wert (Überdruck 2 F) wurden dagegen 3,54 Mio. MBD I (Urdruck) verkauft, das sind 35’400 komplette Schalterbögen. In diesem Fall sind im Michel katalogisierte Feldmerkmale ebenfalls selten, aber viel häufiger als beim 3 Pfennig-Wert.

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Abbildungen

Ich möchte als erstes die Dokumentation der Druckdaten der 2 Pfennig- und der 3 Pfennig-Werte nachreichen. Diese Dokumentation habe ich erst mit dem Beitrag über den 6 Pfennig-Wert eingeführt.

In der Zwischenzeit hat aufgrund meines Aufrufes eine Abbildung des Druckdatums 15. Februar 1947 des 8 Pfennig-Werts den Weg zu mir gefunden:

In der Auflistung über die Vielfalt des 12 Pfennig-Werts habe ich kopfstehende Aufdrucke erwähnt. Hier die Abbildung eines solchen Aufdruckfehlers beim 10 Pfennig-Wert.

SP49 II e K, 10 Pfennig/1 F (enger Abstand) mit kopfstehendem Aufdruck

Zum Schluss dieses Abschnittes möchte ich noch auf eine Eigentümlichkeit des Malstatt-Burbacher Drucks hinweisen, die rasch einmal übersehen wird. Beim Überdruck der Marken der Originalausgabe wie auch der Neuausgabe durch die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei wurden die Reihenwertzähler der Schalterbögen weder durchbalkt noch sonstwie unkenntlich gemacht, obschon diese durch die Wertänderung obsolet geworden waren.

SP47 II, 2 Pfennig/10 cent. obere rechte Bogenecke mit intakten Reihenwertzählern

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Fehler im Michel-Katalog und in der Wikipedia

Zu den Werten der 2. Offenburger Ausgabe, welche unüberdruckt an die saarländischen Postschalter gelangten, schreibt der Michel-DSK (bei meinem Exemplar die Seite 772 unten):

Nur Mi.Nr. 229 II fA, 230 II fA und 233 II fA wurden an einigen Postämtern abgegeben; diese Werte können bis 27.11.1947 (Marken in deutscher Währung durften danach weder verkauft noch verwendet werden) gebraucht vorkommen.

Diese von Ausgabe zu Ausgabe unrevidiert mitgeschleppte Aussage der Michel-Redaktion ist in mehrfacher Hinsicht unrichtig:

  • Mi.Nr. 229 entspricht dem 12 Pfennig-Wert der 2. Offenburger Ausgabe. Die Bögen dieses Werts wurden zwischen dem 22. und 24. November 1947 bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg gedruckt, am 24. November 1947 an die P.T.T. Saarbrücken verschickt und von dieser zwecks Aufdruck in Frankenwährung umgehend zur Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH spediert. Die 12 Pfennig-Werte der Neuausgabe wurden – abgesehen von Aufdruckfehlern (erkennbar am Blinddruck) – ausschliesslich überdruckt an saarländische Postschalter ausgeliefert. Wer den Saarphilatelie-Blog© liest, weiss halt mehr.
12 Pfennig Neuausgabe (Druckdaten 22./24. November 1947
  • Die Werte zu 15 Pfennig (SP38), zu 16 Pfennig (SP39) und zu 24 Pfennig (SP41) der 2. Offenburger Ausgabe, die bereits am 24. Oktober 1947 von der Druckerei Burda geliefert worden waren (1), wurden zum Teil – wie von der P.T.T. Saarbrücken vorgesehen – an die saarländischen Postschalter ausgeliefert und dort auch verkauft (erkennbar sind diese Marken am fehlenden Blinddruck, da diese Marken die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH nie von innen gesehen haben). Nur stimmt hier die Kategorisierung des Kataloges nicht. Hier handelt es sich nicht um Briefmarken, denen der Aufdruck fehlt (fA = fehlender Aufdruck), sondern um Briefmarken der 2. Offenburger Ausgabe, die ihrer ursprünglichen Bestimmung – Auffüllung der Markenbestände bei den Postämtern – zugeführt worden waren. Da fehlen dem Michel einfach die Katalognummern für einen kompletten Briefmarkensatz.
  • Die Anmerkung „Marken in deutscher Währung …“ ist kompletter Unsinn. Die Reichsmark – also die deutsche Währung – war im Saarland bereits seit dem 16. Juni 1947 abgeschafft und durch eine eigene, saarländische Währung, die (Saar-) Mark als gesetzlichem Zahlungsmittel ersetzt worden. Kurz: Wer im Zusammenhang mit dem Saarland nach dem 16. Juni 1947 von „deutscher Währung“ spricht oder schreibt, ist entweder komplett ahnungslos – was mich in diesem Falle nicht wundern würde – oder politisch sehr weit Rechtsnational zu verorten.
  • Zu guter Letzt: Vielleicht durften ab dem 28. November 1947 nach irgendeiner Verordnung die Briefmarken der 1. resp. 2. Offenburger Ausgabe offiziell nicht mehr verwendet werden. Doch die Not und der Mangel richten sich selten nach Verordnungen. Insbesondere in den ersten Tagen nach dem Ablauf der einwöchigen Übergangsfrist wurde die Verwendung dieser Marken immer noch geduldet. Weshalb? Ganz einfach. Es waren ja noch längst nicht alle Werte des Malstatt-Burbacher Drucks ausgegeben worden, geschweige denn bei allen saarländischen Postämtern vorrätig (vgl. hierzu diesen Beitrag). Diese Feinheiten interessiert am Gewinn orientierte Katalog-Redakteure natürlich nicht.
Dienstpost vom 4. Dezember 1947, Spätverwendungen wurden bis Februar 1948 geduldet

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Zu den Feldmerkmalen des 84 Pfennig-Werts der 1. Offenburger Ausgabe schreibt der Michel-DSK (bei meinem Exemplar Seite 770 Mitte) unter 224Z IV:

224Z IV Punkt im Mantel über zweitem „A“ in „SAAR“ (Feld 50)

Erklärung eine Seite zuvor:

Fehlt nach der Feldangabe eine Angabe über Bogen, ist der Fehler auf A- und B-Bogen zu finden.

Das bedeutet, gemäss dem Standardwerk der deutschen Philatelie tritt das – durchaus verständlich und korrekt beschriebene – Feldmerkmal auf A- wie auf B-Bögen auf. Diese Aussage ist jedoch falsch, wie gut informierte Saarsammler bereits aus dem Saarhandbuch (dort wegen unterschiedlicher Zählweise unter Feld 5 gelistet) oder aus der Étude von Paul Staedel wissen. Das beschriebene Feldmerkmal tritt ausschliesslich auf den B-Bögen auf.

SP32 50B

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Noch eine Kuriosität im Michel-DSK, in dem es von Fehler und Unrichtigkeiten bei den Ausgaben der Berufe und Ansichten aus dem Saarland nur so wimmelt. Zu den Werten der 1. Offenburger Ausgabe schreibt die Redaktion (bei meinem Exemplar Seite 768) mit Ausrufezeichen:

Marken aus dem B-Bogen sind alle etwas dunkler als die aus den A-Bogen!

Keine Erklärung, kein Hinweis, woher die Redaktion ihre Weisheit bezieht. Auch in diesem Fall wissen Leser des Saarphilatelie-Blog©, dass sie hier auf gut lutherdeutsch verarscht werden. Die Marken der 1. Offenburger Ausgabe, egal welchen Wertes wurden in einem Zug auf der gleichen Druckmaschine Palatia O mit derselben von Siegwerk hergestellten Farbe als Druckbogen zu 200 (resp. bei den grossformatigen Werten 100) Marken hergestellt, dieser Druckbogen wurde von einer Schnellpresse mit Bogenrandsignaturen versehen und – immer noch als kompletter Druckbogen – von einer Titan Flachperforiermaschine gezähnt. Erst dann wurde der Druckbogen in zwei Schalterbögen (A und B) auseinandergeschnitten. Ich habe während meiner Beschäftigung mit diesen Marken etwa 800 Schalterbögen vor mir gehabt, in seltenen Fällen sogar mit derselben A/B-Bogennummer. Ein genereller Farbunterschied, wie ihn die Redaktion des Michel DSK stipuliert, existiert nicht.

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Auch die Wikipedia ist – wie wir alle – nicht vor Fehlern gefeit. Der verlinkte Artikel über die Briefmarken des Saarlandes von 1947 zeigt eine Aufstellung.  In dieser werden in der Spalte Auflage nicht die Auflagen, sondern die Anzahl verkaufter Marken angegeben.

In der Anmerkung 1 desselben Wikipedia-Artikels heisst es:

Es wurden nur wenige Marken der Serie Saar I überdruckt …

Angesichts von 8’193 Mio. für den Malstatt-Burbacher Druck (Typ I) überdruckter Marken der 1. Offenburger Ausgabe, würde ich diese Aussage nochmals überdenken.

Zu guter Letzt ging die Erwähnung des Währungswechsel von Reichsmark zu (Saar-) Mark am 16. Juni 1947 inkl. Einführung neuer Banknoten unter.

Bis dann

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(1) Druckdaten der drei Werte: 24 Pfennig (SP41) 13.-15. Oktober 1947; 15 Pfennig (SP38) 21./22. Oktober 1947; 16 Pfennig (SP39) 22./23. Oktober 1947