Die einzelnen Werte – 80 Pfennig

Hallo

In diesem Beitrag behandeln wir den 80 Pfennig-Wert, den letzten der drei Werte der 1. Offenburger Ausgabe mit dem Bildmotiv Alter Turm in Mettlach. Die Beiträge zu den anderen beiden Werten des Bildmotivs findet ihr hier und hier.

Der Saarphilatelie-Blog© bietet euch auch in diesem Beitrag wieder Informationen, die ihr sonst nirgendwo erhaltet, auch nicht in einschlägiger Fachliteratur. Dieses Mal konnte durch die Forschungen des Projekts Saarphilatelie.com das Saarhandbuch, SHB Kapitel 402, 5/6 (Bogennummern und Daten) entscheidend ergänzt werden.

Die Marken des orangefarbenen 80 Pfennig-Werts wurden – wie sämtliche Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland – bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg auf einer Palatia O Rotations-Rastertiefdruckmaschine aus dem Hause Schnellpressenfabrik Albert & Cie. oHG, Frankenthal, hergestellt.

Der 80 Pfennig-Wert war ein wichtiger Hauptwert der Ausgabe und konnte bis zur Tarifanpassung am 15. September 1947 für eine Vielzahl von Frankaturen eingesetzt werden. Von besonderer Bedeutung war der 80 Pfennig-Wert für die Abdeckung von Zuschlägen wie beispielsweise der Eilzustellungsgebühr im Ortsbereich.

  • Inlandsbrief 3. Gewichtsstufe 250 g bis 500 g
  • Päckchen bis 3 kg
  • Postanweisung bis 500 Mark
  • Gebühr (Zuschlag) für:
    • Eilzustellung im Ortsbereich
    • Behandlungsgebühr Wertsendungen bis 100 Mark
  • ab dem 15. September 1947 auch für:
    • Auslandsbrief 2. Gewichtsstufe 20 g bis 40 g
SP31, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Achtet bei euren Marken und bei den in diesem Beitrag abgebildeten Marken des 80 Pfennig-Werts auf das Schriftband SAAR. Bei sehr vielen Marken sind die Querstriche der beiden A in SAAR kaum auszumachen. Ich vermute, dass dies mit der Konsistenz der verwendeten Farbe zusammenhängt.

Das Markenbild zeigt den Alten Turm in Mettlach. Der Alte Turm ist nicht, wie häufig geschrieben, der hohe schmale Turm an der rechten Seite des abgebildeten Gebäudes. Dies ist nur ein Mitte des 13. Jahrhunderts dem Alten Turm hinzugefügter Wendeltreppenturm. Der Alte Turm ist das gesamte imposante Gebäude mit den Strebepfeilern.

Erbaut wurde der Alte Turm im 10. Jahrhundert als Grabkapelle für den von katholischen Christen als Heiligen verehrten Luitwin. Das Gebäude ist im Erdgeschoss eine frühromanische Kryptakirche mit einem Wehrumgang im zweiten Geschoss. Der achteckige Grundriss ähnelt dem des Aachener Doms. Umbauten der romanischen Kapelle im gotischen Stil erfolgten im 14./15. Jahrhundert. Das anstatt des ursprünglich offen konzipierten Dachstuhls aufgesetzte gotische Zeltdach brannte 1628 ab. Zerstörungen nach der Säkularisierung der Benediktiner-Abtei und dem Abbruch der Abteikirche hätten zu Beginn des 18. Jahrhunderts fast zum Verfall des Gebäudes geführt. Auf Veranlassung von Eugen von Boch wurde der Alte Turm ab Mitte des vorletzten Jahrhunderts behutsam restauriert.

Das vorstehende Bild zeigt den 1989 zum 1000 Jahr-Jubiläum komplett restaurierten Alten Turm in etwa wie auf den Bildmotiven Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland. Links im Bild ist das Mauerwerk eines Seitenflügels der ehemaligen Benediktiner-Abtei Mettlach zu erkennen, seit 1809 bis heute Sitz der bekannten Steingut- und Keramikfabrik Villeroy & Boch. Wie gross der Baum vor dem Alten Turm, der bereits auf Jonynas‘ Bildmotiv zu erkennen ist, inzwischen geworden ist!

Luftaufnahme der ehemaligen Benediktiner-Abtei, der Produktionsanlagen von Villeroy & Boch sowie des Alten Turms (rechts im Park) auf einer alten Ansichtskarte. Im Vordergrund fliesst die Saar

Der Alte Turm zierte als Motiv bereits einige der Briefmarken des Saargebietes, die von Alfred Montader entworfen wurden:

60 Pfennig, 1. Pariser Ausgabe, Landschaftsbilder I
25 Centime, 2. Pariser Ausgabe, Landschaftsbilder II
3 Franken, 3. Pariser Ausgabe, Landschaftsbilder III

Der Entwerfer Vytautas Kazimieras Jonynas verwendet für sein Bildmotiv nicht wie beim Bergmann, bei den Stahlwerkern oder bei den Bäuerinnen stilisierte Umgebungen und Personen. Er greift auch nicht auf die Darstellung der Marken des Saargebietes zurück. Sein Bildmotiv Alter Turm ist eine fotorealistische Darstellung auf 18,5 x 22 Millimeter inkl. dem Mauerwerk der alten Benediktinerabtei am linken Bildrand.

Der Alte Turm gilt als der älteste erhaltene Sakralbau des Saarlands und ist – wie die Saarschleife – eines seiner Wahrzeichen. Wie bedeutsam ein Wahrzeichen eines Gebietes für dessen Bewohner ist, kann auch daran abgelesen werden, wofür das Motiv benutzt wird. Hier beispielsweise als Etikette für Zündholzschachteln.

Abbildungen

Der 80 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, welche die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 nicht nachdrucken liess. Daher erscheinen hier auch keine Abbildungen der Neu- resp. Überdruckausgabe.

Dokumentation des Druckdatums der Originalausgabe, Antiquaschrift ohne Doppelpunkt, Typ III

Antiquaschrift – anstatt der üblichen Groteskschrift – kam ausschliesslich am 16./17. Februar 1947 für den Druck des Druckdatums zum Einsatz. Gedruckt wurden an diesen Tagen die Werte:

  • 8 Pfennig (16. Februar 1947)
  • 80 Pfennig (17. Februar 1947) wurde ab Arbeitsbeginn gedruckt
  • 40 Pfennig (17. Februar 1947) wurde danach gedruckt

Wie ich bereits im Beitrag zum 8 Pfennig-Wert schrieb, wurden die ersten Druckbögen dieses Wertes am 16. Februar 1947 versehentlich mit einem Druckdatum, welches anstatt eines Punkts nach der Tagesangabe ein Komma aufwies, versehen (vgl. nachstehende Abbildung).

Dieser Faux pas wurde rasch entdeckt. Nur … das Komma wurde nun nicht durch einen Punkt ersetzt, sondern nur einer sicherlich aufwendigen, aber stümperhaft ausgeführten Retusche unterzogen. Das Ergebnis war ein verstümmeltes Komma, welches die Druckdaten sämtlicher danach gedruckten Bögen des 8 Pfennig-Werts aufweisen.

Soweit findet ihr die Informationen auch im Saarhandbuch (SHB, Kap. 402, 5/6).

Im Saarhandbuch steht jedoch nicht, was der Saarphilatelie-Blog© in diesem Beitrag erstmals dokumentiert: Das verstümmelte Komma findet sich nicht nur auf den am 16. Februar 1947 hergestellten Druckbögen des 8 Pfennig-Werts, sondern ebenfalls auf sämtlichen am 17. Februar 1947 hergestellten Bögen des 80 Pfennig-Werts.

Wir können mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die missglückte Retusche des Druckdatums Typ III mit ein Auslöser für die bereits am 17. Februar 1947 beim der Herstellung des 40 Pfennig-Werts vollzogenen Rückkehr zur Verwendung des Druckdatums Typ II in Groteskschrift war.

Gut erhaltene Eckrandstücke mit Druckdatum sind von A-Bögen des 80 Pfennig-Werts genauso schwer zu finden wie beim 25 Pfennig-Wert, beim 45 Pfennig-Wert und beim 75 Pfennig-Wert. Der Grund ist immer derselbe: Eine Marke weist ein im Michel-Katalog gelistete Feldmerkmal auf, daher wurde diese Marke häufig aus vorhandenen Bogenteilen herausgelöst. Im Fall des 80 Pfennig-Werts ist dies die Marke vom Feld 99A (Mi. 223 PF I).

Mehr Informationen zu den Feldmerkmalen der 1. Offenburger Ausgabe werdet ihr in der nächsten Beitragsserie dieses Blogs finden.

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 17. Februar 1947, B 00654 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bei der Bogenecke des A-Bogens ist sehr schön die Perforationsanomalie zwischen erster und zweiter senkrechter Markenreihe zu erkennen.

Hinweis: Die bei der Druckerei Franz Burda für die im Buchdruck erstellten Bogenrandsignaturen verwendete Schnellpresse Typ Rex hatte zwei Nummerierwerke (je eines für den A- und für den B-Bogen), die rückwärts zählten. Höhere Bogennummern bedeuten einen zeitlich früheren Druck als niedrigere Nummern.

Dokumentation Raue und verschobene Perforation

Wir könnten bei dieser Abbildung auch von einem dezentrierten Markenbild sprechen, nur wäre dies falsch. Weshalb? Der Druck auf dem unperforierten Druckbogen ist korrekt erfolgt, nur der darauffolgende Vorgang der Perforation auf der Titan Flachperforiermaschine ist nicht so abgelaufen, wie vorgesehen. Daher ist verschobene Perforation bei allen Werten der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland der korrekte Begriff. Für die Details der Herstellung vgl. hier.

Raue Perforation entstand, wenn die Mitarbeiter die Titan Flachperforiermaschine mit mehr als den maximal zulässigen vier Druckbögen befüllten und/oder die Stifte des Perforationskamms stumpf waren.

Weitere Blog-Beiträge zu Marken des 80 Pfennig-Werts findet ihr hier:

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Steckbrief des 80 Pfennig-Werts

  • Wert/Währung: 80 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 80 (Saar-) Pfennig
  • Bildmotiv: Alter Turm in Mettlach
  • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
  • Farben (Aufzählung):
    • RAL: 2010 Signalorange
    • Stanley Gibbons Farbenführer: red-orange
    • End/Becker: Braunorange
    • Paul Staedel: orange
    • Saarhandbuch (SHB): Orange
    • Michel: Dunkelrötlichorange
    • Scott: deep orange
    • Stanley Gibbons: brown-orange
    • Yvert & Tellier: orange
  • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
  • Wasserzeichen: kein
  • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
  • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
  • Masse: ca.22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
  • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
  • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
  • Bogenrandsignaturen:
    • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
    • Druckdatum ausgeführt in Antiquaschrift Typ III mit verstümmeltem Komma
  • Druckdatum/-daten:  17. Februar 1947
  • Auflage: 1’520’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit ca. 1’515’000 Stück verkauft wurden
  • Erstausgabetag: 7. März 1947
  • Verkauf bis: 19. November 1947
  • Gültigkeit: 7. März 1947 bis 27. November 1947
  • Hauptwert/Ergänzungswert: Hauptwert
  • Katalognummern (Aufzählung):
    • End/Becker: 223
    • Paul Staedel: 18
    • F.S.A.: 213
    • Michel: 223
    • Saarphilatelie: 31
    • ANK: 223
    • Scott: 169
    • Stanley Gibbons: 220
    • Yvert & Tellier: 213
  • Neuausgabe im Herbst 1947: nein

Bis dann

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Wichtige Hinweise für den Saarsammler

Erster Abschnitt: Falschstempel resp. gängige Stempel, welche nicht geprüft werden (alphabetisch nach Ort):

  • Altheim (Saar) / KSDBG
  • Aschbach über Lebach (Saar) / DKS
  • Beckingen * (Saar) a KSDB
  • Beckingen (Saar) – Heimatfest – / WST
  • Berus (Kr. Saarlouis) / KSDBG
  • Besseringen (Saar) / KSDBG
  • Bierbach (Saar) / KSDB
  • Blickweiler (Saar) / KSDB
  • Blieskastel / K
  • Bous * (Saar) * / KSDB
  • Bous (Saar) – 1000 Jahr Feier – / OWST
  • Brebach (Saar) b / DKS
  • Bübingen (Kr. Saarbrücken) a
  • Eppelborn (Saar) / KSDB
  • Eschringen * (Saar) * / KSDB
  • Haustadt über Merzig (Saar) / DKS
  • Homburg (Saar) 1 g / DKS
  • Illingen (Bez. Trier) i
  • Illingen (Saar) – 1100 Jahre Illingen – /OWST
  • Mettlach (Saar) b
  • Neunkirchen * (Saar) 1 b / KSDB
  • Ottweiler (Saar) b / DKS
  • Ottweiler (Saar) – 400 Jahre Stadt – / WST
  • Saarbrücken * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 1 d / KSDB
  • Saarbrücken 1 f / KSDB
  • Saarbrücken 1 g / KSDB
  • Saarbrücken 2 – Der französische Aussenminister … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Der Bundespräsident … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Saarland-Bundesland … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 c
  • Saarbrücken 2 e / DKS
  • Saarbrücken 2 * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 2  1 / DKS
  • Saarbrücken 2 ac / DKS
  • Saarbrücken 3 * (St. Johann) / KSDBG
  • Saarbrücken 3 a / DKS
  • Saarbrücken 5 * (Burbach) / KSDBG
  • Saarhölzbach * (Saar) * / KSDBG
  • Saarlouis 1 c / DKS
  • (18) Saarlouis 1 h / DKS
  • Saarwellingen a / DKS
  • St. Ingbert (Saar) d / KSDB
  • St. Wendel ** a / KSDBG
  • St. Wendel – Missionshaus – / WST
  • Sulzbach * (Saar) c / KSDB
  • Völklingen (Saar), insb. Völklingen (Saar) a / KSDB
  • Wehrden * (Saar) * / KSDB
  • Wiebelskirchen (Bz. Trier) / KOSeg
  • Wiebelskirchen (Saar) / a DKS
  • Wustweiler (Saar) / DKS

Abkürzungen:

  • DKS = Doppelkreis-Steg-Stempel
  • K = Kreisstempel
  • KOSeg = Kreis-Obersegment-Stempel
  • KSDB = Kreis-Steg-Doppelbogen-Stempel
  • KSDGB = Kreis-Steg Doppelbogen-Gitterstempel
  • OWST = Ortswerbestempel
  • SoSt = Sonderstempel
  • WST = Werbestempel

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Zweiter Abschnitt: Gefälschte/gestohlene Prüfzeichen von Briefmarken-Prüfern des BPP (alphabetisch):

  • A. Burger BPP
  • Bechtold BPP
  • Bothe BPP
  • Dr. Lantelme BPP
  • Dr. Petersein BPP
  • Eliades BPP
  • Flemming BPP
  • Georg Bühler
  • Gotw. Zenker BPP
  • Grobe
  • Hefer BPP
  • Heintze BPP
  • Helbig BPP
  • Herbst BPP
  • Hey BPP
  • Hollmann BPP
  • INFLA Berlin (+)
  • INFLA Berlin (B)
  • INFLA Berlin (H)
  • INFLA Berlin (W)
  • INFLA Berlin (Echt im Block geprüft)
  • Jäschke-L BPP
  • Keiler BPP
  • Kimmel BPP
  • Kesselstatt BPP
  • Lemberger BPP
  • Mahr BPP
  • Modry BPP
  • M. Sommer BPP
  • Peschl BPP
  • Pfenninger
  • Pickenpack BPP
  • Salomon BPP
  • Schlegel BPP
  • Ströh BPP
  • Sturm BPP
  • Thoma BPP
  • W. Engel BPP
  • Wiegand BPP
  • Zierer BPP; im März 2019 ist wieder eine Marke mit falscher Signatur bei ebay angeboten worden
  • Zirath

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Dritter Abschnitt: Diverse gefälschte/gestohlene Typ-, Farb- und Wasserzeichen-Stempel:

  • a
  • b
  • c
  • d
  • e
  • f
  • x
  • y
  • z
  • X
  • Y
  • Z
  • I
  • II
  • II
  • V
  • X

Tipp: Falls ihr euch mit den Marken eures Sammelgebietes nicht genauestens auskennt: Vertraut bei Käufen, für welche ihr mehr als 4 Euro bezahlen müsstet,  K E I N E R  Signatur, sondern ausschliesslich aktuellsten, d. h. innerhalb der letzten fünf Jahre ausgestellten, Fotoattesten von einer der diversen Prüfvereine. Ansonsten „Finger weg“!

 

Die einzelnen Werte – 75 Pfennig

Hallo

Vier Werte der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland fehlen noch bis zum Abschluss dieser kleinen Beitragsserie: 75, 80 und 84 Pfennig sowie 1 Mark. In diesem Beitrag behandeln wir den 75 Pfennig-Wert, welcher dasselbe Bildmotiv zeigt, wie der 60 Pfennig-Wert: den Alten Turm in Mettlach.

Die Marken des blauen 75 Pfennig-Wertes wurden – wie die gesamte 1. Offenburger Ausgabe – bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg auf einer Palatia O Rotations-Rastertiefdruckmaschine aus dem Hause Schnellpressenfabrik Albert & Cie. oHG, Frankenthal, hergestellt. Der Druck dieses Werts begann nach den Weihnachtsfeiertagen am Freitag, 27. Dezember 1946. Am Montag, 30. Dezember 1946, war bereits die gesamte Auflage von 2’140’000 Stück gedruckt, wobei nach heutigem Wissensstand die Druckmaschine am Sonntag stillstand (was damals nicht selbstverständlich war).

Der 75 Pfennig-Wert kam, obschon die Herstellung bereits 1946 abgeschlossen war, erst am 20. Januar 1947 zusammen mit dem 12 Pfennig-Wert an die saarländischen Postschalter. Benötigt wurde der 75 Pfennig-Wert für die Frankierung von

  • Auslandsbrief 1. Gewichtsstufe bis 20 Gramm

Der Auslandsbrief war für die Saarländer ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel, hatten doch Krieg und Zeitläufte viele Familien auseinandergerissen. Der Auslandsbrief wurde von den Verantwortlichen bei der P.T.T sogar als so wichtig erachtet, dass sie den 75 Pfennig-Wert als ersten Wert überhaupt drucken liessen;  noch vor dem 12 Pfennig-Wert (Inlandspostkarte), dem 45 Pfennig-Wert (Auslandspostkarte) und sogar vor dem 24 Pfennig-Wert (Inlandsbrief).

Die Farbe des 75 Pfennig-Werts ist Blau und entspricht damit dem Farbschema der Union Postale Universelle (UPU, Weltpostverein) für die Frankaturwerte für Auslandsbriefe.

Gedruckt wurde auf – im Vergleich zu den meisten anderen Werten der 1. Offenburger Ausgabe – recht dünnem, grauweissem Papier mit dem Wasserzeichen Wellenlinien. Das Wasserzeichen treten bei den Marken des 75 Pfennig-Werts in zwei Varianten auf: als steigende Wellenlinien (S) und – etwa 20x seltener – als fallende Wellenlinien (F, jeweils von der Markenrückseite her betrachtet). Zu den Wasserzeichen des 75 Pfennig-Werts vgl. diesen Beitrag.

SP30FS, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite) Wasserzeichen fallende Wellenlinien F
Originalausgabe (gummierte Seite) Wasserzeichen steigende Wellenlinien S

Das Markenbild zeigt – wie bereits erwähnt – den Alten Turm in Mettlach. Der Alte Turm ist nicht, wie häufig geschrieben, der hohe schmale Turm an der rechten Seite des abgebildeten Gebäudes. Dies ist nur ein Mitte des 13. Jahrhunderts dem Alten Turm hinzugefügter Wendeltreppenturm. Der Alte Turm ist das gesamte imposante Gebäude mit den Strebepfeilern.

Erbaut wurde der Alte Turm im 10. Jahrhundert als Grabkapelle für den von katholischen Christen als Heiligen verehrten Luitwin. Das Gebäude ist im Erdgeschoss eine frühromanische Kryptakirche mit einem Wehrumgang im zweiten Geschoss. Der achteckige Grundriss ähnelt dem des Aachener Doms. Umbauten der romanischen Kapelle im gotischen Stil erfolgten im 14./15. Jahrhundert. Das anstatt des ursprünglich offen konzipierten Dachstuhls aufgesetzte gotische Zeltdach brannte 1628 ab. Zerstörungen nach der Säkularisierung der Benediktiner-Abtei und dem Abbruch der Abteikirche hätten zu Beginn des 18. Jahrhunderts fast zum Verfall des Gebäudes geführt. Auf Veranlassung von Eugen von Boch wurde der Alte Turm ab Mitte des vorletzten Jahrhunderts behutsam restauriert.

Das vorstehende Bild zeigt den 1989 zum 1000 Jahr-Jubiläum komplett restaurierten Alten Turm in etwa wie auf den Bildmotiven der Saar I. Links im Bild ist das Mauerwerk eines Seitenflügels der ehemaligen Benediktiner-Abtei Mettlach zu erkennen, seit 1809 bis heute Sitz der bekannten Steingut- und Keramikfabrik Villeroy & Boch. Wie gross der Baum vor dem Alten Turm, der bereits auf Jonynas‘ Bildmotiv zu erkennen ist, inzwischen geworden ist!

Luftaufnahme der ehemaligen Benediktiner-Abtei, der Produktionsanlagen von Villeroy & Boch sowie des Alten Turms (rechts im Park) auf einer alten Ansichtskarte. Im Vordergrund fliesst die Saar

Der Alte Turm zierte als Motiv bereits einige Briefmarken des Saargebietes:

60 Pfennig, Landschaftsbilder I
25 Centime, Landschaftsbilder II
3 Franken, Landschaftsbilder III

Der Entwerfer Vytautas Kazimieras Jonynas verwendet für dieses Bildmotiv nicht wie beim Bergmann, bei den Stahlwerkern oder bei den Bäuerinnen stilisierte Umgebungen und Personen. Er greift auch nicht auf die Darstellung der Marken des Saargebiets zurück. Das Bildmotiv Alter Turm wird durch ihn auf dem 18,5 x 22 Millimeter grossen Markenbild fotorealistisch dargestellt inkl. dem Mauerwerk der alten Benediktinerabtei am linken Bildrand.

Der Alte Turm gilt als der älteste erhaltene Sakralbau des Saarlands und ist – wie die Saarschleife – eines seiner Wahrzeichen. Wie bedeutsam ein Wahrzeichen eines Gebietes für dessen Bewohner ist, kann auch daran abgelesen werden, wofür das Motiv benutzt wird. Hier beispielsweise als Etikette für Zündholzschachteln.

Abbildungen

Der 75 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, welche die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 nicht nachdrucken liess, da inzwischen die Ermässigung des Portos für Auslandsbriefe auf 50 Pfennig beschlossene Sache war – heutzutage wäre eine Portoermässigung unvorstellbar. Es folgen hier keine Abbildungen von Neu- resp. Überdruckausgabe.

Dokumentation des Druckdatums der Originalausgabe, Groteskschrift mit Doppelpunkt, Typ I

Gut erhaltene Eckrandstücke mit Druckdatum sind vom 75 Pfennig-Wert genauso schwer zu finden wie beim 25 Pfennig-Wert  und beim 45 Pfennig-Wert. Der Grund ist derselbe: Die Marke vom Feld 89AB (die Marke oben rechts) weist ein im Michel-Katalog gelistete Feldmerkmal auf, daher wurde diese Marke häufig aus vorhandenen Bogenteilen herausgelöst.

Das Feldmerkmal selbst ist eher unauffällig. Es ist ein Farbfleck oberhalb des rechten Baums hinter dem Turm; umgangssprachlich als hochstehender Ast bezeichnet.

Mehr Informationen zu den Feldmerkmalen der 1. Offenburger Ausgabe erhaltet ihr im Rahmen der nächsten Beitragsserie dieses Blogs.

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 28. Dezember 1946, A 416 (3-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bei der Bogenecke des A-Bogens ist sehr schön die Perforationsanomalie zwischen erster und zweiter Markenreihe zu erkennen.

Beim 75 Pfennig-Wert sind 5- bis 3-stellige Bogennummern nachgewiesen:

75 Pfennig, 27. Dezember 1946
75 Pfennig, 28. Dezember 1946

Eine fünfstellige Bogennummer (A 10666) habe ich als Abbildung gesehen darf diese jedoch an dieser Stelle nicht wiedergeben. Von einer zweistelligen Bogennummer habe ich bloss gehört. Eventuell existieren auch einstellige Bogennummern, diese liegen mir jedoch nicht vor.

Hinweis: Die bei der Druckerei Franz Burda für die im Buchdruck erstellten Bogenrandsignaturen verwendete Schnellpresse Typ Rex hatte zwei Nummerierwerke (je eines für den A- und für den B-Bogen), die rückwärts zählten. Höhere Bogennummern bedeuten einen zeitlich früheren Druck als niedrigere Nummern.

Dokumentation ungezähnte Marke

Von allen Werten der 1. Offenburger Ausgabe sind ungezähnte Stücke und sogar Bogenteile bekannt. Diese Marken wurden nach derzeitigem Wissenstand nicht über die saarländischen Postschalter verkauft. Einige Stücke mögen aus Ausschuss resp. Makulatur bei der Druckerei Franz Burda stammen. Wie ich jedoch hier nachgewiesen habe, wurden unperforierte Schalterbögen auch regulär, wenn auch unbeabsichtigt, an die P.T.T. des Saarlandes in Saarbrücken ausgeliefert. Bei einem Wert konnte ich zeigen, dass ein unperforierter Schalterbogen sogar in der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei in Frankenwährung überdruckt wurde. Auf welchen Wegen die geschnitteten Stücke im Einzelnen letztendlich in Sammlerhände gelangten ist wohl schwierig zu dokumentieren.

Dokumentation verschobene Perforation

Wir könnten bei dieser Abbildung auch von einem dezentrierten Markenbild sprechen, nur wäre dies falsch. Weshalb? Der Druck auf dem unperforierten Druckbogen ist schon korrekt erfolgt, nur der darauffolgende Vorgang der Zähnung auf der Titan Flachperforiermaschine ist nicht so abgelaufen, wie vorgesehen. Daher ist Verzähnung bei allen Werten der 1. Offenburger Ausgabe der korrekte Begriff. Für die Details der Herstellung der Briefmarken der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland vgl. hier.

Stichwort raue Perforation

Raue Zähnung entstand, wenn die Mitarbeiter die Titan Flachperforiermaschine mit mehr als den maximal zulässigen vier Druckbögen befüllten und/oder die Stifte des Perforationskamms stumpf wurden. Raue Zähnung kommt bei den Werten, die auf Wasserzeichenpapier gedruckt wurden meines Wissens nach nicht vor.

Dokumentation Beleg

Beleg vom 14. Oktober 1947 gelaufen von Saarbrücken nach Schiltigheim, Frankreich

Ein schöner, wenn auch leider überfrankierter Beleg eines Auslandsbriefes. Wieso überfrankiert fragt ihr euch? Der 75 Pfennig-Wert wurde doch zur Frankatur von Auslandsbriefen hergestellt. Sogar in der von der UPU (Union Postale Universelle) vorgesehenen Farbe Blau. Die Erklärung ist einfach. Seit dem 15. September 1947 betrug das Porto für einen Auslandsbrief aufgrund einer Portoermässigung (!!!) nicht mehr 75 Pfennig, sondern 50 Pfennig. Da mehrere vorgedruckte, gelaufene Belege der Firma La Cigogne de Strasbourg vorliegen, die alle mit einer 75 Pfennig-Marke frankiert wurden, gehe ich davon aus, dass es sich um frankierte Rückumschläge der Firma La Cigogne de Strasbourg aus der Zeit vor der Portoermässigung handelt, die erst nach der Portoermässigung zur Verwendung kamen (evtl. Bestellungen).

Interessant: Obschon das Saarland bereits seit 16. Februar 1946 eine französische Kolonie unter einer Militärregierung ist (zur Chronologie des Saarlands vgl. hier), wird Frankreich postalisch erst mit der Revision der saarländischen Posttarife vom 20. November 1947 als Inland behandelt.

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Steckbrief des 75 Pfennig-Werts

  • Wert/Währung: 75 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 75 (Saar-) Pfennig
  • Bildmotiv: Alter Turm in Mettlach
  • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
  • Farben (Aufzählung):
    • RAL: 5010 Enzianblau
    • Stanley Gibbons Farbenführer: blue
    • End/Becker: Hellblau
    • Paul Staedel: bleu-vert à bleu-vert foncé
    • Saarhandbuch (SHB): Dunkelblau
    • Michel: Dunkelultramarin
    • Scott: bright blue
    • Stanley Gibbons: greenish blue
    • Yvert & Tellier: bleu
  • Papier: dünnes, weissliches Papier mit leicht erkennbarem Wasserzeichen; das Papier ist im Bereich des Wasserzeichens so dünn, dass der Hintergrund durchschimmert
  • Wasserzeichen: Wellenlinien, von der Bildseite gesehen fallend resp. steigend (letzteres etwa 20x seltener)
  • Gummierung: helles Gummi arabicum
  • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
  • Masse: ca. 22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
  • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
  • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
  • Bogenrandsignaturen:
    • 5- bis 3-stellige Bogennummern nachgewiesen, andere möglich
    • Druckdatum ausgeführt in Groteskschrift Typ I
  • Druckdatum/-daten:  27./28./30. Dezember 1946
  • Auflage: 2’140’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit ca. 2’080’000 Stück verkauft wurden
  • Erstausgabetag: 20. Januar 1947
  • Verkauf bis: 19. November 1947 (möglich, doch unwahrscheinlich)
  • Gültigkeit: 20. Januar 1947 bis 27. November 1947 (offiziell, jedoch sinnvoll nutzbar nur bis zum 15. September 1947)
  • Hauptwert/Ergänzungswert: Hauptwert
  • Katalognummern (Aufzählung):
    • End/Becker: 222
    • Paul Staedel: 17
    • F.S.A.: 212
    • Michel: 222XY
    • Saarphilatelie: 30FS
    • ANK: 222
    • Scott: 174
    • Stanley Gibbons: 219
    • Yvert & Tellier: 212
  • Neuausgabe im Herbst 1947: nein

Bis dann

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Folgt dem Projekt Saarphilatelie.com auf Facebook sowie Twitter und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

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Wichtige Hinweise für den Saarsammler

Erster Abschnitt: Falschstempel resp. gängige Stempel, welche nicht geprüft werden (alphabetisch nach Ort):

  • Altheim (Saar) / KSDBG
  • Aschbach über Lebach (Saar) / DKS
  • Beckingen * (Saar) a KSDB
  • Beckingen (Saar) – Heimatfest – / WST
  • Berus (Kr. Saarlouis) / KSDBG
  • Besseringen (Saar) / KSDBG
  • Bierbach (Saar) / KSDB
  • Blickweiler (Saar) / KSDB
  • Blieskastel / K
  • Bous * (Saar) * / KSDB
  • Bous (Saar) – 1000 Jahr Feier – / OWST
  • Brebach (Saar) b / DKS
  • Bübingen (Kr. Saarbrücken) a
  • Eppelborn (Saar) / KSDB
  • Eschringen * (Saar) * / KSDB
  • Haustadt über Merzig (Saar) / DKS
  • Homburg (Saar) 1 g / DKS
  • Illingen (Bez. Trier) i
  • Illingen (Saar) – 1100 Jahre Illingen – /OWST
  • Mettlach (Saar) b
  • Neunkirchen * (Saar) 1 b / KSDB
  • Ottweiler (Saar) b / DKS
  • Ottweiler (Saar) – 400 Jahre Stadt – / WST
  • Saarbrücken * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 1 d / KSDB
  • Saarbrücken 1 f / KSDB
  • Saarbrücken 1 g / KSDB
  • Saarbrücken 2 – Der französische Aussenminister … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Der Bundespräsident … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 – Saarland-Bundesland … – / SoSt
  • Saarbrücken 2 c
  • Saarbrücken 2 e / DKS
  • Saarbrücken 2 * (BHF) k / KSDB
  • Saarbrücken 2  1 / DKS
  • Saarbrücken 2 ac / DKS
  • Saarbrücken 3 * (St. Johann) / KSDBG
  • Saarbrücken 3 a / DKS
  • Saarbrücken 5 * (Burbach) / KSDBG
  • Saarhölzbach * (Saar) * / KSDBG
  • Saarlouis 1 c / DKS
  • (18) Saarlouis 1 h / DKS
  • Saarwellingen a / DKS
  • St. Ingbert (Saar) d / KSDB
  • St. Wendel ** a / KSDBG
  • St. Wendel – Missionshaus – / WST
  • Sulzbach * (Saar) c / KSDB
  • Völklingen (Saar), insb. Völklingen (Saar) a / KSDB
  • Wehrden * (Saar) * / KSDB
  • Wiebelskirchen (Bz. Trier) / KOSeg
  • Wiebelskirchen (Saar) / a DKS
  • Wustweiler (Saar) / DKS

Abkürzungen:

  • DKS = Doppelkreis-Steg-Stempel
  • K = Kreisstempel
  • KOSeg = Kreis-Obersegment-Stempel
  • KSDB = Kreis-Steg-Doppelbogen-Stempel
  • KSDGB = Kreis-Steg Doppelbogen-Gitterstempel
  • OWST = Ortswerbestempel
  • SoSt = Sonderstempel
  • WST = Werbestempel

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Zweiter Abschnitt: Gefälschte/gestohlene Prüfzeichen von Briefmarken-Prüfern des BPP (alphabetisch):

  • A. Burger BPP
  • Bechtold BPP
  • Bothe BPP
  • Dr. Lantelme BPP
  • Dr. Petersein BPP
  • Eliades BPP
  • Flemming BPP
  • Georg Bühler
  • Gotw. Zenker BPP
  • Grobe
  • Hefer BPP
  • Heintze BPP
  • Helbig BPP
  • Herbst BPP
  • Hey BPP
  • Hollmann BPP
  • INFLA Berlin (+)
  • INFLA Berlin (B)
  • INFLA Berlin (H)
  • INFLA Berlin (W)
  • INFLA Berlin (Echt im Block geprüft)
  • Jäschke-L BPP
  • Keiler BPP
  • Kimmel BPP
  • Kesselstatt BPP
  • Lemberger BPP
  • Mahr BPP
  • Modry BPP
  • M. Sommer BPP
  • Peschl BPP
  • Pfenninger
  • Pickenpack BPP
  • Salomon BPP
  • Schlegel BPP
  • Ströh BPP
  • Sturm BPP
  • Thoma BPP
  • W. Engel BPP
  • Wiegand BPP
  • Zierer BPP; im März 2019 ist wieder eine Marke mit falscher Signatur bei ebay angeboten worden
  • Zirath

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Dritter Abschnitt: Diverse gefälschte/gestohlene Typ-, Farb- und Wasserzeichen-Stempel:

  • a
  • b
  • c
  • d
  • e
  • f
  • x
  • y
  • z
  • X
  • Y
  • Z
  • I
  • II
  • II
  • V
  • X

Tipp: Falls ihr euch mit den Marken eures Sammelgebietes nicht genauestens auskennt: Vertraut bei Käufen, für welche ihr mehr als 4 Euro bezahlen müsstet, K E I N E R  Signatur, sondern ausschliesslich aktuellsten, d. h. innerhalb der letzten fünf Jahre ausgestellten, Fotoattesten von einer der diversen Prüfvereine. Ansonsten „Finger weg“!

 

Die einzelnen Werte – Nachträge (II)

Hallo

Drei wichtige Nachträge zu vorhergehenden Beiträgen. Nachträge können vielfältige Ursachen haben. Nicht immer ist es Vergesslichkeit.

  • Im ersten Nachtrag wird eine gewonnene Erkenntnis vertieft und auf ein weiteres Gebiet ausgedehnt.
  • Der zweite Nachtrag beinhaltet die Korrektur einer von mir bislang aus Überzeugung vertretenen Ansicht im Licht neuer Erkenntnisse (so schnell kann es manchmal gehen).
  • Der dritte Teil ist etwas für die Augen.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Die Forschung rund um die Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland ist und bleibt spannend.

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Als Erstes möchte ich euch eine Bogennummer der Neuausgabe des 2 Pfennig-Werts vorstellen. Der Bogen wurden für den Malstatt-Burbacher Druck überdruckt.

SP47 II;  2 Pfennig Neuausgabe mit Überdruck 10 cent. Malstatt-Burbacher Druck (Typ II)

Weshalb ist eine Bogennummer eines überdruckten Schalterbogens der Neuausgabe so interessant? Hier hatte ich die Bogennummern der 1. Offenburger Ausgabe ausführlich vorgestellt. Unter anderem stellte ich die Vermessungsergebnisse von über 500 Bogennummern dieser Ausgabe vor. Diese Vermessung habe ich nun auf Bögen der 2. Offenburger Ausgabe ausgedehnt. Hier ist meine Datenbasis zwar kleiner, als bei der Originalausgabe, jedoch komme ich bislang auf dasselbe Ergebnis:

  • Breite vom linken Rand von N bis Abschluss des Sterns = 25 mm
  • Zwischenraum zwischen o von No bis erste Ziffer = 1 mm
  • Zwischenraum zwischen o von No bis zweite Ziffer = 4 mm
  • Zwischenraum zwischen o von No bis dritte Ziffer = 7 mm
  • Zwischenraum zwischen letzter Ziffer und Stern = 3 mm
  • Höhe von N von No, Ziffern und Stern = 3 mm
  • Durchmesser des Sterns = 3 mm
  • Buchstabentypen bleiben über die Gesamtausgabe unverändert
  • Zifferntypen bleiben über die Gesamtausgabe unverändert

Schlussfolgerung: Es wurde für den Druck der Bogenrandsignaturen der 1. und der 2. Offenburger Ausgabe dieselbe Schnellpresse Typ Rex verwendet.

Eine weitere Erkenntnis können wir der abgebildeten Bogenecke entnehmen: Nicht nur wurde für die 2. Offenburger Ausgabe dieselbe Schnellpresse Typ Rex verwendet, um die Bogenrandsignaturen aufzubringen, sondern es wurde auch dieselbe Titan Flachperforiermaschine – oft sogar mit demselben Zähnungskamm – verwendet. Woher ich das nun wieder weiss? Die abgebildete Bogenecke stammt von einem A-Bogen und weist eine Perforationsanomalie auf, die ich bereits für die kleinformatigen Werte der 1. Offenburger Ausgabe vorgestellt hatte; hier jedoch nach rechts verschoben.

SP49 II e, 10 Pfennig Neuausgabe mit Überdruck 1 F (enger Abstand)  Malstatt-Burbacher Druck (Typ II)

Hierzu einige weitere Abbildungen, die zeigen, dass zur Perforation der 2. Offenburger Ausgabe mehr als ein Zähnungskamm verwendet wurde:

SP54 II, 24 Pfennig Neuausgabe mit Aufdruck 6 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ  II) ohne Perforationsanomalie
SP51 II, 15 Pfennig Neuausgabe mit Aufdruck 3 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ  II) mit Perforationsanomalie nach rechts

Nachfolgend einige Abbildungen von Schalterbögen mit derselben Perforationsanomalie wie bei der 1. Offenburger Ausgabe.

SP51 II, 15 Pfennig Neuausgabe mit Aufdruck 3 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ  II) mit Perforationsanomalie nach links
SP47 II, 2 Pfennig Neuausgabe mit Aufdruck 10 cent. Malstatt-Burbacher Druck (Typ  II) mit Perforationsanomalie nach links
SP47 II, 2 Pfennig Neuausgabe mit Aufdruck 10 cent. Malstatt-Burbacher Druck (Typ  II) mit Perforationsanomalie nach links
SP47 II, 2 Pfennig Neuausgabe mit Aufdruck 10 cent. Malstatt-Burbacher Druck (Typ  II) mit Perforationsanomalie nach links
SP48 II, 3 Pfennig Neuausgabe mit Aufdruck 60 cent. Malstatt-Burbacher Druck (Typ  II) mit Perforationsanomalie nach links

Diesen Abbildungen können wir entnehmen, dass zur Perforation der Druckbögen der 2. Offenburger Ausgabe im Herbst 1947 mindestens drei Zähnungskämme zum Einsatz kamen:  einer ohne Anomalie zwischen der ersten und zweiten senkrechten Reihe, einer mit Anomalie nach rechts und der uns bereits von der Herstellung der 1. Offenburger Ausgabe bekannte Zähnungskamm mit der Anomalie nach links. An den beiden Bögen des 15 Pfennig-Werts sieht man, dass der Wechsel des Zähnungskammes, wenn nötig auch innerhalb eines Tages – konkret am 21. Oktober 1947 – vorgenommen wurde. Weshalb ging man bei der Herstellung der Marken der Neuausgabe anders vor als bei der Herstellung der Originalausgabe?

Der Wechsel der Zähnungskämme war wahrscheinlich eine Massnahme, um die im Gegensatz zur 1. Offenburger Ausgabe viel höheren Auflagen der Länderausgaben der Zone d’occupation française en Allemagne für Baden, Rheinland-Pfalz sowie Württemberg-Hohenzollern – mit deren Druck nach Abschluss der Arbeiten an der Originalausgabe für das Saarland begonnen worden war – zu bewältigen sowie raue Perforation so weit als möglich zu vermeiden. Was bringt mich zu dieser Aussage? Weshalb kann nicht, wie das Saarhandbuch in Kap. 402,7 d) schreibt, eine zweite Titan Flachperforiermaschine eingesetzt worden sein? Für die Herstellung der Marken der 1. Offengurger Ausgabe habe ich dieses Argument bereits hier widerlegt. Bei der Herstellung der 2. Offenburger Ausgabe spricht zusätzlich dagegen, dass Dr. Hans Flatters in seinem Standardbeitrag über den Briefmarkendruck der Länderausgaben der Zone d’occupation française en Allemagne bei der Druckerei Franz Burda im Handbuch der ArGe Französische Zone Kap. 3.0.3 ein zweite Maschine nicht erwähnt.

Eine letzte Erkenntnis entnehmen wir der oberen linken Marke des zu Beginn abgebildeten Bogenrands des 2 Pfennig-Werts. Bei dieser Marke ist der Druck der Wertangabe 10 sowie der Währungsangabe cent. sehr schwach ausgefallen. Nicht jedoch bei den anderen Marken. Der Überdruck der Schalterbögen sowohl der Originalausgabe (Urdruck, resp. Altdruck) als auch der Neuausgabe der Berufe und Ansichten aus dem Saarland erfolgte bei der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei in Saarbrücken auf einem betagten Heidelberger Automaten im Buchdruck (Typographie). Der Heidelberger Automat ist sehr gut geeignet, Flugblätter, Flugschriften und sonstige eher minderwertige Druckerzeugnisse herzustellen, jedoch nicht, um hochwertige Produkte wie Postwertzeichen zu veredeln. Aufdruckabweichungen bis hin zum partiellen Druckausfall sind daher bei den Marken des Malstatt-Burbacher Drucks über alle Werte sehr verbreitet.

__________

Ich habe in verschiedenen Beiträgen (vgl. hier, hier und hier) über die Herkunft von unperforierten und geschnittenen Marken der 1. Offenburger Ausgabe geschrieben:

Von allen Werten der 1. Offenburger Ausgabe sind ungezähnte Stücke und sogar Bogenteile bekannt. Diese Marken wurden nach derzeitigem Wissenstand nicht über die saarländischen Postschalter verkauft, sondern stammen aus Ausschuss resp. Makulatur bei der Druckerei Franz Burda. Der Ausschuss wurde zwar unter behördlicher Aufsicht vernichtet, doch scheint es bei der Überwachung Lücken gegeben zu haben.

Meine Aussage über die Herkunft geschnittener Marken der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland kann ich aufgrund meines heutigen Kenntnisstands in dieser Form und so absolut nicht mehr vertreten. Was hat mich dazu gebracht, meine Position radikal zu ändern?

Das vorstehend abgebildete Exemplar einer geschnittenen Marke hat meine bisherige Aussage – die wohlgemerkt ähnlich auch im Saarhandbuch Kap. 402,50 zu finden ist – zu Makulatur werden lassen.

Es handelt sich um ein Exemplar der Originalausgabe des 12 Pfennig-Werts vom Feld 12A(f) eines Bogens mit dem Wasserzeichen steigende Wellenlinien. Das f steht für früher Druck, d.h. die Drucktage 30./31. Dezember 1946 resp. 2./3. Januar 1947. Die Echtheit der Marke sowie die Echtheit des Aufdrucks wurden von meinen Sammlerfreunden vom LV Saar und der ArGe Saar bestätigt.

Die Existenz dieser echten, ungebrauchten Marke bedeutet für nun:

  • zumindest ein vollständiger, unperforierter Schalterbogen des 12 Pfennig-Werts entging den Argusaugen der Kontrolleure bei der Druckerei Franz Burda
  • dieser Schalterbogen landete nicht in der Makulatur
  • dieser Schalterbogen wurde nicht unter behördlicher Aufsicht vernichtet, wie es für Makulatur vorgesehen war
  • dieser Schalterbogen gelangte nicht über dubiose resp. kriminelle Wege in den Händen eines Briefmarkensammlers
  • dieser Schalterbogen muss zusammen mit den anderen Marken des 12 Pfennig-Werts sowie den zuvor gedruckten Marken des 75 Pfennig-Werts mit dem Transport vom 10. Januar 1947 ganz offiziell an die P.T.T. des Saarlands in Saarbrücken ausgeliefert worden sein.

Ob dieser unperforierte Schalterbogen der Originalausgabe von der P.T.T. des Saarlandes auch unbemerkt an ein saarländisches Postamt gelangte, ist nicht gesichert, jedoch unwahrscheinlich. Die fehlende Perforation des Bogens wäre einem Schalterbeamten spätestens bei der handschriftlichen, fortlaufenden Nummerierung der Schalterbögen aufgefallen. Sicher ist dagegen, dass dieser Schalterbogen entweder von der P.T.T des Saarlandes direkt oder nach deren Aufforderung durch eines der vielen Postämter zwecks Überdrucks an die Malstatt-Burbarcher Handelsdruckerei geliefert und dort für den Malstatt-Burbacher Druck überdruckt wurde.

Nun stellen sich drei Fragen: Wurde der inzwischen überdruckte unperforierte Schalterbogen, von dem das vorliegende Exemplar einer geschnittenen Marke stammt, bei der Kontrolle in der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei  entdeckt und aussortiert? Auf welchem Weg, dubios oder über Postschalter, gelangte das vorliegende Exemplar in Sammlerhände? Wurden weitere Exemplare unperforierter Schalterbögen der Originalausgabe an die P.T.T. Saarbrücken ausgeliefert und in der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei überdruckt? Die Antworten zu diesen Fragen kennen wir nicht und es ist fraglich, ob wir sämtliche Antworten über 70 Jahre nach den Ereignissen noch in Erfahrung bringen werden. Aber spekulieren ist nicht verboten.

Die gummierte Markenrückseite dieses 12 Pfennig-Werts drängt mich geradezu, euch zwei Anmerkungen mit auf den Weg zu geben:

  • Der Überdruck der Schalterbögen der Original– sowie der Neuausgabe erfolgte in der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei im Buchdruck (Typographie). Der Buchdruck ist ein Hochdruckverfahren und verändert die Markenrückseiten mehr oder weniger deutlich durch reliefartige Durchprägung. Dieser Effekt wird besonders bei Streiflichtbeleuchtung gut erkennbar, gelegentlich ist er auch mit dem Finger zu fühlen. Auf der vorstehenden Abbildungen könnt ihr diesen Effekt gut erkennen.
  • Seit der Ausgabe des Michel Deutschland Junior-Kataloges 1996 und des Michel Deutschland-Spezial 1996 durch den Schwaneberger-Verlag gelten für die Preisnotierungen dieses – von Schleimschleckern auch schon mal als „Grundgesetz der deutschen Philatelie“ gelobhudelten Deutschland-Kataloges neue Regeln. Eine davon lautet: „Postfrische Erhaltung setzt vollkommen unberührte Gummierung voraus.“ Der bekannte Autor Wolfgang Maassen hat dies damals so kommentiert: „Selbstverständlich bedeutet postfrisch also absolut einwandfreie Gummierung, so dass Fingerabdrücke ebenso wie Büge den Wert mindern, von noch so kunstvollen Nachgummierungen und/oder Teilreparaturen ganz zu schweigen.“ Geschwiegen wurde und wird jedoch über die unselige Praxis der Briefmarkensignatur. Jede Briefmarke mit Signatur ist nach Michel und Maassern nicht mehr postfrisch, da für die Gummierung die Kriterien „vollkommen unberührt“ resp. „absolut einwandfrei“ nicht mehr zutreffen.

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So, zum Abschluss dieses Beitrags noch etwas leichte Kost. Wie wichtig der Bergmann und der Alte Turm in Mettlach für die Saarländer waren, lässt sich auch daran ermessen, wofür diese Motive verwendet wurden. Hier zwei schöne Zündholzetiketten.

Bis dann

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Danksagung: Ich bedanke mich herzlich bei den vielen Sammlern und den Auktionshäusern, die mir für diese Untersuchung freimütig Scans ihrer Briefmarkenbögen überlassen haben.

Grundwissen Philatelie (IX) – Bogenrandsignaturen

Hallo

Heute wenden wir uns einem sehr interessanten Randgebiet der Philatelie zu: den Bogenrandsignaturen. Welche Aufdrucke und Angaben können wir auf den Rändern von Schalterbögen der ersten Briefmarkenausgabe für das Saarland finden?

Schauen wir uns einen Schalterbogen der 1. Offenburger Ausgabe einmal genau an.

Die Abbildung zeigt einen Schalterbogen des 75 Pfennig-Wertes bestehend aus zehn Reihen zu jeweils zehn Marken; insgesamt somit 100 Marken. Der Bogen ist im Bereich des Markenaufdrucks sowie am oberen Rand perforiert. Der Rest des Bogens, also der linke, der untere und der rechte Rand weisen keine Perforation auf.

Am oberen Rand des Schalterbogens sind über jeder der zehn Reihen Werte in der Farbe der Marken, im konkreten Fall Blau, aufgedruckt. Die Werte geben den Wert der in den Reihen vorhandenen Marken von links nach rechts addierend in Reichsmark – ohne Währungsangabe – wieder und werden als Reihenwertzähler bezeichnet. Die linke Reihe hat einen Wert von 7,50 RM, die zwei linken Reihen zusammen 15,00 RM usw. Der gesamte Bogen hat einen Wert von 75 RM. Die Postbeamten fingen mit der Trennung der Marken aus dem Schalterbogen in der Regel unten rechts an. Sie gaben also die Marken von unten nach oben und von rechts nach links aus. Am Abend konnte der Schalterbeamte bei der täglichen Bestandsaufnahme den Wert der verbleibenden Marken mit Hilfe des Reihenwertzählers rasch ermitteln. Beispiel: Es verbleiben sechs vollständige Reihen und drei Marken der siebten Reihe. Das ergibt 45 RM gemäss Reihenwertzähler der sechsten Reihe plus dreimal 75 Pfennig oder gesamt 47,25 RM. In Zeiten ohne Addiermaschine oder Taschenrechner ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel.

Uns Briefmarkensammler helfen die Reihenwertzähler bei der Bestimmung des Bogenfeldes. Nehmen wir das Beispiel des 75 Pfennig-Wertes. Liegt und eine Marke mit anhängendem Reihenwertzähler 37,50 vor, wissen wir, dass es sich um eine Marke des Bogenfeldes 5 handelt.

Auch eine weitere Markierung auf dem abgebildeten Bogen half den Schalterbeamten bei der Bestandsaufnahme. Rechts oben finden wir die Zahl 59 in Handschrift notiert. Die Schalterbögen kamen in Stapeln zu den Poststellen und wurden häufig bei Erhalt von Hand durchnummeriert. Der unterste Bogen erhielt dabei die Nummer 1. Der Schalterbeamte wusste so jederzeit genau, wie viele vollständige Bögen eines Werts noch verblieben. Dies war sowohl für die rasche Bestandsaufnahme aber auch für die Steuerung von Nachbestellungen hilfreich. Diese Markierung wird auch handschriftlicher Bogenzähler genannt.

Wenden wir uns nun dem Unterrand des Schalterbogens zu.

  • Links unten die Bogennummer: der Buchstabe A, gefolgt von No der Zahl 416 und einem Stern resp. Rosette.
  • Rechts unten das Druckdatum: „Gedruckt am: 28. Dezember 1946“

Bogennummer und Druckdatum wurden nach dem Druck der Markenbögen in einem weiteren Arbeitsschritt mit einer Schnellpresse Typ Rex im Buchdruckverfahren aufgedruckt. Der linke Teil des Druckbogens (zwei Schalterbögen) erhielt bei diesem Arbeitsschritt den Buchstaben A mit fortlaufender Nummerierung, der rechte Teil des Druckbogens den Buchstaben B mit derselben Nummerierung. Die Druckerei Franz Burda verwendete rückwärts zählende Nummerierwerke. Das heisst, die früher gedruckten Bögen weisen höhere Bogennummern auf als die später gedruckten.

Beim Druck von Bogennummern und Druckdatum auf den Druckbögen des 75 Pfennig-Werts – dieser Wert wurde als erster der 20 Werte der 1. Offenburger Ausgabe an den Tagen 27./28./30. Dezember 1946 hergestellt – war das Nummerierwerk so eingestellt, dass bei kleineren Nummern keine voranlaufenden Nullen gedruckt wurden. Hierdurch kommen sowohl fünf-, vier-, drei-, und wahrscheinlich sogar zwei- und einstellige Bogennummern vor. Von zwei- und einstelligen Bogennummern liegen mir keine Exemplare vor.

Nachfolgend eine Bogennummer im Detail:

45 Pfennig-Wert, 4-stellige Bogennummer

Es handelt sich um die Bogennummer eines 45 Pfennig-Bogens. Schön zu erkennen: Das Zählwerk war auf vierstellige Nummern voreingestellt. Im Gegensatz zum 75 Pfennig-Wert jedoch mit voranlaufenden Nullen. Die Bogennummern sind somit immer vierstellig, z.B. 0092.

Die Aussage des Saarhandbuches, Kap. 402 S. 6, dass „die alten, für den Druck der 75 Pf verwendeten Nummerierwerke … für den Druck der übrigen Werte durch neue, fünfstellige Nummerierwerke ersetzt [wurden]“, ist so nicht korrekt. Wie ich in einem späteren Beitrag darlegen werde, wurden die beiden Nummerierwerke der Schnellpresse Typ Rex gar nicht ausgetauscht. Bei den ersten gedruckten Werten, 75 Pfennig, 12 Pfennig und 45 Pfennig Bogenrandsignaturhat man jedoch mit den Einstellungen der Nummerierwerke gespielt

45 Pfennig-Wert, 4-stellige Bogennummer voranlaufende Nullen

Sämtliche anderen Werte der Saar I wurden von fünfstelligen Zählwerke mit voranlaufenden Nullen bedruckt (vgl. nachstehende Abbildung).

12 Pfennig-Wert, 5-stellige Bogennummer

Beim Druckdatum unterscheiden wir gemäss Saarhandbuch drei Typen (I, II, III):

  • Typ I: Druck in Grotesk-Schrift. Nach am folgt ein Doppelpunkt. Typ I tritt bei allen Bögen vom 27. Dezember 1946 bis einschliesslich 8. Februar 1947 auf. Ausnahme: 6 Pfennig-Wert mit Druckdatum 5. Februar 1947 (vgl. Abbildung)
  • Typ II: Druck in Grotesk-Schrift. Vom 10. Februar bis zum letzten Drucktag am 21. Februar 1947 folgt dem „am“ kein Doppelpunkt.
  • Typ III: Druck in Antiqua-Schrift. An den Drucktagen 16./17. Februar 1947 wurde das Druckdatum einer Teilauflage des 8 Pfennig-Werts und der Gesamtauflage des 80-Pfennig-Werts in Antiqua gedruckt. Die ist erkennt man rasch an den Ligaturen der Buchstaben und Zahlen. Bei dem ebenfalls am 17. Februar 1947 gedruckten 40 Pfennig-Wert tritt Typ III nicht auf.
Druckdatum Typ I (mit Doppelpunkt) gedruckt in Grotesk-Schrift
Druckdatum Typ II (ohne Doppelpunkt) gedruckt in Grotesk-Schrift
Druckdatum Typ II (ohne Doppelpunkt, Ausnahme)
Druckdatum Typ III (ohne Doppelpunkt nach „am“) gedruckt in Antiqua-Schrift

Ihr habt sicherlich bemerkt, dass beim abgebildeten Druckdatum des 8 Pfennig-Werts zur Kennzeichnung der Ordnungszahl statt eines Punkts ein Komma gesetzt wurde. Dieser Fehler wurde nach etwa 2’000 bedruckten Bögen von Mitarbeitern der Druckerei Burda entdeckt und retuschiert. Die retuschierten Druckdaten des 8 Pfennig- sowie des 80 Pfennig-Werts weisen alle ein verstümmeltes Komma anstatt eines Ordnungspunktes auf.

Die drei Bogenrandsignaturen, die auf allen Schalterbögen der 1. Offenburger Ausgabe vorkommen, sind:

  • Reihenwertzähler auf dem Oberrand
  • Bogennummer auf dem Unterrand links
  • Druckdatum auf dem Unterrand rechts

Was findet ihr sonst noch auf den Bogenrändern?

  • Handschriftlicher Bogenzähler oben rechts (nicht immer)
  • Am Unterrand der Bögen oft Spuren, die die Greifer einer der beiden verwendeten Titan-Flachperforationsmaschinen hinterlassen hat.

Bis dann

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