15 Pfennig – Rätselhaftes Bogenfeld 19B (I)

Hallo

Heute stelle ich euch ein interessantes Feldmerkmal der 1. Offenburger Ausgabe vor und bitte euch gleichzeitig um eure Unterstützung und Mitarbeit.

Worum geht’s? Ich habe beim 15 Pfennig-Wert auf Bogenfeld 19B ein auffälliges Feldmerkmal identifiziert, das in keinem Katalog meiner doch recht umfangreichen Bibliothek aufgeführt ist. Das ist per se nichts ungewöhnliches, doch das Merkmal ist so auffällig, dass ich stutzig wurde und begann nachzuforschen.

Hier erst einmal eine Abbildung des Bogenfelds 19B mit dem Feldmerkmal „feiner, senkrechter Farbstrich über die helle Glutwolke von der Achsel des linken Stahlwerkers bis zu seinem linken Stiefel“ (SP20 19B)

   

Feld 19B ist das Bogenfeld unterhalb von 9B, eines bekannten und unter anderem auch in Michel Briefmarken-Katalogen unter Mi. 212Z V aufgeführten Feldmerkmals, da sollte ich einige Bogenecken in meiner Sammlung haben. Tatsächlich fand ich neben einigen Exemplaren mit dem abgebildeten Feldmerkmal auch Exemplare ohne Feldmerkmal. Ein Rakelstrich, welcher durch eine Beschädigung der Rakel der Rotations-Bogentiefdruckmaschine Palatia O hervorgerufen wird, ist es sicher nicht. Die Beschädigung der Rakel hinterlässt auf dem Formzylinder eine Farbspur, die sich als leicht verwischter Farbstrich über den ganzen oder Teile des Druckbogens bemerkbar macht. Bei dem abgebildeten Feldmerkmal können wir dagegen die einzelnen betroffenen Näpfchen zählen (vgl. hochauflösende Abbildung).

SP20 19B (Scan mit 3200dpi)
Viererblock obere rechte Bogenecke mit Feldmerkmal
Viererblock obere rechte Bogenecke ohne Feldmerkmal

Nun wurde es spannend: Druckzufälligkeit oder Teilauflage? Feldmerkmale in Teilauflage sind beim 15 Pfennig-Wert bislang nicht bekannt. Es ist auch eher unwahrscheinlich, wurde der Wert ja innerhalb eines Arbeitstages, am 7. Februar 1947, gedruckt.

Nachweisen konnte ich das Feldmerkmal auf verschiedenen B-Bogen ab B04670 bis B00225. Es ist davon auszugehen, dass das Feldmerkmal bis zum letzten Bogen auftritt. Damit fällt das Attribut Druckzufälligkeit weg. Es handelt sich definitiv um ein Feldmerkmal in Teilauflage.

Nicht nachweisen konnte ich das Feldmerkmal auf den B-Bogen B06117 sowie B06116. Was auch immer die Ursache dieses Feldmerkmals gewesen sein mag, sie trat am am 7. Februar 1947 bei einer Gesamtauflage von 7’600 Druckbogen irgendwann nach ca. 1’423 bis 2’930 bereits gedruckten Bogen ein, womit es sich bei der Abweichung um ein tertiäres Feldmerkmal handelt.

Es verbleiben zwei offene Fragen:

    1. Was war die Ursache dieser Abweichung?
    2. Wann während des Druckvorgangs entstand die Abweichung, resp. bei welcher Bogennummer tritt diese erstmals auf?

Nun kommt ihr und eure Unterstützung ins Spiel. Bitte schreibt mir per E-Mail, welcher B-Bogen des 15 Pfennig-Werts sich in eurer Sammlung befindet (Bogennummer) und ob auf Bogenfeld B19 das abgebildete Feldmerkmal auftritt oder eben nicht. Vielen Dank

Bis dann

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Anmerkung

Ich bedanke mich bei meinem Sammlerkollegen Winfried Gesellchen für seine Unterstützung bei meinen Nachforschungen.

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Basiswissen Philatelie (XIV) – Fälschungen

Hallo

Ab und an stosse ich auf eine Briefmarke, die auf den ersten Blick ganz normal wirkt, aber bei welcher mich irgendetwas stört. Neugierig geworden, zücke ich dann die hoch vergrössernde Lupe.

Häufig stellt sich die „Störung“ dann als eine interessante Druckzufälligkeit heraus. Manchmal jedoch auch als eine Fälschung.

Gefälscht wird bekanntlich alles, was wertvoll ist oder dem Fälscher mit geringem Aufwand einen hohen Profit verspricht. Briefmarken sind seit ihrer Einführung im Jahr 1840 im Visier begabter oder weniger begabter Fälscher. Illustre Namen kommen mir hierbei in den Sinn:

Bei den Marken der 1. Offenburger Ausgabe auf eine Fälschung zu stossen, die Gefahr ist zumindest bei ungebrauchten Marken eher gering. Weshalb? Sämtliche Werte dieser Ausgabe sind – auch heute noch – in hoher Menge und guter Qualität zu moderaten Preisen auf dem Markt verfügbar. Darüber hinaus bieten selbst die Phantasiebewertungen des Michel-Katalogs für die Werte der 1. Offenburger Ausgabe keinen Anreiz, grossen Aufwand zu betreiben. Zumindest clevere Fälscher können kalkulieren.

Die Situation bei gestempelten Werten, Briefstücken und Belegen aus dieser Zeit ist dagegen nicht so rosig. Leider gelangten echte Poststempel auf unbekanntem Weg in Privathand und es ist naheliegend, dass diese Stempel nicht unbenutzt in einer Vitrine schlummern. Zu den Stempeln, die aus diesem Grund nicht mehr geprüft werden, gehören:

    • Saarwellingen (a)
    • Völklingen (a)

Profi Tipp an euch: Finger weg von sämtlichen gestempelten Marken des 75 Pfennig-Werts mit Wasserzeichen fallende Wellenlinien, soweit diese nicht aktuell, also nach 2010 geprüft wurden. Ich habe selbst einige Exemplare dieser Marke in meiner Sammlung. Mit Teilstempel, mit nicht identifizierbarem Stempel etc. Für diese gelten die Bewertungen in den Michel-Katalogen nicht! Um es ganz klar zu sagen: Eine gestempelte 75 Pfennig-Marke mit Wasserzeichen fallende Wellenlinien ist selten (Frankatur für Auslands-Briefe). Die hohe Bewertung im Michel trifft – wenn überhaupt – auf:

    • perfekt zentrierte
    • perfekt perforierte
    • makellose
    • farbfrische und
    • identifizierbar (Ort, Datum) gestempelte

Exemplare zu, wobei der Stempel nicht einmal einen Hauch einer Verschmierung aufweisen darf. Marken, die nur einer dieser hohen Anforderungen nicht genügen, dürften im Bereich um Euro 20,00 notieren.

So, genug der Vorrede. Ich werde euch nun drei „Fälschungen“ vorstellen.

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Die vorstehende Abbildung zeigt eine 3 Pfennig mit schönem Stempelabschlag aus St. Wendel (Saar). Ein Vergleich mit meiner Stempeldatenbank zeigt, dass es sich um den Stempel „f“ handeln sollte. Dies können wir gut an dem weiten Abstand zwischen dem „L“ und der „(“ erkennen.

Vergleichsmarke aus Stempeldatenbank saarphilatelie.com

Was bei der ersten Abbildung nicht passt ist das Datum der Abstempelung. Die 20 Werte der 1. Offenburger Ausgabe waren nur bis zum 27. November 1947 gültig. Der Stempelabschlag ist jedoch eindeutig von 1948. In diesem Fall gehe ich jedoch nicht von einer Fälschung aus. Die nicht verkauften Marken des 3 Pfennig-Wertes sowie die 3 Pfennig-Werte der bereits bestellten Neuauflage – aus der eine Neuausgabe wurde – wurden im Zuge der Währungsreform vom November 1947 in der Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei mit der Wertangabe 60 cent. überdruckt. Diese Marken des Malstatt-Burbacher Drucks besassen bis zum 1. April 1948 Gültigkeit (offiziell ausser Kurs gesetzt wurden sie mit dem 31. Mai 1948). Es ist gut vorstellbar, dass der stempelnde Postbeamte die 3 Pfennig-Marke der Originalausgabe für eine Marke zu 60 cent. des Malstatt-Burbacher Drucks gehalten hat.

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Die Abbildung zeigt eine Fälschung, wobei der oder die Fälscher sehr plump vorgegangen sind. Vierstellige Postleitzahlen wurden erst am 23. März 1962 in Deutschland eingeführt. Darüber hinaus liegt 7108 Möckmühl in Württemberg und nicht im Saarland.

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Bei dieser Marke wurde das (SAAR) im Stempel Dillingen prominent platziert. Das Datum blieb jedoch leserlich. Im November 1953 lag sicherlich keine Verwechslung durch einen Postbeamten mehr vor.

Bis dann

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