Feldmerkmale – Ein Feldmerkmal mit „Doppelschlag“

Hallo

Ich sollte vielleicht weniger auf ebay stöbern, sonst wird es noch lange dauern, bis ich die Beitragsserie zu den einzelnen Werten der Freimarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland vervollständigt habe

Aufgefallen ist mir dieses Angebot mit drei in Michel-Katalogen aufgeführten Feldmerkmalen der 1. Offenburger Ausgabe:

Mein Blick blieb immer wieder an dem Viererblock des 6 Pfennig-Werts hängen. Irgend etwas stimmte mit diesen Marken nicht, doch ich kam nicht sofort darauf, was es war. Das Feldmerkmal war nicht das eigentlich spannende Element dieses Viererblocks. Schauen Sie selbst:

SP16, 6 Pfennig, Viererblock (Felder 23, 24, 33, 34)

Der Viererblock weist einen gut erkennbaren Doppelschlag des Zähnungskamms der Titan Flachperforiermaschine auf. Wie konnte es dazu kommen?

Jeweils vier übereinanderliegende Druckbogen wurden von Mitarbeitern der Druckerei Franz Burda mit dem unteren Rand in die Greifer der Perforiermaschine eingelegt. Diese Greiferspuren erkennt man bei nahezu allen Schalterbögen der 1. Offenburger Ausgabe. Nach dem Einspannen zog die Perforiermaschine die vier Druckbogen mit gleichmässiger Geschwindigkeit unter dem sich auf- und niederbewegenden Zähnungskamm durch, wodurch im Idealfall sämtliche Marken einheitlich mit dem Zahnungsmass K14 perforiert wurden. Wenn jedoch der Zähnungskamm – aus welchem technischen Grund auch immer – einen Doppelschlag ausführte, waren die Druckbogen bereits von den Greifern etwas weiter durch die Maschine gezogen worden.

Ergebnis: Die betroffenen waagerechten Markenreihen erhalten am unteren Markenrand eine zweite Reihe Perforationslöcher und die seitlichen Markenzähne sind so gut wie nicht vorhanden. Die Marken der betroffenen Markenreihe wirken im Vergleich zu anderen Marken schmaler (siehe vorstehende Abbildung).

Hier noch die gummierte Seite des Viererblocks, auf welcher ihr die Doppelzähnung noch klarer erkennen könnt.

Wie ist nun mein Neuzugang zu bewerten? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Marken der 1. Offenburger Ausgabe mit Doppelschlag werden nach meiner Marktkenntnis selten angeboten. Der Verkäufer meines Exemplars hat die Besonderheit nicht erkannt und so konnte ich das Los für unter Euro 6 erwerben.

Eine einzelne Marke mit Doppelschlag ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen, ausserdem dürften die nahezu fehlenden seitlichen Markenzähne die meisten Käufer verschrecken.

Für eine Bewertung würde ich für den vorliegenden Viererblock rechnen:

    • Euro 0,10 für den guterhaltenen, farbfrischen Viererblock plus
    • Euro 0,20 für ungebrauchte Erhaltung mit Originalgummi plus
    • Euro 0,25 für das Feldmerkmal

Macht Euro 0,55 für den Viererblock ohne Berücksichtigung des Doppelschlags. Mit Doppelschlag sind Euro 11 meine Schätzung.

Ich appliziere also einen Faktor 20 für den Doppelschlag, was bereits die Autoren des Saarhandbuchs im Kapitel 402,49 vorschlugen.

Ach ja, … ich bin euch noch das im Michel-Katalog unter römisch III aufgeführte Feldmerkmal schuldig:

SP16, 6 Pfennig, Feld 23AB: Dunkler Farbfleck auf dem linken Hosenbein des Bergmanns

Über den Link gelangt ihr zu dem Beitrag über eine weitere Perforationsanomalie bei den A-Bögen der kleinformatigen Werte der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Bis dann

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#saarphilatelie

Feldmerkmale – Bewertung mit und ohne Wasserzeichen

Hallo

Ich habe kürzlich bei ebay gestöbert und konnte einmal mehr nach genauer Durchsicht der vielfältigen Angebote für kleines Geld ein schönes Stück erwerben. Ein sauber perforiertes, gut zentriertes waagerechtes Paar des 75 Pfennig-Werts.

SP30F, 75 Pfennig, waagerechtes Paar, sauber gezähnt und gut zentriert

Angeboten wurde das waagerechtes Paar mit der seltenen Wasserzeichenvariante fallende Wellenlinien (von der Markenrückseite betrachtet) resp. steigende Wellenlinien (von der Bildseite her betrachtet).

SP30F, 75 Pfennig, seltene Wasserzeichenvariante fallende Wellenlinien F

Einschub Wasserzeichen

Wie der Sammler die Zuordnung von Wasserzeichen handhabt, kommt auf den jeweils vorliegenden Briefmarkenkatalog an:

    • Saarhandbuch (bildseitige Betrachtung)
    • End/Becker (bildseitige Betrachtung)
    • Paul Staedel (bildseitige Betrachtung)
    • Lipsia (bildseitige Betrachtung)
    • Ceres, F.S.A., Yvert & Tellier (bildseitige Betrachtung)
    • Michel (rückseitige Betrachtung, ist eher Ausnahme)

Beim Philotax Saar-Saarland Spezial Briefmarken-Katalog 1920-1959 empfehle ich, hinsichtlich der Wasserzeichen bei der 1. Offenburger Ausgabe vorsichtig zu sein. Beschreibung und Abbildung stimmen nicht immer miteinander überein.

Für mein Empfinden ist die Bestimmung des Wasserzeichens durch die Betrachtung von der Markenrückseite her einfacher als mittels bildseitiger Betrachtung.

Das Spezielle an meiner Neuerwerbung ist jedoch, dass die rechte Marke das Merkmal vom Feld 52B Weisse Wolke über den Bäumen im Hintergrund aufweist. Das Feldmerkmal hatte der Verkäufer nicht erkannt und damit nicht in den Verkaufspreis eingerechnet.

SP30F Felder 51/52B, rechte Marke mit Feldmerkmal Weisse Wolke (im roten Kreis)

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Bewertung der Marke

Wie ist nun meine Neuerwerbung, resp. die Marke mit dem Feldmerkmal Weisse Wolke zu bewerten?

Die einfachste Methode: Ich lege den von mir bezahlten Preis zugrunde. Dies geht in diesem Fall jedoch nicht, da dem Verkäufer das Feldmerkmal nicht bekannt gewesen ist.

Eine weitere einfache Methode: Ich lege die Bewertung des Michel-Briefmarkenkatalogs von Euro 15,00 zugrunde. Nur muss ich mir bei diesem Vorgehen bewusst sein, dass die Bewertung im Michel-Katalog dreifach irreführend ist:

    • Der Bewertung in den Michel-Katalogen liegt für die katalogisierten Marken der 1./2. Offenburger Ausgaben  k e i n e Bewertungsmatrix zugrunde (gleiche Seltenheit bei gleicher Qualität = gleiche Bewertung), sprich: es handelt sich um rein willkürliche Bewertungen
    • Die Bewertung in den Michel-Katalogen differenziert bei den Feldmerkmalen der 1./2. Offenburger Ausgaben  n i c h t zwischen den Wasserzeichenvarianten, sprich: die selteneren Marken werden gleich bewertet wie die häufiger auftretende Variante
    • Die Bewertungen in den Michel-Katalogen sind weder realistische Kauf- oder Verkaufspreise, sondern illusorisches Wunschdenken der Grosskunden des Verlages zum Schaden der Sammler

Um euch die vorstehenden Punkte zu erläutern, muss ich etwas ausholen.

Vom 75 Pfennig-Wert wurden in der Gültigkeit rd. 20’800 Schalterbögen, davon je die Hälfte A- und B-Bögen verkauft. Der Rest der Auflage wurde nach Ende der Gültigkeit vernichtet. Das Feldmerkmal Weisse Wolke kommt ausschliesslich auf Feld 52 der B-Bögen vor, somit verbleiben 10’400 theoretisch mögliche Exemplare dieses Feldmerkmals. Wie viele Exemplare nicht in den sorgsamen Händen eines Sammlers, sondern im Müllkübel, im Kamin oder sonst irgendwo gelandet sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Doch dies gilt für alle Werte der 1. Offenburger Ausgabe. Was wir wissen: Der Auslandsbrief für welche die Marke als Frankatur benötigt wurde, war ein beliebtes Postprodukt, von dem bis zum 15. September 1947 (Portoreduktion) rege Gebrauch gemacht wurde. Die Briefe und deren Couverts gelangten somit naturgemäss im Ausland.

Vom 2 Pfennig-Wert wurden in der Gültigkeit rd. 20’300 Schalterbögen verkauft, der Rest der Auflage wurde überdruckt. Die verkaufte Anzahl an Schalterbögen ist also etwa gleich wie beim 75 Pfennig-Wert. Von Feldmerkmalen, die ausschliesslich auf einem der beiden Bögen vorkommen, wie Feld 87B (Mi. 206 II) oder Feld 26A (Mi. 206 IV), existieren somit theoretisch ebenfalls nur etwas mehr als 10’000 Exemplare. Dennoch sind diese Feldmerkmale des 2 Pfennig-Werts bloss mit Euro 8,00 bewertet. Ich finde dies erstaunlich. Beide Marken gehören zum selben Briefmarkensatz, an der unterschiedlichen Nachfrage kann es wohl kaum liegen.

Briefmarken gleicher Seltenheit und gleicher Qualität sollten bei übereinstimmender Nachfrage auch gleich bewertet sein. Erfüllen die Bewertungen in Briefmarken-Katalogen diese Voraussetzung nicht, taugen sie weder für den gepflegten Tauschabend, geschweige denn für einen seriösen Handel.

SP27S Feld 43AB, 45 Pfennig Schürze mit Taschentuchzipfel

Wir können zum Vergleich auch den 45 Pfennig-Wert, konkret das Merkmal von Feld 43AB (Mi. 219 IV) heranziehen. Von diesem Feldmerkmal gibt es nach verkauften Schalterbögen (10’970) theoretisch sogar etwas mehr Exemplare als von Feldmerkmal 75 Pfennig Feld 52B. Die Bewertung im Michel-Katalog: Euro 25,00! Häufiger und dennoch höher bewertet? Das finde ich nun doch sehr erstaunlich. Ihr nicht auch?

Wieso ziehe ich für diesen Vergleich statt des 2 Pfennig-Werts ein Feldmerkmal des 45 Pfennig-Werts heran? Die Erklärung ist so einfach wie einleuchtend. Ich möchte Äpfel mit Äpfeln vergleichen.

Der 75 Pfennig-Wert entsprach in Einzelfrankatur bis zum 15. September 1947 dem Porto für Auslandsbriefe der 1. Gewichtsstufe bis 20 Gramm. Die Marken „verschwanden“ bei Gebrauch somit aus saarländischer und deutscher Sammlersicht irgendwo auf der weiten Welt. In der Zeit vor weltweiten Marktplätzen wie Delcampe oder ebay, hätte man diesen Umstand vielleicht als Grund für grössere Seltenheit im Vergleich zu den „heimischen“ 2 Pfennig-Werten und somit für eine höhere Bewertung heranziehen können. Heute gilt dies definitiv nicht mehr.

Zurück zum 45 Pfennig-Wert. Dieser entsprach in Einzelfrankatur bis zum 15. September 1947 dem Porto für Auslandspostkarten, womit die Marken bei Verwendung für saarländische oder deutsche Sammler in der Regel ebenso „verschwanden“ wie die Marken des 75 Pfennig-Werts. Dennoch verbleibt beim Michel eine markante Differenz bei der Bewertung.

SP27S, 45 Pfennig, gummierte Seite mit Wasserzeichen steigende Wellenlinien S

Unter uns: Sollte sich in Ihrer Sammlung ein Exemplar oder gar ein ganzer Schalterbogen des 45 Pfennig-Werts befinden, bei welchem das Wasserzeichen (von der gummierten Seite her betrachtet) fallende Wellenlinien aufweist, so haben Sie nicht nur den Sechser im Lotto gewonnen, sondern gleich den heiligen Gral dazu gefunden. Es ist nämlich bis heute in Sammlerkreisen kein solches Exemplar bekannt.

Womit wir wieder beim Thema wären. Denn bei meinem neu erworbenen Exemplar der 75 Pfennig Feld 52B handelt es sich ja um ein Exemplar mit der seltenen Wasserzeichenorientierung. Weshalb es diese Wasserzeichenvariante gibt, könnt ihr hier nachlesen. Vorweg: Wir wissen nicht, wie viele der 10’400 Druckbögen des 75 Pfennig-Werts auf Papier gedruckt wurde, welches in der Papierfabrik auf der „falschen“ Seite gummiert worden war. Wir werden dies wohl auch nicht mehr herausfinden. Das sich jedoch ein renommierter Katalog wie der Michel um eine Differenzierung der Bewertungen nach Wasserzeichen bei den wenigen katalogisierten Feldmerkmalen der betroffenen Werten zu 12 Pfennig und 75 Pfennig drückt, ist meiner Ansicht nach ein Armutszeugnis.

Ich schätze das Vorkommen der seltenen Wasserzeichenorientierung im Vergleich zur häufigeren Variante aufgrund meiner Erfahrung, meiner Marktkenntnis und meines eigenen Bestandes auf ein Verhältnis von 1:15 bis 1:20. Liege ich richtig, bedeutet dies, dass durchschnittlich jede 15. bis 20. Marke ein Exemplar mit seltenem Wasserzeichen ist (entspricht etwa 500-600 Druckbögen).

Versuchen wir im Folgenden einmal herauszufinden, wie die Michel-Redaktion mit ihrer langen Erfahrung die Seltenheit des 75 Pfennig-Werts einschätzt. Wie das gehen soll, fragt ihr euch? Bei der Bewertung der „normalen“ Marken ohne Feldmerkmale differenziert die Michel-Redaktion sehr wohl zwischen den Wasserzeichenvarianten. Schauen wir uns diese Differenzierung beim 75 Pfennig-Wert genauer an (erster Wert normales Wasserzeichen, zweiter Wert seltenes Wasserzeichen, Quelle: Saar-Spezial 2017):

    • ungebrauchte Exemplare:  Euro 0,10 zu Euro 6,00 = Faktor 60
    • postfrische Exemplare: Euro 0,40 zu Euro 18,00 = Faktor 45
    • gestempelte Exemplare: Euro 0,50 zu Euro 1000,00 = Faktor 2000

Der Wert für eine gestempelte Marke des 75 Pfennig-Werts entstammt wohl dem Reich schwüler philatelistischen Wunschträume. Wie würde wohl die Bewertung der Michel-Redaktion ausfallen, wenn eine sauber gestempelte Mi. 222 X PF IV (Feld 76A), die ja etwa 200x seltener ist als eine Marke ohne das Merkmal, auf dem Tisch läge? 200 x 2’000 = Faktor 4’000’000? Sie sehen schon, die Bewertungen aus dem Hause Michel sind nicht alltagstauglich und ersetzen nicht eigenes Denken.

Welche Informationen lassen sich aus anderen Katalogen (Vorgehen analog Michel) gewinnen?

    • End/Becker (1950): Faktor 1:16
    • Paul Staedel (1955): Faktor 1:8
    • SHB (1958): Faktor 1:20
    • F.S.A. (1960/64): drückt sich um eine Bewertung
    • angelsächsische Kataloge: Fehlanzeige in den Normalversionen
    • francophone Kataloge: Fehlanzeige in den Normalversionen

Fazit

Wollte ich den Marktwert meiner Neuerwerbung fair bewerten – die qualitative Erhaltung entspricht trotz der leicht verschobenen Perforation durchaus den Qualitätsanforderungen beispielsweise des Michel – rechne ich:

    • Euro 0,05 für die guterhaltene, gut gezähnte, farbfrische Marke plus
    • Euro 0,10 für postfrische Erhaltung mit Originalgummi plus
    • Euro 0,50 für das nur auf B-Bogen vorkommende Feldmerkmal

Somit total Euro 0,75 für die Marke ohne Berücksichtigung des Wasserzeichens und Euro 15,00 für die Marke unter Berücksichtigung des Wasserzeichens

Sie sind erstaunt? Erstaunt darüber, dass der Michel-Katalog eine gleichwertige Marke mit häufigerem Wasserzeichen gleich bewertet, wie ich mein Exemplar mit der selteneren Variante? Die Auflösung dieser nur scheinbaren Diskrepanz ist einfach! Michel-Bewertungen sind Märchen! Schöne Märchen zwar … doch diese Werte lassen sich bei Handänderungen i.d.R. nicht in bezahlte Preise umsetzen. Menschen, Sammler sind ja auch Menschen, glauben aber nun einmal gerne an Märchen. Viele Sammler glauben beispielsweise auch, dass – solange sie bloss fleissig genug alles für teures Geld kaufen, was ihnen von PostSiegerBorek, Prophila und wie sie alle heissen, tagtäglich in bunten Broschüren und Werbemails angeboten wird, und ihr Geld in viel genauso teures Zubehör stecken – dann ergäbe dies nicht nur eine schöne, sondern schlussendlich auch eine werthaltige Sammlung. Diese Schlussfolgerung ist zumindest hinsichtlich des Werts der Sammlung ein Trugschluss!

Die Michel-Bewertungen, von der Redaktion selbst in einer eigens produzierten Broschüre aufgebauscht und gleichzeitig wieder kleingeredet, nützen nur zwei Sorten von Klientel: den Gross-Händlern wie Sieger, Borek, Prophila etc. (nur 80% Katalogwert!), sowie einigen Briefmarken-Prüfern, bei welchen die Prüfkosten an den illusorischen Katalogwert des Michel gekoppelt sind. Die Einkommen beider Interessen-Gruppen hängen somit indirekt von den – ach so kompetenten, zuverlässigen und neutralen (Eigenwerbung des Michel) – Bewertungen in den Michel-Katalogen ab. Vergleichen Sie dagegen, was Sie auf der nächsten Briefmarkenmesse bei seriösen Händlern tatsächlich für ihr gesuchtes Stück bezahlen. Lassen Sie mich raten. Je nach Objekt 5-30% Micheleuro, der viel belächelten – aber für den Inhalt der Portemonnaies insbesondere deutscher Briefmarkensammler äusserst gefährlichen – bayerischen Geisterwährung.

Die Michel-Bewertungen nützen nur einer Anspruchs-Gruppe nicht, den Briefmarken-Sammlern; da diese Bewertungen keinem nachvollziehbaren, regelmässigen Schema folgen, nützen sie den Sammlern nicht einmal am gepflegten Tauschabend.

Der Sammler ist aus Sicht des Schwaneberger-Verlages nur für eine Sache gut: um möglichst jedes Jahr für die fast nutzlosen aber ausserordentlich teuren Briefmarken-Kataloge tief in die Tasche zu greifen. Ansonsten würde sich ja all der fehlende Sachverstand, die fehlende Genauigkeit und der nicht erbrachter Aufwand für die Redaktion nicht lohnen. Und wer würde dann den nächsten französischen Champagner an der Messe in Sindelfingen bezahlen, den man in trauter Runde – zweifellos eisern die vielbeschworene Neutralität wahrend- mit Inhabern bekannter Auktionshäuser und Vertretern der Grosskunden süffelt? Der nach Auskunft heischende Sammler wird dagegen vom bereits morgens kurz nach der Türöffnung stark angeheiterten und wie ein Klon seiner selbst wirkenden Redaktor unwillig – man wird ja nicht gern beim Champagnersüffeln gestört – abgewimmelt. Der seit Monaten angekündigte, in allen verfügbaren Medien beworbene Katalog, der bereits seit zwei Monaten erhältlich sein sollte und seit drei Monaten bestellt und bezahlt ist, dieser Katalog werde voraussichtlich in zwei Monaten tatsächlich erscheinen. Danach umdrehen, weitersüffeln. Keine Erklärung, keine Entschuldigung, nichts!

Ihr glaubt mir nicht?  Ihr könnt gerne überprüfen, wie viele Monate der Erscheinungstermin des Motivkatalogs Leuchttürme alle Welt hinausgezögert wurde. Denn der Sammler, der so unfreundlich abgefertigt wurde, der war ich. Der bereits bestellte und bezahlte Katalog sollte ein Geburtstagsgeschenk für meine Frau sein. Diese mag Leuchttürme und besitzt eine beeindruckende Sammlung zu dem Motiv. Statt eines Kataloge habe ich dann aus einer der grossformatigen Verkaufsanzeigen des Schwaneberger-Verlags für den Katalog einen Gutschein gebastelt. Einzulösen in zwei Monaten oder wann auch immer. Tempi passati.

Gehen wir konkret auf die Bedürfnisse des Saar-Sammlers ein und vergleichen einmal die Informationen aus dem Michel Saar-Katalog von 2001, 2002, 2004 mit dem aktuellen aus dem Jahr 2017. Der Mehrwert bleibt sehr überschaubar, die teilweise katastrophalen, über Jahrzehnte hinweg mitgeschleppten Fehler dieselben. Der Preis dagegen hat sich verdoppelt.

Dass die Michel-Redaktion es für notwendig befunden hat, ihre Bewertungen in einer Streitschrift, ähm Informationsbroschüre, zu verteidigen, lässt ebenfalls tief blicken. Die abgebildete Informationsbroschüre könnt ihr euch beim Schwaneberger-Verlag kostenlos bestellen oder als PDF-File herunterladen. Nach der Lektüre der wenigen Seiten ist jedem klar, nicht der Markt, sondern einzig Partikularinteressen beherrschen in der Michel-Redaktion die Bewertung. Hinweise auf Fehler und Verbesserungsvorschläge aus Sammlerkreisen werden – nach dem Prinzip l’etat, c’est moi – jovial ignoriert. Hört euch bei Sammlerkollegen, im Verein oder in Facebook-Foren um. Fast jeder hat in seinem Gebiet schon einschlägige Erfahrungen mit der Michel-Redaktion gesammelt und wird diese gerne mit euch teilen.

Zurück zur Differenz zwischen der Bewertung im Michel-Katalog und meiner fairen Bewertung. Die im Katalog angegebenen Bewertungen werdet ihr als private Verkäufer nicht in bezahlte Preise umsetzen können, wahrscheinlich erhaltet ihr gerade bei modernen Marken weit unter 10% der Katalog-Bewertung. Meine Bewertung hingegen ist ein Marktpreis, der auf Delcampe, ebay und Co. +/- 5% (exkl. anfallender Verkaufsgebühren) innert überschaubarer Zeit zu erzielen wäre. Das ist der wichtige Unterschied zwischen Michel-Dreamland und fairer Bewertung.

Bis dann

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#saarphilatelie

Marktgeschehen (I) – Aktuell bei ebay (Nachtrag)

Hallo

Ich möchte euch nicht vorenthalten, um welche Marke es sich bei dem im vorhergehenden Beitrag besprochenen Angebot auf ebay handelte.

Es ist ein Exemplar des 50 Pfennig-Werts (SP28) vom Feld 70A. Feld 70, daher der anhängende rechte Bogenrand und A, da dieses Feldmerkmal auf B-Bögen nicht vorkommt. Im Saarhandbuch (SHB) ist dieses Merkmal im Kapitel 402 auf Seite 39 aufgeführt mit der Beschreibung: „S oben unterbrochen“.

P.S. von 16:00 Uhr: Der Anbieter muss meinen Blog gelesen haben, was mich sehr erfreut. Das Angebot bei ebay wurde mit der korrekten Begründung vorzeitig beendet. An solchem Vorgehen erkennt ihr einen seriösen Briefmarkenhändler.

Bis dann

#saarphilatelie

Marktgeschehen (I) – Aktuell bei ebay

Joseph Joubert hat gesagt: „Täuschungen kommen vom Himmel, Irrtümer von uns selbst.“

Ich sage: „Irren ist menschlich.“

Hallo

Heute bin ich sehr aktuell. Ich schreibe über ein zurzeit noch laufendes Angebot bei ebay, welches exemplarisch aufzeigt, wie schnell eine ungenaue Beschreibung auf der einen Seite zu einem Irrtum auf der anderen Seite führen kann. Die ungenaue Beschreibung ist das Verschulden der Michel-Redaktion. Der – wie wir sehen werden durchaus nachvollziehbare – Irrtum unterlief dem Verkäufer des Artikels bei ebay.

Konkret. Auf ebay wird ein Exemplar des 50 Pfennig-Werts der 1. Offenburger Ausgabe mit rechts anhängendem Seitenrand und rückseitigem – wenig dekorativem – Besitzerstempel als Michel Feldmerkmal II für Euro 5,00 zum Sofortkauf angeboten (vgl. nachstehende Abbildung). Der Besitzerstempel kann von unbedarften Sammlern als Prüfer-Signatur verstanden werden, doch dies ist dem Verkäufer sicherlich nicht anzulasten. Es ist im Gegenteil lobenswert, Vorder- wie Rückseite der Marke als klar erkennbaren, detaillierten Scan zu präsentieren. Auch die Bewertung des Michel-Katalogs für dieses nicht alltägliche Exemplar erwähnt der Verkäufer in seiner Beschreibung: Euro 25,00. Ich persönlich halte es für grenzwertig, eine Briefmarke, deren Gummierung durch Stempel beschädigt oder verunstaltet wurden, als postfrisch zu bezeichnen. Dabei ist vollkommen egal, ob der Stempel vom Vorbesitzer, irgendwelchen Experten oder sonst jemandem mit überbordendem Selbstwertgefühl stammen. In diesem Zusammenhang kommt mir immer das während der Befreiung Europas von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg überall zu findende Grafitto „Kilroy was here“ in den Sinn. Mit rückseitigen Stempeln kommen frisch verausgabte Briefmarken sicherlich nicht an die Postschalter.

Im ebay-Inserat gezeigte Abbildung, vorbildlich mit Bild- und Rückseite

Item: Schlagen wir im Michel Saar-Spezial 2017 auf Seite 89 nach, lesen wir unter 220 II: „S“ von „Saar“ in der Mitte gebrochen (Feld 20). Eine Abbildung zu dieser Beschreibung ist nicht vorhanden. Das hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack. Immerhin liegt ein auf Saarbriefmarken spezialisierter Katalog vor mir. Und mit knapp Euro 50,00 ist das schmale Heftlein ja nicht gerade preiswert. Leider handelt es sich bei diesem Spezialkatalog um ein Konvolut von nicht aufgearbeiteten und bis auf wenige Details seit mehr als zehn Jahren nicht aktualisieren – und eben auch fehlerbehafteten – Versatzstücken aus verschiedenen anderen Katalogen des Schwaneberger-Verlags. Ausnahme bilden die wenigen, gut gelungenen Beiträge der ArGe Saar.

Die prosaische Beschreibung aus dem Katalog hilft uns bei der Bestimmung eines Feldmerkmals nicht weiter. Was sollen wir uns unter einem „gebrochenen Buchstaben“ vorstellen? Wo liegt die Mitte eines Buchstabens? Fragen über Fragen! Versuchen wir es also zuerst mit der weiteren, sachlichen Information, die uns der Katalog anbietet: Feld 20.

Auch diese Information ist nicht selbsterklärend. Ich werde mit wenigen Worten erläutern, wie 1946/47 die Briefmarken der 1. Offenburger Ausgabe an die Postschalter gelangten. Sämtliche Werte mit Ausnahme von 84 Pfennig und 1 Reichsmark wurden als Druckbogen zu 200 Marken gedruckt. Im Verlauf der Weiterverarbeitung hat man diese Druckbogen in einen (linken) A-Bogen und einen (rechten) B-Bogen zu jeweils 100 Marken zerschnitten. Die nachfolgende Abbildung zeigt einen A-Bogen des 50 Pfennig-Wertes.

Schalterbogen 01723 A des 50 Pfennig-Werts (SP28)

Jeder dieser Bogen, auch als Schalterbogen bezeichnet, umfasst – ich schreibe im Präsens, da nach 70 Jahren noch erstaunlich viele unversehrte Bögen in Sammlerhand sind – jeweils 100 Marken, arrangiert in 10 senkrechte Reihen und 10 waagerechte Zeilen. Jedes Bogenfeld und damit auch jede Briefmarke erhält durch die philatelistische Zählung eine Koordinate. Dazu wird bei aufrecht sehendem Markenbild die Zählung bei der obersten linken Marke mit Feldnummer „1“ begonnen, dann zählt man von links nach rechts bis man bei der obersten rechten Marke „10“ erreicht. Bei der nächsten Reihe geht es mit „11“ bis „20“ weiter. Die Marke links unten erhält am Schluss die Nummer „100“. Zur Unterscheidung, ob eine Briefmarke aus einem A- resp. B-Bogen stammt, fügt der Philatelist den entsprechenden Buchstaben hinzu. Beispiel: die erste Marke der untersten Reihe des abgebildeten Bogens hat die Feldnummer 91 A.

Jetzt kommt ein wichtiger Punkt hinzu. Bedingt durch die nicht unbedingt perfekt zu nennenden Produktionsbedingungen und die Druckart Rastertiefdruck (frz. und engl. Heliogravure), sind die Markenbilder nicht exakt gleich. Kleinere und grössere Abweichungen, Feldmerkmale genannt, lassen sich bei allen Werten und allen Feldern finden. Dieser glückliche Umstand ermöglicht uns heute, Einzelmarken einem bestimmten Bogenfeld zuzuordnen.  Sehr häufig lässt sich sogar bestimmen, ob es sich um eine Marke aus einem A- oder B-Bogen handelt. Der Philatelist spricht hier von Feldbestimmung (engl. plating).

Zurück zur Beschreibung im Michel-Katalog. Feld 20 ohne nachfolgenden Buchstaben bedeutet hier, das beschriebene Feldmerkmal kommt bei den Marken des Feldes 20 auf beiden Bögen vor. Aus Bequemlichkeit wird leider das AB weggelassen. Die Zehnerfelder – haben wir zuvor gelernt – also 10, 20, 30 etc. bis 100, liegen im Bogen immer aussen rechts. Einzelmarken mit anhängendem rechten Bogenrand sind Marken von ganz rechts aussen (nicht politisch und auch nicht fussballerisch zu verstehen). Unsere Marke aus dem ebay-Angebot könnte also tatsächlich eine Marke vom Feld 20 sein.

Nun schauen wir uns das Feldmerkmal der Marke genauer an (ich habe hierfür eine entsprechende Marke aus meiner Referenzsammlung herausgesucht).

Der obere Bogen des „S“ des Schriftbandes „SAAR“ ist – sogar etwa in der Mitte – klar unterbrochen. Hat der Verkäufer bei ebay also recht? Die Marke ist, der anhängende rechte Bogenrand ist ein klares Indiz, die äusserste rechte Marke einer Bogenreihe und das Feldmerkmal entspricht der Beschreibung im Katalog: „S“ von „Saar“ in der Mitte gebrochen. Wir wissen zwar immer noch nicht, was ein gebrochener Buchstabe ist und wundern uns über die abstruse Beschreibung im Katalog, aber wir nehmen an – und diese Annahme ist ausschlaggebend -, es kann sich nur um den Unterbruch im Bogen des „S“ handeln, den wir auf der Abbildung sehen. Weshalb ausschlaggebend? Wir haben genau in diesem Augenblick keine Möglichkeit, die uns präsentierte Marke zu vergleichen.

Nochmals. Hat der Verkäufer recht, die angebotene Briefmarke als Mi. 220 II zu beschreiben? Nein, der Verkäufer irrt – wenn auch aus völlig nachvollziehbaren Gründen. Ursache seines Irrtums ist die unpräzise Beschreibung und das Fehlen einer Abbildung im Michel-Katalog.

Begeben wir uns auf Spurensuche. Woher stammt die Beschreibung im Michel? Ursprung der Beschreibungen hinsichtlich der Feldmerkmale bei der 1. Offenburger Ausgabe ist häufig eine aus dem Saarhandbuch übernommene Beschreibung. Ich schlage im Handbuch der Postwertzeichen des Saargebietes und des Saarlandes 1. Auflage 1958, häufig als SHB abgekürzt, nach. Die Marken der 1. Offenburger Ausgabe werden im Kapitel 402 behandelt. Auf den Seiten 37-39 dieses Kapitels werden die Feldmerkmale des 50 Pfennig-Wertes beschrieben. Bei Feld 20 AB steht: „Strich im S (Abb. 67)“. Das SHB kann sich bei seiner Beschreibung so kurzfassen, da eine Abbildung mit dem Feldmerkmal vorhanden ist. Bei aller Kürze und Unschärfe – mal ehrlich: wissen Sie, wo Sie einen Strich in einem Buchstaben zu suchen haben? – der gebotenen Beschreibung, ein gebrochener Buchstabe wird nicht erwähnt. Aber ein Strich. Einen Strich im S erkenne ich bei der angebotenen Marke nicht. Die Ursache der fehlerhaften Beschreibung im Michel-Katalog ist somit nicht eine Beschreibung im SHB sondern muss irgendwo in den Archiven des Schwaneberger-Verlags zu suchen sein.

Des Rätsels Auflösung:

SP28 Feld 20A
SP28 Feld 20B

Die beiden vorstehenden Abbildungen zeigen erst ein Feld 20 vom A-Bogen und dann ein Feld 20 vom B-Bogen. Sehr gut zu erkennen ist auf beiden Abbildungen der feine, waagerechte Farbstrich über das S des Schriftbandes SAAR (jeweils mit rotem Pfeil gekennzeichnet). Das sekundäre Feldmerkmal ist die rechts aussen abgeschnittene 0 (Null) der Wertangabe 50 (ebenfalls mit Pfeil gekennzeichnet). Vergleichen Sie die Wertangabe 50 mit der Marke, die bei ebay angeboten wird. Die 0 (Null) ist bei letzterer unversehrt.

Die verbleibenden Pfeile zeigen die Unterscheidungsmerkmale für eine Marke eines A-Bogens (dunkler Farbfleck links neben der linken Hüfte der knienden Bäuerin) von einer Marke eines B-Bogens (dunkler Farbfleck rechts oberhalb des Gasometers der stilisierten Industrielandschaft).

Ich beschreibe das Feldmerkmal von Feld 20AB: „Feiner, waagerechter Farbstrich mittig über den Stamm des S von SAAR, die 0 der Wertangabe 50 rechts aussen am Markenrand senkrecht beschnitten“. So entsteht Klarheit, wenn keine Abbildung vorliegt oder eine Abbildung aus Platzgründen weggelassen wird. Bei Platz und Präzision zu sparen – wie bei diesem Beispiel aus dem Michel Saar-Spezial 2017 des Schwaneberger Verlags – zeugt meiner Meinung nach von Dilettantismus oder Desinteresse.

Quintessenz: Nicht alle Marken der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland, die dem Sammler als „Plattenfehler“ (sic!) angeboten werden, sind tatsächlich die in den Michel-Katalogen gelisteten und entsprechend bewerteten Besonderheiten. Obschon auf den ersten Blick alles stimmig erscheint. Nur, auf den ersten Blick sollte man sich in der Philatelie nicht allzu fest verlassen. Ich verwende im Zusammenhang mit diesen irreführenden Feldmerkmalen den von mir geprägten Begriff Amis Faux (frz. falsche Freunde). Amis Faux sind nicht nur für den Spezialisten sammelwürdig. Ich selbst finde die Beschäftigung mit diesen speziellen Marken hochspannend.

Was ihr Sammler bei Angeboten wie dem eingangs vorgestellten ebay-Artikel euch jedoch fragen solltet: „Ist der geforderte Preis gerechtfertigt?“ Lasst uns den Gedanken rund um den Preis für einen Moment weiterspinnen. Nehmen wir einmal an, ihr kauft das Angebot von diesem wirklich seriösen Anbieter bei ebay. Ihr bezahlt den Kaufpreis von Euro 5,00 plus Versandkosten und freut euch, die Marke eurer Sammlung hinzuzufügen. Voller Stolz präsentiert ihr diesen Neuzugang beim nächsten Vereinstreffen. Ein Sammlerkollege macht euch dann auf den zugrundeliegenden Irrtum aufmerksam, was ein philatelistischer Prüfer auf eure Anfrage bestätigt. Und jetzt? Der Verkäufer des konkreten ebay-Angebots lässt die Rückgabe der gekauften Ware zu. Was aber, wenn der Verkäufer dies ausschliesst? Das Feldmerkmal entspricht ja der Beschreibung im Katalog. Der Irrtum des Verkäufers beruht auf der unpräzisen, um nicht zu sagen abstrusen Beschreibung des betreffenden Feldmerkmals in den Michel-Katalogen (DSK, Saar-Spezial, etc.). Eine klärende oder erklärende Abbildung hinzuzufügen, hat die Katalogredaktion nicht für nötig befunden. Eine Verbesserung der Beschreibung oder das Einfügen einer Abbildung wurde seit mindestens 2001 entweder mangels Interesse oder aufgrund mangelnden Fachwissens nicht vorgenommen. Das ist nicht gerade ein Aushängeschild für einen Katalogverlag. Worauf ich hinaus will: „Wie weit haftet der Schwaneberger-Verlag für die Fehler, die er in seinen Katalogen – oft über Jahrzehnte hinweg – publiziert. Wie weit haftet er für die daraus den Sammlern entstehenden Vermögensschäden?“

Nein, ich betreibe hier kein Michel-Bashing. Gravierende Mängel in einem Katalog, noch dazu in einem Spezial-Katalog, müssen beschrieben und beim Namen genannt werden. Und leider ist das Beispiel dieses Beitrags kein Einzelfall.

Dem Saarsammler, insbesondere dem Sammler sogenannter Plattenfehler – auf das Begriffspaar Plattenfehler/Feldmerkmal werde ich in einem späteren Beitrag eingehen – lege ich den 2017 erschienenen Saar-Saarland Spezial Briefmarkenkatalog 1920-1959 und Ganzsachen aus dem Hause Philotax ans Herz. Nur wenig teurer als ein einzelner Band des Michel DSK findet der Sammler nebst den ebenfalls nicht immer nachvollziehbaren Beschreibungen in fast allen Fällen eine aussagekräftige Abbildung mit dem markierten Feldmerkmal. So erhält der Sammler die Möglichkeit, eine angebotene Marke zu vergleichen.

Seid ihr euch bei einer Marke der 1. Offenburger Ausgabe nicht sicher, ob es sich tatsächlich um einen der im Michel-Katalog gelisteten „Plattenfehler“ (sic!) handelt? Sendet mir ungeniert ein E-Mail mit einem aussagekräftigen Scan. In der Regel beantworte ich eure Anfragen innerhalb von 24 Stunden.

Zum Abschluss des Beitrages noch eine Aussage zum Motiv der Marke. Dargestellt werden zwei Bäuerinnen, evtl. Mägde, bei der Rübenernte vor einer stilisierten Industrielandschaft mit Gasometer, Fabrikgebäuden und rauchenden Schloten. Schwerindustrie und Landwirtschaft, seit langem die Haupterwerbszweige der Saarländer. 1947, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, bei der Ausgabe des 50 Pfennig-Wert der Berufe und Ansichten aus dem Saarland, besass diese Aussage immer noch Gültigkeit.

Bis bald

#saarphilatelie