Die einzelnen Werte – 8 Pfennig

Hallo

Der 8 Pfennig-Wert der 1. Offenburger Ausgabe, ist – wie der 6 Pfennig-Wert – kein Ergänzungswert. Diese Marke war für die Geschäftskunden der saarländischen Post wichtig und wurde von diesem im Inland als Frankatur benötigt für:

    • Drucksache der 2. Gewichtsstufe 20 bis 50 Gramm
    • Zeitungsdrucksache der 2. Gewichtsstufe 50 bis 100 Gramm
    • gemischte Postwurfsendung der 1. Gewichtsstufe bis 20 Gramm
SP17, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Das Markenbild zeigt im Vordergrund einen knienden, die Spitzhacke schwingenden Hauer im Streb. Den Hintergrund bildet eine Saarlandschaft mit einigen an einem Fluss gelegenen um eine Kirche gruppierten Häusern, von Feldern umgeben, auf welchen die frisch geernteten Getreidegarben zu Puppen aufgestellt in der Sonne trocknen.

Mit dem Bildmotiv hat Vytautas Kazimieras Jonynas, der Entwerfer sämtlicher Bildmotive der Berufe und Ansichten aus dem Saarland, gleich eine Vielzahl, der für die Saarländer wichtigen Symbole auf 18,5 x 22 Millimeter fixiert:

    • der wirtschaftlich und für das Selbstbewusstsein der Saarländer enorm bedeutsame Kohlenbergbau
    • der Bergmann als Repräsentant des Saarreviers
    • die Kirche als Symbol für die starke Verankerung der überwiegend katholisch geprägten Gläubigkeit im Saarland
    • die Landwirtschaft
    • die trotz der Schwerindustrie reizvolle Landschaft
    • der Fluss als Symbol für das wichtige Wasservorkommen zwischen Blies, Saar, Mosel etc.
    • die relative Kleinräumigkeit des Saarlandes

Abbildungen

Der 6 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, welche die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 nicht nachdrucken liess. Daher kann ich euch auch keine Abbildungen der Neu- resp. Überdruckausgabe zeigen.

Den Bergmann als Bildmotiv für eine Briefmarke zu wählen, dafür benötigte man im Saarrevier kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges wenig Phantasie. Die Mitarbeiter der P.T.T. der Zone d’occupation française en Allemagne in Baden-Baden brauchten ihr Vorstellungsvermögen gar nicht zu strapazieren. Sie schauten ins Archiv und fanden gleich zwei Briefmarken mit dem Bildmotiv „Hauer im Streb“. Diese waren von der Post des Saargebiets in den Jahren 1921 und 1922 herausgegeben worden.

1921 Landschaftsbilder I; 10 Pfennig Hauer im Streb und Sicherheitslampen
1922 Landschaftsbilder III; 5 Centimes Hauer im Streb und Sicherheitslampen

Die Darstellung des Bergmanns im Streb ist auf den von Alfred Montader entworfenen Marken des Saargebiets sicherlich realistischer, als bei der Vorlage von Vytautas Kazimieras Jonynas. Die Dunkelheit und die Enge unter Tage sind sehr eindrücklich dargestellt, was jedoch zumindest bei der Ausführung von 1921 das Erkennen des Bildmotivs erschwert.

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Dokumentation Druckdatum

Die Dokumentation der Drucktage des 8 Pfennig-Werts anhand der rechten unteren Bogenecken (A-Bogen); ein Bogen resp. eine Bogenecke mit dem Druckdatum Samstag, 15. Februar 1947 liegt mir bislang nicht vor.

Druckdatum in Antiquaschrift, Typ III mit Komma

Einige am 16. Februar 1947 hergestellte Bögen des 8 Pfennig-Werts der 1. Offenburger Ausgabe weisen eine interessante Eigentümlichkeit auf. Das Druckdatum – Typ III Antiquaschrift – zeigt ein Komma anstatt eines Punkts.

Das Komma wurde kurz nach dem Anlaufen der Druckmaschine nach etwa 2’000 Bögen bemerkt, woraufhin das Komma wenig professionell retuschiert wurde. Das Ergebnis? Das Komma war zwar weg, doch statt eines Punkts weisen alle folgenden Bögen nun ein verstümmeltes Komma auf (vgl. Abbildung).

verstümmeltes Komma

Schauen Sie sich die Bogenecken genau an: die untere, rechte Marke weist jeweils rechts der Währungsangabe PF. unter der Wertangabe 8 einen doppelten Konturstrich auf. Dies ist das Feldmerkmal des Feldes 100AB, in den Michel-Katalogen aufgeführt als I.

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 16. Februar 1947, A 01463 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bogennummern sind durchgehend 5-stellig

Dokumentation eines Einschlusses

Holzeinschluss (Bildseite)
Holzeinschluss (Rückseite mit einwandfreier Gummierung, diagonal geriffelt)

Die Qualität des Papiers, welches für die Herstellung der Marken der 1. Offenburger Ausgabe verwendet wurde, war – mit Ausnahme des Wasserzeichenpapiers für die Werte zu 12, 45 und 75 Pfennig – überwiegend minderwertig. Es ist dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen. Unter der Lupe findet man häufig feine, farbige Stofffäden. Der vorstehend abgebildete Holzeinschluss ist jedoch aussergewöhnlich gross und dick.

Dokumentation raue Perforation

raue Perforation

Ein schönes Beispiel für die sogenannte raue Perforation. Diese entstand, wenn die Mitarbeiter die Titan Flachperforiermaschine mit mehr als den maximal zulässigen vier Druckbögen befüllten und/oder die Stifte des Perforationskamms stumpf wurden. Die Trennung der Marke aus dem Bogen gestaltete sich bei rauer Perforation schwer, was sich anhand der Abbildung schön nachvollziehen lässt.

Dokumentation verschobene Perforation

verschobene Perforation

Ist die Ursache für die raue oder die verschobene Perforation vielleicht der Wochentag? Der 16. Februar 1947 war ein Sonntag. Hinzu kam Zeitdruck. Am darauffolgenden Samstag, dem 22. Februar 1947 mussten die restlichen Werte der 1. Offenburger Ausgabe auf LKW verladen und von der Druckerei Franz Burda nach Saarbrücken versandt werden, wobei die Werte zu 8, 80, 40, 3, 50 und 2 Pfennig – 10 Mio. Marken resp. 50’000 Druckbögen noch gedruckt werden wollten. Dennoch bin ich der Meinung, dass nicht Zeitdruck oder die Tatsache, dass es sich um einen Sonntag handelte, die Ursache war. Raue und verschobene Perforationen finden wir bei allen Werten und diese wurden von den Kontrolleuren durchgewinkt, solange die Aufgabe der Perforation – die Trennung von zwei einzelnen, gesamthaft abgebildeten Marken – gewährleistet war. Es handelt sich bei Briefmarken ja um kurzlebige Gebrauchsgegenstände. Verzähnungen, bei welchen die Perforation über das Markenbild verläuft, stammen in aller Regel aus dem Ausschuss und gelangten nicht über saarländische Postschalter in Sammlerhände.

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Steckbrief des 8 Pfennig-Werts
    • Wert/Währung: 8 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 8 (Saar-) Pfennig
    • Bildmotiv: Hauer im Streb vor Saarlandschaft
    • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
    • Farben (Aufzählung):
      • RAL: 3000 Feuerrot
      • Stanley Gibbons Farbenführer: red
      • End/Becker: Rotorange
      • Paul Staedel: rouge-saumon
      • Saarhandbuch (SHB): Rot
      • Michel: Rot bis dunkelrosa
      • Scott: scarlet
      • Stanley Gibbons: carmine
      • Yvert & Tellier: rouge
    • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
    • Wasserzeichen: kein
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
    • Masse: ca.22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
    • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
    • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
    • Bogenrandsignaturen:
      • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
      • Druckdatum ausgeführt in Antiquaschrift, Typ III; interessante Abweichung: einige, der am 16. Februar 1947 bedruckten Druckbögen weisen im Datum statt eines Punkts ein Komma auf (vgl. Abbildung). Dies wurde nach einigen Hundert Bögen bemerkt und daraufhin das Komma „retuschiert“; die weiteren Bögen weisen daher statt eines Punkts ein verstümmeltes Komma auf (vgl. Abbildung).
    • Druckdatum/-daten: 15./16. Februar 1947
    • Auflage: 2’520’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit rd. 2’505’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Erstausgabetag: 7. März 1947
    • Verkauf bis: 19. November 1947
    • Gültigkeit: 7. März 1947 bis 27. November 1947
    • Hauptwert/Ergänzungswert: Hauptwert
    • Katalognummern (Aufzählung):
      • End/Becker: 209
      • Paul Staedel: 4
      • F.S.A.: 199
      • Michel: 209
      • Saarphilatelie: 17
      • ANK: 209
      • Scott: 158
      • Stanley Gibbons: 206
      • Yvert & Tellier: 199
    • Neuausgabe im Herbst 1947: nein

Bis dann

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