Die einzelnen Werte – 1 Mark

Hallo

Obschon dieser Beitrag den betragsmässig höchsten, den 1 Mark-Wert und damit den letzten Wert der 1. wie auch 2. Offenburger Ausgabe behandelt, ist dies nicht der letzte Beitrag dieser Beitragsserie über die einzelnen Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland. In einem späteren Beitrag werde ich euch noch einige Abbildungen von interessanten Spezialitäten dieser Briefmarkenausgaben, die erst nach Erscheinen der entsprechenden Beiträge in meine Sammlung gelangten, vorstellen sowie mich an einer Zusammenfassung versuchen.

Der 1 Mark-Wert hat ein neues, wie beim 84 Pfennig-Wert nur einmal vorkommendes Bildmotiv, die Saarschleife bei Mettlach, und wartet ebenfalls mit einem neuen grossen Markenformat auf. Wurden die Werte zu 2 bis 80 Pfennig im Format 22 x 26 Millimeter und der 84 Pfennig-Wert im Format 26 x 43 Millimeter hergestellt betragen die Masse der Marken zu 1 Mark 43 x 26 Millimeter (jeweils bei normaler Zähnung) .

Der 1 Mark-Wert der Briefmarkenausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland ist nicht nur der höchste Wert dieser Freimarkenserie, sondern auch ein früh verausgabter Hauptwert der Ausgabe. Hohe Frankaturen konnten durch die Verwendung dieses Wertes mit wenigen Briefmarken abgedeckt werden, was bei der vergleichsweise niedrigen Auflagenhöhe der einzelnen Marken aus Sicht der P.T.T. des Saarlandes nicht zu unterschätzender Vorteil war.

Als Beispiel ein Einschreibebrief im Fernverkehr der zweiten Gewichtsstufe bis 50 Gramm. Die Beförderungsgebühr betrug 1947 108 Pfennig (48 Pfennig für den Brief plus 60 Pfennig Einschreibegebühr), welche durch eine Marke zu 1 Mark und eine Marke zu 8 Pfennig bequem verklebt werden konnten.

Als Einzelfrankatur dagegen deckte der Wert nur wenige Tarife ab:

    • Postanweisung bis 750 Mark
    • Gebühr (Zuschlag) für:
      • Behandlungsgebühr Wertsendung über 100 Mark
SP33, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Dass die jeweils höchsten Werte einer Serie ein anderes Format als die „niedrigen“ Werte aufweisen, ist nicht ungewöhnlich. Wir kennen dies von vielen anderen zeitgenössischen Briefmarkenausgaben.

AM Post 1945/46
Wappen und Dichter 1945/46
Kontrollratsausgabe 1947/48
Bautensatz 1948

Das Markenbild des 1 Mark-Werts der 1. Offenburger Ausgabe zeigt in fotorealistischem Detail die Saarschleife bei Mettlach. Das Projekt Saarphilatelie.com hat dieses Naturjuwel und Wahrzeichen des Saarlandes bereits mehrfach, das letzte Mal im Juni 2019 anlässlich von Ortsterminen im Saarland aufgesucht.

Der Entwerfer Vytautas Kazimieras Jonynas dagegen hat 1946 die Saarschleife wahrscheinlich nicht aufgesucht, um einen eigenen Eindruck für seine Bildvorlage zu gewinnen, sondern verwendete eine weit verbreitete Ansichtskarte, welche die Saarschleife etwa um das Jahr 1928 zeigt (vgl. hier).

In diesem Blog habe ich über kein Bildmotiv so häufig geschrieben, wie über die Saarschleife bei Mettlach, weshalb ich meine Ausführungen auf eine Auflistung der Fundstellen für den Leser beschränke:

Abbildungen

Der 1 Mark-Wert gehört zu denjenigen Werten der Originalausgabe, von denen die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg eine Neuauflage bestellte. Von dem 1 Mark-Wert existieren somit vier Varianten: Marken der Originalausgabe, Marken der Neuausgabe, Marken der Originalausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck (Urdruck/Altdruck) sowie Marken der Neuausgabe mit Überdruck für den Malstatt-Burbacher Druck.

SP46, Neuausgabe mit Währungsbezeichung SM für Saarmark, Herbst 1947
SP59 I, Originalausgabe mit Aufdruck 50 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ I)
SP59 II, Neuausgabe mit Aufdruck 50 F Malstatt-Burbacher Druck (Typ II)

Für den Sammler ist die Unterscheidung von überdruckten Marken der Originalausgabe – dem sogenannten Urdruck – und überdruckten Marken der Neuausgabe beim 1 Mark-Wert in der Regel einfach. Achtet auf:

    • Die originale Währungsbezeichnung: M = Originalausgabe, SM = Neuausgabe
    • Die Farbe des Papiers. Für die Neuausgabe stand fast weisses Papier zur Verfügung. Weisses Papier werdet ihr bei der Originalausgabe nicht finden.
    • Die Gummierung der Neuausgabe ist wesentlich heller, transparenter und matter als die der Originalausgabe (vgl. Abbildungen)
Gummierung Originalausgabe, leicht bräunlich, diagonal geriffelt
Gummierung Neuausgabe, hell und transparent

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Dokumentation des Druckdatums der Originalausgabe, Groteskschrift mit Doppelpunkt, Typ I

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 28. Januar 1947, B 18399 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Bogennummern sind durchgehend 5-stellig

Dokumentation Abklatsch

Abklatsch (Neuausgabe), stark ausgeprägt

Die vorstehende Abbildung zeigt einen Abklatsch, entstanden durch Druck auf der gummierten Seite des Markenbogens. Da der Abklatsch deckungsgleich mit der Bildseite der Marke ist, entstand dieser maschinell: ein sogenannter Maschinenabklatsch. Wurde ein Druckbogen nicht korrekt von der Druckmaschine eingezogen oder kam es mangels Druckbögen zu einem Leerlauf, gab der farbgetränkte Formzylinder Farbe auf die – eigentlich hinter dem zu bedruckenden Druckbogen liegenden – Halterolle ab. Sobald nun der Druckvorgang wieder ordnungsgemäss verlief, gab die Halterolle die Farbe an die gummierte Seite des folgenden Druckbogens ab.

Dokumentation verschobene Perforation

Markenpaar mit stark verschobener Perforation bei dem wir erkennen können, dass die Perforationsstifte der eingesetzten Titan Flachperforiermaschine es nicht in jedem Fall schafften, das Papier zwischen den Markenzähnen vollständig zu entfernen.

Dokumentation Einschluss

In einem früheren Beitrag hatte ich bereits einen Papier-Einschluss vorgestellt. Die Qualität des Papiers, welches für die Herstellung der Marken der Originalausgabe verwendet wurde, ist- mit Ausnahme des Wasserzeichenpapiers für die Werte zu 12, 45 und 75 Pfennig – überwiegend minderwertig. Es handelt sich um dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen. Unter der Lupe findet man in der Papiermasse neben vielen Holzeinschlüssen auch häufig feine, farbige Stofffäden. Die vorstehend abgebildeten Holzeinschlüsse sind gross genug, ohne Lupe sichtbar zu sein; sie sind aber nicht aussergewöhnlich.

Einschlüsse in der Papiermasse sind materialbedingt und stellen keinen Mangel dar.

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Habt ihr euch gewundert, dass ich bei der Abbildung der Marke der Originalausgabe das auffällige Feldmerkmal am oberen Bildrand nicht erwähnt habe?

Ohne der in wenigen Wochen startenden Beitragsserie Weisse Wolke über dem Storchennest zu den Feldmerkmalen der 1. Offenburger Ausgabe und einigen anderen interessanten Marken der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland vorgreifen zu wollen: Ich habe dieses Feldmerkmal nicht herausgestrichen, da es sich nicht um das im Michel-Katalog unter Mi. 225 I aufgeführte Feldmerkmal handelt.

Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich. Die Beschreibung im Michel-Katalog trifft doch zu, oder nicht? Der Michel schreibt:

„Ballon“ am Himmel am linken oberen Bildrand (Feld 14)

Der dunkle Farbfleck ist am oberen Bildrand und auch leicht links, das stimmt. Was versteht aber die Michel-Redaktion unter dem Begriff „Ballon“? Der Begriff Ballon wird im Zusammenhang mit Feldmerkmalen der 1. Offenburger Ausgabe in den Michel-Katalogen auch an anderer Stelle verwendet:

Unter dem Begriff Ballon versteht die Michel-Redaktion also einen eher kreisrunden Farbfleck im Bereich des Himmels eines Bildmotivs. Nur, der Begriff wird von der Redaktion keineswegs durchgehend verwendet, vgl.:

Wenn wir uns diese hergeleitete Begriffsbestimmung „kreisrunder Farbfleck im Bereich des Himmels eines Bildmotivs“ vor Augen halten, dann kann es sich nicht um das katalogisierte Feldmerkmal handeln.

Die nachstehenden Abbildungen zeigen das gesuchte Feldmerkmal.

1 Mark, SP33 Feld 14AB (hier A)
1 Mark, SP33 Feld 14AB (hier A)

Zwei dunkle Farbflecken am linken oberen Bildrand oberhalb der Spitzen der beiden A von SAAR; der rechte Farbfleck ist grösser als der linke und befindet sich bei Marken mit normaler Perforation zwischen dem 7. und 8. Markenzahn von links; die beiden Farbflecken bilden mit einem weiteren Farbflecken – dieser gehört zum normalen Bildmotiv – auf dem darunter liegenden Hügelrücken ein gleichschenkliges Dreieck.

Fazit: Der Begriff „Ballon“, den die Michel-Redaktion in ihrer Beschreibung des Feldmerkmals Mi. 225 I verwendet, ist unzutreffend und das Feldmerkmal besteht darüber hinaus aus zwei Flecken, nicht aus einem. Das auf der Abbildung zu Beginn gezeigt Feldmerkmal ist ein Amis Faux (vgl. Definition am Schluss des Beitrags) und gehört zum Feld 50AB. Ihr könnt dies gut mit den Abbildungen der Druckdaten vergleichen. Diese Marken stammen naturgemäss alle vom Feld 50 und weisen auch alle dasselbe Feldmerkmal auf; auf Marken der A-Bögen besser zu erkennen als auf denen der B-Bögen.

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Definition Amis Faux

Feldmerkmale, auf welche die Beschreibungen des Michel-Kataloges zutreffen, die jedoch auf einem anderen Bogenfeld auftreten als im Michel-Katalog angegeben. Für den Sammler sind Amis Faux auf Einzelmarken in der Regel nicht zu erkennen. Ursachen: Fehlende Abbildungen sowie mangelhafte, vage oder schlichtweg falsche Beschreibungen im Michel-Katalog.

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Steckbrief des 1 Mark-Werts
    • Wert/Währung: 1 (Reichs-) Mark, ab 16. Juni 1947: 1 (Saar-) Mark
    • Bildmotiv: Grosse Saarschleife bei Mettlach
    • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
    • Farben (Aufzählung):
      • RAL: 6005 Moosgrün
      • Stanley Gibbons Farbenführer: blackish green
      • End/Becker: Grün
      • Paul Staedel: vert gris
      • Saarhandbuch (SHB): Dunkelgrün
      • Michel: Schwärzlichgraugrün
      • Scott: gray green
      • Stanley Gibbons: green
      • Yvert & Tellier: vert
    • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
    • Wasserzeichen: kein
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
    • Masse: ca. 43 x 26 Millimeter / ca. 40 x 22,2 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
    • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
    • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
    • Bogenrandsignaturen:
      • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
      • Druckdatum ausgeführt in Groteskschrift, Typ I
    • Druckdatum/-daten: 28.-30. Januar 1947
    • Auflage: 2’000’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit ca. 1’970’000 Exemplare am Schalter verkauft wurden
    • Erstausgabetag: 17. Februar 1947
    • Verkauf bis: 19. November 1947
    • Gültigkeit: 17. Februar 1947 bis 27. November 1947
    • Hauptwert/Ergänzungswert: Hauptwert
    • Katalognummern (Aufzählung):
      • End/Becker: 225
      • Paul Staedel: 20
      • F.S.A.: 215
      • Michel: 225
      • Saarphilatelie: 33
      • ANK: 225
      • Scott: 171
      • Stanley Gibbons: 222
      • Yvert & Tellier: 215
    • Neuausgabe im Herbst 1947: ja (vgl. Abbildung)
    • Druckdatum/-daten der Neuausgabe: 20./21. November 1947
    • Auflagehöhe der Neuausgabe: 3’020’000 Stück
    • Überdruck der Originalausgabe (Urdruck, MBD I): ja; 15’200 Stück von denen 600 Stück am 24. März 1948 vernichtet wurden (vgl. Abbildung)
    • Wert/Währung des Malstatt-Burbacher Drucks: 50 F
    • Erstausgabetag des 50 F-Werts des Malstatt-Burbacher Drucks: 27. November 1947

Eine kurze Erklärung zu der Verwendung der Begriffe Originalausgabe (1. Offenburger Ausgabe) und Neuausgabe (2. Offenburger Ausgabe). Die Originalausgabe wurde vom 27. Dezember 1946 bis zum 21. Februar 1947 bei der Druckerei Franz Burda gedruckt. Die Druckerei erhielt im Spätsommer/Herbst 1947 den Auftrag zu einer Neuauflage von 13 der 20 Werte, um die Briefmarkenbestände aufzufüllen. Der höchste Wert zu einer Mark sollte dabei auf die seit dem 16. Juni 1947 gültige neue Währung Saarmark umgestellt werden. Die Negative, Diapositive und Druckzylinder der Originalausgabe waren bei der Druckerei Franz Burda jedoch nicht mehr vorhanden oder nicht mehr benutzbar. Es mussten also von Jonynas‘ Originalvorlagen – diese waren noch vorhanden – neue Abzüge erstellt werden. Kleinere Beanstandungen wurden an den Originalvorlagen vorgängig retuschiert, wie beispielsweise im Bereich zwischen den Beinen des rechten Stahlwerkers bei den Werten zu 15, 16, 20 sowie 24 Pfennig. Da die Herstellung der 13 nachbestellten Werte von geänderten Originalen erfolgte, sprechen wir von einer Neuausgabe und nicht von einer Neuauflage. Der Malstatt-Burbacher Druck ist wiederum eine Überdruckausgabe beider Ausgaben. Die Originalausgabe mit Überdruck bezeichnen wir als MBD Typ I und die Neuausgabe mit Überdruck als MBD Typ II.

Bis dann

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Wichtige Hinweise für den Saarsammler

Erster Abschnitt: Falschstempel resp. gängige Stempel, welche nicht geprüft werden (alphabetisch nach Ort):

    • Altheim (Saar) / KSDBG
    • Aschbach über Lebach (Saar) / DKS
    • Beckingen * (Saar) a KSDB
    • Beckingen (Saar) – Heimatfest – / WST
    • Berus (Kr. Saarlouis) / KSDBG
    • Besseringen (Saar) / KSDBG
    • Bierbach (Saar) / KSDB
    • Blickweiler (Saar) / KSDB
    • Blieskastel / K
    • Bous * (Saar) * / KSDB
    • Bous (Saar) – 1000 Jahr Feier – / OWST
    • Brebach (Saar) b / DKS
    • Bübingen (Kr. Saarbrücken) a
    • Eppelborn (Saar) / KSDB
    • Eschringen * (Saar) * / KSDB
    • Haustadt über Merzig (Saar) / DKS
    • Homburg (Saar) 1 g / DKS
    • Illingen (Bez. Trier) i
    • Illingen (Saar) – 1100 Jahre Illingen – /OWST
    • Mettlach (Saar) b
    • Neunkirchen * (Saar) 1 b / KSDB
    • Ottweiler (Saar) b / DKS
    • Ottweiler (Saar) – 400 Jahre Stadt – / WST
    • Saarbrücken * (BHF) k / KSDB
    • Saarbrücken 1 d / KSDB
    • Saarbrücken 1 f / KSDB
    • Saarbrücken 1 g / KSDB
    • Saarbrücken 2 – Der französische Aussenminister … – / SoSt
    • Saarbrücken 2 – Der Bundespräsident … – / SoSt
    • Saarbrücken 2 – Saarland-Bundesland … – / SoSt
    • Saarbrücken 2 c
    • Saarbrücken 2 e / DKS
    • Saarbrücken 2 * (BHF) k / KSDB
    • Saarbrücken 2  1 / DKS
    • Saarbrücken 2 ac / DKS
    • Saarbrücken 3 * (St. Johann) / KSDBG
    • Saarbrücken 3 a / DKS
    • Saarbrücken 5 * (Burbach) / KSDBG
    • Saarhölzbach * (Saar) * / KSDBG
    • Saarlouis 1 c / DKS
    • (18) Saarlouis 1 h / DKS
    • Saarwellingen a / DKS
    • St. Ingbert (Saar) d / KSDB
    • St. Wendel ** a / KSDBG
    • St. Wendel – Missionshaus – / WST
    • Sulzbach * (Saar) c / KSDB
    • Völklingen (Saar), insb. Völklingen (Saar) a / KSDB
    • Wehrden * (Saar) * / KSDB
    • Wiebelskirchen (Bz. Trier) / KOSeg
    • Wiebelskirchen (Saar) / a DKS
    • Wustweiler (Saar) / DKS

Abkürzungen:

    • DKS = Doppelkreis-Steg-Stempel
    • K = Kreisstempel
    • KOSeg = Kreis-Obersegment-Stempel
    • KSDB = Kreis-Steg-Doppelbogen-Stempel
    • KSDGB = Kreis-Steg Doppelbogen-Gitterstempel
    • OWST = Ortswerbestempel
    • SoSt = Sonderstempel
    • WST = Werbestempel

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Zweiter Abschnitt: Gefälschte/gestohlene Prüfzeichen von Briefmarken-Prüfern des BPP (alphabetisch):

    • A. Burger BPP
    • Bechtold BPP
    • Bothe BPP
    • Dr. Lantelme BPP
    • Dr. Petersein BPP
    • Eliades BPP
    • Flemming BPP
    • Georg Bühler
    • Gotw. Zenker BPP
    • Grobe
    • Hefer BPP
    • Heintze BPP
    • Helbig BPP
    • Herbst BPP
    • Hey BPP
    • Hollmann BPP
    • INFLA Berlin (+)
    • INFLA Berlin (B)
    • INFLA Berlin (H)
    • INFLA Berlin (W)
    • INFLA Berlin (Echt im Block geprüft)
    • Jäschke-L BPP
    • Keiler BPP
    • Kimmel BPP
    • Kesselstatt BPP
    • Lemberger BPP
    • Mahr BPP
    • Modry BPP
    • M. Sommer BPP
    • Peschl BPP
    • Pfenninger
    • Pickenpack BPP
    • Salomon BPP
    • Schlegel BPP
    • Ströh BPP
    • Sturm BPP
    • Thoma BPP
    • W. Engel BPP
    • Wiegand BPP
    • Zierer BPP
    • Zirath

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Dritter Abschnitt: Diverse gefälschte/gestohlene Typ-, Farb- und Wasserzeichen-Stempel:

    • a
    • b
    • c
    • d
    • e
    • f
    • x
    • y
    • z
    • X
    • Y
    • Z
    • I
    • II
    • II
    • V
    • X

Tipp: Falls ihr euch mit den Marken eures Sammelgebietes nicht genauestens auskennt: Vertraut bei Käufen, für welche ihr mehr als 4 Euro bezahlen müsstet,  K E I N E R  Signatur, sondern ausschliesslich aktuellsten, d. h. innerhalb der letzten fünf Jahre ausgestellten, Fotoattesten von einer der diversen Prüfvereine. Ansonsten „Finger weg“!

1. Offenburger Ausgabe – Spätverwendungen

Hallo

Spätverwendungen? Dieser Begriff sagt euch nichts? Macht nichts. Wofür der Begriff Spätverwendungen stehen kann, dass möchte ich in diesem Beitrag erläutern.

Heutzutage sind die von den Postanstalten ausgegebenen Briefmarken in der Schweiz, in Frankreich und meines Wissens nach auch in Deutschland unbegrenzt gültig und verlieren in aller Regel ihre Frankaturkraft nicht. Das war jedoch nicht immer so.

Beispiel Schweiz: Seit 1960 sind sämtliche Dauer- und Sondermarken der Schweizerischen Post (seit 1964 auch die Briefmarken von Pro Patria und Pro Juventute) unbeschränkt gültig. Vor 1960 besassen Schweizer Briefmarken dagegen ein „Ablaufdatum“. Dies war jedoch nicht wie beim Joghurtbecher aufgedruckt, sondern wurde in Amtsblättern und durch Aushänge in den Poststellen publiziert. Auf diesen amtlichen Verlautbarungen stützen sich auch die Angaben zur Gültigkeit in Briefmarken-Katalogen.

Die Marken der 1. Offenburger Ausgabe verloren offiziell ihre Gültigkeit am 27. November 1947. Da jedoch bereits am 20. November 1947 im Saarland der zweite Teil der Währungsreform (1), die Umstellung von Saar-Mark auf Frankenwährung vorgenommen worden war, mussten die ja ursprünglich auf Reichsmark und -pfennig lautenden und seit dem 16. Juni 1947 in (Saar-) Mark denominierten Briefmarken in ihrer letzten Gültigkeitswoche zum Umtauschkurs von 20 Franken für 1 Mark (1 Franken = 5 Pfennig) „umgerechnet“ werden.

Die offiziell genehmigte Verwendung der Postwertzeichen trotz ungültiger Währungsbezeichnung war allein dem Mangel an Postwertzeichen geschuldet, die auf die neue Währung lauteten. Die P.T.T. des Saarlandes hatte zwar viele verfügbaren Schalterbögen der 1. Offenburger Ausgabe sowie fast alle Schalterbögen der im Sommer bei der Druckerei Franz Burda nachbestellten 2. Offenburger Ausgabe zwecks Überdruck in Franken-Währung zur Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei transportieren lassen. Doch war die Zeit nicht ausreichend gewesen und nur mit Mühe gelangten am 20. November 1947 zumindest die Werte zu 2, 3 und 6 Franken an die saarländischen Postschalter. Viel zu wenig, um sämtliche Frankaturen abzudecken.

Aber auch nach dem Ende der offiziellen Gültigkeit der Marken der 1. Offenburger Ausgabe am 27. November 1947 waren längst nicht alle 13 Werte des auf Franken lautenden Malstatt-Burbacher Drucks überall verfügbar. Hinzu kamen die Briefmarkenbestände von Firmen, die mangels verfügbarer Vorräte von der P.T.T. des Saarlands nicht umgetauscht werden konnten.

So wurden viele Sendungen nach dem 27. November 1947, der Not gehorchend, mit Marken der 1. Offenburger Ausgabe freigemacht. Es kam somit zu Spätverwendungen und zwar bis in den Februar 1948 hinein.

Bei dem hier gezeigten Beleg handelt es sich um Dienstpost der bis zum 17. Dezember 1947 – dem Datum der Souveränität des Saarlands – obersten Verwaltungsbehörde des Saarlands, dem Gouvernement Militaire de la Sarre (auch: Délégation Supérieure de la Sarre). Das Porto für einen Brief nach Frankreich betrug im Dezember 1947 6 Franken. Der Beleg ist somit korrekt frankiert. Wir erinnern uns: Der Tauschkurs betrug 20 zu 1. 20 Pfennig entsprachen somit 4 Francs. Die Marke zu 4 Franken der Saar II war zwar offiziell seit dem 27. November 1947 an den saarländischen Postschaltern verfügbar, aber Theorie und Praxis scheinen hier nicht übereinzustimmen.

Die Spätverwendung von Briefmarken ist beileibe keine Besonderheit des Nachkriegs-Saarlands, sondern kommt häufig in Zeiten der Not oder bei Währungsumstellungen vor. Ich beschränke mich bei den nachfolgenden Beispielen auf die nicht nur geografisch naheliegenden postalischen Gebiete Elsass-Lothringen und das Saargebiet.

    • Elsass-Lothringen wurde 57 Jahre nach seiner – von den meisten Einwohnern abgelehnten – Annexion durch das neu gegründete Deutsche Reich im Anschluss an die Unterzeichnung des Waffenstillstands am 11. November 1918 durch Frankreich besetzt (2). Die Besetzung durch französische Truppen war am 21. November 1918 abgeschlossen. Das Postwesen im ehemaligen Reichsland ging ab 1. Dezember 1918 in die französische Verwaltung über. Die Postwertzeichen der Deutschen Reichspost blieben offiziell bis zum 31. Dezember 1918 gültig (Umrechnung: 1 Reichspfennig = 1 Centime), ihre Verwendung wurde jedoch bis in den April 1919 geduldet. Auch deutsche Poststempel wurden noch für einige Zeit weiterverwendet.
    • Saargebiet: Der Völkerbund übernahm mittels einer Regierungskommission am 27. Februar 1920 die Verwaltung des Saargebiets. Die Postwertzeichen der Deutschen Reichspost sowie des Königreichs Bayern blieben offiziell bis zum 31. März 1920 gültig, wurden jedoch bis in den Juni 1920 hinein geduldet.

Spätverwendungen sind auch Ursache für interessante Mischfrankaturen zwischen verschiedenen Briefmarkenausgaben. Ein ganz eigenes und sehr anspruchsvolles Sammelgebiet. Eine einzelne gebrauchte Briefmarke einer Spätverwendung zuzuordnen ist fast unmöglich. In einem früheren Beitrag hatte ich die nachstehend abgebildete Briefmarke aufgrund der Abstempelung im Jahr 1948 als mögliche Fälschung vorgestellt.

Ebenfalls denkbar ist, dass es sich um eine Spätverwendung handelt. Nur: Ohne den zugehörigen Beleg ist diese Theorie nicht „belegbar“; die abgebildete Marke zwar prüfbar, der Stempel jedoch nicht.

Können entsprechende Belege überhaupt geprüft werden? Das ist eine sehr gute Frage. Ich verlasse mich in solchen Fällen auf meine Erfahrung. Sind Marke(n) und Stempel echt, ist das Porto korrekt, fällt bei dem Beleg auch sonst nichts auf … ist der Beleg „echt“.

Definition Spätverwendung von Briefmarken

Die Spätverwendung von Briefmarken ist die Frankierung von postalischen Sendungen mit Postwertzeichen, die offiziell bereits ausser Kurs gesetzt sind, deren Verwendung von der zuständigen Postanstalt jedoch stillschweigend geduldet wird. Ursachen sind in der Regel Notzeiten oder Währungsumstellungen bei denen die für den Postverkehr notwendigen Postwertzeichen nicht- wie von der Politik gewünscht – in ausreichender Anzahl an den Postämtern verfügbar sind sowie das Vorhandensein grösserer, beim Kauf für die Abgeltung der postalischen Beförderungsleistung gültiger, Markenbestände, insbesondere in der Wirtschaft. Durch stillschweigend tolerierte Spätverwendung können beispielsweise Rückgaben gegen Barauszahlung sowie Umtausch gegen Marken, die noch nicht vorrätig sind vermieden werden.

Bis dann

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(1) Die französische Verwaltung führte bereits im Juni 1947 – also ein Jahr vor der Einführung der DM in den Westzonen sowie der Deutschen Mark der Deutschen Notenbank in der Ostzone des zusammengebrochen und besetzten Deutschen Reichs – im Saarland eine Währungsreform durch. Bereits seit Juli 1945 hatte sie jeglichen Geld- und Kapitalverkehr mit den anderen Besatzungszonen sowie mit den übrigen Teilen der Zone d’Occupation Française en Allemagne verboten. Mittels Dekrets vom 4. Juni 1947 der französischen Regierung wurde die Reichsmark per 16. Juni 1947 ausser Kurs gesetzt und bei einem Umtauschkurs von 1:1 (Zwangsumtausch) durch die Saar-Mark (offiziell hiess die Währung nur Mark) ersetzt. Dies war nach der Kapitalkontrolle der zweite Schritt der saarländischen Währungsreform, mit welchem der Teil des im Saarland vorhandenen mobilen Kapitals kenntlich gemacht wurde, welcher später in Franken umgetauscht werden sollte. Den Umtausch von Reichsmark in (Saar-) Mark konnten nur im Saarland ansässige Einwohner und Firmen vornehmen. Gleichzeitig wurden die gemeldeten Beträge auf Rechtmässigkeit (versteuertes Kapital, Schwarzmarkthandel etc.) überprüft. Am 15. November 1947 beschloss das französische Parlament das Gesetz 47-2158: „Die französische Regierung ist ermächtigt, im Saarland den Französischen Franken als Währung einzuführen.“ Ein Ministerbeschluss vom 19. November 1947 bestimmte daraufhin den 20. November 1947 als Tag der Währungsumstellung.

(2) Elsass-Lothringen wurde nach der deutschen Annexion kein Gliedstaat des Bundes, sondern ein Reichsland und unterstand somit – wie Privateigentum – direkt dem jeweiligen deutschen Kaiser. Elsass-Lothringen wurde wie ein besetztes Land durch einen Reichstatthalter resp. später Kaiserlichen Statthalter im Auftrag und Namen des Kaisers verwaltet.

Basiswissen Philatelie (XI) – Definition Feldmerkmal

Hallo

Ein Sammlerkollege aus der sehr empfehlenswerten Facebook-Gruppe WhatsBriefmarken.de hat mich gebeten, eine Definition für den Begriff Feldmerkmal zu erarbeiten.

Feldmerkmale und ihre Erscheinungsformen habe ich in Bezug auf die Werte der 1. Offenburger Ausgabe an dieser Stelle bereits in einigen Beiträgen behandelt (bspw. hier), weshalb ich dieser Bitte gerne Folge leiste.

Briefmarken, die im Bogendruck (Druckplatte, Formzylinder mit oder ohne Gummituchzylinder) hergestellt wurden oder werden, können am Bildmotiv und/oder auf dem Markenrand Abweichungen vom vorgesehenen Druckbild, sogenannte Feldmerkmale, aufweisen.

Beispiel für im Bogendruck hergestellt Briefmarken

Diese Abweichung haben ihre Ursache in:

    • Druckvorstufe
    • Druckvorgang
    • Beschädigung des Druckmaterials bei Unterhalt, Pflege, Reinigung etc.
    • Abnützung des Druckmaterials

Die Abweichungen können sporadisch oder regelmässig auftreten und betreffen dabei entweder die Gesamtauflage oder nur einen Teil der Auflage.

Zu den sporadisch auftretenden Abweichungen gehören beispielsweise Druckzufälligkeiten wie der Butzendruck (vgl. Erklärung am Schluss des Beitrags). Für den Philatelisten von besonderem Interesse sind die regelmässig auftretenden Abweichungen, auch Feldmerkmale oder – beim seltenen Plattendruckverfahren – auch Plattenfehler genannt, die auf allen oder einem grösseren Teil der hergestellten Druckbögen ein bestimmtes Bogenfeld und damit eine bestimmte Briefmarke aus dem Druckbogen kennzeichnen. (1)

  

Die Abbildungen zeigen 12 Pfennig-Werte (SP19FS) der 1. Offenburger Ausgabe. Links ohne Feldmerkmal und recht das Feldmerkmal Endstrich der 2 der Wertangabe 12 fehlt vom Feld 60AB (hier vom B-Bogen).

In einigen Sammelgebieten werden bestimmte regelmässig und im grösseren Stil auftretende Abweichungen vom Druckbild auch als Typen bezeichnet. Ein bekanntes Beispiel stammt aus den – ebenfalls von Vytautas Kazimieras Jonynas gestalteten und bei der Druckerei Franz Burda im Rotations-Rastertiefdruckverfahren hergestellten – Länderausgaben der Zone d’occupation française en Allemagne: Rheinland-Pfalz, 15 Pfennig, Bildmotiv Karl Marx.

  

Die linke Abbildung zeigt Type I, K von Karl ohne Serife. Die rechte Abbildung Type II, K von Karl mit Serife.

Feldmerkmale können fehlende Bestandteile des Markenbildes (vgl. Abbildung der 12 Pfennig-Werte) oder – häufiger – hinzugekommene Bestandteile, wie beispielsweise Striche, Flecken oder Linien sein. Die Karl Marx-Marke links weist zum Beispiel je einen kleinen Farbfleck auf der linken Wange und auf dem Haar links auf, welche auf der Marke rechts fehlen.

Wir können verschiedene Erscheinungsformen von Feldmerkmalen unterscheiden. Unter anderem:

    • Reihenmerkmale, die alle oder sehr viele Marken einer bestimmten senkrechten oder waagerechten Bogenreihe kennzeichnen
    • Wiederkehrende Feldmerkmale, die bei einem anderen Wert mit demselben Bildmotiv auf einem anderen Bogenfeld auftreten
    • Feldmerkmale in Teilauflage, die nachweislich nur während einer bestimmten Zeitspanne gedruckt wurden; diese Feldmerkmale wurden entweder innerhalb der Druckperiode durch eine Retusche entfernt oder sind durch eine Retusche resp. eine Beschädigung des Druckmaterials während des Drucks entstanden

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Definition Feldmerkmal

Der Begriff Feldmerkmal bezeichnet bei Briefmarken eine Abweichung des Markenbildes vom gewollten Zustand. Das Feldmerkmal tritt entweder über die gesamte Auflage oder einen Teil derselben auf demselben Bogenfeld eines Wertes auf. Wir unterscheiden bei den Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland:

    • Primäre Feldmerkmale: Diese entstehen während der Diapositivphase der Herstellung – somit lange vor der Druckphase – und kommen in gleicher Ausprägung auf beiden Schalterbögen (A- und B-Bogen) vor. Bei primären Feldmerkmalen existieren an dem betroffenen Bogenfeld keine einwandfreien Marken. Kann es auch nicht geben, da die Abweichung schon von Beginn des Druckprozesses an vorhanden ist. Häufig sind primäre Feldmerkmale gleichzeitig auch wiederkehrende Feldmerkmale. Primäre Feldmerkmale können in der Druckphase während einer Wartung durch Retusche entfernt werden und treten in diesem Fall bloss auf einem Teil der Auflage auf; die Retusche hinterlässt jedoch sichtbare Spuren (selten).
    • Sekundäre Feldmerkmale: Diese entstehen bei der Erstellung der Druckform/des Druckzylinders bei der Übertragung des Pigmentpapier oder später durch unsachgemässes Aufbringen des Asphaltlackes zur Abdeckung von Konturen und Stössen. Sekundäre Feldmerkmale kommen nur auf einem der beiden Schalterbögen (A- oder B-Bogen) vor. Sekundäre Feldmerkmale können in der Druckphase während einer Wartung durch Retusche entfernt werden und treten in diesem Fall bloss auf einem Teil der Auflage auf (selten).
    • Tertiäre Feldmerkmale: Diese entstehen in der Regel durch Beschädigungen des Druckzylinders während des Druckvorgangs, beispielsweise beim Einbau des Druckzylinders/der Druckform oder deren Reinigung (in ganz wenigen Fällen könnte eine Retusche Ursache neu auftauchender, tertiärer Feldmerkmale sein). Auch eine Verschmutzung durch Fremdkörper kann Abweichungen auf dem Markenbild hervorrufen, die jedoch nur auf wenigen Bogen vorkommen (Druckzufälligkeit). 

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Definition Butzendruck

Der Begriff Butzendruck. Ein Butzen entsteht beim Druck durch die Anlagerung von kleinen Staub-, oder Schmutzpartikeln auf dem druckenden Element (Druckplatte, Druckzylinder oder beim Offset Gummituch). Butzen verhindern die vollständige Einfärbung und beeinträchtigen das Aussehen des Drucks durch kleine Stellen, an denen Farbe fehlt bzw. ungleichmässig verteilt ist. Ursache der Butzen sind Staubflusen, getrocknete Druckfarbe oder winzig Papierstücke (vgl. auch hier).

Bis dann

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(1) Mit meiner Überzeugung, dass es technisch korrekter und sinnvoller ist, bei individuellen Abweichungen von Briefmarken einzelner Bogenfelder nicht von Plattenfehlern, sondern von Feldmerkmalen zu sprechen, stehe ich keineswegs allein. Hans Zerbel, langjähriger Leiter der Abteilung Postwert- und Steuerzeichen bei der Bundesdruckerei als auch Torsten Berndt, Redaktionsleiter der DBZ, sind dieser Meinung (vgl. DBZ 13/2011).

Wiederkehrende Feldmerkmale (VII) – Die „Augenbraue“

Hallo

Wiederkehrende Feldmerkmale; zum sechsten Mal ist dies der Titel eines meiner Beiträge. Kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen: Denn für Spannung habe ich gesorgt. Stelle ich im Folgenden doch zwei Feldmerkmale vor, die beide:

    • im Michel Saar-Spezial 2017 als Plattenfehler (sic!) gelistet sind und
    • viele Amis Faux haben, die von Verkäufern häufig – und häufig aus Unwissen – als vermeintlich höherwertige Marken angeboten werden (vgl. hier).

Ich verspreche euch, ihr werdet nach der spannenden Lektüre eure Saar-Sammlung hervorholen und schauen, ob nicht ein bislang unerkannter Ami Faux darin schlummert. Ich möchte nochmal betonen. Amis Faux sind sammelwürdig. Einer Marke mit dem korrekten Feldmerkmal eine Marke mit einem Amis Faux gegenüberzustellen, erhöht durchaus die Aussagekraft einer Sammlung.

Wer mit dem Begriff Amis Faux noch nichts anfangen kann, den verweise ich auf die Erläuterung am Schluss dieses Beitrags.

Ach ja! Ich verspreche euch auch, dass dieser Beitrag mehr Abbildungen aufweist, als der vorhergehende. Generell sind aussagekräftige Abbildungen nicht nur das Salz in der Suppe eines gelungenen Beitrags, es sind auch die aufwendigsten Teile desselben. Ob dies der Grund ist, weshalb in den durchschnittlichen Briefmarken-Katalogen daran Mangel herrscht?

Genug der Vorrede. Ich möchte mit einer Frage beginnen: „Würdet ihr eine Marke des 10 Pfennig-Werts der 1. Offenburger Ausgabe mit dem Feldmerkmal auf Anhieb erkennen, welches im Michel unter Mi. 210Z V katalogisiert ist?“

Die versierten Saar-Sammler unter euch werden nun sicherlich wie aus der Pistole geschossen antworten: „Ist das nicht die violette Marke mit der Einbuchtung über der 0 der Wertangabe 10?“ Die anderen werden wahrscheinlich erst einmal den einen oder anderen Briefmarkenkatalog zu Rate ziehen müssen.

Was ist nun an diesem Feldmerkmal so interessant, das ich darüber einen Beitrag verfasse? Diese Marke ist ja nicht unbedingt besonders selten. Dieses wiederkehrende Feldmerkmal – wie alle wiederkehrenden Feldmerkmalen – tritt auf beiden Teilbögen der 200 Marken umfassenden Druckbögen auf. Es wurden 1947 nach offiziellen Quellen insgesamt 40’400 Exemplare gedruckt. 363 Exemplare wurden im Verlauf der saarländischen Währungsreform 1947 in Franken-Währung überdruckt (Malstatt-Burbacher Druck MBD Typ I resp. Urdruck) und ca. 100 Exemplare wurden 1948 schlussendlich vernichtet. Einige Exemplare dürften auch aus anderen Gründen – nach Erhalt der Postsendung weggeworfen, eingerissen etc. – die Zeitläufte nicht überstanden haben. Die Marke ist mit Michel-Phantasie-Euro 4,00 und damit realistisch etwa mit Euro 1,00 auch nicht allzu hoch bewertet. Ich gehe somit davon aus, dass sich wohl ein Exemplar auch in eurer Sammlung finden wird. Gerade die wahrscheinlich weite Verbreitung dieser Marke mit dem – doch recht auffälligen – Feldmerkmal macht diesen Beitrag ja so spannend.

Warum? Dafür brauche ich nur die eingangs gestellte Frage umformulieren: „Seid ihr sicher, dass ihr beim Kauf das Feldmerkmal korrekt erkannt habt, resp. der Verkäufer die entsprechende Marke korrekt identifiziert hat? Seid ihr sicher, dass in eurer Sammlung tatsächlich eine Exemplar mit dem Feldmerkmal vom Feld 4AB steckt?“

Die typisch verschwurbelte Beschreibung im Michel Saar-Spezial für die Mi. 210Z PF V ist: Einkerbung über „0“ der Wertangabe „10“ (Feld 4).

Ich stelle nachfolgend drei Briefmarken vor, die alle als Mi. 210Z PF V verkauf worden sind. Welche der Briefmarken zeigt korrekt das im Michel katalogisiere Feldmerkmal? Und … welche der gezeigten Varianten steckt in Ihrem Briefmarken-Album?

  

Die Beschreibung der Michel-Redaktion passt gut, finde ich. Ihr auch? Das ist eine Kerbe!

 

Hier passt die Beschreibung ebenfalls, nicht wahr? Aber es ist doch keine Kerbe, eher eine Einbuchtung.

 

Tja, ebenfalls kein rechte Einkerbung – von was auch? – und so eine punktierte Farblinie um die Wertangabe „10“. Davon steht nichts im Michel. Also eher nicht, oder?

Der inzwischen verzweifelte Sammler, dem ja in der Regel nur eine einzelne Briefmarken und kein kompletter Schalterbogen oder eine Marke mit anhängendem Randstück vorliegt  – Feld 4 AB stammt aus der ersten waagerechten Bogenreihe, da könnte ein Randfeld mit Reihenwertzähler auftreten – dieser Sammler wirft entweder das Handtuch oder sagt sich: „Meine Marke passt schon.“ Das ist meine Erfahrung aus unzähligen Gesprächen und Chats. Statt das Handtuch zu werfen, sollten diese Sammler lieber ihren Briefmarkenkatalog im Altpapier entsorgen.

Nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen können in der Michel-Redaktion keine Briefmarkensammler und schon gar keine Philatelisten vertreten sein. Sonst dürften solche Schnitzer weder vorkommen und schon gar nicht über Jahrzehnte von Katalogausgabe zu Katalogausgabe mitgeschleppt werden. Item.

Unser fiktiver Sammler greift nach dem letzten Strohhalm. Es wird doch eine Abbildung des Feldmerkmals im teuren Katalog haben! Weit gefehlt. Für die über 100 „Plattenfehler“ (sic!) bietet der teure Michel-Katalog lausige 14 Abbildungen. Davon sind aber – leider – nicht alle korrekt (vgl. hier). Pech, sagen die einen. Zum Fenster herausgeworfenes Geld, sage ich.

Ich möchte eure Geduld nicht über Gebühr strapazieren. Ich biete euch bei Saarphilatelie.com das, was unserem fiktiven Sammler fehlt. Eine Marke mit anhängendem Oberrand und Reihenwertzähler, einer der Bogenrandsignaturen die auf Bögen der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland vorkommen.

  

Das, was nicht im Michel-Katalog steht, ist das entscheidende Kriterium zur sicheren Bestimmung des Feldmerkmals: eine dünne, gestrichelte, farbige Linie rund um die Wertangabe „10“.  Ein Blick in das Saarhandbuch: „Einkerbung über der Null. Kontur an der 10.“ Diese Beschreibung ist auch kein Ausbund an (vor-)bildlicher Beschreibung. Aber es wird eine Kontur erwähnt. Also etwas, was neben der „Einkerbung über der Null“ vorhanden sein muss. Nur was ist eine Kontur? Das Saarhandbuch liefert leider ebenfalls keine Abbildung des Feldmerkmals.

Nicht nur der Titel meine Beitrags verrät es: Es handelt sich um ein wiederkehrendes Feldmerkmal. Schauen wir, welche Erkenntnisse sich aus einem Vergleich ergeben.

Das Feldmerkmal tritt nicht nur, aber im Michel-Katalog gelistet auch beim 8 Pfennig-Wert auf. Wie beim 10 Pfennig-Wert existieren auch hier, wenn auch weniger, Amis Faux. Weshalb dieser Abstecher? Einerseits möchte ich Ihnen ja ein wiederkehrendes Feldmerkmal anhand von zwei Beispielen vorstellen. Andererseits ist dieses Beispiel erheiternd: Copy/Paste scheint schon vor der weiten Verbreitung von Computern nicht immer zum gewünschten Ergebnis geführt zu haben.

Abgebildet sind: oben, SP17 Feld 44AB (Mi. 209Z PF III) und unten einer der Amis Faux, SP17 Feld 15AB

Was bei dem 8 Pfennig-Wert, Feld 44AB, generell besser zu erkennen ist, als beim 10 Pfennig-Wert, ist die gestrichelte, farbige Linie rund um die Wertziffer. Was daran so erheiternd ist?

Das Saarhandbuch schreibt: „Kontur um die 8. Einbuchtung über der 8.“ Die Michel-Redaktion macht aus dieser Vorlage: „Kontur über der Wertziffer 8 ausgebuchtet.“ Kein Wunder, dass das kein Sammler mehr versteht.

Bei beiden Feldmerkmalen, beim 10 Pfennig-Wert als auch beim 8 Pfennig-Wert ist neben der Einbuchtung und dem gestrichelten Farbstrich eine weitere Gemeinsamkeit festzustellen: ein oben dunkler Rand der Einbuchtung, die ich Augenbraue getauft habe.

Eine korrekte Beschreibung dieses Feldmerkmals, welches auch auf anderen Werten der 1. Offenburger Ausgabe mit dem Bildmotiv Bergmann im Streb vor stilisierter Saarlandschaft auftritt, wäre aus meiner Sicht:

„Dunkle Augenbraue. Einbuchtung des unteren, rechten Bildrands oberhalb der 0 der Wertangabe 10; feiner, gestrichelter Farbstrich um die Wertangabe herum.“ Vorsicht: Amis Faux.

Sucht ihr die anderen Beiträgen zu wiederkehrenden Feldmerkmalen? Klickt hier, hier, hierhier und hier.

Am Schluss dieses Beitrages zitiere ich aus einem Vortrag, den ich im Jahr 2016 vor der ArGe Saar gehalten habe:

„Lassen Sie mich ein Fazit ziehen. Die Beschreibungen der Feldmerkmale der Werte der 1. Offenburger Ausgabe im Michel sind äusserst knapp bemessen. Hinzu kommt die sehr sparsame Verwendung von Abbildungen. Nur die Verlagsredaktoren zu schelten wäre jedoch zu einfach. Ausführliche Beschreibungen oder mehr Abbildungen benötigen Platz, was den ohnehin hohen Preis des Produkts weiter erhöhen würde. Sind wir Sammler bereit, einen höheren Preis zu bezahlen? Andererseits leidet aus meiner Sicht die Glaubwürdigkeit der Institution Michel, wenn der verständliche Wunsch nach Platzeinsparung und Margenoptimierung zu Lasten von Genauigkeit, Klarheit und Prägnanz resp. zu Lasten der Sammler geht. Mein Wunsch an die Michel-Redaktion: Für die nächste – längst überfällige – überarbeitete Neuausgabe des Handbuch-Katalogs Saar mehr Platz einkalkulieren und nicht nur das vorliegende Material aus dem Michel Deutschland-Spezial und dem Ganzsachen-Katalog Deutschland ein weiteres Mal verwerten.“

Tja, fast drei Jahre später kann ich feststellen, dass sich an der Ausgabepolitik des Schwaneberger-Verlages rein gar nichts geändert hat. Auch die 4. Auflage des Saar-Kataloges von 2017 wimmelt nur von Ungenauigkeiten, Auslassungen und Fehlern. Hinsichtlich der für den Sammler für die eindeutige Bestimmung von Feldmerkmalen wichtigen Abbildungen ist in vorbildlicher Weise der Philotax in die vom Schwaneberger Verlag geschaffene Lücke gesprungen. Saarphilatelie.com hat schon in einer sehr frühen Phase einen Beitrag an den aktuellen Philotax Saar-Saarland Spezial Katalog geleistet.

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Definition Amis Faux

Briefmarken mit Feldmerkmalen, auf welche die vagen, unpräzisen Beschreibungen von in der Regel höherpreisigen Abarten, die in Briefmarken-Katalogen und/oder Handbüchern aufgeführt sind, ebenfalls zutreffen, jedoch von einem anderen Bogenfeld stammen. Das Angebot an Amis Faux ist insbesondere auf Internetauktionen hoch und wird durch die in Katalogen häufig fehlenden Abbildungen befördert.

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Steckbrief des 8 Pfennig-Werts
    • Katalognummer: SP17, resp. Mi. 209Z
    • Wert: 8 Pfennig
    • Motiv: Bergmann im Streb vor stilisierter Saarlandschaft
    • Farbe: feuerrot
    • Papier: dickes, gelblichgraues Papier; rau und häufig mit unter der Lupe erkennbaren, längeren Stofffäden
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Wasserzeichen: ohne
    • Zähnung: K14 (= 14 Zahnlöcher auf 2 Zentimeter bei Kammzähnung)
    • Bekannte Druckdaten: das Wochenende vom 15./16. Februar 1947
    • Erstausgabedatum: 7. März 1947
    • Gültigkeit: 19. November 1947 (während der Woche vom 20.-27. November waren noch Mischfrankaturen zugelassen; Quelle: Saarhandbuch)
    • Auflage: 2’520’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit etwa 2’507’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Feldmerkmal: Feld 44AB,“Dunkle Augenbraue. Einbuchtung des unteren, rechten Bildrands oberhalb der 0 der Wertangabe 8; feiner, gestrichelter Farbstrich um die Wertangabe herum“

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Steckbrief des 10 Pfennig-Werts
    • Katalognummer: SP18, resp. Mi. 210Z
    • Wert: 10 Pfennig
    • Motiv: Bergmann im Streb vor stilisierter Saarlandschaft
    • Farbe: Purpurviolett
    • Papier: dickes, gelblichgraues Papier; rau und häufig mit unter der Lupe erkennbaren, längeren Stofffäden
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Wasserzeichen: ohne
    • Zähnung: K14 (= 14 Zahnlöcher auf 2 Zentimeter bei Kammzähnung)
    • Bekannte Druckdaten: 12.-14. Februar 1947
    • Erstausgabedatum: 7. März 1947
    • Gültigkeit: 19. November 1947 (während der Woche vom 20.-27. November waren noch Mischfrankaturen zugelassen; Quelle: Saarhandbuch)
    • Auflage: 4’040’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit etwa 3’990’000 Stück am Schalter verkauft wurden. Ein Grossteil des Restbestandes wurde für den Malstatt-Burbacher Druck (MBD) mit der Wertangabe 1 F überdruckt.
    • Feldmerkmal: Feld 4AB, „Dunkle Augenbraue. Einbuchtung des unteren, rechten Bildrands oberhalb der 0 der Wertangabe 10; feiner, gestrichelter Farbstrich um die Wertangabe herum“

Bis dann

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Reihenmerkmale (II) – Stumpfe 1 und Kurbel

Hallo

Ich widme diesen Beitrag Werner, meinem Schwiegervater, der heute seinen 80. Geburtstag feiert. Lieber Werner, ich wünsche Dir zu den bereits gesammelten 80 Jahren viele weitere mehr in bester Gesundheit und Gesellschaft.

In diesem Beitrag werde ich euch zwei Reihenmerkmale vorstellen. Dem Begriff Reihenmerkmal sind wir in dem Beitrag zur sicheren Bestimmung von Marken des Bogenfeldes 41AB des 12 Pfennig-Werts bereits begegnet.

Das erste Reihenmerkmal ist Anstrich der 1 der Wertangabe 12 stumpf und kommt auf allen Marken der 2. und 7. senkrechten Bogenreihe (A- und B-Bögen) des 12 Pfennig-Werts der 1. Offenburger Ausgabe vor, also auf den Bogenfeldern 2, 12, 22 usw. bis 92 und 7, 17, 27 usw. bis 97.

SP49S 17A und 18A

Der Unterschied bei den beiden Anstrichen ist gut zu erkennen.

    • Étude, S. 21, 61 2e et 7e rangée verticale: „1 ayant la tige de la pointe ecourtée“
    • Saarhandbuch, Kap. 402, S. 20 Vorbemerkung zum 12 Pfennig-Wert: „In der zweiten und siebten senkrechten Reihe ist der Anstrich der 1 stumpf“
    • Michel Saar-Spezial 2017, keine Erwähnung

Das zweite Reihenmerkmal tritt beim 75 Pfennig-Wert auf. Bei einigen Marken stärker, bei anderen schwächer ausgeprägt. „Kurbel“ Farbstrich an der Hauswand links

SP30 6A und 7A

Die Kurbel – ich mag den Begriff – an der Wand des linken Gebäudes ist das kennzeichnende Feldmerkmal der 7. senkrechten Bogenreihe der 75 Pfennig-Bögen (A- wie auch B-Bögen), kommt also auf den Feldern 7, 17, 27 usw. bis 97 vor. Liegt eine 75 Pfennig-Marke mit diesem Feldmerkmal vor uns, wissen wir, dass es sich um eine dieser Marken handeln muss. Ein Reihenmerkmal hilft uns also bei der Feldbestimmung von Marken und ist für alle Sammler von Feldmerkmalen ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel.

    • Étude, S. 31, Sur toute la 7e rangée verticale: „Hampe à la maison à gauche“
    • Saarhandbuch, Kap. 402, S. 41 Vorbemerkung zum 75 Pfennig-Wert: „Alle Marken der siebten senkrechten Reihe weisen einen gebogenen Strich am Hause links auf (Abb. 74)“
    • Michel Saar-Spezial 2017, keine Erwähnung

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Was ist die Ursache dieser – wiederkehrenden – Merkmale, die eine oder zwei senkrechte Bogenreihen kennzeichnen?

Erinnern wir uns kurz an die Reihenmerkmale aus dem Beitrag zur sicheren Bestimmung der Marken vom Bogenfeld 41AB des 12 Pfennig-Werts.

    • Das Merkmal dunkler Fleck oben links in der Punze des R von SAAR kam auf den Marken der 1. und 6. senkrechten Bogenreihe vor.
    • Das Merkmal Y des Entwerfernamens JONYNAS verstümmelt oder fehlend fanden wir auf den Marken der 3. resp. 8. senkrechten Bogenreihe.
    • Der Anstrich der 1 der Wertangabe 12 stumpf erscheint auf den Marken der 2. und 7. senkrechten Bogenreihe

Was auffällt: es liegen jeweils 5 senkrechte Bogenreihen zwischen den Reihenmerkmalen. Wir wissen, dass wiederkehrende Feldmerkmale – bei Reihenmerkmalen handelt es sich um wiederkehrende Merkmale – im Rotations-Rastertiefdruckverfahren ihre Ursache in der Negativ- resp. Diapositivphase der Druckvorstufe haben. En detail:

    • die Vorlage für das Bildmotiv wird fotografiert
    • es werden Negative hergestellt
    • fünf Negative werden zu einem Streifen zusammengesetzt
    • sorgfältige Negativretusche am 5er-Streifen
    • Kontrolle der Druckreife anhand von Papierabzügen der retuschierten Negative
    • die 5er-Streifen (Negative) werden so oft als Diapositiv kopiert, wie für die Herstellung eines Schalterbogens notwendig ist; für die kleinformatigen Werte 2-75 Pfennig 20 mal und für die grossformatigen Werte zu 84 Pfennig und 1 Mark 10 mal
    • die 10 resp. 20 5er-Streifen (Diapositiv) werden regelmässig auf einer Diapositivscheibe arrangiert; bei den Werten zu 2-75 Pfennig kommen die 5er-Streifen in zwei Kolonnen untereinander zu liegen

Jetzt ist klar. Weist ein 5er-Streifen ein Feldmerkmal auf dem 2. Diapositiv auf, kommt dieses bei strenger Verwendung des obigen System immer in der 2. und 7. senkrechten Bogenreihe vor. Bleibt die Frage: Weshalb erscheint die Kurbel des 75 Pfennig-Werts dann nicht auch auf den Feldern der 2. senkrechten Bogenreihe?

Der 75 Pfennig-Wert war der erste Wert der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland, der gedruckt wurde. Dazu war es die erste Briefmarkenherstellung für den Entwerfer Vytautas Kazimieras Jonynas – wenn auch nicht seine letzte – und der erste Briefmarkendruck für die Belegschaft der Druckerei Burda. Ich gehe davon aus, dass beim 75 Pfennig-Wert einmalig mit einem 10er-Streifen gearbeitet wurde. Dies erfordert zwar weniger Aufwand bei der Diapositivmontage, jedoch viel mehr Aufwand bei der Negativretusche bis das „gut zum Druck“ erteilt werden kann. Erst später ist man zu 5er-Streifen übergegangen, welche für die grossformatigen Marken zu 84 Pfennig und 1 Mark ohnehin sinnvoller waren.

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Definition Reihenmerkmal

Von einem Reihenmerkmal sprechen wir, wenn ein bestimmtes, ursprünglich für das Bildmotiv nicht vorgesehenes Charakteristikum über sämtliche oder zumindest den überwiegenden Teil der Marken einer oder sogar zweier senkrechter resp. waagerechter Bogenreihen nachzuweisen ist.

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Steckbrief des 12 Pfennig-Werts
    • Katalognummer: SP19FS, resp. Mi. 211XY
    • Wert: 12 (Reichs-)Pfennig
    • Motiv: Bergmann im Streb vor stilisierter Saarlandschaft
    • Farbe: dunkelolivgrün
    • Papier: dünnes, glattes, grauweisses Wasserzeichenpapier
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum, quergeriffelt
    • Wasserzeichen: sowohl mit fallenden (F) wie auch mit steigenden (S) Wellenlinien verausgabt
    • Zähnung: K14 (= 14 Zahnlöcher auf 2 Zentimeter bei Kammzähnung)
    • Bekannte Druckdaten: 30./31. Dezember 1946, 2.-4. sowie 6.-9. Januar 1947
    • Erstausgabedatum: 20. Januar 1947
    • Gültigkeit: 19. November 1947 (während der Woche vom 20.-27. November waren noch Mischfrankaturen zugelassen; Quelle: Saarhandbuch)
    • Auflage: 12’020’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit etwa 8’250’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Besonderes: etwa 3’600’000 Marken wurden für den Malstatt-Burbacher Druck (MBD) mit der Wertangabe 2 F überdruckt
    • Vorgestelltes Reihenmerkmal: „Anstrich der 1 der Wertangabe 12 stumpf“, 2. und 7. Reihe

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Steckbrief des 75 Pfennig-Werts
    • Katalognummer: SP30FS, resp. Mi. 222XY
    • Wert: 75 (Reichs-)Pfennig
    • Motiv: Alter Turm in Mettlach
    • Farbe: dunkelblau
    • Papier: dünnes, glattes, grauweisses Wasserzeichenpapier
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum, quergeriffelt
    • Wasserzeichen: sowohl mit fallenden (F) wie auch mit steigenden (S) Wellenlinien verausgabt
    • Zähnung: K14 (= 14 Zahnlöcher auf 2 Zentimeter bei Kammzähnung)
    • Bekannte Druckdaten: 27./28./30. Dezember 1946
    • Erstausgabedatum: 20. Januar 1947
    • Gültigkeit: 19. November 1947 (während der Woche vom 20.-27. November waren noch Mischfrankaturen zugelassen; Quelle: Saarhandbuch)
    • Auflage: 2’140’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit etwa 2’080’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Besonderes: der einzige Wert, der komplett im Jahr 1946 hergestellt wurde
    • Vorgestelltes Reihenmerkmal: „Kurbel an der Hauswand links“ 7. Reihe

Bis dann

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Wiederkehrende Feldmerkmale (I) – Der „Kleiderbügel“

Hallo

Heute stelle ich euch ein Feldmerkmal vor, welches nicht allein bei einem Wert der 1. Offenburger Ausgabe auftritt, sondern gleich bei zwei Werten.

Zum besseren Verständnis der Thematik werde ich zu Beginn nochmals einige Details zum Herstellungsprozess der Briefmarkenausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland erläutern, damit ihr versteht, in welcher Form die Briefmarken 1947 an die saarländischen Postschalter gelangten.

Sämtliche Werte der 1. Offenburger Ausgabe mit Ausnahme von 84 Pfennig und 1 Reichsmark – diese Werte wurden als Druckbögen zu 100 Marken hergestellt – wurden als Druckbögen zu 200 Marken gedruckt. Im Verlauf der Weiterverarbeitung wurden diese Druckbögen dann in einen (linken) A-Bogen und einen (rechten) B-Bogen zerschnitten. Nachfolgend ist ein A-Bogen des 50 Pfennig-Wertes abgebildet.

Jeder dieser Bögen – diese werden auch als Schalterbögen bezeichnet, da die Marken so an die Postschalter gelangten – umfasst jeweils 100 Marken, arrangiert in 10 senkrechte Reihen und 10 waagerechte Zeilen. Jedes Bogenfeld und damit jede einzelne Briefmarke erhält durch die philatelistische Zählung eine x/y-Koordinate, die Feldnummer. Dazu wird bei aufrecht sehendem Markenbild die Zählung bei der obersten linken Marke mit Feldnummer„1“ begonnen, dann zählt man von links nach rechts bis man bei der obersten rechten Marke „10“ erreicht. Bei der nächsten Reihe geht es mit „11“ bis „20“ weiter. Die Marke links unten erhält am Schluss die Nummer „100“. Zur Unterscheidung, ob eine Briefmarke aus einem A- resp. B-Bogen stammt, fügen wir den entsprechenden Buchstaben hinzu. Beispiel: die erste Marke der untersten Reihe des abgebildeten Bogens hat die Feldnummer 91A.

So, da ihr nun wisst, was eine Feldnummer ist, sind wir bereit für die wiederkehrenden Feldmerkmale.

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Definition wiederkehrende Feldmerkmale

Von wiederkehrenden Feldmerkmalen sprechen wir, sobald dasselbe Feldmerkmal bei zwei verschiedenen Werten – in der Regel mit demselben Bildmotiv – vorkommt. Diese Feldmerkmale müssen dabei nicht zwingend auf dem gleichen Bogenfeld auftreten.

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Schauen wir uns so ein wiederkehrendes Feldmerkmal einmal an. Ich habe hierzu als Beispiel das Feldmerkmal mit dem treffenden Spitznamen Kleiderbügel ausgewählt. Dieses erscheint bei den Werten zu 25 und 45 Pfennig mit dem Bildmotiv Bäuerinnen bei der Rübenernte vor stilisierter Industrielandschaft. Beim 25 Pfennig-Wert auf den Bogenfeldern 46AB und beim 45 Pfennig-Wert auf den Bogenfeldern 66AB.

Nachfolgend jeweils eine „normale“ Marke (links) und eine Marke mit dem auffälligen Feldmerkmal (rechts), welches mit einem schwarzen Pfeil gekennzeichnet ist.

   

   

Es scheint wirklich so, als hätte die kniende Bäuerin einen Kleiderbügel in der Hand.

Es drängen sich uns nun einige Fragen auf:

    • Wie kam es zu diesem Feldmerkmal?
    • Warum tritt es bei zwei unterschiedlichen Werten, wenn auch mit demselben Bildmotiv auf?
    • Findet sich das Feldmerkmal auch bei anderen Werten mit demselben Bildmotiv, also den Werten zu 30, 40 und 50 Pfennig?

Die Feldmerkmale der 1. Offenburger Ausgabe können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

    • Abweichungen bei den Negativen der verwendeten Aufnahmen (selten)
    • Abweichungen in der Diapositivphase (primäre Feldmerkmale)
    • Abweichungen beim Übertrag des Pigmentpapiers auf den Formzylinder
    • Abweichungen beim Ätzvorgang des Formzylinders (z.B. unzureichend oder zu viel aufgebrachter Asphaltlack)
    • Abweichungen beim Druckvorgang (z.B. Staub, Dreck, Beschädigung des Formzylinders oder des Rakelmessers)

Tritt ein Feldmerkmal sowohl auf dem linken A-Bogen, wie auch auf dem rechten B-Bogen auf dem gleichen Bogenfeld auf, können wir eine Beschädigung des Formzylinders der Rotations-Rastertiefdruckmaschine Palatia O, eine Abweichung beim Ätzvorgang und eine Abweichung beim Übertrag des Pigmentpapiers ausschliessen. Exakt dieselbe Abweichung bei zwei Werten an jeweils zwei Bogenfeldern (A- und B-Bogen beim 25- und 45 Pfennig-Wert) wären einige Zufälle zu viel.

Was ist dann die Ursache der wiederkehrenden Feldmerkmale? Der Ursprung des Kleiderbügels liegt in der Herstellung der Druckvorlage beim verwendeten Rastertiefdruck. Etwas, was heute Druckvorstufe genannt wird. Der Reihe nach.

Die Übertragung ist nur möglich, wenn das Feldmerkmal bei der Retusche der Negative und auch später in der Druckvorstufe übersehen wurde.

Die Wertänderung bei gleichbleibenden Bildmotiven erfolgte bei den Werten der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland durch den Ersatz der einen Wertziffer (z.B. 30) auf den Diapositiven durch eine andere (z.B. 50). Dies wird Diapositivmontage genannt. Der bestehende Diapositivbogen eines Wertes wurde inkl. des Feldmerkmals „Kleiderbügel“ in die einzelnen Diapositivstreifen zerlegt und eine neue Wertziffer eingefügt. Danach wurden die Diapositivstreifen auf einer Montagescheibe wieder zu einem kompletten Diapositivbogen à 100 Marken – inkl. des „Kleiderbügels“ – zusammengesetzt. In unserem Fall war es der Diapositivbogen des 45 Pfennig-Werts, der zerschnitten wurde, da dessen Druck zeitlich vor dem 25 Pfennig-Wert stattfand (vgl. Steckbriefe am Schluss dieses Beitrags). Der Diapositivbogen mit der neuen Wertziffer und dem Feldmerkmal „Kleiderbügel“ wurde daraufhin zweimal auf Pigmentpapier – die hieraus entstehende Vorlage für die Druckbögen besteht ja aus 2x 100 Feldern – übertragen, weshalb dasselbe Feldmerkmal später ebenfalls auf beiden Schalterbögen erscheint.

Warum erscheint dieses Feldmerkmal nicht auf den anderen Werten mit dem gleichen Bildmotiv? Die Werte zu 30, 40 sowie 50 Pfennig wurden nach dem 25 Pfennig-Wert gedruckt. Ich gehe davon aus, dass das Feldmerkmal inzwischen bemerkt worden war. Immerhin war der 45 Pfennig-Wert, der für die passende Frankierung der beliebten Postkarten ins Ausland benötigt wurde, beim Druck der drei Werte zu 30, 40 und 50 Pfennig schon seit über einer Woche an den saarländischen Postschaltern erhältlich. Für die Druckerei stellte das Feldmerkmal, über welches wir uns heute freuen, eine ungewollte Abweichung vom gewünschten Ergebnis dar. Es wurde retuschiert, resp. bei der Diapositivmontage entfernt.

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Steckbrief des 25 Pfennig-Werts
    • Katalognummer: SP24, resp. Mi. 216Z
    • Wert: 25 Pfennig
    • Motiv: Zwei Bäuerinnen bei der Rübenernte vor stilisierter Industrielandschaft
    • Farbe: violettrot
    • Papier: dickes, gelblichgraues Papier; rau und häufig mit unter der Lupe erkennbaren Stofffäden
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Wasserzeichen: ohne
    • Zähnung: K14 (= 14 Zahnlöcher auf 2 Zentimeter bei Kammzähnung)
    • Bekannte Druckdaten: 8. und 10. Februar 1947, der 9. Februar war ein Sonntag
    • Erstausgabedatum: 7. März 1947
    • Gültigkeit: 19. November 1947 (während der Woche vom 20.-27. November waren noch Mischfrankaturen zugelassen; Quelle: Saarhandbuch)
    • Auflage: 1’020’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit bis auf wenige Exemplare alle am Schalter verkauft wurden
    • Vorgestelltes Feldmerkmal: Feld 46AB, „Kleiderbügel“

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Steckbrief des 45 Pfennig-Werts
    • Katalognummer: SP27S resp. Mi. 219Y
    • Wert: 45 Pfennig
    • Motiv: Zwei Bäuerinnen bei der Rübenernte vor stilisierter Industrielandschaft
    • Farbe: rot
    • Papier: dünnes, grauweisses Wasserzeichenpapier
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum, quer geriffelt*
    • Wasserzeichen: steigende Wellenlinien S
    • Zähnung: K14 (= 14 Zahnlöcher auf 2 Zentimeter bei Kammzähnung)
    • Bekannte Druckdaten: 13. Januar 1947
    • Erstausgabedatum: 4. Februar 1947
    • Gültigkeit: 19. November 1947 (während der Woche vom 20.-27. November waren noch Mischfrankaturen zugelassen; Quelle: Saarhandbuch)
    • Auflage: 1’100’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit etwa 1’095’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Vorgestelltes Feldmerkmal: Feld 66AB, „Kleiderbügel“

* Die Marke rollt sich beim Anhauchen quer zur Bildachse

Bis bald

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Basiswissen Philatelie (VII) – Definition Feldmerkmal

Hallo

Wer von euch meinem Weblog aufmerksam folgt, hat wahrscheinlich bemerkt, dass ich im Zusammenhang mit Abweichungen vom gewünschten Druckbild bei den Werten der Freimarkenserie Berufe und Ansichten aus dem Saarland von 1947 von Feldmerkmalen schreibe, jedoch den Begriff Plattenfehler vermeide.

Ich möchte kurz erläutern, weshalb ich den Begriff Feldmerkmal vorziehe.

In der philatelistischen Literatur werden bei Abweichungen einer Briefmarke vom gewollten Zustand häufig die nachstehenden Ausdrücke verwenden:

    • Abart
    • Abweichung
    • Druckmängel
    • Druckzufälligkeit
    • Feldmerkmal
    • Plattenfehler

Der Begriff Abart, nach Duden eine Varietät, wird in der Philatelie gerne als Oberbegriff für sämtliche Abweichungen einer Briefmarke vom gewünschten oder vorgesehenen Ergebnis verwendet. Beispielsweise gibt es eine Publikation mit dem Titel Michel Abartenführer.

© Projekt Saarphilatelie.com

Zu diesen Abweichungen gehören u.a.:

    • Abweichungen bei Zähnung, Durchstich etc.
    • Abweichungen bei der Gummierung
    • Druck auf der Gummiseite
    • Druckzufälligkeiten
    • Feldmerkmale
    • Farbabweichungen
    • Doppeldrucke
    • Butzendrucke
    • uvm.

Tritt eine Abart bei einer Ausgabe häufiger auf, wie beispielsweise bei Abweichungen:

    • der Wasserzeichenorientierung
    • der verwendeten Papiersorte
    • der verwendeten Farbe

wird diese Abart in Briefmarken-Katalogen häufig als Type definiert.

Der Oberbegriff Abart ist in seiner Verwendung vage. Diese begriffliche Unschärfe trifft auch auf den Ausdruck Abweichung zu. Bei einer Abart oder einer Abweichung ist für uns Sammler das präzise Wissen darum, wie die Norm – also die gewollte Erscheinung einer bestimmten Briefmarke – beschaffen sein muss und auszusehen hat, unerlässlich.

Zurück zum Begriff Plattenfehler. Die Michel-Redaktion des Schwaneberger-Verlags lässt in seinen Publikationen nichts unversucht, den deutschsprachigen Sammlern ihre eigenen Begrifflichkeiten aufzuzwingen, selbst wenn diese unpräzis oder schlichtweg falsch sind. Der Begriff Plattenfehler hat ja durchaus seine Berechtigung; bei Briefmarken, die mit einer Druckplatte im Plattendruckverfahren hergestellt wurden. Briefmarken, die mittels eines Formzylinders im Rotationsdruck hergestellt wurden, können mangels Druckplatte keine Plattenfehler aufweisen, auch wenn uns die Michel-Redaktion dies weismachen will. (1)

Wie wir wissen wurden sämtliche Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg im Rastertiefdruckverfahren mittels Formzylindern gedruckt. Hier ist die Verwendung des Begriffes Plattenfehler für Abweichungen des Markenbildes nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch. Der rein technische Hintergrund ist jedoch nicht allein verantwortlich für den von mir bevorzugten Begriff Feldmerkmal. Ganz anders als Platten-„fehler“ zielt Feldmerkmal positiv auf die spezifischen Eigenschaften des Markenbildes eines Bogenfeldes ab ohne wertend zu sein.

Definition Feldmerkmal

Der Begriff Feldmerkmal bezeichnet bei Briefmarken eine Abweichung des Markenbildes vom gewollten Zustand. Das Feldmerkmal tritt entweder über die gesamte Auflage oder einen Teil derselben auf demselben Bogenfeld eines Wertes auf. Wir unterscheiden bei den Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland:

    • Primäre Feldmerkmale: Diese entstehen während der Diapositivphase der Herstellung – somit lange vor der Druckphase – und kommen in gleicher Ausprägung auf beiden Schalterbögen (A- und B-Bogen) vor. Bei primären Feldmerkmalen existieren an dem betroffenen Bogenfeld keine einwandfreien Marken. Kann es auch nicht geben, da die Abweichung schon von Beginn des Druckprozesses an vorhanden ist. Häufig sind primäre Feldmerkmale gleichzeitig auch wiederkehrende Feldmerkmale. Primäre Feldmerkmale können in der Druckphase während einer Wartung durch Retusche entfernt werden und treten in diesem Fall bloss auf einem Teil der Auflage auf; die Retusche hinterlässt jedoch sichtbare Spuren (selten).
    • Sekundäre Feldmerkmale: Diese entstehen bei der Erstellung der Druckform/des Druckzylinders bei der Übertragung des Pigmentpapier oder später durch unsachgemässes Aufbringen des Asphaltlackes zur Abdeckung von Konturen und Stössen. Sekundäre Feldmerkmale kommen nur auf einem der beiden Schalterbögen (A- oder B-Bogen) vor. Sekundäre Feldmerkmale können in der Druckphase während einer Wartung durch Retusche entfernt werden und treten in diesem Fall bloss auf einem Teil der Auflage auf (selten).
    • Tertiäre Feldmerkmale: Diese entstehen in der Regel durch Beschädigungen des Druckzylinders während des Druckvorgangs, beispielsweise beim Einbau des Druckzylinders/der Druckform oder deren Reinigung (in ganz wenigen Fällen könnte eine Retusche Ursache neu auftauchender, tertiärer Feldmerkmale sein). Auch eine Verschmutzung durch Fremdkörper kann Abweichungen auf dem Markenbild hervorrufen, die jedoch nur auf wenigen Bogen vorkommen (Druckzufälligkeit).

Bis dann

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(1) Mit meiner Überzeugung, dass es technisch korrekter und sinnvoller ist, bei individuellen Abweichungen von Briefmarken einzelner Bogenfelder nicht von Plattenfehlern, sondern von Feldmerkmalen zu sprechen, stehe ich keineswegs allein. Hans Zerbel, langjähriger Leiter der Abteilung Postwert- und Steuerzeichen bei der Bundesdruckerei als auch Torsten Berndt, Redaktionsleiter der DBZ, sind dieser Meinung (vgl. DBZ 13/2011).

Basiswissen Philatelie (V) – Ist die Philatelie eine Wissenschaft?

Hallo

Vor mir liegt die aktuelle Ausgabe der DBZ vom 16. Februar 2018. Unter der Rubrik Postgeschichte schreibt Reinhard Krüger über das Verhältnis von Philatelie und anerkannten (von wem?) Wissenschaften. Der Untertitel seines Artikels lautet vieldeutig: „Philatelie als Wissenschaft?“

DBZ 5/2018 vom 16. Februar 2018

Zu Beginn seines Artikels benennt Reinhard Krüger eine der Hauptfunktionen der Philatelie: „Wenn die Philatelie [] einen Menschen glücklich macht, dann hat sie eine ihrer wesentlichen Aufgaben erfüllt.“

Dieser Aussage stimme ich zu und könnte meinen Beitrag beenden, denn es ist alles gesagt: „Die Philatelie, das Briefmarkensammeln und der hieraus resultierende Erkenntnisgewinn soll den Philatelisten, den Sammler glücklich machen“.

Doch im Titel meines Beitrages stelle ich die Frage, ob Philatelie eine Wissenschaft sei? Diese Frage habe ich noch nicht beantwortet. Um auf Reinhard Krüger zurückzukommen. Kann Glück, so erstrebenswert es zweifelsohne ist, eine Aufgabe von „ernster“ Wissenschaft sein? Sind wir mit dem Homo Philatelicus auf die schon als ausgestorben etikettierte Spezies des glücklichen Wissenschaftlers gestossen, der fröhliche Wissenschaft betreibt?

  

An anderer Stelle habe ich geschrieben, dass es vom Briefmarkensammler zum Philatelisten nur ein kleiner Schritt sei. Ich schrieb: „Sobald beim Briefmarkensammeln die Reflexion über das eigene Tun einsetzt, scheinbar in Stein gemeisselte Vorgaben und Massstäbe in Frage gestellt werden, ist der Schritt zur historischen (Hilfs-) Wissenschaft Philatelie vollzogen.“

Schon dort bezeichne ich die Philatelie als historische Wissenschaft. Stellen wir uns zu Beginn zwei einfache Fragen.

    • Was ist Wissenschaft?
    • Wie arbeiten Wissenschaftler?

Anhand der Antworten wollen wir beurteilen, ob die Philatelie Wissenschaft ist und ob sich Philatelisten als Wissenschaftler bezeichnen können.

Was ist Wissenschaft? Allgemein gesprochen ist Wissenschaft ein Begriff für die Gesamtheit des menschlichen Wissens, dessen Sammlung, Bewahrung, Tradierung sowie Erweiterung. Sowie dessen Verfälschung,  muss leider ergänzt werden. Im Speziellen ist Wissenschaft der methodische Prozess intersubjektiv nachvollziehbaren Forschens und Erkennens in einem bestimmten Bereich, der ein begründetes, geordnetes und gesichertes Wissen hervorbringt (1).

So, das wäre geklärt. Nicht? In a nutshell: Wissenschaft bezeichnet sowohl sämtliches bekanntes Wissen als auch die methodische Suche nach Erkenntnis.

Aber wie suchen wir methodisch? Wie arbeiten Wissenschaftler?

    • Am Anfang war … nein, nicht das Wort, sondern das Thema. Wir suchen uns ein Thema. Es kann nicht schaden, wenn wir zu dem Bereich, aus dem wir unser Thema wählen, schon etwas mehr wissen, als nur die Bezeichnung.
    • Danach kommt … richtig, die Fragestellung. Was wollen wir zu dem von uns gewählten Thema wissen? Was wollen wir erforschen? Es muss nicht gleich der afrikanische Kontinent sein, wie bei David Livingston (1813-1873). Wir formulieren also eine möglichst präzise Frage.
    • Jetzt wird es spannend. Wir begeben uns auf die Suche. Nicht nach einem Mörder wie der berühmte Detektiv Sherlock Holmes, aber nach Material. Wir tragen zusammen, einerseits was andere vor uns zu unserem Thema geschrieben haben (Literatur), andererseits Forschungsmaterial (Quellen, Proben etc.), und schlussendlich die Forschungsinstrumente resp. den Zugang zu selbigen.
    • Im nächsten Schritt sichten und dokumentieren wir das vorhandene Material, wobei wir unser Thema und unsere Fragestellung nicht aus den Augen verlieren sollten.
    • Nun geht es an die Beschäftigung mit den Quellen resp. Proben. Wir stellen logische Beziehungen her, testen, behandeln, überprüfen, experimentieren, verifizieren und dokumentieren. Dabei hinterfragen wir ständig unser Handeln und dessen Nachvollziehbarkeit. Kurz, wir forschen!
    • Unsere Erkenntnisse machen wir anderen zugänglich, indem wir einen hoffentlich lesbaren Artikel verfassen und publizieren.
    • Aus unserer Beschäftigung mit unserem Thema hat sich in den meisten Fällen eine weitere Fragestellung ergeben, womit die wissenschaftliche Arbeit weitergeht.

Klingt kompliziert? Ist es nicht. Die vorstehende Aufzählung ist einfach abstrakt. Werden wir konkret. Womit beschäftigt sich ein Philatelist?

1 Mark-Wert, Saarland 1947

Hoffentlich noch mit Briefmarken und/oder Belegen, das ist aber nicht in jedem Fall so.

Ich beschäftige mich mit den Werten der ersten Briefmarkenausgaben für das Saarland im Jahr 1947. Solange ich diese Briefmarken nur zusammentrage, in ein Steckbuch einsortiere, mich um Vollständigkeit bemühe und mich an ihrer Schönheit erfreue, bin ich ein Briefmarkensammler – und ein glücklicher Mensch. Sobald ich mich eingehender mit meinen Briefmarken beschäftige, mutiere ich zum Philatelisten. Zum meinem Beitrag über den Unterschied zwischen Briefmarkensammler und Philatelist vgl. hier.

    • Mein besonderes Interesse gilt den Feldmerkmalen dieser Briefmarken. Das ist ein Thema.
    • Ich möchte herausarbeiten, welche Feldmerkmale diese Briefmarken aufweisen und welcher Anteil daran wiederkehrende Feldmerkmale sind. Dies ist eine Fragestellung. Eine andere: Wie wurden die 63’600’000 Millionen Marken der 1. Offenburger Ausgabe hergestellt?
    • Ich suche und lese alles, was über mein Thema geschrieben wurde. Darüber hinaus baue ich meine Sammlung gezielt aus. Das ist Materialsuche.
    • Ich sichte und dokumentiere mein Material beständig.
    • Ich beschäftige mich mit dem Material, um nachvollziehbare und verifizierbare Antworten auf meine Fragestellungen zu finden. Dazu ziehe ich externe Quellen und Experten zu Rate. Die unternommenen Schritte und die Ergebnisse/Erkenntnisse dokumentiere ich chronologisch. Das ist Forschung.
    • Ich publiziere meine Erkenntnisse und mache sie damit Dritten zugänglich. Noch nicht als Artikel, aber im Rahmen des Projekts Saarphilatelie.com und in diesem Blog.

Zum Abschluss dieses Beitrags noch einmal zurück zu dem Artikel von Reinhard Krüger. Wie ich seine Argumentation verstehe, sieht der Autor die Philatelie als Analyse-Instrument zur Quellenforschung durch Historiker, Philologen und Literaturwissenschaftler. Er ermuntert die Wissenschaftler in lobenswerter Weise, sich vermehrt mit den philatelistischen Hintergründen ihrer Themen und den in der Philatelie erprobten Verfahren zu beschäftigen.

Die Aufgabe der Philatelisten sieht er als reine Zuträger, wenn er inaus meiner Sicht unzulässiger Verkürzung philatelistischer Forschung schreibt:

„Von historischen Forschungsinteressen geleitet, bringen sie ihre Kenntnisse ein, tragen dazu bei, auch die postgeschichtlichen Daten, die sich auf Postsendungen befinden, als Informationsquelle für die Deutung der historischen Sachverhalte in die Forschung zu integrieren.“

DBZ, 5/2018, S. 32, 4. Spalte

Zwar ist es richtig, dass für Historiker je nach Forschungsbereich die Philatelie eine sehr nützliche Hilfswissenschaft sein kann. Verfügt der Historiker nicht über das nötige philatelistische Fachwissen, sollte er einen Philatelisten zu Rate ziehen. Genauso wie er vielleicht einen Linguisten, Archäologen oder Kunsthistoriker zu Rate zieht. Umgekehrt bedient sich die Philatelie unter anderem geschichtswissenschaftlicher Methoden und Verfahrensweisen. Wird die Geschichtswissenschaft hierdurch zu einer Hilfswissenschaft der Philatelie? Kaum. Nicht umsonst hatte ich an dieser Stelle von historische (Hilfs-) Wissenschaft geschrieben. Wer wem hilft, ist oft eine Frage des Blickwinkels.

Ich bin der Meinung, die Frage, ob Philatelie eine Wissenschaft sei, ist abschliessend mit JA zu beantworten. Es ist eine Wissenschaft aus eigenem Recht, und nicht der Wasserträger anderer Wissenschaften. Die nachstehende Definition der Wissenschaft Philatelie ist meine eigene, da ich keine bessere gefunden habe.

Definition Philatelie

Die Philatelie beschäftigt sich:

    • mit der Erforschung der Art und Weise geregelter Beförderung von Poststücken aller Art,
    • mit den historischen, sozioökonomischen, politischen, rechtlichen sowie technischen Hintergründen der für die Erbringung der Beförderung verwendeten Mittel,
    • und der Abgeltung der erbrachten Beförderungsleistung,
    • unter besonderer Berücksichtigung sämtlicher involvierten Personen.

Die Philatelie bedient sich hierzu wissenschaftlicher, reproduzierbarer und verifizierbarer Forschungsmethoden aus:

    • Geschichtswissenschaft,
    • Politikwissenschaft,
    • Wirtschaftswissenschaft, Volks- und Betriebswirtschaft, Geldwesen
    • Ingenieurwissenschaften, Drucktechnik
    • Psychologie
    • und Naturwissenschaften.

Ist ein Philatelist ein Wissenschaftler? Ihr solltet für euch selbst beantworten, ob eure individuelle Art und Weise, sich mit der Briefmarkenkunde zu beschäftigen, wissenschaftlichen Kriterien entspricht. Letztendlich gilt – da gehe ich mit Reinhard Krüger einig – was ich anfänglich schrieb: „Philatelie soll den Menschen glücklich machen“.

Bis dann

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(1) Martin Carrier, Lexikon der Philosophie, Reclam, Stuttgart, 2011 S. 312

Basiswissen Philatelie (IV) – Postlaufzeit von Postkarten

Hallo

Auf meinen Beitrag Motive (I) erhielt ich von Thomas K. aus Saarwellingen eine Rückmeldung. Ihn erstaune die rasche postalische Beförderung von Postkarten vor etwa 80 Jahren.

Gerne nehme ich dieses Zuspiel auf und vertiefe das Thema Postlaufzeit anhand eines – Schweizer/Deutschen – Beispiels aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Ihr werdet staunen, wie vielfältig die Beschäftigung mit der Philatelie sein kann.

Zuerst einmal die Abbildung des Belegs. Was? Euch sagt der Begriff Beleg nichts?

Definition philatelistischer Beleg

Ein philatelistischer Beleg ist ein tatsächlich gelaufenes – also nachweisbar von einer oder mehreren Postdienstleistern befördertes – Poststück. Poststücke im Sinne dieser Definition können beispielsweise sein:

Zu einem philatelistischen Beleg gehören alle Stempel und – soweit vorhanden –  Postwertzeichen, (Beförderungs-)Vermerke, Aufkleber, Siegel oder ähnliches. Dies ist meine eigene, ganz persönliche Definition. Ich habe keine bessere gefunden.

Nichts geht über ein Beispiel. Ihr erhaltet morgen eine Rechnung von eurem Zahnarzt. Das ist zwar schmerzhaft, aber nicht so schmerzhaft wie die Füllung des Kariesloches. Die Zahnarztrechnung steckt in einem weissen Fenstercouvert und wurde mit einer Briefmarke frankiert, also freigemacht. Freimachung oder Frankatur bedeutet, das Beförderungsentgelt wurde vom Absender entrichtet. Ja, ja … ich weiss, das Beispiel ist an den Haaren herbeigezogen … Rechnungen kommen nur noch in obskuren Fällen mit aufgeklebten Briefmarken. Weiter mit dem Beispiel: Die Briefmarke wurde abgestempelt, was nachweist, dass die Briefmarke entwertet wurde.  Ja, auch dies ist selten geworden … heute erkennt man nur noch einen merkwürdigen Strichcode in meist oranger Farbe. Das Couvert der Zahnarztrechnung mit der Briefmarke und dem Stempel ist ein philatelistischer Beleg. Der Inhalt muss nicht zwingend dabei sein, kann aber bei älteren Belegen – falls vorhanden – zur Spannung beitragen.

Den diesem Beitrag zugrundeliegenden, gut erhaltenen Beleg habe ich bei meinem letzten Besuch auf der Briefmarkenbörse in Villingen-Schwenningen, also gerade ennet unserer Grenze mit Deutschland für 50 Eurocent erworben.

Nun zur Abbildung.

Was sehen wir?

    • Die Vorderseite einer Ganzsache (eingedruckter oder aufgedruckter Wertstempel, in diesem Fall 10 Rappen), der Schweizerischen Post.
    • Eine Postkarte. Die Bezeichnung „Carte Postale“ auf Französisch ist dem Umstand geschuldet, dass die Karte in Yverdon aufgegeben und höchstwahrscheinlich auch dort erworben wurde. Yverdon liegt in der – überwiegend Französisch sprechenden – Welschschweiz. Der Landesname auf Französisch, Deutsch und Italienisch wie auch die Beschriftungen mit Union postale universelle (frz.), Weltpostverein (dt.) und Unione postale universale (ital.), resp. Côte réservé à l’adresse, Nur für die Adresse und Lato riservato all‘ indirizzo hat ebenfalls in der Vielsprachigkeit der Schweiz seinen Ursprung. Die Beschriftung in Rumantsch/Rätoromanisch fehlt noch, da diese Sprache erst vor 80 Jahren, durch die Volksabstimmung vom 20. Februar 1938, zur vierten Landessprache wurde.

  

    • Die Postkarte weist zwei Stempel auf: Der erste Stempel rechts oben – ein Kreis-Steg-Doppelbogen-Gitter-Stempel, der im unteren Bogensegment das Schweizerkreuz zeigt – wurde bei der Aufgabe in Yverdon, Kanton Vaud am südwestlichen Ende des Lac Neuchâtel, am Mittwoch, 11. November 1896 in der 9. Stunde angebracht. Der Eingang im Zielpostamt Bünde (Westf. = Westfalen) wurde auf der Postkarte am Freitag, 13. November 1896 in der Stunde zwischen 5 Uhr und 6 Uhr vormittags unten links gestempelt. Wiederum kam ein Kreis-Steg-Doppelbogen-Gitter-Stempel zum Einsatz (vgl. vorstehende Abbildungen).
    • Es handelt sich um eine Postkarte im internationalen – also grenzquerenden – Postverkehr von der Schweiz in das Deutsche Kaiserreich (1871-1918). Beide Länder Mitglieder des Weltpostvereins. Zum Stichwort Weltpostverein im Hinblick auf Postkarten schreibe ich nachfolgend noch einige Zeilen.
    • Der Adressat der Postkarte ist Herr Fritz Schrëyer. Es fällt auf, dass in der Adresse ausser dem Namen, dem Ort und dem Zielland keine Strasse und auch keine Hausnummer aufgeführt ist. In der hierfür vorgesehenen Zeile steht ausschliesslich Cigarrenfabrik. Postkarten mit unvollständiger Adresse würden heute – falls diese überhaupt jemals ihren Adressaten erreichten – wahrscheinlich durch die hochprofessionelle Nachforschungsstelle der Deutschen Post in Marburg bearbeitet werden. 1896 war eine nicht vorhandene Strasse oder Hausnummer offensichtlich kein Problem. Einer raschen Zustellung stand dieser „Mangel“ ebenfalls nicht im Weg. Die Postbeamten kannten damals ihren Zustellungsbezirk wie auch die Menschen, die dort wohnten, wohl genauso gut wie ihre Westentasche.
    • Ebenso ist keine Postleitzahl notiert worden. Postleitzahlen, damals noch zweistellig und ausschliesslich für den Postpaketdienst vorgesehen, wurden erstmals 1941 im Grossdeutschen Reich während des Naziregimes eingeführt. 1944 wurde die Verwendung dieser Postleitgebietszahlen auch auf die Briefpost ausgedehnt. Ziel der deutschen Reichspost war eine effizientere Verarbeitung des kriegsbedingt massiv erhöhten Post- und Paketaufkommens. 1963 übernahmen die Vereinigten Staaten von Amerika – alphanumerisch – und 1964 auch die Schweiz – vierstellig – das System der Postleitzahlen.
    • Das Zielland ist korrekt auf Französisch – der internationalen Postsprache – mit Allemagne angegeben. Beschriftungen wie Deutschland oder was man heute zuhauf findet D-Postleitzahl sind falsch. Postalisch korrekt sind DE-Postleizahl (also der ISO-Ländercode) gefolgt von der Postleitzahl und/oder Postleitzahl und Ort gefolgt von Allemagne in der nächsten Zeile.
    • Fast verdeckt durch den Eingangsstempel von Bünde erkennen wir noch einen alphanumerischen Code: VI-96 – 1,344.000

Findet ihr es nicht auch erstaunlich, dass eine Postkarte aus der Schweiz ins Deutsche Kaiserreich im Jahr 1896 eine Beförderungszeit unter 48 Stunden hatte? Wohlgemerkt: In einer Zeit, als noch keine Flugzeuge, geschweige denn eine reguläre Luftpost existierte! Die Lokomotiven der Züge noch von Hand an Schaufel mit Kohlen befeuert wurden! Und zwischen den einzelnen Ländern Europas Grenzen gezogen waren und die dazu gehörigen Grenzkontrollen von den Grenzbeamten auf das penibelste durchgeführt wurden. Von der Zensur ganz zu schweigen, auch wenn diese in Friedenszeiten – zugegeben – in der Regel locker gehandhabt wurde.

48 Stunden für wie viele Kilometer? Für was für eine Distanz? Nehmen wir den Atlas, den Zirkel und das Lineal hervor. Habe ich das wirklich geschrieben? In Zeiten von Google Maps? Ja, das habe ich. Versucht einmal die Luftlinie – nicht die schnellste Verbindung über die Strasse – zwischen Yverdon und Bünde über Google Maps herauszufinden! Mit Zirkel und Atlas bin ich da viel schneller. 800 Kilometer as the crow flies, wie die Briten es ausdrücken würden. Doch die Postkarte wurde nicht mit der Taubenpost, sondern mit der Eisenbahn über eine andere Route befördert:

    • Yverdon (Aufgabe bei der Post, direkt am Bahnhof)
    • Bern
    • Olten
    • Basel SBB
    • Basel (Badischer Bahnhof, Grenzkontrolle)
    • Karlsruhe
    • Frankfurt
    • dann streiten sich die Geister – Hannover oder Dortmund?
    • Löhne
    • Bünde in Westfalen (erst Bahnhof, dann Eingang beim Postamt)

Da sind wir mal rasch bei 900 Kilometern. Züge fuhren um 1900 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 80 km/h. Solange sie fahren konnten. Der Halt im Bahnhof beispielsweise war länger als heute, denn die Fahrgäste hatten menschliche Bedürfnisse: Zufuhr und Abfuhr! Toiletten in den Waggons oder rollende Restaurants? Ausschliesslich in den Luxuszügen der CWL zu finden. Auch fuhren nur wenige Züge in der Nacht und dies waren entweder transkontinentale Luxuszüge wie beispielsweise Basel-London oder Berlin-Antwerpen sowie einige wenige Güterzüge. Die Bahnhöfe und manuellen Stellwerke waren in der Nacht häufig nicht besetzt. Irgendwann mussten Bahnhofsvorstand und Wärter ja auch einmal essen, feiern, schlafen! Dazu kamen die Zollkontrollen, und die – wohlverstanden manuelle – Umsortierung der aufgelieferten Post in Olten und in Frankfurt. Noch nicht einmal 48 Stunden von Einlieferung in der Schweiz bis Zielpostamt Bünde wären selbst heute mit Luftpost rekordverdächtig. Nur – der hier vorgestellte Beleg ist nur einer von Vielen! Diese kurze Beförderungszeit für Postkarten war – zumindest innerhalb Westeuropas Standard! Unvorstellbar!

Diese rasche Zustellung – und wir können davon ausgehen, dass die Postkarte am selben Tag ihren Empfänger erreichte – ohne eine vollständige Adresse! Weshalb dies in Bünde jedoch kein Problem darstellte, werde ich euch kurz erläutern. Damit nähern wir uns bei unserer Betrachtung des Beleges „Postkarte von Yverdon nach Bünde“ der Social Philately.

Social Philately ist Neudeutsch und damit ein – wie bei all diesen Worthülsen wie Manager oder noch besser Executive Manager, Support Agent etc. – ein Begriff, der nicht nur im Deutschen erst einmal einer genauen Definition bedarf. Denn unter sozialer Philatelie oder an der Gesellschaft orientierter Philatelie kann sich wohl niemand etwas vorstellen. Und diese Unschärfe des Begriffes ist von dessen Erfindern durchaus gewollt. Dabei verbirgt sich hinter diesem aufgeblasenen englischen Wortgebilde nichts anderes, als die Beschäftigung mit den zeitlichen und örtlichen Hintergründen der Entstehung von philatelistischen Objekten unter besonderer Berücksichtigung der hierbei involvierten Personen. Diese Definition ist meine eigene. Ich habe bislang keine bessere gefunden. Auf Deutsch: Wir schauen uns nicht nur die Postkarte mit ihrem Wertstempel und Poststempel an, sondern fragen uns:

    • Wer hat wem was warum geschrieben?
    • Wie und weshalb gelangte das Objekt von A nach B und danach in unseren Besitz?

Das ist keine Hexerei! Die intensive Beschäftigung mit einem philatelistischen Objekt kann sogar sehr spannend sein. Doch wieso finden wir erst seit etwa zwei Jahren in jeder Briefmarkenzeitschrift, die wir lesen, mindestens einen Artikel zu diesem Thema? Ein bekanntes deutschsprachiges Briefmarken-Magazin gab im letzten Jahr sogar eine umfangreiche Sonderbeilage zu dieser Thematik aus und sah darin sogar „Die Zukunft des Sammelns“. Was steckt hinter diesem Hype, dieser „künstlich aufgebauschten Aufregung“? Es sind aus meiner Sicht mehrere Gründe! Ich möchte an dieser Stelle nicht auf alle eingehen. Nur eins möchte ich erwähnen: An einer Briefmarkenbörse oder -messe werdet ihr viele Händlerstände sehen, deren Tische sich biegen von all den Kartons mit Belegen. Da findet ihr alles: vom Vorderteil eines Couverts mit kaum leserlichen Freistempel bis zum philatelistischen Machwerk, welches niemals postalisch befördert wurde. Diese Kartons voll mit Belegen werden von unzähligen Sammlerhänden durchforstet. Doch verkauft werden nur wenige. Im Briefmarkenmarkt gilt ja wie auch sonst das Preisbildungs-Gesetz von Angebot und Nachfrage: Grosses Angebot wird selbst bei grosser Nachfrage keinen hohen Preis erzielen. Insbesondere bei einem Produkt, auf welches der Konsument verzichten kann, ohne subjektiv eine Qualitätseinbusse wahrzunehmen. Frage: Würdet ihr eine Einzelmarke im Internet für Euro 1,00 zzgl. Versandkosten kaufen, wenn ihr auf der Briefmarkenbörse den gesamten Briefmarken-Jahrgang 1981 inkl. dieser Marke für 50 Eurocent kaufen könnt? Seht ihr …

Der Trick! Macht eure Allerweltsware – ich erfinde ein Beispiel: 30 Pfennig Heinemann BRD von A nach B, zeitgerechte Frankatur, schön gestempelt auf gut erhaltenem Couvert (wie zigtausende andere) – zu einer Seltenheit. Wie? Sprecht des Sammlers Geldbörse über seine Person, über seine ganz individuelle Geschichte an. Der Sammler kommt – Beispiel – aus Legden in Westfalen. In ganz Deutschland wurden zwar zigtausende Briefe mit zeitgerechter Frankatur und mit schönem Stempel versandt. Von diesen haben auch zigtausende die Zeitläufte überdauert. Aber Belege mit einem Stempel aus Legden gibt es nur wenige. Ich habe soeben eine philatelistische Seltenheit kreiert. Die ich selbstverständlich – Angebot und Nachfrage – mit einem der Seltenheit dieses Beleges entsprechenden Preisschild versehe. Und warte nun auf einen Käufer. Nur: wie viele Sammler, die diesen Beleg suchen und einen Bezug zu Legden haben, gibt es? Das ist bei München, Hamburg oder Ludwigshafen einfacher.

So richtig tolle Belege, über deren Entstehung und weiteren philatelistischen Geschichte ihr ein Buch schreiben könntet, solche Belege gibt es! Aber die findet ihr nur selten an einer Börse. Naja, stimmt nicht ganz. Unsere Postkarte hat mich 50 Eurocent gekostet und ich habe ja berets einige Worte über diese Ganzsache geschrieben ohne einen Schluss zu finden.

Also. Weiter im Text. Wir waren beim Zielpostamt Bünde in Westfalen.

Bünde, ein beschaulicher Ort in Westfalen, etwa 20 Kilometer nördlich von Bielefeld, zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge, seit 1855 an das Eisenbahnnetz angeschlossen, war und ist Deutschlands Zentrum der Tabakindustrie und wird gern als Westfalens Rauchsalon bezeichnet. 1900 bestanden in Bünde 84 Zigarrenfabriken, die – zusammen mit der Zulieferindustrie – etwa 3’600 Mitarbeiter beschäftigten. Bei weniger als 7’000 Einwohnern. Eine dieser Zigarrenfabriken war Bruns & Schreyer, etwa 1870 gegründet mit Firmenadresse an der Klinkstrasse 29. Obschon Bruns & Schreyer im Jahr 1893 durch den Zigarrenfabrikanten Rudolf Lenhartz mit der Zigarrenfabrik Rehing & Blanck zusammengeführt worden war, führte Bruns & Schreyer bis 1912 die Geschäfte unter dem eigenen Namen weiter (1).  Der Name Schreyer war in Bünde somit bekannt. Für die Postbeamten im Postamt Bünde war die Zuordnung der Postkarte zur Privat- oder Firmenadresse von Fritz Schreyer – trotz überflüssigem Trema – wohl keine grossen Herausforderung. Die Gründerzeitvillen der Tabakbarone in Bünde können heute noch bewundert werden. Bünde ist vom Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges weitgehend verschont geblieben und wurde deshalb beim Wiederaufbau nicht von Architekten verschandelt, die im grössenwahnsinnigen Denken des Dritten Reiches ihre Ausbildung genossen hatten.

Wir haben bislang die Rückseite der Postkarte ausgeblendet. Das wollen wir nun nachholen.

Zuerst die Transkription:

„Geehrter Herr -/ Habe Ihr Postmandat mit/ frs 86.50 richtig erhalten und/ dem H. G. Schreyer gutgeschrieben/ Ich spreche Ihnen meinen/ besten Dank aus und grüsse/ Achtungsvoll./ E Balhelier/ Yverdon/ 11.11.1896.“

Darüber, wer E. Balhelier war, können wir nur spekulieren. Ich habe keine belastbaren Quellen gefunden. Er bedankt sich in seinem Schreiben für eine Postanweisung über Schweizer Franken 86,50 – eine Postanweisung ist eine internationale Geldanweisung. Der Betrag entsprach 1896 in der Schweiz etwa einem halben Monatssalär (vor Abzügen) eines gelernten Fabrikarbeiters und war eine Stange Geld. Darüber hinaus dürfte die Postanweisung für Fritz Schreyer in Bünde auch nicht kostenfrei abgewickelt worden sein. Gutgeschrieben hat E. Balhelier den Betrag dem „Konto“ des Herrn G. Schreyer (ohne Trema).  Wer G. Schreyer war, weiss ich nicht, wahrscheinlich der Sohn oder Neffe des deutschen Tabakfabrikanten Fritz Schreyer. Nur, weshalb war G. Schreyer in Yverdon?

Eine gute Frage! Herr Schreyer hätte in der Schweiz im Urlaub geweilt und etwas über seine Verhältnisse gelebt haben. Immerhin ist Yverdon seit der Römerzeit für seine schwefelhaltigen Thermalquellen bekannt. Also ein Kuraufenthalt. Eine weitere Möglichkeit wäre der Aufenthalt von Herrn Schreyer zwecks Weiterbildung. Yverdon ist auch heute noch ein Zentrum der Schweizer Tabakindustrie. Vor 120 Jahren gab es illustre Namen wie Vautier Freres; aber auch in der näheren Umgebung Yverdons bestanden Fabriken, z. B. in Grandson, Moudon, Vevey, Lausanne, Payerne, Avenches. Dann könnte der Betrag zur Deckung der Unterbringungskosten, Fahrtkosten oder ähnlichem gedient haben. Die Schweiz war schon vor 120 Jahren keine preiswerte Destination. Vielleicht wurde bei der Planung der Reise des G. Schreyer diesem Faktor zu wenig Beachtung geschenkt.

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Nachtrag: Hier noch der angekündigte Nachtrag zum Stichwort Weltpostverein. Im September 1874 kamen in Bern Vertreter der Postanstalten von 22 Staaten zum ersten internationalen Postkongress zusammen und gründeten den Allgemeinen Postverein. Ziel war die Regelung der Zusammenarbeit der Postanstalten und die Rahmenbedingungen des internationalen Postverkehrs, wie zum Beispiel der Ausgleich gegenseitiger finanzieller Ansprüche aus der Post- und Paketbeförderung. Diese beruhten zuvor auf einigen bilateralen Verträgen, was die Postbeförderung über Landesgrenzen hinaus massiv erschwerte. Auf dem zweiten internationalen Postkongress 1878 in Paris wurde aus dem Allgemeinen Postverein der Weltpostverein, der seit 1947 eine Sonderorganisation innerhalb der UNO ist.

Bis dann

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(1) Quelle: Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv