Die einzelnen Werte – 40 Pfennig

Hallo

Erstaunlich, wie die Zeit vergeht. Ihr lest bereits 14. Beitrag der Einführung in die einzelnen Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland. Dieser Beitrag behandelt den 40 Pfennig-Wert, dem dritten von fünf Werten mit dem Bildmotiv Bäuerinnen bei der Rübenernte Industrieanlagen.

Der 40 Pfennig-Wert war ein vielseitiger Ergänzungswert. In Einzelfrankatur im Inland verwendbar für:

    • Ortsbrief der 3. Gewichtsstufe 250 g bis 500 g
    • Postanweisung bis 25 Mark bis 100 Mark
    • Zahlkarte 500 Mark bis 750 Mark
    • Gebühr (Zuschlag) für:
      • Nachnahme
    • ab dem 15. September 1947 auch für:
      • Warenproben Ausland 3. Gewichtsstufe 150 g bis 200 g
SP26, Originalausgabe
Originalausgabe (gummierte Seite)

Das Markenbild zeigt zwei Bäuerinnen bei der Ernte; vermutlich bei der Rübenernte. Nach Bergbau und Stahlindustrie wird mit dem dritten Bildmotiv die Ende der 40er-Jahre nicht nur im Saarland noch sehr bedeutsame Landwirtschaft thematisiert. Im Bildhintergrund erkennen wir dagegen Industrieanlagen mit Gasometer, sieben rauchenden Fabrikschloten unterschiedlicher Höhe, Industriehallen und einer Dampflokomotive mit Waggons.

Der Bildaufbau erinnert an das erste Bildmotiv Bergmann im Streb vor Saarlandschaft, mit dem körperlich schwer arbeitenden Hauer vor einer ländlichen Idylle.

Wieder gelingt dem Entwerfer Vytautas Kazimieras Jonynas das Kunststück, wichtige Zusammenhänge subtil in das gerade einmal 18,5 x 22 Millimeter grosse Markenbild einfliessen zu lassen. Wieder steht dabei der in seiner Umwelt agierende Mensch im Mittelpunkt.

Interessanterweise lässt Vytautas Kazimieras Jonynas Frauen das Bildmotiv prominent dominieren; nicht etwa dekorativ platzierte Frauen, sondern Frauen, die körperlich hart arbeiten und ihre Werkzeuge routiniert benutzen. Dabei ist seine Darstellung der Frauen überaus detailliert: Kopftuch, Hemd, Rock über Strumpfhosen, Schürze und derbe Schuhe.

Vytautas Kazimieras Jonynas stellt – wie beim Bergmann – auch mit diesem Bildmotiv den essentiellen Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Industrie her. Ohne Nahrungsmittel keine Arbeiter, keine Produktion, kein Wohlstand. Wieder ist es für ihn, wie bereits beim Bergmann und den Stahlwerkern, harte körperliche Arbeit, welche den wirtschaftlichen Erfolg – hier symbolisiert durch die rauchenden Fabrikschlote – und damit den Wohlstand der Saarländer erst generiert.

Das i-Tüpfelchen des Bildmotivs ist jedoch der abgebildete Gasometer. Dieser ist eine subtile Warnung vor den Gefahren industrieller Arbeit. 1932 war bei Wartungsarbeiten der grosse Gasometer in Neunkirchen explodiert. Ein Unglück, dass sehr viele Opfer forderte und weltweit beachtet wurde. Den Saarländern dürften 1947 – bloss 15 Jahre nach dem Unglück – die Bilder des verwüsteten Neunkirchen trotz aller zwischenzeitlichen Kriegsbilder noch gut in Erinnerung gewesen sein.

Abbildungen

Der 40 Pfennig-Wert gehört zu den Werten der Originalausgabe, welche die P.T.T Saarbrücken im Sommer 1947 nicht nachdrucken liess und die auch nicht für den Malstatt-Burbacher Druck verwendet wurden.

__________

Dokumentation der Druckdaten der Originalausgabe, Groteskschrift ohne Doppelpunkt, Typ II

Dokumentation eines Schalterbogens

Schalterbogen Originalausgabe, 18. Februar 1947, A 04471 (5-stellige Bogennummer)

Dokumentation Bogennummern

Gut erhaltene Eckrandstücke mit Bogennummer sind vom 40 Pfennig-Wert genauso schwer zu finden wie beim 25 Pfennig-Wert die Eckrandstücke mit Druckdatum. Der Grund ist derselbe: Die Marke vom Feld 92AB (die Marke unten rechts) weist ein im Michel-Katalog gelistete Feldmerkmal auf, daher wurde diese Marke häufig aus vorhandenen Bogenteilen herausgelöst.

Das Feldmerkmal selbst ist auffällig. Es ist der dunkle, fast runde Farbfleck direkt am oberen Bildrand oberhalb des Gasometers.

SP 26 92AB, 40 Pfennig (hier A)

Ich weise euch darauf hin, dass aufgrund der sehr vagen Beschreibung in den Michel-Katalogen zu Mi. 218Z III: „Ballon“ über Industrielandschaft, gerne Marken anderer Felder – sogenannte Amis Faux – als das vermeintlich gesuchte Feldmerkmal von Prüfern signiert werden. Ich habe erst kürzlich so eine Falschprüfung bei Delcampe „aus dem Verkehr“ gezogen, indem ich diese dem gutgläubigen Privatverkäufer für mein Kuriositätenkabinett abgekauft habe.

SP26 10B, Falschprüfung Hoffmann als Mi. 218Z III
SP26 10B, gummierte Seite mit Signatur (Falschprüfung Hoffmann BPP)

Da hatte der gute Klaus Hoffmann vom BPP einen schlechten Tag – auch Prüfer sind nur Menschen – und ist dem Amis Faux vom Feld 10B aufgesessen. Nicht vergessen: Amis Faux hängen ursächlich mit vagen bis falschen Beschreibungen sowie fehlenden Abbildungen in ihrem Briefmarken-Katalog (meistens aus dem Hause Schwaneberger) zusammen. Seid ihr an den diversen Feld-, Platten-, und Aufdruckmerkmalen interessiert, verlass euch bitte nicht auf die sehr fehlerhaften Michel-Kataloge, sondern legt euch das Saarhandbuch (wg. Vollständigkeit) sowie den Philotax-Katalog (wg. Abbildungen) zu.

Ihr könnt nun das Feldmerkmal vom Feld 92AB korrekt identifizieren, denn ihr wisst:

    • der dunkle, fast runde Fleck „klebt“ am oberen Bildrand
    • der dunkle Fleck befindet sich oberhalb des hohen Gebäudes, also des Gasometers

Dokumentation Abklatsch

40 Pfennig, Abklatsch Viererblock mit den Feldern 26/25 (oben) und 36/35 (unten)

Die vorstehende Abbildung zeigt einen schönen Viererblock mit Abklatsch, entstanden durch Druck auf der gummierten Seite des Markenbogens. Da der Abklatsch deckungsgleich mit der Bildseite der Marke ist, entstand dieser maschinell: es ist ein sogenannter Maschinenabklatsch. Wurde ein Druckbogen nicht korrekt von der Druckmaschine eingezogen oder kam es mangels Druckbögen zu einem Leerlauf, gab der farbgetränkte Formzylinder Farbe auf die – eigentlich hinter dem zu bedruckenden Druckbogen liegenden – Halterolle ab. Sobald nun der Druckvorgang wieder ordnungsgemäss verlief, gab die Halterolle die Farbe an die gummierte Seite des folgenden Druckbogens ab.

Schauen euch die – ja, ich weiss spiegelverkehrten – Markenbilder genau an. Findet ihr das auffällige, in den Michel-Katalogen gelistete Feldmerkmal? Nein? Tipp: Es hat einen Grund, dass das Wasserzeichen der Abbildung ausnahmsweise links ist. Nun?

SP26 35AB im Viererblock,  Abklatsch mit Feldmerkmal

SP26 35AB ist identisch mit Mi. 218Z II, in den Michel-Katalogen beschrieben als „Balken oben links bis zum Fuss der linken Bäuerin verdickt“. Ah ja! Äh, nein! … Geht’s vielleicht ein wenig präziser? Wie verdicke ich einen Balken? Und … Welcher Balken ist hier gemeint? Der vor den Köpfen der Michel-Redakteure? Was, ihr nicht wisst, wie das Feldmerkmal aussieht und auch keine Vergleichsmarke zur Hand habt? Wie könnt ihr das Feldmerkmal anhand einer solchen – ich verkneife mir hier ein Adjektiv – Beschreibung identifizieren?

Nachfolgend die Briefmarke von der Bildseite her gesehen:

SP26 35AB (hier A)

Der obere Rand des Schriftbalkens „SAAR“ und der untere Bildrand sind im Bereich zwischen dem zweiten „A“ und dem „R“ sowie dem linken Schuhabsatz der stehenden Bäuerin verbunden.

Geht doch, oder? Man braucht ja nicht auch noch an Druckerschwärze sparen, wenn man dem Sammler ohnehin die Abbildung vorenthalten hat!

Dokumentation verschobene Perforation

Gleich zwei schöne Marken mit verschobener Perforation, einmal mit senkrechter, einmal in waagerechter Verschiebung. Sicher, wir könnten auch von einem dezentrierten Markenbild sprechen, nur wäre dies falsch. Weshalb? Der Druck auf dem unperforierten Druckbogen ist schon korrekt erfolgt, nur der darauffolgende Vorgang der Perforation auf der Titan Flachperforiermaschine ist nicht so abgelaufen, wie vorgesehen. Daher ist Verzähnung bei allen Werten der Berufe und Ansichten aus dem Saarland der korrekte Begriff. Für die Details der Herstellung der Briefmarken dieser Ausgaben vgl. hier.

Dokumentation raue Perforation

Ein schönes Beispiel für die sogenannte raue Perforation. Diese entstand, wenn die Mitarbeiter die Titan Flachperforiermaschine mit mehr als den maximal zulässigen vier Druckbögen befüllten und/oder die Stifte des Perforationskamms stumpf wurden. Die Trennung der Marke aus dem Bogen gestaltete sich bei rauer Perforation schwer, was sich anhand der Abbildung schön nachvollziehen lässt.

Ich scheine bei der Auswahl der Abbildungen für diesen Beitrag unbewusst bereits die Werbetrommel für die demnächst beginnende Beitragsserie Weisse Wolke über dem Storchennest über die Feldmerkmale der 1. Offenburger Ausgabe zu rühren.

Erkennen Sie das auffällige Feldmerkmal der abgebildeten Marke? Ich spanne Sie nicht auf die Folter, here it is …

SP26 95A

Heller Fleck im hellbraunen Bereich des rechten Bildrands auf Höhe der Taille der stehenden Bäuerin.

Dieses Feldmerkmal gehört zu meinen Top Twenty der Feldmerkmale der 1. Offenburger Ausgabe. Sie wundern sich? Das Merkmal ist ja in den Michel-Katalogen gar nicht aufgeführt. Das stimmt! Aber die Michel-Kataloge sind auch nicht das Mass der Dinge in der Philatelie, selbst wenn die Eigenwerbung des Schwaneberger-Verlags den unbedarften Sammler dies gerne glauben macht. Das Feldmerkmal ist dafür katalogisiert in:

    • End/Becker: 218f
    • Paul Staedel: 13e
    • Saarhandbuch: (ohne Nummer) unter 40 Pfennig Feld 95A

__________

Steckbrief des 40 Pfennig-Werts
    • Wert/Währung: 40 (Reichs-) Pfennig, ab 16. Juni 1947: 40 (Saar-) Pfennig
    • Bildmotiv: Bäuerinnen bei der Rübenernte vor Industrieanlagen
    • Entwerfer: Vytautas Kazimieras Jonynas
    • Farben (Aufzählung):
      • RAL: 8003 Lehmbraun
      • Stanley Gibbons Farbenführer: brown
      • End/Becker: Hellbraun
      • Paul Staedel: brun clair
      • Saarhandbuch (SHB): Braun
      • Michel: lebhaft Siena
      • Scott: orange brown
      • Stanley Gibbons: brown
      • Yvert & Tellier: brun
    • Papier: dickes, raues, gräulichweisses bis gelbbräunliches Papier mit häufigen Holzeinschlüssen; farbige, feine Stofffäden nicht unüblich
    • Wasserzeichen: kein
    • Gummierung: gräulichbraunes Gummi arabicum
    • Druckverfahren: Rastertiefdruck auf Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O
    • Masse: ca.22 x 26 Millimeter / ca. 18.5 x 22.5 Millimeter (Markenbild mit Schriftband)
    • Perforation: Kammzähnung durch Titan Flachperforiermaschine
    • Zähnungsmass: 14:14 mit minimen Schwankungen
    • Bogenrandsignaturen:
      • durchgehend 5-stellige Bogennummern (vgl. Abbildung)
      • Druckdatum ausgeführt in Groteskschrift Typ II
    • Druckdatum/-daten: 17./18. Februar 1947
    • Auflage: 1’520’000 Stück, von denen innerhalb der Gültigkeit 1’515’000 Stück am Schalter verkauft wurden
    • Erstausgabetag: 7. März 1947
    • Verkauf bis: 19. November 1947
    • Gültigkeit: 7. März 1947 bis 27. November 1947
    • Hauptwert/Ergänzungswert: Ergänzungswert
    • Katalognummern (Aufzählung):
      • End/Becker: 218
      • Paul Staedel: 13
      • F.S.A.: 208
      • Michel: 218
      • Saarphilatelie: 26
      • ANK: 218
      • Scott: 166
      • Stanley Gibbons: 215
      • Yvert & Tellier: 208
    • Neuausgabe im Herbst 1947: nein

Bis dann

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.