Forschung – Rätselhafte Feldmerkmale beim 12 Pfennig-Wert (I)

Hallo

In diesem Beitrag hatte ich angekündigt, dass – bald 72 Jahre nach dem Druck der 1. Offenburger Ausgabe – eine der grossen Forschungsfragen beantwortet sei.

Worum geht es? Als Sammler der 1. Offenburger Ausgabe stellt ihr bei der Durchsicht des umfangreichen Verkaufsangebots wie auch eurer eigenen Sammlung mit der Zeit fest, dass offensichtlich einige Feldmerkmale seltener auftauchen, als andere. Dieses Phänomen ist durchaus keine Einbildung und zwei Erklärungen hierfür sind ziemlich offensichtlich:

    • Ein Feldmerkmal kommt nur auf dem A- resp. dem B-Bogen eines bestimmten Wertes vor und ist damit nur halb so häufig zu finden wie ein Feldmerkmal, welche auf beiden Teilen eines Druckbogens erscheint.
    • Es macht einen Unterschied, ob ein Feldmerkmal beispielsweise beim 25 Pfennig-Wert mit einer Auflage von 1 Mio. Marken auftritt, beim 12 Pfennig-Wert mit einer Auflage von 12 Mio. Marken oder beim 24 Pfennig-Wert mit 15 Mio.

Soweit, so klar. Nun wird es komplexer. Beim 12 Pfennig-Wert, mit dem wir uns in dieser Beitragsreihe beschäftigen werden, finden sich Feldmerkmale, die nicht nur aus vorstehenden Gründen selten sind, sondern weil diese Feldmerkmale nur auf den Druck- resp. Schalterbogen bestimmter Druckdaten erscheinen. Wir erinnern uns: Auf Schalterbogen französischer Provenienz wurde auf dem Bogenrand das Druckdatum des jeweiligen Bogens aufgedruckt. Der Druck des 12 Pfennig-Wertes erfolgte verteilt über sieben Drucktage. Da macht es für die Seltenheit – und damit auch für den Wert – eines bestimmten Feldmerkmals durchaus einen Unterschied, ob dieses ausschliesslich auf den Druckbogen eines Drucktages auftritt oder auf sämtlichen Druckbogen aller Drucktage.

Bislang wurde meines Wissens nach keine befriedigende Erklärung publiziert, weshalb beim 12 Pfennig-Wert auffällige Feldmerkmale wie beispielsweise die der Felder 1B, 6A, 77B, 94B oder 96B nicht über die gesamte Druckperiode resp. des Feldes 22AB nicht in derselben Ausprägung nachweisbar sind. In Katalogen und Handbüchern findet sich bei diesen Feldmerkmalen – falls dieser Umstand überhaupt Erwähnung findet – der Hinweis Teilauflage, ohne jedoch detailliert darauf einzugehen, in welchem Teil der Gesamtauflage denn nun diese Feldmerkmale zu finden seien. Für Sammler und Spezialisten ist dies ein äusserst unbefriedigender Zustand.

In diesem und fünf folgenden Beiträgen werde ich mit euch Schritt für Schritt die Lösung des Rätsels erarbeiten. Wir werden hierzu noch tiefer als in den vorhergehenden Beiträgen zu den wiederkehrenden Feldmerkmalen in die komplexen Abläufe des Rastertiefdrucks wie auch des gesamten Herstellungsprozesses eintauchen. Dabei erfahren wir viel über die – aus heutiger Sicht – turbulenten Bedingungen, die während des Drucks des 12 Pfennig-Werts über den Jahreswechsel 1946/47 herrschten. Die Vorarbeit bildet eine detaillierte Untersuchung von sehr vielen A- und B-Bögen des 12 Pfennig-Werts aller bekannten Druckdaten.

Diese Beitragsserie widme ich meinem langjährigen Gönner Hans-Jürgen Steffen, ohne dessen grosszügige Unterstützung diese Forschungsarbeit nicht hätte realisiert werden können.

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Folge II (dieser Beitrag)

    • Übersicht über die Beitragsserie
    • Beschreibung der Ausgangslage und der sich hieraus ergebenden Fragestellungen
    • Überblick über den augenblicklichen Stand der Forschung

Folge III

    • Beschreibung und Illustration der auffälligsten Feldmerkmale
    • Welche Ursachen kommen für diese Feldmerkmale in Frage?
    • Vorstellung des gängigen Erklärungsansatzes

Folge IV

    • Der Faktor Maschine
      • Technische Details zur Rotations-Rastertiefdruckmaschine Palatia O
      • Schilderung der Arbeitsschritte bei der Briefmarkenherstellung im Rastertiefdruckverfahren
    • Der Faktor Mensch
      • Die Erfahrungen der Mitarbeiter der Druckerei Burda
      • Die Erfahrung des Gestalters Vytautas Kazimieras Jonynas mit der Briefmarkenherstellung im Rastertiefdruckverfahren
    • Der Faktor Zeit
      • Der Druckzeitraum/die Drucktage
      • Gesamtauflage und Druckkapazitäten

Folge V

Folge VI

    • Übersicht der Feldmerkmale aller 200 Felder eines Druckbogens des 12 Pfennig-Werts über die gesamte Druckperiode. Eine Arbeit von Saarphilatelie.com
    • Schlussfolgerungen aus dem vorliegenden Material

Folge VII

    • Zusammenfassung der einzelnen Teilaspekte und Präsentation des Forschungsergebnisses

Die Publikation der Beiträge erfolgt im Abstand von 4 Tagen, während meiner Ferien in Frankreich.

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Die Übersicht über die Beitragsserie ist hiermit abgehakt. Nun wenden wir uns der Beschreibung der Ausgangslage und den sich hieraus ergebenden Fragestellungen zu.

Schon dem Altmeister der Forschung zu den französischen Ausgaben für das annektierte Saarland, Paul Staedel (1) war bei den Forschungen zu seiner wegweisenden Studie Étude des timbres-poste et oblitérations de la Sarre 1945-1955 aufgefallen, dass nicht alle von ihm beschriebenen Feldmerkmale auch durchgehend auf allen Schalterbogen zu finden waren.

Er begann diese Feldmerkmale ganz grob nach deren Erscheinen auf den – wie wir seit dem Beitrag über Bogenrandsignaturen der 1. Offenburger Ausgabe wissen – durchgehend mit ihrem Druckdatum versehenen Schalterbögen zu bestimmen.

Insgesamt führt Paul Staedel in den Étude acht Feldmerkmale auf, die nicht auf allen Schalterbogen zu finden sind:

    • Feld 1B
    • Feld 6AB
    • Feld 6A
    • Feld 22AB
    • Feld 24B
    • Feld 41A
    • Feld 71A
    • Feld 96B

Alle, bis auf Feld 24B, grenzt er durch Angabe von Druckdaten enger ein. Ein Beispiel aus den Étude, Seite 21:

6j [entspricht 12 Pfennig, Feld 6A]: Gros point blanc dans le premier A (sur les planches du 30-31/12/46 et 2-3/1/47)

Wir wissen wir nicht, wie Staedels Datenbasis beschaffen war und über welche Informationen er 1955. als er die Étude schrieb, verfügte. Was jedoch beim Studium der Étude auffällt: Das Druckdatum 4/1/47, also der Samstag, 4. Januar 1947, kommt im Zusammenhang mit dem 12 Pfennig-Wert der nicht vor. Merkt euch dieses Datum. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Beitragsserie sehen, dass dieser erste Samstag des Jahres 1947 für unsere Forschungen noch eine wichtige Rolle spielen wird.

Nach Paul Staedels Étude erschien ab 1958 das Handbuch der Postwertzeichen des Saargebietes und des Saarlandes mit allen philatelistischen Nebengebieten, kurz Saarhandbuch (SHB) genannt.

Herausgeber des Saarhandbuches war der Landesverband der Briefmarkensammler des Saarlandes e.V., Saarbrücken. Mit den ersten drei Lieferungen des SHB zwischen Mai 1958 und März 1960 wurde auf 50 reich bebilderten Seiten das für uns interessante Kapitel 402 über die Briefmarkenausgabe 1. Offenburger Ausgabe publiziert.

Das SHB listet für den 12 Pfennig-Wert im Kapitel 402, S. 21-23, die nachstehenden Feldmerkmale mit dem Hinweis auf Teilauflage:

    • Feld 10A
    • Feld 22AB
    • Feld 26A
    • Feld 32AB
    • Feld 37AB
    • Feld 44A
    • Feld 48A
    • Feld 53A
    • Feld 55A
    • Feld 61B
    • Feld 77AB
    • Feld 79A
    • Feld 94B
    • Feld 96B

Wir lassen diese durchaus beeindruckende Auflistung von 18 Feldmerkmalen von theoretisch möglichen 200 für den Moment unkommentiert stehen. Wir werden im Verlauf der Beitragsserie sehen, wo das SHB richtig und wo es falsch lag.

Der Catalogue F.S.A. 1960 spécialisé des Timbres de la Sarre 3e Edition gibt bei den 6 gelisteten Feldmerkmalen für den 12 Pfennig-Wert (201 d-i) keinerlei Hinweise auf Feldmerkmale, welche nur in einem Teil der Gesamtauflage vorkommen. Die 4e Edition des Catalogue F.S.A. von 1964 listet zwar ein Feldmerkmal mehr (201 j), aber ebenfalls keine Teilauflagen.

Kleines Detail am Rande: Das Kürzel F.S.A. steht für Franco-Sarroise-Allemande, also französisch-saarländisch-deutsch. Das saarländisch gesondert aufgeführt wird, hat nichts mit dem manchmal unverständlichen Dialekt zwischen Blies, Saar und Mosel zu tun, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass die Saarländer nicht nur eine eigene Verfassung, sondern von 1948 bis zum Anschluss an die BRD 1957 auch ihre eigene Staatsbürgerschaft besassen. Sie waren Sarrois.

Welche Informationen können wir hinsichtlich Feldmerkmalen, welche nur in einem Teil der Auflage vorkommen, den Michel Briefmarken-Katalogen aus dem Schwaneberger-Verlag entnehmen?

Der Michel listet in seiner 2017er-Ausgabe für das Feld 96B: dicker Punkt in „2“ der Wertangabe „12“ (Feld 96, Bg. B, Teilaufl.). Dieser Eintrag findet sich gleichlautend in den Saar-Katalogen von 2002, 2003 und 2004.

Die frappanten Unterschiede zwischen den einzelnen Autoren/Redaktionen sind erstaunlich, finden Sie nicht auch?

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So! Wie ist der Stand der Forschung heute?

    • Paul Staedel mit seiner Unterscheidung der unterschiedlichen Druckdaten ist vorläufig das Mass aller Dinge.
    • Das Saarhandbuch erwähnt mehr Feldmerkmale mit dem Vermerk Teilauflage als Staedel, gibt jedoch keinerlei Hinweise auf die Druckdaten. Wie aktuell ist die Arbeit des SHB aus heutiger Sicht?
    • Der Catalogue F.S.A erwähnt das Thema „Teilauflage“ nicht.
    • Der Michel listet seit 2002 ein einziges Feldmerkmal mit dem Hinweis auf Teilauflage.

Was allen Autoren/Redaktionen gemeinsam ist: Sie bleiben ihren Lesern eine Erklärung für die nur in Teilauflage auftretenden Feldmerkmale schuldig. Hinweise, auf welchen Bögen der Sammler nach den Feldmerkmalen suchen soll, bietet ausschliesslich die Étude von Staedel und diese könnt ihr nur noch antiquarisch erwerben.

Bis dann

Hier geht’s zum zweiten Beitrag.

Zweiter Teil

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Anmerkung

(1) Paul Staedel war ein hoch dekorierten Widerstandskämpfer des FFI, eingefleischter Europäer, Briefmarkenhändler und ausgewiesener Saar-Spezialist aus Illkirch-Graffenstaden, Departement Bas-Rhin

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Belege (II) – Postkarte mit 12 Pfennig-Wert und Feldmerkmal 6A

Hallo

Wie sagt der Volksmund so schön? „Auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn.“

Ich bin glücklicherweise nicht blind, aber die Altersweitsicht, leider nicht die Altersweisheit, macht mir hier und da doch zu schaffen. An jenem Tag, als ich den hier beschriebenen Beleg fand, hatte ich jedoch sowohl Brille als auch Lupe zur Hand. Der Beleg ist eine normale, gut erhaltene Postkarte, die ich für kleines Geld erstehen konnte.

Ihr denkt sicherlich, „der Beleg hat doch eine Geschichte“! Und damit habt ihr Recht.

Die Postkarte ist

    • mit einer nahezu perfekt erhaltenen 12 Pfennig-Marke der 1. Offenburger Ausgabe (SP19) für die Beförderung von der französischen in die sowjetische Besatzungszone korrekt frankiert,
    • sauber gestempelt und hat
    • philatelistischen Inhalt
Vorderseite, © Projekt Saarphilatelie.com

Der Briefmarkenhändler G. Beaumont in Saarlouis schrieb am 11.07.1947 an den Briefmarkenhändler Püffer in Halle an der Saale, in der sowjetischen Besatzungszone. Der Händler in Saarbrücken brachte seine auf der Vorderseite links mit Firmendetails vorgedruckte und mit Schreibmaschine geschriebene Postkarte auf die Post, wo diese am 12.07.1947, vor 10:00 Uhr morgens, mit dem Stempel Saarlouis 1 abgestempelt wurde.

Rückseite, © Projekt Saarphilatelie.com

Der Händler G. Beaumont reagierte auf eine Annonce in der philatelistischen Zeitschrift Sammler-Express, seit 1925 herausgeben und inzwischen mit der  Deutsche Briefmarken Zeitung verschmolzen. Postkarte ist von G. Beaumont persönlich unterschrieben worden.

Der Inhalt ist simpel. Beaumont suchte die weniger häufigen 4 Pf.- und 42 Pf.-Werte aus der Ziffernserie und bot der Firma Püffer dafür komplette Sätze der 1. Offenburger Ausgabe an.

Was ich trotz Brille und Lupe beim Kauf übersehen und erst daheim festgestellt habe: bei der auf dem Beleg verklebten Marke handelt es sich um ein Exemplar mit einem im Michel-Katalog gelisteten Feldmerkmal. Nachfolgend der Detailausschnitt:

12 Pfennig-Wert SP19, Feld 6A, © Projekt Saarphilatelie.com

Gut zu erkennen der weisse Fleck am Anstrich des ersten A von SAAR auf Höhe des Querstrichs. Der Hof um den weissen Fleck ist schlecht zu erkennen … liegt wohl am Scan und damit an mir … excusé!

Diesen Beitrag widme ich meinem Vater. Er feiert heute seinen 85 Geburtstag. Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute und für die Zukunft die allerbeste, robuste Gesundheit.

Bis dann

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#saarphilatelie

Forschung – Rätselhafte Feldmerkmale beim 12 Pfennig-Wert (Teaser)

Hallo

Wie ihr wisst, beinhaltet Saarphilatelie.com auch die Forschung zu ungelösten Fragen rund um die Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Eine Frage, die über lange Jahre für rauchende Köpfe gesorgt hat, konnte beantwortet werden.

Zu den Feldmerkmalen des 12 Pfennig-Werts der 1. Offenburger Ausgabe (SP19FS), die nicht über die gesamte Druckperiode nachweisbar sind (Stichwort: sekundäres Feldmerkmal) – dies sind die Merkmale der Bogenfelder 1B, 6A, 77B, 94B und 96B – existierten verschiedene Entstehungstheorien.

Einige Sammler sind überzeugt, dass für den Druck der Gesamtauflage von 12’020’000 Stück, das entspricht 61’100 Druckbogen eine zweite Rotations-Rastertiefdruckmaschine vom Typ Palatia O verwendet wurde. Andere gehen davon aus, dass aufgrund der vergleichsweise hohen Auflage die Abnutzung des Formzylinders so hoch war, dass dieser ausgetauscht und durch einen anderen Formzylinder ersetzt werden musste.

Beide Versionen sind falsch. Wollt ihr wiessen, was im Winter 1946/47 tatsächlich geschah?

Ich schreibe und illustriere derzeit die entsprechende Beitragsserie mit gesamthaft sechs Teilen. Diese Serie wird voraussichtlich Ende August 2018 hier im Saarphilatelie-Blog erscheinen. Bleibt dran!

Bis dann

Hier geht’s zum ersten Beitrag.

Erster Teil

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#saarphilatelie

Basiswissen Philatelie (VII) – Definition Feldmerkmal

Hallo

Wer von euch meinem Weblog aufmerksam folgt, hat wahrscheinlich bemerkt, dass ich im Zusammenhang mit Abweichungen vom gewünschten Druckbild bei den Werten der Freimarkenserie Berufe und Ansichten aus dem Saarland von 1947 von Feldmerkmalen schreibe, jedoch den Begriff Plattenfehler vermeide.

Ich möchte kurz erläutern, weshalb ich den Begriff Feldmerkmal vorziehe.

In der philatelistischen Literatur werden bei Abweichungen einer Briefmarke vom gewollten Zustand häufig die nachstehenden Ausdrücke verwenden:

    • Abart
    • Abweichung
    • Druckmängel
    • Druckzufälligkeit
    • Feldmerkmal
    • Plattenfehler

Der Begriff Abart, nach Duden eine Varietät, wird in der Philatelie gerne als Oberbegriff für sämtliche Abweichungen einer Briefmarke vom gewünschten oder vorgesehenen Ergebnis verwendet. Beispielsweise gibt es eine Publikation mit dem Titel Michel Abartenführer.

© Projekt Saarphilatelie.com

Zu diesen Abweichungen gehören u.a.:

    • Abweichungen bei Zähnung, Durchstich etc.
    • Abweichungen bei der Gummierung
    • Druck auf der Gummiseite
    • Druckzufälligkeiten
    • Feldmerkmale
    • Farbabweichungen
    • Doppeldrucke
    • Butzendrucke
    • uvm.

Tritt eine Abart bei einer Ausgabe häufiger auf, wie beispielsweise bei Abweichungen:

    • der Wasserzeichenorientierung
    • der verwendeten Papiersorte
    • der verwendeten Farbe

wird diese Abart in Briefmarken-Katalogen häufig als Type definiert.

Der Oberbegriff Abart ist in seiner Verwendung vage. Diese begriffliche Unschärfe trifft auch auf den Ausdruck Abweichung zu. Bei einer Abart oder einer Abweichung ist für uns Sammler das präzise Wissen darum, wie die Norm – also die gewollte Erscheinung einer bestimmten Briefmarke – beschaffen sein muss und auszusehen hat, unerlässlich.

Zurück zum Begriff Plattenfehler. Die Michel-Redaktion des Schwaneberger-Verlags lässt in seinen Publikationen nichts unversucht, den deutschsprachigen Sammlern ihre eigenen Begrifflichkeiten aufzuzwingen, selbst wenn diese unpräzis oder schlichtweg falsch sind. Der Begriff Plattenfehler hat ja durchaus seine Berechtigung; bei Briefmarken, die mit einer Druckplatte im Plattendruckverfahren hergestellt wurden. Briefmarken, die mittels eines Formzylinders im Rotationsdruck hergestellt wurden, können mangels Druckplatte keine Plattenfehler aufweisen, auch wenn uns die Michel-Redaktion dies weismachen will. (1)

Wie wir wissen wurden sämtliche Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg im Rastertiefdruckverfahren mittels Formzylindern gedruckt. Hier ist die Verwendung des Begriffes Plattenfehler für Abweichungen des Markenbildes nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch. Der rein technische Hintergrund ist jedoch nicht allein verantwortlich für den von mir bevorzugten Begriff Feldmerkmal. Ganz anders als Platten-„fehler“ zielt Feldmerkmal positiv auf die spezifischen Eigenschaften des Markenbildes eines Bogenfeldes ab ohne wertend zu sein.

Definition Feldmerkmal

Der Begriff Feldmerkmal bezeichnet bei Briefmarken eine Abweichung des Markenbildes vom gewollten Zustand. Das Feldmerkmal tritt entweder über die gesamte Auflage oder einen Teil derselben auf demselben Bogenfeld eines Wertes auf. Wir unterscheiden bei den Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland:

    • Primäre Feldmerkmale: Diese entstehen während der Diapositivphase der Herstellung – somit lange vor der Druckphase – und kommen in gleicher Ausprägung auf beiden Schalterbogen (A- und B-Bogen) vor. Bei primären Feldmerkmalen existieren an dem betroffenen Bogenfeld keine einwandfreien Marken. Kann es auch nicht geben, da die Abweichung schon von Beginn des Druckprozesses an vorhanden ist. Häufig sind primäre Feldmerkmale gleichzeitig auch wiederkehrende Feldmerkmale. Primäre Feldmerkmale können in der Druckphase während einer Wartung durch Retusche entfernt werden und treten in diesem Fall bloss auf einem Teil der Auflage auf; die Retusche hinterlässt jedoch sichtbare Spuren (selten).
    • Sekundäre Feldmerkmale: Diese entstehen bei der Erstellung der Druckform/des Druckzylinders bei der Übertragung des Pigmentpapier oder später durch unsachgemässes Aufbringen des Asphaltlackes zur Abdeckung von Konturen und Stössen. Sekundäre Feldmerkmale kommen nur auf einem der beiden Schalterbogen (A- oder B-Bogen) vor. Sekundäre Feldmerkmale können in der Druckphase während einer Wartung durch Retusche entfernt werden und treten in diesem Fall bloss auf einem Teil der Auflage auf (selten).
    • Tertiäre Feldmerkmale: Diese entstehen in der Regel durch Beschädigungen des Druckzylinders während des Druckvorgangs, beispielsweise beim Einbau des Druckzylinders/der Druckform oder deren Reinigung (in ganz wenigen Fällen könnte eine Retusche Ursache neu auftauchender, tertiärer Feldmerkmale sein). Auch eine Verschmutzung durch Fremdkörper kann Abweichungen auf dem Markenbild hervorrufen, die jedoch nur auf wenigen Bogen vorkommen (Druckzufälligkeit).

Bis dann

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Anmerkung

(1) Mit meiner Überzeugung, dass es technisch korrekter und sinnvoller ist, bei individuellen Abweichungen von Briefmarken einzelner Bogenfelder nicht von Plattenfehlern, sondern von Feldmerkmalen zu sprechen, stehe ich keineswegs allein. Hans Zerbel, langjähriger Leiter der Abteilung Postwert- und Steuerzeichen bei der Bundesdruckerei als auch Torsten Berndt, Redaktionsleiter der DBZ, sind dieser Meinung (vgl. DBZ 13/2011).

#saarphilatelie

Basiswissen Philatelie (V) – Ist die Philatelie eine Wissenschaft?

Hallo

Vor mir liegt die aktuelle Ausgabe der DBZ vom 16. Februar 2018. Unter der Rubrik Postgeschichte schreibt Reinhard Krüger über das Verhältnis von Philatelie und anerkannten (von wem?) Wissenschaften. Der Untertitel seines Artikels lautet vieldeutig: „Philatelie als Wissenschaft?“

DBZ 5/2018 vom 16. Februar 2018

Zu Beginn seines Artikels benennt Reinhard Krüger eine der Hauptfunktionen der Philatelie: „Wenn die Philatelie [] einen Menschen glücklich macht, dann hat sie eine ihrer wesentlichen Aufgaben erfüllt.“

Dieser Aussage stimme ich zu und könnte meinen Beitrag beenden, denn es ist alles gesagt: „Die Philatelie, das Briefmarkensammeln und der hieraus resultierende Erkenntnisgewinn soll den Philatelisten, den Sammler glücklich machen“.

Doch im Titel meines Beitrages stelle ich die Frage, ob Philatelie eine Wissenschaft sei? Diese Frage habe ich noch nicht beantwortet. Um auf Reinhard Krüger zurückzukommen. Kann Glück, so erstrebenswert es zweifelsohne ist, eine Aufgabe von „ernster“ Wissenschaft sein? Sind wir mit dem Homo Philatelicus auf die schon als ausgestorben etikettierte Spezies des glücklichen Wissenschaftlers gestossen, der fröhliche Wissenschaft betreibt?

  

An anderer Stelle habe ich geschrieben, dass es vom Briefmarkensammler zum Philatelisten nur ein kleiner Schritt sei. Ich schrieb: „Sobald beim Briefmarkensammeln die Reflexion über das eigene Tun einsetzt, scheinbar in Stein gemeisselte Vorgaben und Massstäbe in Frage gestellt werden, ist der Schritt zur historischen (Hilfs-) Wissenschaft Philatelie vollzogen.“

Schon dort bezeichne ich die Philatelie als historische Wissenschaft. Stellen wir uns zu Beginn zwei einfache Fragen.

    • Was ist Wissenschaft?
    • Wie arbeiten Wissenschaftler?

Anhand der Antworten wollen wir beurteilen, ob die Philatelie Wissenschaft ist und ob sich Philatelisten als Wissenschaftler bezeichnen können.

Was ist Wissenschaft? Allgemein gesprochen ist Wissenschaft ein Begriff für die Gesamtheit des menschlichen Wissens, dessen Sammlung, Bewahrung, Tradierung sowie Erweiterung. Sowie dessen Verfälschung,  muss leider ergänzt werden. Im Speziellen ist Wissenschaft der methodische Prozess intersubjektiv nachvollziehbaren Forschens und Erkennens in einem bestimmten Bereich, der ein begründetes, geordnetes und gesichertes Wissen hervorbringt (1).

So, das wäre geklärt. Nicht? In a nutshell: Wissenschaft bezeichnet sowohl sämtliches bekanntes Wissen als auch die methodische Suche nach Erkenntnis.

Aber wie suchen wir methodisch? Wie arbeiten Wissenschaftler?

    • Am Anfang war … nein, nicht das Wort, sondern das Thema. Wir suchen uns ein Thema. Es kann nicht schaden, wenn wir zu dem Bereich, aus dem wir unser Thema wählen, schon etwas mehr wissen, als nur die Bezeichnung.
    • Danach kommt … richtig, die Fragestellung. Was wollen wir zu dem von uns gewählten Thema wissen? Was wollen wir erforschen? Es muss nicht gleich der afrikanische Kontinent sein, wie bei David Livingston (1813-1873). Wir formulieren also eine möglichst präzise Frage.
    • Jetzt wird es spannend. Wir begeben uns auf die Suche. Nicht nach einem Mörder wie der berühmte Detektiv Sherlock Holmes, aber nach Material. Wir tragen zusammen, einerseits was andere vor uns zu unserem Thema geschrieben haben (Literatur), andererseits Forschungsmaterial (Quellen, Proben etc.), und schlussendlich die Forschungsinstrumente resp. den Zugang zu selbigen.
    • Im nächsten Schritt sichten und dokumentieren wir das vorhandene Material, wobei wir unser Thema und unsere Fragestellung nicht aus den Augen verlieren sollten.
    • Nun geht es an die Beschäftigung mit den Quellen resp. Proben. Wir stellen logische Beziehungen her, testen, behandeln, überprüfen, experimentieren, verifizieren und dokumentieren. Dabei hinterfragen wir ständig unser Handeln und dessen Nachvollziehbarkeit. Kurz, wir forschen!
    • Unsere Erkenntnisse machen wir anderen zugänglich, indem wir einen hoffentlich lesbaren Artikel verfassen und publizieren.
    • Aus unserer Beschäftigung mit unserem Thema hat sich in den meisten Fällen eine weitere Fragestellung ergeben, womit die wissenschaftliche Arbeit weitergeht.

Klingt kompliziert? Ist es nicht. Die vorstehende Aufzählung ist einfach abstrakt. Werden wir konkret. Womit beschäftigt sich ein Philatelist?

1 Mark-Wert, Saarland 1947

Hoffentlich noch mit Briefmarken und/oder Belegen, das ist aber nicht in jedem Fall so.

Ich beschäftige mich mit den Werten der ersten Briefmarkenausgaben für das Saarland im Jahr 1947. Solange ich diese Briefmarken nur zusammentrage, in ein Steckbuch einsortiere, mich um Vollständigkeit bemühe und mich an ihrer Schönheit erfreue, bin ich ein Briefmarkensammler – und ein glücklicher Mensch. Sobald ich mich eingehender mit meinen Briefmarken beschäftige, mutiere ich zum Philatelisten. Zum meinem Beitrag über den Unterschied zwischen Briefmarkensammler und Philatelist vgl. hier.

    • Mein besonderes Interesse gilt den Feldmerkmalen dieser Briefmarken. Das ist ein Thema.
    • Ich möchte herausarbeiten, welche Feldmerkmale diese Briefmarken aufweisen und welcher Anteil daran wiederkehrende Feldmerkmale sind. Dies ist eine Fragestellung. Eine andere: Wie wurden die 63’600’000 Millionen Marken der 1. Offenburger Ausgabe hergestellt?
    • Ich suche und lese alles, was über mein Thema geschrieben wurde. Darüber hinaus baue ich meine Sammlung gezielt aus. Das ist Materialsuche.
    • Ich sichte und dokumentiere mein Material beständig.
    • Ich beschäftige mich mit dem Material, um nachvollziehbare und verifizierbare Antworten auf meine Fragestellungen zu finden. Dazu ziehe ich externe Quellen und Experten zu Rate. Die unternommenen Schritte und die Ergebnisse/Erkenntnisse dokumentiere ich chronologisch. Das ist Forschung.
    • Ich publiziere meine Erkenntnisse und mache sie damit Dritten zugänglich. Noch nicht als Artikel, aber im Rahmen von Saarphilatelie.com und in diesem Blog.

Zum Abschluss dieses Beitrags noch einmal zurück zu dem Artikel von Reinhard Krüger. Wie ich seine Argumentation verstehe, sieht der Autor die Philatelie als Analyse-Instrument zur Quellenforschung durch Historiker, Philologen und Literaturwissenschaftler. Er ermuntert die Wissenschaftler in lobenswerter Weise, sich vermehrt mit den philatelistischen Hintergründen ihrer Themen und den in der Philatelie erprobten Verfahren zu beschäftigen.

Die Aufgabe der Philatelisten sieht er als reine Zuträger, wenn er inaus meiner Sicht unzulässiger Verkürzung philatelistischer Forschung schreibt:

„Von historischen Forschungsinteressen geleitet, bringen sie ihre Kenntnisse ein, tragen dazu bei, auch die postgeschichtlichen Daten, die sich auf Postsendungen befinden, als Informationsquelle für die Deutung der historischen Sachverhalte in die Forschung zu integrieren.“

DBZ, 5/2018, S. 32, 4. Spalte

Zwar ist es richtig, dass für Historiker je nach Forschungsbereich die Philatelie eine sehr nützliche Hilfswissenschaft sein kann. Verfügt der Historiker nicht über das nötige philatelistische Fachwissen, sollte er einen Philatelisten zu Rate ziehen. Genauso wie er vielleicht einen Linguisten, Archäologen oder Kunsthistoriker zu Rate zieht. Umgekehrt bedient sich die Philatelie unter anderem geschichtswissenschaftlicher Methoden und Verfahrensweisen. Wird die Geschichtswissenschaft hierdurch zu einer Hilfswissenschaft der Philatelie? Kaum. Nicht umsonst hatte ich an dieser Stelle von historische (Hilfs-) Wissenschaft geschrieben. Wer wem hilft, ist oft eine Frage des Blickwinkels.

Ich bin der Meinung, die Frage, ob Philatelie eine Wissenschaft sei, ist abschliessend mit JA zu beantworten. Es ist eine Wissenschaft aus eigenem Recht, und nicht der Wasserträger anderer Wissenschaften. Die nachstehende Definition der Wissenschaft Philatelie ist meine eigene, da ich keine bessere gefunden habe.

Definition Philatelie

Die Philatelie beschäftigt sich:

    • mit der Erforschung der Art und Weise geregelter Beförderung von Poststücken aller Art,
    • mit den historischen, sozioökonomischen, politischen, rechtlichen sowie technischen Hintergründen der für die Erbringung der Beförderung verwendeten Mittel,
    • und der Abgeltung der erbrachten Beförderungsleistung,
    • unter besonderer Berücksichtigung sämtlicher involvierten Personen.

Die Philatelie bedient sich hierzu wissenschaftlicher, reproduzierbarer und verifizierbarer Forschungsmethoden aus:

    • Geschichtswissenschaft,
    • Politikwissenschaft,
    • Wirtschaftswissenschaft, Volks- und Betriebswirtschaft, Geldwesen
    • Ingenieurwissenschaften, Drucktechnik
    • Psychologie
    • und Naturwissenschaften.

Ist ein Philatelist ein Wissenschaftler? Ihr solltet für euch selbst beantworten, ob eure individuelle Art und Weise, sich mit der Briefmarkenkunde zu beschäftigen, wissenschaftlichen Kriterien entspricht. Letztendlich gilt – da gehe ich mit Reinhard Krüger einig – was ich anfänglich schrieb: „Philatelie soll den Menschen glücklich machen“.

Bis dann

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Anmerkung

(1) Martin Carrier, Lexikon der Philosophie, Reclam, Stuttgart, 2011 S. 312

#saarphilatelie

Basiswissen Philatelie (III) – Wie nützlich ist ein Koordinatensystem für Briefmarken?

Mein Landsmann Carl Hilty hat einmal gesagt: „Der einzige Weg, auf welchem wahre Kenntnis erreicht werden kann, ist durch liebevolles Studium.“

Ich sage: „Ich stehe auf den Schultern von Titanen, die mich an ihrem Wissen teilhaben liessen. Sie stellten mir nur eine Bedingung: ‚Gib Dein erworbene Wissen freigiebig weiter ohne je etwas dafür zu verlangen, so wie wir nichts von Dir verlangen. Halte Dich daran und nicht nur Dein Wissen, sondern auch Du wirst wachsen und eines Tages vielleicht selbst ein Titan werden.'“

Hallo

Im Beitrag Aktuell bei ebay habe ich anhand eines konkreten Beispiels zeigen können, dass Feldmerkmale von Briefmarken präzise beschrieben werden sollten, um Missverständnissen vorzubeugen. Im selben Beitrag habe ich die Koordinaten eines Druckbogens der Originalausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland vorgestellt: Druckbogen mit zwei Schalterbögen (A-Bogen und B-Bogen) aufgeteilt in jeweils 100 resp. bei den beiden grossformatigen Werten 50 Bogenfelder, woraus sich sozusagen die Hausnummer einer Briefmarke ergibt.

Spinnen wir heute den Gedanken Koordinatensystem einmal etwas weiter, denn die Bogenfelder allein helfen uns – wie wir gesehen haben – nicht in jedem Fall weiter. Bei dem besprochenen Ami Faux (50 Pfennig-Wert, SP28 Feld 70A zu Feld 20AB) definitiv nicht. Wir sehen ja beim Händler, auf der Messe oder auf ebay eine Marke nicht an ihrem Platz im Schalterbogen. Was wir sehen, ist meist eine einzelne Marke, ein Markenpaar, ein Viererblock ohne die zugehörige Hausnummer.

Können uns Koordinaten dennoch bei unserer Suche nach bestimmten Abweichungen vom gewünschten Markenbild helfen? Falls ja, wie müsste ein solches Koordinatensystem beschaffen sein? Und wie käme es in der Praxis zum Einsatz? Heute werden wir uns erstmals mit der äusserst umfangreichen Thematik Briefmarken-Zubehör beschäftigen.

Wir beschränkten unsere Suche nach einem passenden Hilfsmittel nicht ausschliesslich auf die Schweiz, sondern werfen auch einen Blick über die Grenzen auf das Mutterland aller Briefmarken, nach Grossbritannien. Grossbritannien und die Schweiz sind die Länder mit der weltweit längsten Briefmarkengeschichte. In beiden Ländern werden Marken mit Feldmerkmalen oder anderen spezifischen Eigenschaften gesammelt, ge- und verkauft sowie getauscht.

Was ist unser Ziel? Die Kommunikation zwischen Käufer und Verkäufer sollte klar sein, bei Vertragsabschluss Einverständnis herrschen, sonst sind Probleme vorprogrammiert. Im Ladengeschäft, auf der Briefmarkenbörse, auf dem Flohmarkt können beide Parteien miteinander reden. Dieser direkte Kommunikationskanal entfällt, wenn die philatelistische Transaktion wie so häufig über eine Internetplattform abgewickelt wird. Die Möglichkeit, den Verkäufer über die meist gebotenen Kontaktfunktionen anzusprechen, wird meist nicht genutzt. Das Internet mit seinen diversen Plattformen sowie den Onlineshops der unzähligen Briefmarkenhändler dürfte geschätzte 85% der weltweiten Umsätze im Briefmarkenhandel generieren – auch wenn die hier erzielten Preise, selbst bei qualitativ einwandfreien und kompetent geprüften Stücken offensichtlich bei den Marken-Bewertungen von einigen Katalogherausgebern komplett ignoriert werden. Jedem seine Insel, sage ich da, in Anlehnung an einen Romantitel von Johannes Mario Simmel. Über den grossen Anteil des Internets am gesamten Briefmarkenhandel sind sich die allermeisten Beobachter im deutschsprachigen Raum mit ihren Kollegen aus dem frankophonen, anglophonen und sinophonen Raum einig. Diskutiert wird schlussendlich nur noch über die Grössenordnung, also ob der Anteil nicht bereits über 90% beträgt.

Zurück zu den Koordinaten und Lösungsansätzen in Grossbritannien und der Schweiz. Aus Grossbritannien stammt ein ausgereift wirkendes Zubehör im Zusammenhang mit der Verortung von Feldmerkmalen: der Thirkell Position Finder aus dem Traditionshaus Stanley Gibbons. Eine preiswerte Schablone aus stabilem, glasklarem Plastik mit X/Y-Koordinatensystem (Zahlen/Buchstaben) und zusätzlicher Millimeterskala, die über die Briefmarke gelegt wird. Die Schablone kommt mit einer kurzen Benutzungsanleitung. Die Zeichnungen sind so selbsterklärend, dass ihr keine Schwierigkeiten bei der Anwendung haben solltet, selbst falls ihr der englischen Sprache nicht mächtig seid.

Konkurrenz erhält der Thirkell aus dem – immerhin bereits 113 Jahre bestehenden – Hause Zumstein, bekannt für seine Schweiz-Kataloge. Von Zumstein stammt der Abartensucher, eine dünne quadratische Plastikfolie, die über die zu bestimmende oder zu durchsuchende Briefmarke gelegt wird. Das X/Y-Koordinatensystem wie auch die Anwendung entspricht dem des Thirkell, jedoch lässt der Zumstein auf der Y-Achse den Buchstaben „I“ aus.

Lakmustest: Wird die Bestimmung von Feldmerkmalen durch dieses Zubehör einfacher? Vereinfacht es die Kommunikation zwischen Verkäufern und Käufern auf Distanz? Wir werden es mit bereits bekannten im Michel-Katalog unter römisch II katalogisierten Merkmal des Feldes 20AB des 50 Pfennig-Wertes der 1. Offenburger Ausgabe ausprobieren.

Nachstehend erst die Briefmarke – das gesuchte Feldmerkmal ist der waagerechte Farbstrich im Abschwung des S von SAAR, erinnern Sie sich? Danach die Scans der Marke mit aufgelegtem Koordinatennetz der Positionsfinder.

Bei beiden Hilfsmitteln ist das Feldmerkmal am linken oberen Rand von H2 zu finden. Für alle von euch, deren Mathematikunterricht wie bei mir schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt:

H = Position auf der senkrechten Y-Achse, 2 = Position auf der waagerechten X-Achse des Koordinatennetzes.

Eine mögliche Beschreibung könnte also lauten: „Kurzer waagerechter Farbstrich über S von SAAR bei H2.“ Das schliesst eine Verwechslung mit dem Amis Faux von Feld 70A schon einmal aus, denn dieses würde in der Mitte von G2 zu liegen kommen. Dazu gibt es an dieser Stelle keine Abbildung … ich hatte bereits Probleme, saubere Scans mit den Positionsfindern über der Marke anzufertigen, die Marke ist immer wieder verrutscht! Macht nichts! Die vorstehende Beschreibung ist auch wesentlich kürzer als die von mir vorgeschlagene im Beitrag Aktuell bei ebay . Doch bleibt die Beschreibung auch so simple, wenn das zu beschreibende Merkmal unter einer der Linien oder sogar einem Kreuzungspunkt von Linien zu liegen kommt? Nein! Die Beschreibung wird wieder sehr komplex.

Die Linien des Thirkell sind stärker als die des Abartensuchers, dafür – ein wenig ist es auf dem Scan mit dem Abartensucher zu erkennen – verschmiert man bei Verwendung die schwarze Farbe schnell. Landet zwar nicht auf der Marke, sondern auf den Fingern. Dagegen hilft Seife. Dennoch ein Makel. Falls ihr euch einen Abartensucher von Zumstein zulegen möchtet, bestellt sinnvollerweise gleich 2 oder 3 Stück.

Quintessenz: Die Hilfsmittel von Stanley Gibbons und Zumstein können mich nicht wirklich überzeugen. Obschon das Konzept durch seine einfache Handhabung und die offensichtlich gewollte Übereinstimmung in der Koordinatengestaltung besticht, ist die Linienstärke der Schablonen zu dick, um im Alltag wirklich zu helfen. Das grösste Manko: Kein mir bekannter Katalog listet derzeit Koordinaten für Abweichungen des Markenbildes. Mit diesem Mangel bleiben die beiden Tools nettes Spielzeug, aber ohne grosse Verwendbarkeit im philatelistischen Alltag.

Die einfachste und sicherste Lösung für die Beschreibung von Feldmerkmalen sind und bleiben saubere Abbildungen mit Hinweis auf das Merkmal oder die Abweichungen. Abbildungen en gros machen einen gedruckten Katalog umfangreich, was sich wiederum im Preis niederschlägt (vgl. den Philotax).

Weiterhin sind präzise Beschreibungen ein unverzichtbares Muss. Diese sollten sich hinsichtlich der Wortwahl an bestimmten allgemein verbindlichen Leitplanken orientieren. In schwierigen Fällen könnten die Beschreibungen durch ein Millimeter-Koordinatensystem ergänzt werden, welches dem Sammler exakt angibt, wo er das Feldmerkmal findet. Präzise Beschreibungen nehmen in gedruckten Katalogen ebenfalls Platz ein, was – wenn einmal umgesetzt – sich ebenfalls im Preis für den Katalog niederschlagen würde.

Was jedoch sind die einmaligen zusätzlichen Kosten im Vergleich zur eingesparten Zeit und dem durch weniger Fehlkäufe eingesparten Geld?

Bei den uns heute zur Verfügung stehenden Informationen, Darstellungsmöglichkeiten und Distributionskanälen hat sich ein Konzept der Wissensvermittlung überlebt: Teure Kataloge, die nichts weiter bieten als verschwurbelte, unverständliche und nicht nachvollziehbare Beschreibungen ohne erläuternde oder mit schlicht falschen Abbildungen, die über Jahre hinweg nicht aktualisiert/korrigiert werden. Wer in einem sich ständig veränderndem Umfeld nicht flexibel agiert, der wird verschwinden … das gilt insbesondere für „Dinosaurier“.

Seid ihr unsicher, ob es sich bei der vor euch liegenden oder auf dem Bildschirm angezeigten Marke der 1. Offenburger Ausgabe um einen im Michel gelisteten „Plattenfehler“ (sic!) handelt? Ihr könnt mir gerne ein E-Mail mit einem aussagekräftigen Scan zusenden. Ich beantworte Anfragen in der Regel innerhalb von 24 Stunden (vielleicht nicht gerade an den bevorstehenden Festtagen). Es entstehen euch keine Kosten. Weshalb nicht? Lest mein Zitat am Anfang des heutigen Beitrags.

Die Philatelie ist nicht tot, obschon manche Journalisten und Vereinshuber nicht müde werden, in ihren Beiträgen das Ende heraufzubeschwören. Vielleicht wird die Philatelie, wie sie bislang betrieben wurde, in wenigen Jahren nicht mehr sein, als eine blasse Erinnerung. Doch die Philatelie lebt weiter, dafür sind die Millionen von Sammlern, die weltweit Jahr für Jahr einen niedrigen dreistelligen €-Milliardenbetrag für ihr Hobby ausgeben, viel zu lebendig. Wir Menschen sind alle kleine Sammler und Schatzsucher. Dennoch lässt sich nicht leugnen: Die Philatelie ist heute einem ständigen und raschen Wandel unterworfen. Doch wir Sammler sind flexibel, sehr flexibel und erfindungsreich, wenn es um unsere Freizeitbeschäftigung geht. Althergebrachte Strukturen können sich häufig nicht einfach so anpassen. Dort wirken oft mächtige Beharrungskräfte. Es geht um Pfründe, Geld und Einfluss. Wo verkrustete Strukturen langsam zur Bewegungslosigkeit erstarren, suchen wir beweglichen Sammler uns andere, neue Wege. Denn: „Rückwärts gewandt lässt sich schlecht voran schreiten.“ Das wird dann das Thema eines weiteren Beitrags werden.

Bis dann

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Definition Ami Faux

Der Begriff „Amis Faux“ stammt aus der Linguistik und wurde erstmals 2016 von mir zur Kennzeichnung von Briefmarken verwendet, deren sichtbare Merkmale der Beschreibung einer Abart in einem Briefmarkenkatalog oder Handbuch entsprechen, welche jedoch nicht von dem vermerkten Bogenfeld stammen. Ursache der Existenz von Amis Faux sind vage, unpräzise oder schlichtweg falsche Beschreibungen in Katalogen/Handbüchern sowie nicht vorhandene Abbildungen.

#saarphilatelie

Basiswissen Philatelie (II) – Weshalb Saarbriefmarken sammeln?

Alexander Graham Bell soll gesagt haben: „Gehe nicht den vorgezeichneten Weg. Er führt dich nur dort entlang, wo andere bereits gegangen sind.“

Ich sage: „Schau‘ Dich aufmerksam um und Du wirst Deinen eigenen Weg erkennen. Folge ihm konsequent, dann werden Kurzweil und Erkenntnis Deine treuen Reisebegleiter sein. Wünsche Dich auf Deiner Reise jedoch nicht ans Ziel, denn dort angekommen, würdest Du nur das Reisen vermissen.“

Hallo

Einer der Leser des Saarphilatelie-Blogs hat mich darauf hingewiesen, dass ich in dem Beitrag  Wie ich zur Philatelie kam zwar davon berichtet hätte, wie ich zum Briefmarkensammler und später dann zum Philatelisten wurde, aber mit keinem Wort auf Saarbriefmarken und die französischen Briefmarkenausgaben für das Territoire de la Sarre eingegangen sei. Er hat völlig recht. Mea culpa.

Ich habe noch keine Erfahrung, geschweige denn Routine, Blogs zu verfassen. Offensichtlich ist eine Ankündigung schnell vergessen. Oder habe ich leichtfertig etwas angekündigt, was sich als schwierig umzusetzen entpuppte? Hat sich in mir – völlig unbewusst, selbstredend – etwas gegen die mit dem Thema einhergehende Preisgabe persönlichster Gedanken gesträubt? Man kann ja über alles schreiben. Ich empfinde es jedoch als schwierig, alle Schritte nachzuvollziehen, die zu einem Entscheid führten und darüber hinaus mir selbst wie den Lesern meine eigenen, mit Theodor Fontane gesprochen, Irrungen und Wirrungen einzugestehen.

Item. Ich habe mich selbst in die Bredouille gebracht, also muss ich da durch. Ich knüpfe also dort an, wo der Beitrag vom 12. Dezember 2017 endet. Im heutigen Beitrag werde ich einige Themen streifen, die ich zu einem späteren Zeitpunkt im Saarphilatelie-Blog oder auf der Website  Saarphilatelie.com vertiefen werde. Sie werde diese Themen beim Lesen daran erkennen, dass ich die zugehörigen Stichworte kursiv gesetzt habe.

Vor einigen Jahren reiste ich nach Kiel (die obige Abbildung zeigt Schiffe im Fährhafen) und ertappte mich bei einer Shopping-Tour im Einkaufszentrum „Sophienhof“ dabei, wie ich gebannt vor den Regalen mit den Briefmarken, Steckbüchern, Briefmarkenkatalogen und sonstigem Zubehör stand. An diesem Tag war mit einem Schlag die Faszination für die kleinen gezackten Papiere wieder da.

Ich befand mich weit weg von daheim in der BRD, da war es wenig überraschend, dass die angebotenen Briefmarken mehrheitlich Zusammenstellungen aus deutschen Sammelgebieten waren. Der Rest bestand aus Motivsammlungen wie 50 Katzen, Blumen, Schmetterlinge, Olympia etc. eher dubioser Provenienz. Marken unbekannter arabischer Scheichtümer, Nordkoreas, kleinster Südsee-Atolle und afrikanischer Diktaturen waren friedlich in den kleinen, bunten Zellophanpaketen vereint.

Diese „Briefmarken“ haben eins gemeinsam: sie haben das Land ihrer vorgeblichen Herkunft niemals gesehen und sind dort auch an keinem Postamt erhältlich – wofür auch. Mit hohen Nominalwerten versehen zielen diese Ausgaben klar auf die Geldbeutel westlicher Motivsammler. Beworben werden diese, i.d.R. CTO-gestempelten oder mit Stempel gedruckten und damit nicht mehr frankaturgültigen Marken mit blumigen Worten und Hinweisen wie: „Nur 85% Katalogpreis“!  Man kann in den einschlägigen Katalogen aus dem Hause Michel einiges finden … und vieles nicht … aber sicherlich findet man keine Preisangaben. Der Michel bietet ausschliesslich Briefmarken-Bewertungen, und die angegebenen Werte sind utopisch. Auf diesen feinen und wichtigen Unterschied zwischen Preis und Wert werde ich in einem der kommenden Beiträge noch ausführlich eingehen.

Für mich sind solche Marken nichts anderes als Vignetten resp. Cinderellas.  Cinderellas sind Papiere, die vorgeben, Briefmarken zu sein, aber keine sind, da sie keine postalische Funktion erfüllen. Hergestellt werden diese „Marken“ von gewieften Agenturen, die sich gegen geringe Zahlungen von nicht immer souveränen „Ländern“ das Recht erkauft haben, Marken zu verkaufen, die speziell auf die Bedürfnisse von Sammlern abzielen. So erklärt sich, dass beispielsweise ein muslimischer Staat das chinesische Jahr des Schweins und Marilyn Monroe – aber nicht zusammen – auf Sondermarken verewigt oder ein kommunistischer Staat dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy eine Marke widmet.

Zurück zu den Regalen im Karstadt. Ich habe mir an diesem Tag zwei Jahrgänge „Deutsche Bundespost Berlin“, eine Pinzette, eine Lupe, ein Steckbuch und einen Briefmarken-Katalog gekauft. Meine Wahl fiel auf Berlin, da es sich um ein geschlossenes Sammelgebiet handelt. Der Begriff „geschlossen“ bedeutet, es erscheinen keine weiteren Briefmarken dieses Gebiets. Meine Überlegung war dabei, dass bei einem geschlossenen Sammelgebiet die Vollständigkeit schnell zu erreichen wäre. Hier begegnet uns erstmals das Phänomen „Vollständigkeit“. Sammler streben nach ihr, auch wenn ich mir inzwischen die ketzerische Frage gestatte: „Was ist Vollständigkeit?“. Im Rückblick frage ich mich, wieso ich Vollständigkeit je als erstrebenswert angesehen habe.

Nun bietet Deutschland aufgrund seiner bis in die allerjüngste Gegenwart verworrenen, komplexen und meist kriegerischen Geschichte als Briefmarken-Sammelgebiet eine grosse Auswahl an geschlossenen Gebieten: von den Staaten, aus denen 1871 Deutschland geschmiedet wurde, über die Kolonialausgaben des Deutschen Kaiserreichs, die Besetzungsausgaben Erster Weltkrieg, die Briefmarkenausgaben der Plebiszitgebiete, die Besetzungsausgaben Zweiter Weltkrieg, die Ausgaben der Alliierten Besatzung nach der endgültigen Zerschlagung des Deutschen Reichs bis hin zu Berlin und die DDR.

Nachdem ich bei meinem Sammelgebiet Berlin tatsächlich nach kurzer Zeit Vollständigkeit in den Hauptnummern – man beachte die Einschränkung – erreicht hatte, erweiterte ich meine Sammeltätigkeit auf Heligoland und einige der geschlossenen Sammelgebiete Alliierte Besatzung. Den Schwerpunkt der Sammlung bildete bei mir die Französische Zone mit dem Saarland, liegen doch Baden wie auch Frankreich gerade ennet der Grenze am anderen Ufer des Rheins.

Kurz gesagt: Ich sammelte Kraut und Rüben. Der Grund, ein Sammelgebiet zu beginnen, war immer der gleiche: möglichst schnell Vollständigkeit zu erreichen. Wieder stolpern wir über diese Vollständigkeit, die in der Philatelie wie eine Seuche umgeht und – wie ich aus vielen Gesprächen weiss – viele Sammler befallen hat. Sind wir Sammler fremdgesteuert? Was drängt uns, eine wie auch immer geartete Vollständigkeit anzustreben? Zumindest, soweit es das Budget zulässt. Für Postanstalten ist dieses Streben nach Vollständigkeit ein grosser Reibach. Man reibt sich die Hände, begibt jedes Jahr immer mehr Marken mit sehr hoher Auflage, beklagt sich aber gleichzeitig über den Rückgang bei der Briefbeförderung.

Da frage ich mich doch: Für wen werden dann Briefmarken in Millionenauflage gedruckt? Dazu Markenheftchen, Rollenmarken, Markensets, Kleinbögen, Blockausgaben, Ersttagsbriefe, Ersttagsblätter, Numisbriefe, Maximumkarten, Jahreszusammenstellungen und und und.

Was ist der Wert all dessen? Den Wert, den bestimmt allein ihr, die Sammler. Den Preis dagegen, den ihr für eine Briefmarke bezahlen müsst,  den bestimmt der Markt. In der Regel durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf einem Handelsplatz. Solange die Philatelieabteilungen der Postanstalten die Nachfrage der Sammler auch Jahrzehnte nach der Erstausgabe einer Marke aus ihren Beständen in jeglicher gewünschten Qualität und Echtheit mehrfach decken können, – und das können die westeuropäischen Postanstalten in der Regel für sämtliche Ausgaben nach 1965 – dürfte die Nachfrage nach privaten Angeboten und damit die zu erzielenden Preise für Privatverkäufe niedrig bleiben.

Vor einigen Jahren begann ich, mich verstärkt auf die Markenausgaben des Saarlandes (1947-1956) zu konzentrieren und mich in die Geschichte der Französischen Besatzungszone sowie die überaus wechselvolle und spannende Geschichte des Saarlandes einzuarbeiten. Ich fand es interessant herauszufinden, weshalb bestimmte Briefmarken verausgabt worden waren, wer die Marken gestaltet hatte und wer die Marken wie und wo gedruckt hatte. Kennt ihr die Schnellpressenfabrik Albert & Cie. oHG, die Rotations-Tiefdruckmaschine Palatia O oder die Druckerei Franz Burda? Nein? Bleibt dran, bald werden euch diese Begriffe geläufig sein.

Beschäftige ich mich mit meinen Briefmarken, was öfter passiert, als es meiner Frau lieb ist, stellt sich bei mir die grösste Zufriedenheit dann ein, wenn ich mich mit den Feldmerkmalen und der Feldbestimmung (engl. plating) der 1. Offenburger Ausgabe beschäftige. Dieser „nur“ 20 Briefmarken umfassende Briefmarkensatz ist auch heute, 70 Jahre nach der Erstausgabe, in allen Erhaltungen für kleines Geld in ausreichende Menge erhältlich. Tiefer und tiefer tauchte ich in die Materie ein. Ich fand Themen, Fragestellungen und Zusammenhänge aber auch Rätsel und Ungereimtheiten, von denen ich zuvor nichts geahnt hatte, von denen kein Katalog schreibt. Ich ersann Lösungsansätze und knüpfte in ganz Europa Kontakte. Der Blick über Grenzen erweiterte meinen Horizont. Nicht nur Deutsche, sondern Luxemburger, Niederländer, Belgier und insbesondere Franzosen beschäftigen sich mit Saarbriefmarken. Yvert & Tellier aus Amiens, salopp ausgedrückt der französische Michel, listet die Saarbriefmarken sinnigerweise unter „Timbres des colonies françaises; Tome 2-1“.

Die Aufbewahrung meiner mehrere Tausend Exemplare umfassenden Sammlung stellte eine neue Herausforderung dar. Zusammen mit einem Zubehörlieferanten erarbeitete ich über die letzten Monate eine für mich praktikable Lösung, die das Suchen auf ein Minimum beschränkt. Doch das wird Thema eines späteren – nicht ganz unproblematischen Beitrags über Partner beim Aufbau und Unterhalt einer Sammlung sein. Ich verspreche euch! Ich bleibe subjektiv und gehe einer Polemik nicht aus dem Weg.

Ich hatte meinen Weg in der Philatelie gefunden. Der Rest war einfach: Ballast abwerfen. Ich verkaufte alle Briefmarken und sämtliche philatelistischen Bücher, die nichts mit meinem Thema, den französischen Briefmarkenausgaben für das Territoire de la Sarre 1945-1947, zu tun hatten. Behalten habe ich nur wenige, meist sehr werthaltige Stücke, die für mich mit einer Geschichte verbunden sind, mit meiner Sammler-Geschichte.

Bis dann

#saarphilatelie