Fotorealistische Bildmotive der Offenburger Ausgaben

Hallo

Bei der Vorstellung der Werte zu 60, 75 sowie 80 Pfennig der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland habe ich jeweils geschrieben, das Bildmotiv Alter Turm in Mettlach sei vom Gestalter Vytautas Kazimieras Jonynas fotorealistisch dargestellt worden.

Diese Aussage gilt ebenfalls für die Bildmotive der Werte zu 84 Pfennig und 1 Mark: ersterer zeigt das Denkmal für Maréchal Ney in Saarlouis, letzterer – wie ihr aus den Beiträgen zu den Bildmotive (I) wisst – die Saarschleife bei Mettlach.

Die Aussage wollte ich bei einem Ortstermin im Saarland auf die Probe stellen. Diejenigen unter euch, welche dem Projekt Saarphilatelie.com auch auf Facebook folgen, profitierten während des Ortstermins vom 28. Mai bis 3. Juni 2019 von den laufend über diesen Kommunikationskanal des Projekts veröffentlichen Beiträgen.

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Beginnen wir mit dem spannenden Bildmotiv Alter Turm in Mettlach.

Der heute etwa 100jährige Götterbaum im Vordergrund, ist gegenüber dem Bildmotiv enorm gewachsen und verändert die Proportionen des Bildaufbaus. Um das Zeltdach des Gebäudes aus dem selben Winkel zu fotografieren, wie auf der Briefmarke dargestellt, hätte ich mit auf eine hohe Leiter stellen müssen … und das bei meiner Höhenangst.

Der Alte Turm ziert nicht nur die Marken der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland, sondern ebenfalls einige Marken des Saargebietes (vgl. hier).

Auch zwei Marken der Ausgabe Bilder aus Industrie, Handel, Landwirtschaft und Kultur des souveränen Saarlandes zeigen den Alten Turm zusammen mit Produkten der bekannten Steingutfabrik Villeroy & Boch:

  • 12 Pfennig von 1949
  • 18 Pfennig von 1951

Schlussendlich ist der Alte Turm auch auf dem 1953 verausgabten 6 Franken-Wert der Briefmarkenserie Ansichten aus dem Saarland zu finden (vgl. auch den letzten Abschnitt dieses Beitrags).

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Das nächste Bildmotiv ist das Denkmal für Maréchal Ney in Saarlouis.

Die Ähnlichkeit zwischen Original und Bildmotiv ist offensichtlich. Ebenso offensichtlich ist jedoch auch, dass Jonynas künstlerische Freiheit nutzte und bei Gesicht und Pose vom Original abwich.

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Das nächste Bildmotiv ist die Saarschleife bei Mettlach. Dass Vytautas Kazimieras Jonynas 1946 selbst nicht auf der Cloef oberhalb des Scheitels der Saarschleife war, sondern als Vorlage für seinen Entwurf eine Ansichtskarte mit einer Abbildung der Saarschleife aus den späten 1920er-Jahren verwendete, habe ich in diesem Blog bereits zweifelsfrei nachgewiesen (vgl. hier und hier).

SP33, 1. Offenburger Ausgabe
SP46, 2. Offenburger Ausgabe

Einmal am Aussichtspunkt Cloef angekommen habe ich weitere Aufnahmen gemacht, um diese mit dem Bildmotiv der beiden 30 Pfennig-Werte der 1. Pariser Ausgabe (auch 1. Vaugirard Ausgabe oder Landschaftsbilder I) des Saargebiets von 1921 in Deckung zu bringen.

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Der 5 Pfennig-Wert der Ausgabe 1. Pariser Ausgabe zeigt ebenfalls die Saarschleife, jedoch ist die Perspektive eine andere: es ist der Blick vom rechten Saarufer etwa bei der Anlegestelle der Saarfähre Welles auf die Einmündung des Steinbachs in die Saar und das dort stehende Haus Becker am linken Saarufer (auf der obigen Aufnahme die helle Einbuchtung im Wald am rechten Bildrand).

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Ab dem 1. April 1948 kamen die Werte der Briefmarkenausgabe Wiederaufbau des Saarlandes an die saarländischen Postschalter. Diese Serie löste die Werte des Malstatt-Burbacher Drucks, der Überdruckausgabe der Serie Berufe und Ansichten aus dem Saarland, ab. Die Serie Wiederaufbau des Saarlandes umfasste drei separate Luftpostmarken zu 25, 50 und 200 Franken, die als Bildmotiv jeweils einen Flugzeugschatten über der Saarschleife zeigen.

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Ein weiteres Bildmotiv einer Saarbriefmarke ist nicht weit von der Saarschleife und Mettlach entfernt: die Mettlacher Saarbrücke. Bildmotiv des 1953 verausgabten 6 Franken-Werts der Briefmarkenausgabe Ansichten aus dem Saarland.

Auch auf dem Bild (links von der Bildmitte): Der Alte Turm und die ehemalige Benediktinerabtei Mettlach, seit der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Verwaltungssitz der bekannten Steingutfabrik Villeroy & Boch.

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Die ehemalige Benediktinerabtei Mettlach ist Bildmotiv einiger Briefmarken des Saargebietes:

  • Landschaftsbilder I: 3 Mark
  • Landschaftsbilder II: 1 Franken
  • Landschaftsbilder III: 40 Centime
  • Landschaftsbilder III: 75 Centime
  • Landschaftsbilder IV: 75 Centime

Bereits während des Ortstermins habe ich erkannt, dass die Bildmotive zwar in allen Fällen noch vorhanden sind, jedoch einige Faktoren die Ablichtung derselben in Übereinstimmung mit den Briefmarkenmotiven erschweren:

  • diverse Renaturierungsmassnahmen und der Bau der Mettlacher Schleuse als Ersatz für das zuvor an gleicher Stelle befindliche Stauwehr haben den Wasserpegel und den Lauf der Saar geändert
  • die Landzunge innerhalb der Saarschleife wird heute – im Gegensatz zu früher – kaum noch forstwirtschaftlich, sondern touristisch genutzt; das hat ihr Aussehen verändert
  • gewisse Orte (Blickwinkel) sind heute nicht mehr ohne weiteres zugänglich oder komplett verbaut
  • die Gestalter der Bildmotive haben definitiv ihre künstlerische Freiheit genutzt
  • meine fotografischen Fähigkeiten sind begrenzt

Bis dann

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Geschichte des Saarlandes – ein Überblick (IV)

Hallo

Im letzten Beitrag sind wir zeitlich im Frühjahr 1935 stehen geblieben. Das Gebiet des ehemaligen Saargebiets ist nun wider den Erwartungen der Saarländer Reichsland (1) des Dritten Reiches unter dem flugs zum Reichskommissar beförderten Josef Bürckel, dem ehemaligen Saarbeauftragten des Reichskanzlers Adolf Hitler.

Ansichtskarte, Adolf Hitler am 1. März 1935 in Saarbrücken
Saargebiet; Ausschnitt Taschen Verkehrsatlas von 1932

Etwa 2 bis 3 Prozent der saarländischen Bevölkerung verlässt nach dem Anschluss des Saargebiets – zum Teil fluchtartig – das Land. Die meisten von Ihnen Regimekritiker und Warner vor dem menschenverachtenden Nationalsozialismus, wie der spätere Regierungschef des Saarlandes Johannes Hoffmann, sowie fast alle Menschen jüdischen Glaubens. Wer nicht schnell genug flieht, wird verhaftet, in Konzentrationslager verbracht und ermordet.

Einige Saarländer lesen die Zeichen der Zeit schnell und vollkommen richtig. Die Firma J. Georg Herstellung von Lederwaren in Elversberg bestellt am 20. Februar 1935, also einen Monat nach dem Volksentscheid und noch vor dessen Inkrafttreten am 1. März 1935, mittels Postkarte und „mit deutschem Gruss“ im westfälischen Lüdenscheid Stahlhelmbeschläge und Karabinerhaken. Dabei hat Reichskanzler Adolf Hitler die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht – ein erster eklatanter Bruch des Versailler Vertrages – noch gar nicht verkündet.

Bestellung von Kriegsmaterial im Saargebiet

Die Dreistigkeit der Bestellung erstaunt. Der Besteller spekuliert darauf, dass die bestellte Ware erst nach dem 1. März 1935 und damit nach der Aufhebung der Zollgrenze zwischen dem Saargebiet und Deutschland erfolgen wird.

Für die meisten Saarländer stehen dagegen harte Zeiten bevor:

  • Die Verschiebung der Zollgrenze Richtung Frankreich schneidet die saarländische Industrie, insbesondere Bergwerke und die Schwerindustrie, von seinen traditionellen Abnehmern ab
  • Massenentlassungen im Bergbau und der Schwerindustrie sind die Folge; die Arbeitslosenquote im Reichsland Saarland ist erheblich höher als sonst im Dritten Reich
  • Gleichschaltung und politische Säuberungen in Presse, Rundfunk, Verbänden und Verwaltung erhöhten die Arbeitslosigkeit zusätzlich
  • Lebensmittel kommen nicht mehr aus Frankreich, sondern zu empfindlich höheren Preisen als zuvor aus Deutschland
  • Das Ruhrgebiet wird wieder zur existenzbedrohenden Konkurrenz
  • Wehrpflicht für alle männlichen Saarländer wird eingeführt
  • Ab März 1936 treten im Reichsland Saarland die Nürnberger Rassengesetze in Kraft; sämtliche Saarländer jüdischen Glaubens, die trotz der Berichte aus dem Reich über öffentliche Demütigungen, Beraubungen, „Zwangsumsiedlungen“ in ihrer Heimat geblieben sind, werden aus dem öffentlichen Leben gedrängt und verlieren Arbeitsstelle, Besitz und in aller Regel auch ihr Leben
  • Die saarländischen Sinti und Roma, homosexuell veranlagte oder geistig behinderte Mitmenschen, Alkoholiker sowie sogenannte Erbkranke (2) werden in Konzentrationslagern systematisch ermordet

Überzeugte Nationalsozialisten wie Hermann Röchling, bereits nach dem Ersten Weltkrieg als Kriegsverbrecher verurteilt, oder sein Neffe Ernst Röchling stiegen im Dritten Reich steil auf. Hermann Röchling wird Wehrwirtschaftsführer und später Generalbevollmächtigten für die Eisen- und Stahlindustrie in Lothringen. Menschenleben interessieren solche Menschen nicht.

Postwesen: Letzttag der Briefmarken des Saargebietes ist der 28. Februar 1935. Ab dem 1. März 1935 ist das Postwesen fest in der Hand der deutschen Reichspost.

Die deutsche Wehrmacht rückt am 7. März 1936 in das gemäss Versailler Vertrag und den Verträgen von Locarno entmilitarisierte Gebiet entlang des Rheins ein. Saarlouis und Saarbrücken werden wieder Garnisonsstädte. Ab 1938 wird der Westwall errichtet, der jedoch östlich von Saarbrücken, Saarlouis, Dillingen und Völklingen verläuft und somit den meisten Saarländern keinen Schutz bietet. Bei Kriegsausbruch im September 1939 wird die westlich des Walles lebende saarländische Bevölkerung nach Hessen und Thüringen evakuiert und darf erst ab Juli 1940 in ihre Heimat zurückkehren.

Im Sommer 1942 erfolgen die ersten Bombenangriffe auf Ziele im Saarland, die von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr an Häufigkeit und Zerstörungskraft zunehmen. Ab November 1944 wird die verbliebene saarländische Bevölkerung wieder evakuiert. Bleiben müssen Zehntausende von misshandelten und unterernährten Zwangsarbeitern aus Italien, Polen, Frankreich und der Sowjetunion, aber auch die Häftlinge im KZ Goldene Bremm bei Saarbrücken.

Bis zum 21. März 1945 haben US-amerikanische Truppen das Territorium des ehemaligen Saargebiets vollständig besetzt. Der gesamte behördliche und private Postverkehr kommt zum Erliegen. Die deutsche Wehrmacht kapituliert am 7. Mai 1945 in Reims. Die Kapitulationsurkunde wird am 8. Mai 1945 in Karlshorst ratifiziert. In den Erklärungen vom 5. Juni und 4. Juli 1945 übernehmen die vier Alliierten im Deutschen Reich in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 sowie in Österreich in den Grenzen vor dem Anschluss die oberste Regierungsgewalt. Das gesamte Territorium sowie die beiden Städte Wien und Berlin werden in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Besatzungszonen nach dem Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945. Urheber: Atlanta-Service, Frankfurt am Main

Das Gebiet des ehemaligen Saargebiets wird Teil der Zone d’occupation française en Allemagne. Französische Truppen rücken ab dem 10. Juli 1945 für ihre abziehenden US-amerikanischen Kameraden in das Saargebiet ein.

Postwesen: Wie schon unter der US-amerikanischer Besatzung ist der zivile Postverkehr untersagt und bleibt es bis zum 31. August 1945.

Noch vor der Potsdamer Konferenz Anfang August geht es Schlag auf Schlag. Das Regierungspräsidium Saar wird am 25. Juli 1945 aus dem Oberpräsidium Mittelrhein-Saar herausgelöst und wird seit dem 29. Juli 1945 durch eine Militärregierung, Gouvernement militaire de la Sarre, unter Général Molière verwaltet. Das Saarland untersteht weiterhin dem Alliierten Kontrollrat in Berlin.

Postwesen: Der Behördenpostverkehr zwischen saarländischen und französischen Stellen sowie mit grösseren Firmen resp. Banken wird ab dem 16. August 1945 aufgenommen. Barfrankierung mit Stempeln Gebühr bezahlt resp. Taxe perçue.

Colonel Gilbert Grandval, ein Vertrauter von Charles de Gaulle, wird am 30. August 1945 anstelle von Général Molière Militärgouverneur des Saarlands. Die Militärregierung heisst neu und weniger martialisch Délégation supérieure de la Sarre.

Postwesen: Der private Postverkehr wird ab dem 1. September 1945 nach und nach (Ortsverkehr, innerhalb der Besatzungszone, Ausland etc.) wieder zugelassen. In der Zone d’occupation française en Allemagne gelangen vom 5. Januar 1946 an die 13 Werte der auf Reichsmark und -pfennige lautenden Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter an die saarländischen Postschalter. Diese Marken bleiben im Saarland bis zum 27. November 1947 frankaturgültig.

Das Saarland wird am 16. Februar 1946 der Zuständigkeit des Alliierten Kontrollrats entzogen. Faktisch und de iure wird das Saarland von Frankreich annektiert. Die französischen Behörden erweitern mit Wirkung vom 20. Juli 1946 das Gebiet des Saarlandes, das bislang dem Territorium des ehemaligen Saargebiets entspricht um 156 Gemeinden der ehemaligen bayerischen Pfalz und des ehemalig preussischen Rheinlandes. Das Saarland erhält erstmals eine gemeinsame Grenze mit dem Grossherzogtum Luxemburg. Mit der Verfügung Nr. 73 vom 18. Juli 1946, die ebenfalls am 20. Juli 1946 in Kraft tritt, werden die neu zum Saarland gehörenden Gebiete den Landkreisen Saarburg und St. Wendel angeschlossen.

Veröffentlicht in: Statistischen Handbuch für das Saarland 1955, Saarbrücken 1956, S. 20. Mit freundlicher Genehmigung Statistisches Amt Saarland

Im Saarland werden am 15. September 1946 Gemeinderatswahlen durchgeführt. Kurz darauf, am 8. Oktober 1946 löst Gilbert Grandval das Regierungspräsidium Saar unter Dr. Hans Neureuter und damit die letzte verbliebene administrative Verbindung zur Zone d’occupation française en Allemagne auf und setzt stattdessen eine siebenköpfige Verwaltungskommission (Ministerrat) unter dem Vorsitz von Erwin Müller ein, deren Zusammensetzung das Ergebnis der Gemeinderatswahl widerspiegelt. Die direkte Zuständigkeit der französischen Militärregierung in Deutschland unter Général Pierre-Marie Kœnig endet.

Postwesen: Die P.T.T. in Baden-Baden unter dem Leiter Raymond Croze gibt im Herbst 1946 für das Saarland den Druck der Freimarkenserie Berufe und Ansichten aus dem Saarland bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg in Auftrag (vgl. hier, Abschnitt „Faktor Mensch“).

Das Saarland unter der Verwaltung der Délégation superieure de la Sarre wird am 22. Dezember 1946 in das französische Zollgebiet integriert.

Militärgouverneur Gilbert Grandval ernennt am 23. Mai 1947 die Mitglieder der Verfassungskommision unter dem Vorsitzenden Johannes Hoffmann. Die Zusammensetzung der Verfassungskomission widerspiegelt ebenfalls die Ergebnisses der Gemeinderatswahlen des vergangenen Septembers. Die Verfassungskommission erhält die Aufgabe eine Verfassung für ein auf längere Sicht unabhängiges Saarland auszuarbeiten, dass dem schädlichen Einfluss Deutschlands entzogen ist.

Eine Gebietsarrondierung des Saarlandes (4) tritt am 8. Juni 1947 in Kraft. Einige Gemeinden des Kreises Saarburg werden aus dem Saarland ausgegliedert. 13 Gemeinden, die bis dahin zu den Landkreisen Birkenfeld und Kusel gehörten, werden dagegen in das Saarland integriert (vgl. auch obige Karte).

Im Saarland führt die französische Regierung von Juni bis November 1947 eine zweistufige Währungsreform durch. Die schwindsüchtige Reichsmark wird übergangsweise durch die (Saar-) Mark ersetzt, welche dann zum Kurs von 1 Mark zu 20 Franken faktisch durch den Französischen Franc ersetzt wird.

Im Oktober 1947 wird im Saarland eine Verfassungsgebende Versammlung gewählt, die, basierend auf den Vorarbeiten der Verfassungskommission unter Johannes Hofmann, die Verfassung des neuen Staats Saarland ausarbeitet und am 8. November 1947 verabschiedet. Die Verfassung, datiert auf den 15. Dezember 1947, tritt mit Veröffentlichung im Amtsblatt des Saarlandes am 17. Dezember 1947 in Kraft. Das Saarland ist nun ein eigener Staat, noch nicht völlig souverän, jedoch in vielen Belangen autonom.

1948 erhalten die Saarländer eine eigene Nationalität: Sarrois.

Ab 1950 ist das Saarland assoziiertes Mitglied des Europarats, des Internationalen olympischen Komitees, Unterzeichnerstaat der europäischen Menschenrechtskonvention sowie Beobachter bei der Internationalen Arbeitsorganisation. Darüber hinaus besteht eine eigene Interessenvertretung bei der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion). Frankreich schliesst im März 1950 vier Abkommen mit dem Saarland. Diese gewähren der autonomen Regierung des Saarlands vollständige Unabhängigkeit auf gesetzgeberischem Gebiet und sichern einen freien Warenverkehr zwischen der Saar und Frankreich zu. Gilbert Grandval mutierte 1952 vom Hohen Kommissar zum Botschafter Frankreichs im Saarland.

1952 entsendet das Saarland eine Auswahl saarländischer Sportler an die olympischen Sommerspiele in Helsinki. Eine Teilnehmerin ist die damals 19-jährige Therese Zenz aus Mettlach, die auf der Ostsee vor Helsinki einen beachtenswerten 9. Rang mit dem Einer-Kajak erzielt. Zwei Jahre später, bei den Kanu-Weltmeisterschaften im französischen Mâcon, wird Sie über 500 Meter Weltmeisterin. Therese Zenz schreibt Sportgeschichte, da ihr Sieg der einzige internationale sportliche Anlass bleibt, an dem die saarländische Nationalhymne gespielt und die Flagge des Saarlandes gehisst wird.

Therese Zenz im Trainingsanzug mit saarländischem Wappen

Postwesen: vgl. hier

Der Rest der Geschichte des Saarlandes ist traurig und schnell erzählt. Kaum wird im Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet, beginnt die Regierung Adenauer sich in die inneren Angelegenheiten des Nachbarstaates einzumischen. Hintergrund: Adenauers Credo war der Alleinvertretungsanspruch seiner Regierung für Deutschland gegenüber der restlichen Welt. Gegen die von der Siegermacht Sowjetunion protegierte DDR konnte Adenauer nicht viel unternehmen, aber gegen das Saarland sehr wohl. Die rechte Regierung Adenauer begann, im Saarland verbotene Parteien zu finanzieren, über die adenauerhörige Presse die Regierung des Saarlandes und insbesondere dessen Regierungschef Johannes Hoffmann zu verunglimpfen. Es werden Lügen in die Welt gesetzt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Existenz des Saarlandes möglichst rasch zu beenden.  Treibende Kräfte sind in Deutschland auch nationalsozialistisch gesinnte Industrielle der ersten Stunde, angeführt von dem notorischen Kriegsverbrecher Hermann Röchling, der 1949 in den Rastatter Prozessen, nachdem er nach dem Ersten Weltkrieg bereits als Kriegsverbrecher verurteilt worden war, wie sein Neffe Ernst Röchling ein weiteres Mal als Kriegsverbrecher verurteilt wird. Die katholische Kirche wird, wie es die NSDAP 1934 vorgemacht hatte, auch Anfang der 1950er Jahre wieder für die Sache mobilisiert. In der verbotenen, weil verfassungsfeindlichen Saar-CDU sammeln sich ehemalige NS und SS-Funktionäre und versuchen den Anschluss des Saarlandes an Deutschland ein weiteres Mal zu befördern. Dies gelingt in der Volksabstimmung 1955 über das Europäische Saarstatut, also die von Regierungschef Johannes Hoffmann vorangetriebene Idee der Europäisierung des Saarlandes. Das Ergebnis der Abstimmung wird von Charles de Gaulle und Adenauer als Plebiszit für einen Anschluss an Deutschland gewertet, obschon ein solcher Anschluss gar nicht zur Debatte stand. Kaum war die Abstimmung vorbei, wird mit dem CDU-Mann Norbert Brinkmann der erste Nazi Wirtschaftsminister und stellvertretender Regierungschef des weiterhin autonomen Saarlandes und verhilft fast als erste offizielle Handlung seinem NSDAP-Parteikollegen und verurteiltem Kriegsverbrecher Ernst Röchling zur Restituierung der Völklinger Hütte, in welcher die Röchlings jahrelang aus Profitgier skrupellos und menschenverachtend Zwangsarbeiter ausgenutzt hatten.

Noch schlimmer wird es 1959, als mit Franz-Josef Röder ein weiterer bekennender Nazi der ersten Stunde, NSDAP-Mitglied, Mitglied der SA, des nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps, des nationalsozialistischen Lehrerbunds und der Deutschen Front für die kommenden 20 Jahre Ministerpräsident des Bundeslandes Saarlandes wird.

Postwesen: Die P.T.T. des Saarlandes mit Sitz in Saarbrücken gibt vom 1. April 1948 bis zum 10. Dezember 1956 132 Briefmarken und 2 Markenblöcke aus. Das Sammelgebiet Saarland gehört mit Ablauf des 31. Dezember 1956 der Vergangenheit an.

Ab dem 1. Januar 1957 übernimmt die Deutsche Bundespost in Bonn, vertreten durch die Oberpostdirektion Saarbrücken, das Ruder. Es werden bis zu 6. Mai 1959 noch 70, meist bildgleiche Marken mit dem Aufdruck Deutsche Bundespost Saarland in Frankenwährung herausgeben, dann ist auch dieses Zwischenspiel vorbei.

Wie geht es weiter? Die Deutsche Bundespost und später die Deutsche Post bringen immer wieder einmal Briefmarken mit Bezug zum Bundesland Saarland, seinen Städten und Sehenswürdigkeiten heraus.

Inzwischen werden auch wieder Briefmarken des Saarlandes für das Saarland ausgegeben. Hierfür verantwortlich zeichnet die Privatpost saariva mit Sitz in Saarbrücken.

 

Bis dann

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(1) Das Saarland ist ohne Zwischenstufe unmittelbar der Reichsregierung unterstellt. Diese wird vertreten durch den Reichskommissar, ab 1940 den Reichsstatthalter.

(2) Als für den „Volkskörper“ schädliche Erbkrankheiten gelten nach der nationalsozialistischen Rassenlehre beispielsweise Schizophrenie, Depression, Blindheit, Taubheit und auffällige körperliche Missbildungen, ausser diese treten bei hohen nationalsozialistischen Funktionären auf, wie der Klump-Fuss von Propagandaminister Josef Goebbels.

(3) Anordnung Nr. 8 von Général Pierre Kœnig vom 18. Juli 1946

(4) Verordnung Nr. 93 von Général Pierre Kœnig vom 6. Juni 1947; Kœ ist zuständig, da die betroffenen Gebiete zur Zone d’occuption française en Allemange gehören werden, resp. gehörten.

Geschichte des Saarlandes – ein Überblick (III)

Hallo

Im letzten Beitrag sind wir zeitlich an der Schwelle zum 20. Jahrhundert stehen geblieben. Das Gebiet des heutigen Saarlandes besteht aus drei Territorien: dem südwestlichen Teil der preussischen Rheinprovinz, dem westlichen Zipfel der bayrischen Pfalz und – mittendrin – dem zum Grossherzogtum Oldenburg gehörigen Fürstentum Birkenfeld. Das Postwesen liegt in der Pfalz in der Hand der königlich-bayerischen Postverwaltung und in den beiden restlichen Gebieten in der Hand der preussisch dominierten Deutschen Reichspost.

1914-1919: Der erste Weltkrieg endet in einer totalen Niederlage der Mittelmächte Österreich-Ungarn, Deutsches Kaiserreich und Osmanisches Reich. Grosse Gebiete, insbesondere in Belgien, Frankreich, Italien, Rumänien, Galizien, Russland und auf dem Balkan sind verwüstet. Aber-Millionen Soldaten sind gefallen oder verwundet. Aber-Millionen Menschen sind weltweit verhungert oder an der Grippe gestorben. Die Regierung des osmanischen Reiches führt an den armenischen Einwohnern gezielt und systematisch Massaker und Todesmärsche durch, die hunderttausende Opfer fordern.

Die Pariser Vorortverträge sollen nun im Sommer 1919 endlich Frieden schaffen, sollen verhindern, dass eine solch schreckliche Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses nochmals die Menschheit heimsucht. Doch Rachsucht und mangelnde Diplomatie auf allen Seiten verkehren die Vorortverträge ins Gegenteil. Sie werden die Keimzellen für Mord, Vertreibung und weiteren Krieg. Auch nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 geht das Das Schlachten, Morden und Vertreiben munter weiter:

  • 1917-1923: russischer Bürgerkrieg unter Beteiligung der Entente-Mächte (Sowjetisierung Russland)
  • 1918-1920: Lettisch-Russischer Krieg (Unabhängigkeit Lettlands)
  • 1919: Rumänisch-ungarischer Krieg
  • 1919-1921: Irisch-britischer Krieg (Unabhängigkeit Irlands)
  • 1919-1921: Polnisch-russischer Krieg
  • 1919-1922: Griechisch-türkischer Krieg (Massenvertreibung von Türken aus Griechenland und Griechen aus der Türkei)
  • 1920: Türkisch-armenischer Krieg
  • 1920-1922: Polnisch-litauischer Krieg
  • 1921-1926: Rifkrieg zwischen nach Unabhängigkeit strebenden marokkanischen Rif-Kabylen auf der einen und Spanien sowie Frankreich auf der anderen Seite (Kolonialkrieg, Spanien setzt im grossen Masse auf Giftgas und wird bei Planung, Produktion und Einsatz durch deutsches Militär, deutsche Industrie und deutsche Fachleuten unterstützt)

Für das Saarland ist von den Pariser Vorortverträgen insbesondere der am 28. Juni 1919 unterzeichnete Versailler Vertrag von Bedeutung. In den Artikeln 45-50 und den zugehörigen Anhängen wird eine als Territoire du bassin de la Sarre bezeichnete (im Folgenden Saargebiet genannte) Region des heutigen Saarlandes für die Dauer von 15 Jahren dem neu gegründeten Völkerbund als Mandatsgebiet unterstellt. Die Grenzen dieses Saargebiets werden so gewählt, dass diese neben den Kohlegruben auch die Wohngebiete der Bergarbeiter einbeziehen. Das Saargebiet (nachfolgend Abbildungen von Flagge, Wappen und eine ungefähre Karte) umfasst gesamthaft eine Fläche von ca. 1’920 Quadratkilometern mit etwa 780’000 Einwohnern.

  

Es ist vorgesehen, dass nach Ablauf von 15 Jahren ein Volksentscheid über den Verbleib des Saargebiets entscheiden soll. Zur Auswahl stehen der Anschluss an Frankreich, der Anschluss an das Deutsche Reich oder der Verbleib beim Völkerbund (Status Quo).

Das Eigentum an den Steinkohlengruben des Saargebiets und das Recht zur alleinigen Ausbeutung derselben wird aufgrund der Vertragsbestimmungen ohne zeitliche Begrenzung, der französischen Republik zugesprochen. Dies soll zumindest zu einem kleinen Teil eine deutsche Wiedergutmachung für die enormen, von Deutschen in Frankreich angerichteten, in einigen Gebieten sogar bis heute – mehr als 100 Jahre später – noch sichtbaren Verheerungen und Schäden sein. Die saarländischen Bergleute erhalten 1920 somit allesamt neue Arbeitgeber.

1920: Der Völkerbund setzt nach dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 für das Saargebiet die Commission de gouvernement du bassin de la Sarre, eine international besetzte Regierungskommission ein, welche am 26. Februar 1920 (1) in Saarbrücken ihre Arbeit aufnimmt. Präsidenten der Regierungskommission sind:

Ein Mitglied der Commission de gouvernement du bassin de la Sarre ist immer ein Saarländer.

Postwesen: Das Saargebiet tritt ab dem 29. Januar 1920 erstmals als eigenes Postgebiet in Erscheinung. Erste Ausgaben waren mit „SARRE“ resp. „SAARGEBIET“ überdruckte Werte der bayerischen Post sowie der Reichspost. Bereits 1920 wurde eine eigene Markenausgabe in (Reichs-) Mark verausgabt.

Mit der Einführung der Frankenwährung per 1. Mai 1921 wurden die Werte der ersten Reichsmark-Ausgabe mit neuen Währungsangaben überdruckt. Etwas, was sich 26 Jahre später wiederholen würde.

Das Saargebiet verausgabt in den 15 Jahren seines Bestehens 205 Briefmarken; die letzte Ausgabe erfolgt am 1. Dezember 1934. Der Letzttag der Briefmarken des Saargebiets ist der 28. Februar 1935 (vgl. hier).

1935: Der Volksentscheid im Saarland wird nach langem „Wahlkampf“ (vgl. hier und hier) am Sonntag, 13. Januar 1935, abgehalten.

Die wahlberechtigen Saarländer – von denen viele gar nicht mehr im Saarland leben, sondern von unterschiedlichen nationalsozialistischen Organisationen in Sonderzügen und Bussen dorthin gekarrt werden – entscheiden sich unter anderem unter massivem Einfluss der katholischen Kirche (vgl. hier Anmerkung 8), trotz durchaus bekannter Gräueltaten und menschenverachtender Gesetze mit grosser Mehrheit dem nationalsozialistisch regierten Deutschen Reich beizutreten. Eine Entscheidung die viele von ihnen binnen weniger Monate bereuen werden.

1. März 1935: Das Saargebiet wird nicht, wie von vielen Saarländern angenommen, wieder Bayern und Preussen angegliedert, sondern Reichsland unter dem Nazi-Schergen, ehemals Saar-Beauftragten Hitlers und neu ernannten Reichskommissar Josef Bürckel.

Postwesen: Ersttag der Briefmarken der Deutschen Reichspost im Reichsland Saarland ist der 1. März 1935. Als eigenes Postgebiet tritt das Saarland für die kommenden 12 Jahre nicht mehr in Erscheinung.

Das Saargebiet oder das Saarland als Entität, als territoriale Einheit existiert nicht mehr. Es ist ein gleichgeschalteter Teil des menschenverachtenden und kriegsverherrlichenden Dritten Reichs der Deutschen. Dieser Zustand wird sich für die Saarländer nach langer, schwerer Zeit glücklicherweise noch einmal ändern.

Davon mehr im kommenden Beitrag.

Bis dann

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Folgt dem Projekt Saarphilatelie.com auf Facebook sowie Twitter und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

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(1) Datum der in Saarbrücken abgegebenen Regierungserklärung

Grundwissen Philatelie (XIV) – Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks

Hallo

Ich hatte in meinem Beitrag vom 11. November angekündigt, die im Saarphilatelie-Blog© schon häufig erwähnte Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks aus dem Jahr 1934 vorzustellen.

Fragt ihr euch soeben, was eine Bildpostkartenserie aus der Zeit des Dritten Reiches mit den Briefmarkenausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland zu tun hat?

Die Gedankengänge der verantwortlichen Personen, die Anordnungen und die Vorgänge, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu eigenständigen Ausgaben von Briefmarken für das Saarland führten, werden verständlicher, sobald diese vor ihrem geschichtlichen und sozio-ökonomischen Hintergrund betrachtet werden. Zu diesem Hintergrund zähle ich u.a. das Ende des Ersten Weltkrieges, den Versailler Vertrag und seine Folgen für alle Vertragsparteien, die Weltwirtschaftskrise, die intensive Propaganda im Vorfeld der Saarabstimmung (Volksentscheid) vom 13. Januar 1935 sowie die Folgen dieses Entscheides für die Saarländer und das Saargebiet.

Es gibt auch philatelistische Gründe. Einerseits haben wir gesehen, dass eine der Postkarten dieser Bildpostkartenserie für den Gestalter der Bildmotive der Berufe und Ansichten aus dem Saarland Vytautas Kazimieras Jonynas die Vorlage für das Bildmotiv des 1 Mark-Wertes Saarschleife bei Mettlach bildete (vgl. hier, hier und hier). Doch auch zwei weitere Motive aus der Bildpostkartenserie fanden Eingang in die Bildmotive der Saarbriefmarken, wenn auch erst in den Jahren 1950 resp. 1956. Der Vollständigkeit halber: Einige Motive finden sich auch auf Briefmarken der Volkshilfe-Ausgaben des Saargebietes.

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Ich möchte zu Beginn auf die so harmlos klingende Organisation Saar-Hilfswerk eingehen. Heute würden wir hinter einer solchen Bezeichnung wahrscheinlich eine karitative aber sicherlich gemeinnützige Institution vermuten. Weit gefehlt! Das Saar-Hilfswerk war eine im Jahr 1934 vom Saarbevollmächtigten (1) des Dritten Reiches gegründete, nach dem Führerprinzip aufgebaute, nationalsozialistische Organisation. Der alleinige Zweck dieser Organisation war das Sammeln resp. Eintreiben von Spenden für die intensive – auch kostenintensive – nationalsozialistische Propaganda im Vorfeld der Saarabstimmung vom 13. Januar 1935.

Das schlesische Namslauer Stadtblatt (2) vom Weihnachtstag 1934 bringt auf der Frontseite einen aufschlussreichen Dank des Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers (Adolf Hitler) für Spenden aus Kreisen der Industrie. Selbstverständlich nicht, ohne prominent die Bankverbindung des Saar-Hilfswerks (3) zu nennen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Konsequenterweise war dem Saar-Hilfswerk nur eine kurze Existenz beschieden. Es wurde nach der „gewonnenen“ Saarabstimmung 1935 aufgelöst. Die Akten der Organisation befinden sich heute im Bundesarchiv in Berlin-Lichtenfelde.

So, nach den einleitenden Bemerkungen kommen wir zu den 12 Ansichtskarten der Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks. Postkarten für politische Propaganda einzusetzen war 1934 beileibe keine neue Idee. Jedoch immer noch eine zündende Idee. Postkarten, insbesondere Ansichtkarten, waren nicht nur bei der deutschen Bevölkerung enorm beliebt. Es ist heute im Zeitalter von E-Mail, SMS, Whatsapp, Facebook etc. kaum vorstellbar, dass zwischen den Weltkriegen weltweit Jahr für Jahr schätzungsweise 15 Milliarden Post- und Ansichtskarten verschickt wurden. Das sind etwa 475 Karten pro Sekunde!

Der Bedarf an Postkarten war vorhanden. Die Nazis brauchten die Nachfrage nur befriedigen. Möglichst harmlos und subtil, ohne dass die eigentliche Stossrichtung offensichtlich wurde. Zu diesem Zweck wurde dem Saar-Hilfswerk das Saar-Bild-Archiv angegliedert. Das Saar-Bild-Archiv war eine nationalsozialistische Nachrichten- und Bildagentur zur Belieferung der deutschen und ausländischen Presse mit Materialien zur Saarfrage, in enger Verbindung mit dem Saarbevollmächtigten, dem Saarreferat des Reichs- und preussischen Ministerium des Innern sowie der Saarabteilung der NSDAP. Der Saarreferent Bayerns – den gab es tatsächlich, die Bayern sind da ja eigen – spielte in dem Konzert keine Rolle mehr. Es war in Berlin längst entschieden worden, dass die Einwohner und Gemeinden des Saargebiets nicht wieder an Preussen und Bayern zurückgegliedert würden, sondern als Reichsland „Saarland“ dem frisch ernannten Reichskommissar für das Saarland – trara – Josef Bürckel, dem ehemaligen Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers zu Lehen gegeben würden. Pardon! Von diesem ordnungsgemäss verwaltet werden würden.

Das Saar-Bild-Archiv war eine ad hoc-Einrichtung, verfügte somit – trotz des Namens – nicht über ein eigenes Bild-Archiv. Daraus ergab sich anfangs 1934 eine intensive Korrespondenz mit verschiedenen Verlagen zur – selbstverständlich kostenlosen – Überlassung von Bildmaterial zwecks … Propaganda. Diese Korrespondenz macht einen Grossteil des Aktenvolumens im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde aus.

Die 12 Ansichtskarten waren in einem Streifband eingebunden.

Deutsch ist das Land, das Volk an der Saar – Eisern geschmiedet in Not und Gefahr

Die Aussenseite zeigt unter dem Titel Unser Saargebiet eine Kartenskizze des Saargebiets sowie prominent den Bergmann von der Saar. Der Preis von 30 Pfennig ist für 12 Ansichtskarten sehr moderat und entspricht kaufkraftbereinigt 2018 etwa Euro 1,35. Versucht einmal heute, für Euro 1,35 zwölf Ansichtskarten zu erwerben!

Um Vertriebskanäle musste sich das Saar-Hilfswerk keine Gedanken machen: von HJ (Hitlerjugend), BdM (Bund deutscher Mädels), Saarvereine, NSDAP-Ortsgruppen bis hin zu Schülern und Lehrern wurden alle eingespannt. Nachstehend ein Zitat aus der vom Schulrektor geführten Schulchronik der Schule I in Limburg (an der Lahn) vom 14. Dezember 1934:

„Um 10 ½ Uhr bringt die Post von dem Saarbeauftragten des Führers ein Paket Saarpostkarten (480 Stck) zum Verkauf an die Schüler u. durch die Schüler. Da die Saar-Abstimmung vor der Tür steht, werden sie schleunigst verkauft. An diesem Tage sammle ich Geld: 1) für Saarpostkarten, 2) für Weihnachtskerzen des VDA, 3) für Krippenspiel der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, 4) wir nageln für das Winterhilfswerk (pro Nagel 5 Pf.), 5) für Sippschaftsbogen, die von den Kindern auszufüllen sind.“

Die genaue Reihenfolge, falls es eine festgelegte Reihenfolge überhaupt gab, in welcher sich die 12 Ansichtskarten im Streifband befanden, lässt sich – trotz jahrelanger Recherche – bis auf die erste Ansichtskarte – das Bildmotiv Bergmann von der Saar – nicht genau festlegen. Die Reihenfolge, in welcher ich die Ansichtskarten vorstelle, ist somit völlig zufällig.

Bergmann von der Saar

Das erste Bildmotiv ist der Bergmann von der Saar, eine Skulptur des saarländischen Bildhauers Fritz Koelle, die 1934 vor der Nationalgalerie in Berlin stand. Geschickt gewähltes Motiv: Bergmänner gab es an der Saar zuhauf, der Künstler stammte – obschon bei den Nazis nicht gerade beliebt – aus dem Saarland und die Skulptur stand in Berlin … der Reichshauptstadt!

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Saarschleife bei Mettlach

Das zweite – von mir gewählte – Motiv ist die Saarschleife bei Mettlach. Vorlage für das Bildmotiv des 1 Mark-Werts der 1. Offenburger Ausgabe.

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Burgruine Kirkel

Das dritte Motiv ist eine Ansicht der Burgruine Kirkel, einem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Verteidigungsbau im Osten des Saarlands zwischen den Städten St. Ingbert, Homburg, Neunkirchen und Zweibrücken.

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Ottweiler: Markt und Wehrturm

Das vierte Motiv ist der Marktplatz und der Wehrturm von Ottweiler. Kommt Ihnen dieses Bildmotiv bekannt vor? Ja? Sie brauchen sich nicht wundern. Hier ist die Auflösung: Die saarländische Sondermarke zum 400. Stadtjubiläum im Jahr 1950.

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Das fünfte Motiv stammt aus Saarbrücken und zeig die Ludwigs– sowie die Jakobskirche.

Ludwigskirche, Jakobskirche

Wiederum eine geschickte Motivwahl. Eine repräsentative evangelische Barockkirche neben einer römisch-katholischen Kirche. Man wollte es sich ja mit niemandem verderben, obschon die Nazis grundsätzlich kirchenfeindlich eingestellt waren. Ihr Ziel war: statt Kreuz das Hakenkreuz.

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Das sechste Motiv ist eine – anfangs der 30er-Jahre noch eher seltene – Luftaufnahme der unter militärischen Aspekten angelegten Kasernenstadt Saarlouis. Auf der Propaganda-Ansichtskarte interessanterweise noch als Saarlouis bezeichnet, wurde die Stadt nach dem Anschluss des Saarlandes von den Nazis –  da zu frankophon klingend – zur ungeteilten Begeisterung der Einwohner am Jahrestag der Abstimmung am 13. Januar 1936 in Saarlautern umbenannt.

Sollte dieses Motiv vielleicht – sanft – die bevorstehende Militarisierung des gesamten Saargebiets andeuten?

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Das siebte Motiv visualisiert den für das Saargebiet so wichtigen Kohlenbergbau. Abgebildet ist das Rosseltal (heute der Stadtteil Klarenthal von Saarbrücken) im Süden des Saarlands mit der Grube Velsen.

Grube Velsen

Übrigens. Hatte ich erwähnt, dass dieser Beitrag sehr bildlastig sein würde? Nein? Nun wisst ihr es.

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Winterbergdenkmal Saarbrücken

Kein saarländisches Motiv ist propagandistisch, politisch und emotional so aufgeladen wie das 1874 aus Spenden errichtete Winterbergdenkmal. Erbaut in Erinnerung an den Sieg Preussens über Frankreich in dem von Reichskanzler Fürst Bismarck angezettelten Krieg von 1870/71, wurde es – Ironie der Geschichte – am 10. September 1939 von den Nazis gesprengt.

Warum, zum Teufel, haben die Deutschen, die ja eigentlich liebenswürdige Mitmenschen und Nachbarn sein können, in 150 Jahren fünf, für Europa desaströse Kriege angezettelt?

Müssen wir uns darauf einstellen, dass die Deutschen wieder zuschlagen? Oder wird Ministerin von der Leyen die komplette Kastrierung der deutschen Armee erfolgreich umsetzen können?

Item. Kommt euch dieses Bildmotiv ebenfalls bekannt vor? Auch dieses Mal braucht ihr euch nicht wundern. Das Motiv wurde 1956 für eine drei Werte umfassende Sondermarkenserie zur Finanzierung des Wiederaufbaus des gesprengten Denkmals verwendet.

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Das neunte Motiv war sicherlich so recht nach dem Geschmack der Nazis. Bekenntnissprüche auf Häusern in St. Wendel, die den deutschen Charakter der Gemeinde St. Wendel unterstrichen.

Domplatz St. Wendel

Die Sprüche:

„Ich bin geboren, deutsch zu fühlen. Bin ganz auf deutsches Denken eingestellt. Erst kommt mein Volk, dann all die andren vielen. Erst meine Heimat, dann die Welt.“

„Deutschland und wenn Dich das Elend umnachtet wir haben Dich lieb wie nie zuvor.“

Beim zweiten Spruch drängt sich die Frage auf, ob da Anfang der 30er-Jahre jemand hellseherische Fähigkeiten an den Tag gelegt hat?

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Das zehnte Motiv ist die Gemeinde Tholey mit der 1794 aufgehobenen und seit 1949 wieder bewohnten Benediktiner-Abtei. Die Siedlung Tholey geht auf keltische Wurzeln zurück und war bereits unter römischer Herrschaft besiedelt

Tholey mit ehemaliger Abtei

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Elftes Motiv der Serie ist der Wendelinus-Brunnen mit Blick auf die Basilika von St. Wendel.

Wendelinus-Brunnen

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Das zwölfte Motiv zeigt die Röchlingsche Eisenwerke in Völklingen bei Nacht. Eine eindrucksvolle Aufnahme, auch 85 Jahre nach ihrer Entstehung.

Röchling Eisenwerke in Völklingen bei Nacht

Bis dann

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Anmerkungen

(1) Durch Kabinettsbeschluss seit Mitte November 1933 der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen, der als Katholik den katholischen Klerus für die Sache der Nazis einspannte, ab 28. Juli 1934 dann der stramme Nazi und Gauleiter des Saarlandes Josef Bürckel. Dem Saarbevollmächtigten unterstanden – Führerprinzip – die Saarreferenten Preussens, Bayerns und des Reichs, das Saar-Hilfswerk sowie der Saarpropaganda-Ausschuss

(2) Namslau ist heute eine Gemeinde in Polen und heisst Namyslów

(3) Neustadt an der Haardt ist eine Gemeinde im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz  heisst heute Neustadt an der Weinstrasse

Grundwissen Philatelie (XIII) – Ein Beleg dokumentiert Geschichte

Hallo

1935 war für die Einwohner des Saarlands, dass damals noch Saargebiet hiess – in den Sprachen des Völkerbunds Territoire du bassin de la Sarre resp. Saar Basin – ein wichtiges, ein entscheidendes Jahr. Was zu Beginn des Jahres 1935 niemand wusste oder ahnte: Im Saargebiet wurde in diesem Jahr europäische Geschichte, wenn nicht Weltgeschichte geschrieben.

Blenden wir 15 Jahre zurück. Am 20. Januar 1920 trat der Versailler Vertrag in Kraft, mit welchem offiziell der Friedenszustand zwischen den Siegermächten der Entente und Deutschland nach dem – schon 1920 als solcher bezeichneten – Ersten Weltkrieg wiederhergestellt wurde.

Für mich ist es ein passendes Zusammentreffen, dass wir heute dem Inkrafttreten des Waffenstillstandes am Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedenken. Am 11. November 1918 um 11:00 Uhr Pariser Zeit hatte das Abermillionen von Menschenleben fressende, über vier Jahre andauernde, fürchterliche Gemetzel – alternierend als Schlachthaus, Knochenmühle, Blutpumpe etc. bezeichnet – zumindest an der Westfront ein Ende.

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 wurde die Region an der Saar erstmals räumlich zusammengefasst und als Saargebiet (1) für die kommenden 15 Jahre ein Mandatsgebiet des Völkerbundes. Nach Ablauf von 15 Jahren sollte mittels eines Volksentscheids bestimmt werden, ob das Saargebiet weiterhin ein Mandatsgebiet des Völkerbundes bleiben, ein Teil der Französischen Republik oder ein Teil des Deutschen Reiches werden sollte. Am 27. Januar 1920 löste die vom Völkerbund eingesetzte Regierungskommission die bisherige französische Militärverwaltung ab. Frankreich erhielt vom Völkerbund zur wirtschaftlichen Wiedergutmachung der von Deutschen in Frankreich hinterlassenen Zerstörungen ohne zeitliche Begrenzung das Eigentum an sämtlichen Steinkohlegruben im Saargebiet und das Recht auf alleinige Ausbeutung der Steinkohlevorkommen im Saarbecken.

    

Abb.: Flagge (links) und Wappen (rechts) des Saargebiets von 1920-1935

Schon gegen Ende des Jahres 1933 begann das Nazi-Regime in Deutschland eine intensive Propagandakampagne zur Vorbereitung der auf den 13. Januar 1935 festgesetzten Volksabstimmung. Ein dem Reichskanzler Adolf Hitler direkt unterstellter Saarbevollmächtigter (2) wurde ernannt, ein Saarpropaganda-Ausschuss (3) wurde konstituiert, die vielerorts im Dritten Reich bestehenden Saarvereine wurden gleichgeschaltet, die katholische Kirche und die gleichgeschaltete Presse eingespannt, die wenigen im Saargebiet bestehenden, noch unabhängigen Pressehäuser resp. deren kritische Redaktoren mundtot gemacht (4) und Schüler verteilten Bildpostkarten mit Ansichten aus dem Saarland (5). Die Nazis begannen, im Saargebiet auf den Reichsrundfunk voreingestellte Volksempfänger (Radiogeräte) zu verteilen, um die Saarländer zu erreichen. Die Regierungskommission hatte es dagegen all die Jahre versäumt, einen eigenen Rundfunk im Saargebiet aufzubauen. Der Bund der Saarvereine begann, sämtliche abstimmungsberechtigte Saarländer mit Wohnsitz im Reich resp. im Ausland zu erfassen (6). Über die Saarvereine resp. die Auslandsorganisation der NSDAP wurden diese Saarländer bearbeitet, für die „Heimkehr ins Reich“ zu stimmen.

Ein Beispiel für die intensive Werbung um die im Reich ansässigen Abstimmungsberechtigten. Die Frontseite des „Ramslauer Stadtblatts“ vom Weihnachtstag 1934 bringt gleich drei Artikel zur bevorstehenden Saarabstimmung. Ramslau liegt in Schlesien (heute Namyslów, Polen).

Die Deutsche Reichsbahn begann mir Planungen, sämtliche im Dritten Reich ansässigen, abstimmungsberechtigten (7) Saarländer für den Abstimmungssonntag mit Dutzenden Bussen und Sonderzügen ins oder zumindest örtlich nahe an das Saargebiet zu transportieren. Das Nazi-Regime resp. Nazi-Organisationen wie das Saar-Hilfswerk übernahm in sehr vielen Fällen die – für die von den Folgen der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Menschen – nicht unerheblichen Reisekosten. Dieser gut geschmierten Propagandamaschine des Nazi-Regimes sowie dem erheblichen Einfluss der seit dem Reichskonkordat von 1933 staatstreuen katholischen Amtskirche (8) bei den mehrheitlich katholischen Saarländern hatten die Regierungskommission, die sehr ungeschickt agierenden Franzosen sowie die den Nationalsozialisten ablehnend gegenüberstehenden Kreise im Saargebiet nur wenig entgegenzusetzen.

Ungeschickt agierende Franzosen: Vignette zur Abstimmung auf Französisch schürte Ängste vor dem Verlust der eigenen Sprache und Kultur wie in Elsass-Lothringen

Am Abstimmungssonntag entschieden sich bei einer Wahlbeteiligung von fast unvorstellbaren 98% ganze 90% der abstimmungsberechtigten Saarländer für eine Eingliederung des Saargebiets ans Dritte Reich, der am 1. März 1935 vollzogen wurde. Das Nazi-Regime zahlte 900 Millionen Goldfranken – etwa eine ¾ Milliarde Reichsmark – an Frankreich, um die Eigentumsrechte an den saarländischen Steinkohlegruben zu erwerben.

Etwa 2 bis 3 Prozent der saarländischen Bevölkerung verliess nach diesem eindeutigen Abstimmungs-Ergebnis – zum Teil fluchtartig – das Land. Die meisten von Ihnen Warner vor dem menschenverachtenden Nationalsozialismus, wie der spätere Regierungschef des Saarlandes Johannes Hoffmann, sowie fast alle Menschen jüdischen Glaubens.

Die für das Saargebiet ausgegebenen, und auf französische Franc lautenden Briefmarken verloren am 28. Februar 1935 um Mitternacht ihre Gültigkeit. Ab dem 1. März 1935 besassen ausschliesslich die Briefmarken der Deutschen Reichspost Frankaturkraft.

Der nachfolgende Beleg ist daher so interessant, da er einerseits zwei Letztagsstempel von Mitternacht auf einer nicht portogerecht – es wären 30 Centimes zu verkleben gewesen – frankierten Postkarte mit einem Erstverwendungsstempel auf einer 3 (Reichs-) Pfennig-Sonderbriefmarke, der Deutschen Reichspost zum Anlass der Eingliederung des Saarlandes, vereint.

Dieser Beleg ist philatelistisch beeinflusst, was durch die Rückseite der Postkarte mit den Abbildungen sämtlicher, im Saargebiet im Vorfeld der Volksabstimmung ausgegebenen Saarbriefmarken betont wird. Obschon der Tenor der Postkarte klar Pro-Deutsch ist, lief der Beleg zu einem Empfänger in Frankreich, wo er am 2. März 1935 im Postamt Douai abgeschlagen wurde.

Philatelistisch inspirierte Postkarten wurden 1935 viele hergestellt. Hier ein simples Exemplar aus dem Hause Hermann. E. Sieger.

Schön zu sehen, wie auch auf dem nachfolgenden Beleg, der Sonderwerbestempel Saarbrücken vom Ersttag mit den ersten Noten des Saarlandlieds von Hanns Maria Lux.

Wie hätte sich die Geschichte entwickelt, wenn die Saarabstimmung von 1935 anders ausgegangen wäre? Wenn Adolf Hitler 1935 nicht einen aussenpolitischen Triumph hätte feiern können, der sein Prestige im In- und Ausland massiv steigerte? Hätte er im März 1935 die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht – auch für Saarländer – sowie die Existenz der heimlich aufgebauten Luftwaffe verkündet? Hätte er 1936 das entmilitarisierte Rheinland besetzt oder ab Juli offen den aufständischen, faschistischen General Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg unterstützt? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass am 13. Januar 1935 in den Abstimmungslokalen des Saargebiets Geschichte geschrieben wurde.

Bis dann

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Anmerkungen

(1) Artikel 45-50 Versailler Vertrag

(2) Durch Kabinettsbeschluss seit Mitte November 1933 der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen, der als Katholik den katholischen Klerus für die Sache der Nazis einspannte, ab 28. Juli 1934 dann der stramme Nazi und Gauleiter des Saarlandes Josef Bürckel. Dem Saarbevollmächtigten unterstanden – Führerprinzip – die Saarreferenten Preussens, Bayerns und des Reichs, das Saar-Hilfswerk sowie der Saarpropaganda-Ausschuss

(3) Der Saarpropaganda-Ausschuss konstituierte sich im Dezember 1933.

(4) Die meist kleinen Pressehäuser an der Saar wurden bereits seit Jahren mittels Krediten und Papierlieferungen vom Deutschen Reich alimentiert

(5) Zu der Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks erscheint demnächst ein separater Beitrag im Saarphilatelie-Blog©

(6) In der deutschen Presse wurden Aufrufe geschaltet, dass sich potentielle Abstimmungsberechtigte zwecks Registrierung bei der örtlichen Polizeidienststelle melden sollten. Im Rundfunk und in den Lichtspielhäusern sowie durch Anzeigen in überregionalen Zeitungen und kleinsten Lokalblättern wurden die im Reich lebenden Saarländer ermahnt, „ihre vaterländische Pflicht zu erfüllen“.

(7) Abstimmungsberechtigt waren nach Artikel 50 des Versailler Vertrags, Anlage §34, alle Saarländer, die am 28. Juni 1919 – dem Tag der Unterzeichnung des Vertrages – ihren Wohnsitz in einer Gemeinde des Saargebiets und am Abstimmungstag das 20. Lebensjahr vollendet hatten.

(8) Hirtenbrief der auf ausdrückliche Anordnung der Bischöfe von Trier und Mainz vor der Abstimmung in allen katholischen Kirchen des Saarlandes verlesen wurde: „Am Sonntag, dem 13. Januar 1935, wird im Saargebiet die Volksabstimmung stattfinden über die Frage, ob dieses deutsche Land und seine Bewohner in der durch den Versailler Gewaltfrieden aufgezwungenen Trennung vom Deutschen Reich verbleiben sollen. Als deutsche Katholiken sind wir verpflichtet, für die Grösse, die Wohlfahrt und den Frieden unseres Vaterlandes uns einzusetzen. Deshalb verordnen wir, dass am genannten Sonntag in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet drei Vaterunser und Ave Maria gebetet werden, um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen.“