Probedrucke 1. Offenburger Ausgabe

Hallo

Die Corona-Pandemie schränkt die öffentlichen Aktivitäten von uns Briefmarken-Sammlern  ein. Andererseits bescheren uns die allgemeinen Einschränkungen auch viel Zeit, welche wir sinnvoll für unsere Familien und unser schönes Hobby einsetzen können.

Worüber schreibe ich im heutigen Beitrag? Der Titel ist der Stichwortgeber: Probeabzüge.

Wenn wir uns an unseren Exemplare der 1. Offenburger Ausgabe erfreuen, wissen wir wahrscheinlich, wann diese ausgegeben wurden: zwischen dem 20. Januar und dem 7. März 1947. Einige von uns wissen sogar, wann und wo die Marken hergestellt wurden: zwischen dem 27. Dezember 1946 und dem 21. Februar 1947 in der Druckerei Franz Burda in Offenburg.

Den wenigsten von uns dürfte jedoch beim Anblick der Briefmarken bewusst sein, dass die Arbeiten an den Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland bereits viel früher begonnen hatten.

Der Entscheid der französischen Militärbehörden in Saarbrücken und Baden-Baden neben den Briefmarken der Ausgabe Wappen und Dichter eine weitere Briefmarkenausgabe ausschliesslich für das Saarland auszugeben, dürfte im Sommer 1946 gefallen sein. Ich gehe davon aus, dass die territoriale Erweiterung des Saarlandes zu Lasten der französischen Besatzungszone mit Wirkung vom 20. Juli 1946 sowie die etwa einen Monat später, mit Verordnung vom 30. August 1946, erfolgte Gründung des Landes Rheinpfalz die Auslöser für die Arbeiten waren.

 

Zu den vorbereitenden Arbeiten gehörten neben dem Entwurf der Bildmotive durch den vielseitig begabten Künstler Vytautas Kazimieras Jonynas auch die Entscheide über die Zuordnung von Bildmotiven und Werten sowie die Zuordnung von Werten und Farben. Für all diese Entscheide wurden Druckproben benötigt.

Der gezeigte Probedruck in einer hellorangen Farbe ist sehr aufschlussreich, zeigt er uns doch von links nach rechts:

    • ein mit dem endgültigen Ergebnis weitgehend übereinstimmendes Bildmotiv Alter Turm
    • ein abweichendes Bildmotiv Bäuerinnen, dazu noch mit einem „falschen“ Wert
    • ein mit dem endgültigen Ergebnis weitgehend übereinstimmendes Bildmotiv Bergmann, mit „spitzem Anstrich der 1 der Wertangabe 12“
    • ein mit dem endgültigen Ergebnis weitgehend übereinstimmendes Bildmotiv Saarschleife, wenn auch noch ohne Entwerfernamen
    • ein mit dem endgültigen Ergebnis weitgehend übereinstimmendes Bildmotiv Denkmal Maréchal Ney

Die kleinformatigen Werte tragen links unten einen Hinweis, den ich auf der mir freundlicherweise zur Verfügung gestellten Kopie leider nicht entziffern kann. Aufgrund des Ausrufezeichens gehe ich davon aus, dass es ein Hinweis auf die noch nicht erfolgte Druckfreigabe ist.

Wenn wir unsere Briefmarken das nächste Mal betrachten, ist uns klar, dass die Arbeiten zu diesen kleinen Kunstwerken begannen lang bevor die Druckmaschine das erste mal angeworfen wurde.

Bis dann

Belege (VII) – Eine Ansichtskarte mit Fragezeichen

Hallo

Ich stelle euch in diesem Beitrag einen sehr interessanten Beleg aus der Sammlung zur Postgeschichte der Saar-Region vor.

Im Sommer 1953 unternimmt ein belgisches Paar eine Urlaubsreise in das inzwischen souveräne Saarland. In Saarbrücken kauft es eine Ansichtskarte mit einem Foto der Ludwigskirche . Diese sendet das Paar, versehen mit ein paar Zeilen und korrekt mit 18 Francs frankiert von Saarbrücken an Freunde daheim in Liége.

Soweit ein ganz normaler Vorgang. Nachfolgend Scans von Rück- sowie Vorderseite der Ansichtskarte.

© Sammlung Saarphilatelie.com

Text

Chers Amis Le 28/6/53   / Un bonjour de Saarbrucken / nous avons un temps superbe / pour notre premier voyage / en Saarre / Nanie et Jules / on voyage en Sarre avec la carte / d’identité Belge sans autres documents

Übersetzung

Liebe Freunde Der 28/6/53   / Hallo aus Saarbrücken / wir haben schönes Wetter / für unsere erste Reise / ins Saarland / Nanie und Jules / wir reisen in das Saarland [allein] mit der belgischen Identitätskarte ohne andere Dokumente

Interessant ist das Erstaunen der belgischen Touristen über das formalitätslose Reisen im inzwischen souveränen Saarland. Alles, was sie brauchen ist ihre belgische Identitätskarte. Das visumsfreie Reisen in ihre Nachbarländer Frankreich und die Niederlande ist für Belgier eine Selbstverständlichkeit. Woher rührt dann das sogar schriftlich fixierte Erstaunen? Das souveräne Saarland hatte bis Kriegsende 1945 zum Deutschen Reich gehört und für Reisen in das Deutsche Reich wie auch in die gerade erst von den Alliierten Westmächten gegründete, nicht souveräne Bundesrepublik benötigten belgische Touristen über Alter 15 Jahre Reisepass und Visum (vgl. Anm. 1; diese Regelung wird am 1.  Juli 1953, also drei Tage nach Aufgabe dieser Ansichtskarte in Saarbrücken aufgehoben). Da unsere beiden belgischen Touristen erstmals das Saarland bereisen, ist ihnen die Unabhängigkeit des Saarlandes wahrscheinlich bekannt, die genauen Auswirkungen derselben jedoch nicht bewusst gewesen. Nun schreiben sie ihren Freunden in Belgien: „Schaut, Saarland ist nicht gleich Deutschland. Hier ist alles anders und selbst das Reisen funktioniert ohne grosse Formalitäten.“

Schon vor dem Hinterrund der visumsfreien Einreise hat dieser Beleg einen Platz in der Sammlung zur Postgeschichte der Saar-Region verdient.

Das wirklich spannende Detail dieses Beleges ist nicht der Text, sondern philatelistischer Natur. Es ist die – sehr aussergewöhnliche – Frankatur. Obschon die Auslandspostkarte mit 18 Franc korrekt frankiert ist (2), sind es die verwendeten Briefmarken nicht. Verklebt wurden in Mischfrankatur zwei französische Briefmarken aus der Freimarkenserie Marianne de Gandon (3); eine Marke zu 8 Franc (Yt FR 810) und eine zu 10 Franc (Yt FR 811). Die Marianne, dargestellt als Frauenkopf mit phrygischer Mütze ist die französische Nationalfigur ähnlich der Schweizer Helvetia oder der bayerischen Bavaria. Gleichzeitig ist die Marianne eine Allegorie für die Révolution française.

Mir stellen sich gleich zwei komplexe Fragen:

    • Weshalb frankiert ein belgisches Touristenpärchen im Saarland eine saarländische Ansichtskarte mit französischen Briefmarken? Diese wurden meines Wissens nach nicht in saarländischen Postämtern verkauft. Wie gelangten diese Briefmarken also in deren Besitz?
    • Wieso wird eine ungültige – wenn auch portogerechte – Frankatur vom Postamt Saarbrücken am Abend (nach 20:00 Uhr) des 28. Juni 1953 anstandslos mit einem Maschinenwerbestempel entwertet und befördert (ich habe diesen Beleg in Belgien erstanden).

Über diese Fragen lässt sich herrlich spekulieren. Völlig befriedigende Antworten werden sich wohl nicht finden.

Bis dann

__________

(1) Für die Bundesrepublik galt von ihrer Gründung bis zum 1. Juli 1953 die während des Nationalsozialismus‘ eingeführte Verordnung über den Pass- und Sichtvermerkszwang sowie über den Ausweiszwang vom 10. September 1939 (RGBl. I S. 1739); verschärft durch Verordnung vom 20. Juli 1940 (RGBl. I S. 1008)

(2) Portoperiode 1. Mai 1951 bis 5. Juli 1959

(3) Die vom Graphiker Pierre Gandon (1899-1990) entworfene und vom Graveur Henri Cortot (1892-1950) gestochene Marianne wurde im Zeitraum 1945-1955 als Bildmotiv französischer Briefmarken verwendet. Henri Cortot ist uns Saarlandsammlern als Graveur der Bildmotive der Werte zu 5, 8, 20 und 30 Pfennig (SP3, SP4, SP8, SP10) der Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter bekannt

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Wappen und Dichter – Die ersten Briefmarken für das Saarland (V)

Wappen und Dichter – Spezialitäten

Hallo

In den Ferien konnte ich für einen Beleg erwerben, der schön zur Thematik des letzten Betrags passt. Das Interessante an diesem Beleg ist, dass bestimmte Fragen offen bleiben – vielleicht für immer.

Bereits im letzten Beitrag hatte ich euch einen Beleg gezeigt, der eine portogerechte Mischfrankatur aus den Ausgaben Wappen und Dichter, Berufe und Ansichten aus dem SaarlandOriginalausgabe wie auch Neuausgabe – vom 27. November 1947, dem letztmöglichen Datum einer solchen Frankatur trägt. Dieser Beleg lief innerhalb des Saarlandes von Höcherberg (Mittelbexbach) nach Neunkirchen.

Der Beleg, den ich euch im Folgenden vorstellen werde, dokumentiert drei postalische Spezialitäten nach der Währungsreform vom 19. November 1947:

    • das letztmögliche, offizielle Verwendungsdatum von Marken der Ausgabe Wappen und Dichter sowie der 1. Offenburger Ausgabe; grundsätzlich war dies auch das letztmögliche, offizielle Verwendungsdatum für die Marken der 2. Offenburger Ausgabe, die ohne Währungsüberdruck an die Postschalter gelangten – also der Werte zu 15 resp. 24 Pfennig
    • eine portogerechte Frankatur aus allen drei Briefmarkenausgaben der Militärbehörden der Zone d’occupation française en Allemagne resp. des Saarlandes für das Saarland, also:
      • Wappen und Dichter
      • 1. Offenburger Ausgabe
      • Malstatt-Burbacher Druck (mit Überdruck in Frankenwährung)
    • den Wechsel in der postalischen Behandlung Frankreichs von „Ausland“ zu „Inland“; eine Vorwegnahme der wenige Wochen später abgeschlossenen Zoll- und Währungsunion zwischen dem Saarland und Frankreich
Saarlouis, 27. November 1947 (Adressseite), © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
Rückseite des leeren, verschlossenen und ungeöffneten Umschlags; es fehlt ein Absender

Drei Fragen, die ein Philatelist immer stellt, wenn er einen Beleg in die Hand nimmt:

    • Ist der Beleg zeitgerecht?
    • Ist der Beleg portogerecht?
    • Handelt es sich um einen Bedarfsbrief?

Die erste Frage haben wir bereits beantwortet. Der Umschlag, die für die Frankatur verwendeten Marken, der Stempel Saarlouis 1b mit der typischen schriftgeraden Leitgebietszahl 18, das Datum der Abstempelung sowie die Empfängeradresse: alles zeitgerecht.

Die zweite Frage können wir ebenso rasch beantworten. Das Porto für einen Brief der 1. Gewichtsstufe bis 20 Gramm von Saarlouis nach Frankreich betrug nach der Währungsreform ab dem 20. November 1947 6 Franken (vgl. hier).

    • der Brief wiegt kaum 10 Gramm und fiel in die 1. Gewichtsstufe: der verschlossene und bis heute ungeöffnete Umschlag ist nämlich leer
    • 2 Franken wurden abgedeckt durch eine Marke zu 12 Pfennig (Originalausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland, die Neuausgabe war noch nicht gedruckt) mit Überdruck 2 F
    • 4 Franken wurden abgedeckt durch eine Marke zu 8 Pfennig Wappen und Dichter sowie eine Marke zu 12 Pfennig Berufe und Ansichten aus dem Saarland
fast schon perfekte Stempelabschläge „Saarlouis 1b“, © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Zur Erläuterung: Der Umrechnungskurs (Saar-) Mark zu Franken wurde für die Währungsumstellung zu 1:20 fixiert; also 1 Mark = 20 Franken, resp. für den konkreten Fall: 20 Pfennig = 4 Franken.

Für die Saarländer bedeuteten die ab dem 20. November 1947 geltenden neuen Tarife eine Erhöhung des Portos für den Inlandsbrief. Kostete ein Brief der 1. Gewichtsstufe bis 20 Gramm bislang 24 Pfennig (4,80 Franken) mussten nun 6 Franken berappt werden. Dafür fiel das Auslandsporto nach Frankreich weg, was insbesondere Gewerbetreibende, deren Produkte überwiegend aus Frankreich stammten, positiv vermerkt haben dürften.

Die dritte Frage lautet: Ist es ein Bedarfsbrief? Diese Frage kann definitiv mit Nein beantwortet werden:

    • der Umschlag war und ist nachweisbar leer
    • der Adressat und dessen Adresse sind gestempelt, was die Vermutung nahelegt, dass Adressat und Absender (Adressent) ein und dieselbe Person waren; weshalb sonst sollte der Adressent im Besitz eines Adressstempels des Adressaten sein
    • die Stempelabschläge sind fast schon perfekt zu nennen (Gefälligkeitsabstempelung)
    • der Umschlag weist keinerlei Postlaufspuren auf, was die postalische Beförderung des Briefes unwahrscheinlich macht

Mein Fazit: dieser Beleg ist zwar philatelistische Mache, jedoch macht das nichts. Erstens war der Macher mehr als nur philatelistisch angehaucht. Zweitens wären beispielsweise die heutigen Sammler von originalen, tatsächlich beförderten Zeppelinbelegen arm dran, hätte nicht ein windiger und findiger Händler aus Lorch in Württemberg namens Sieger frühzeitig eine riesige Menge solcher Belege „gemacht“. In der Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg fällt mit zu diesem Thema auch das Stichwort Prell-Briefe ein. Der in Chemnitz wohnhafte, philatelistisch gut bewanderte Lehrer Walter Prell hat eine grosse Menge Belege aus sämtlichen Zonen des besetzten ehemaligen Deutschen Reichs an sich selbst versandt resp. mit Gefälligkeitsstempeln versehen lassen.

__________

Zu Beginn des Beitrages schrieb ich, das Interessante an diesem Beleg sei, dass Fragen offen bleiben würden. Nachstehend einige dieser offenen Fragen:

Wer war der Adressent? Wir dürfen vermuten, dass es sich um Lieutenant Gérig handelt. Jedoch: Vielleicht hatte der tatsächliche Adressent auch nur einen stehenden Auftrag des Adressaten, ihm philatelistisch interessante Belege zuzusenden; dies wäre eine mögliche Erklärung für den Besitz des Adressstempels.

Wer war Lieutenant Gérig, der entweder in Lyon stationiert oder dessen Heimatstandort in Lyon war? Eine – zugegebenermassen oberflächliche Recherche hat hierzu nichts zutage gebracht. Solltet ihr Hinweise zu dem Adressaten haben, wäre ich über eine Kontaktaufnahme dankbar (vgl. Impressum).

Ach ja … ich finde es erstaunlich, wie rasch die Briefmarkensammler nach diesem jahrelangen, mörderischen Vernichtungskrieg, den die Deutschen losgetreten hatten, begannen, „normal“ zu agieren.

Bis dann

__________

P.S. Rückschlag

Ich hätte gerne noch das eine oder andere Detail zur Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter und dessen Bedeutung für die Saarphilatelie geschrieben und hatte bereits in Rücksprache mit dem zuständigen Vorstandsmitglied Rolf Bechtler eine Bestellung für Informationsmaterial bei der ArGE Französische Zone platziert. Für das unvollständige 2. Kapitel des Handbuchs FZ sollte ich für Euro 10, die Chronologie sowie einige Artikel aus Rundbriefen zu einem Vorzugspreis erhalten. Der Vorstand der ArGe Französische Zone hat jedoch dann überraschen einen Kurswechsels um 180° vorgenommen und mir klar kommuniziert, dass mir diese Informationen von der ArGe Französische Zone nur gegen Zahlung von richtig grossem Geld zur Verfügung gestellt würden.

Ich bin da ganz offen: Ich kann es mir schlicht nicht leisten, für das Handbuch FZ, von welchem ich ein einziges, nicht einmal fertiggestelltes Kapitel benötige, Euro 270 plus Versand und für jeden Rundbrief, aus welchem ich vielleicht – ausgewählt aufgrund des Titels – einen Artikel lesen möchte, Euro 10 pro PDF-Version zu bezahlen.

All die Zeit und den Aufwand für Recherche, für Material, für die Webadressen der Website und des Weblogs, für die Inhalte, für die Information der Leser via Facebook in Höhe von mehreren hundert Euro pro Jahr stemme ich bereits im dritten Jahr finanziell allein und ohne die Leser mit Werbung zu plagen.

Dennoch wird mir seitens der vereinsmässig straff organisierten Philatelie unterstellt, dass ich ja aus meiner angebotenen Prüfertätigkeit Einnahmen generiere und mir die Ausgaben für die Informationen leisten können müsste.

Angebot ist nicht gleich Nachfrage … das sollten insbesondere Vorstände wissen. Ich habe als freier, von Prüfvereinen unabhängiger Prüfer für die Originalausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland bislang für einen einzigen Händler sieben Briefmarkenprüfungen erstellt, die geprüften Marken wurden anstandslos verkauft. Nur, diese Prüfungen habe ich sämtlich gratis, resp. gegen Überlassung einer einzelnen Briefmarke meine Sammlung vorgenommen. Mein Prüfgebiet erfreut sich nicht gerade grosser Nachfrage. Die Ausgaben für die Prüfgeräte, angefangen von Mikroskop, UV-Prüfer, Waage, Mikrometer, Dokumentvorlagen, Siegel etc. sowie die umfangreiche, dahinterstehende Literatur, werde ich wohl bis an mein Lebensende nicht amortisieren.

Doch irgendwelche Vereinsbünzlis wissen es ja immer besser und haben wohl auch noch Spass daran, jedem, der versucht mit seinem Briefmarken-Projekt die Sammler zu informieren und unabhängig von Bezahlangeboten zu machen, dicke Knüppel zwischen die Briefmarken-Beine zu werfen.

Was bleibt: Frust und das Wissen, dass ich euch, die Leser des Saarphilatelie-Blogs, nicht so informieren kann, wie ich es vielleicht möchte.

So, ich musste das loswerden, in den letzten Wochen war ich ganz kurz davor, Saarphilatelie.com zu beerdigen.

Bis dann

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Wappen und Dichter – Die ersten Briefmarken für das Saarland (IV)

Wappen und Dichter – Die Zwischenstegpaare

Hallo

Im vorhergehenden Beitrag zur Ausgabe Wappen und Dichter habe ich Ihnen die Zwischenstegpaare der Werte 1 Pfennig bis 10 Pfennig im Detail vorgestellt.

In diesem Beitrag folgen die Zwischenstegpaare der Werte 12 Pfennig bis 30 Pfennig, einige Statistik und einige Belege. Letztere zur Vertiefung der Erkenntnis, dass die Werte der Ausgabe Wappen und Dichter auch Saarbriefmarken sind. Ausgegeben von den französischen Militärbehörden der Zone d’occupation française en Allemagne nicht ausschliesslich für das Saarland, aber auch für das Saarland.

__________

Zwischenstegpaare und mögliche Maschinennummern

12 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 16
    • Bildmotiv: Wappenschild der Pfalz
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: J. (Jules) Piel 1882-1978, französischer Graveur

_____

15 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 17
    • Bildmotiv: Wappenschild der Stadt Saarbrücken, ein Wappen des Saarlandes existierte – noch – nicht
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: J. (Jules) Piel 1882-1978, französischer Graveur

_____

20 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 17
    • Bildmotiv: Wappenschild Württembergs
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: H. (Henri) Cortot 1892-1950, französischer Graveur

_____

24 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 17
    • Bildmotiv: Wappenschild der Stadt Saarbrücken, ein Wappen des Saarlandes existierte – noch – nicht
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: J. (Jules) Piel 1882-1978, französischer Graveur

_____

30 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 16, 17
    • Bildmotiv: Wappenschild Badens
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: H. (Henri) Cortot 1892-1950, französischer Graveur

_____

Euch sind sicherlich drei Dinge aufgefallen:

    • Mit Ausnahme des Bildmotivs Rheinland gilt: Werte mit demselben Bildmotiv weisen dieselben Maschinennummern auf.
    • Die einzige Maschinennummer, die bei allen Werten auftritt, ist die 15.
    • Einzig beim Bildmotiv Baden treten alle drei Maschinennummern auf.
Übersicht Maschinennummern

_____

Maschinennummer 15

Maschinennummer 16

Maschinennummer 17

__________

Die Werte der Wappen und Dichter sind auch Saarbriefmarken

Sicher, die Ausgabe war bereits im Druck resp. einige Werte bereits verausgabt, als die provisorische französische Regierung unter Charles de Gaulle und danach Félix Gouin die seit dem 10. Juli 1945 vorbereitete Trennung des Territoire de la Sarre vom Rest der Zone d’occupation française en Allemagne Schritt für Schritt umsetzte. Ab dem 16. Februar 1946 unterstand das Saarland nicht mehr dem Alliierten Kontrollrat und war damit de facto eine französische Kolonie unter einer eigenen Militärregierung (weshalb frankophone Briefmarken-Kataloge die Saarbriefmarken auch unter Colonies françaises führen). Die offizielle Sprachregelung bezeichnete das Saarland als Protektorat, was in Zeiten der aktiv betriebenen Dekolonisation – Libanon, Syrien, Transjordanien, Indien etc. – wohl politisch sinnvoll war, obschon das deutsche Wort für Protektorat, Schutzgebiet, eher unschöne Erinnerungen wachgerufen haben dürfte.

Am 22. Dezember 1946 wurde der Status des Saarlandes als französische Kolonie durch die von den Alliierten Siegermächten gebilligte Errichtung einer Zollgrenze zum besetzten ehemaligen Deutschen Reich zementiert. Dieser Status änderte sich innert eines Jahres – so schnell kann es gehen – mit der von Frankreich im Dezember 1947 gewährten Autonomie und dem Abschluss einer Wirtschafts- und Zollunion zwischen dem ehemaligen Mutterland Frankreich und dem nun (teil-) souveränen Saarland. Mit Abzug des Hohen Kommissars und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Frankreich und dem Saarland – praktischerweise mutierte der Hohe Kommissar Gilbert Grandval zum Botschafter Frankreichs – wurde das Saarland 1952, lange vor Österreich und der Bundesrepublik Deutschland, endgültig souverän.

Wappen und Dichter als Vorläufer im Saarland

Saarlouis, 19. Mai 1946, © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
Namborn 25. September 1946, © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Wappen und Dichter als Mitläufer bis zum letzten Gültigkeitstag

Mettlach, 5. März 1947, © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
Reisbach, 13. März 1947, © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
Saarlouis, 28. März 1947, © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
Höcherberg, 27. November 1947, © Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

__________

Sommerzeit ist Ferienzeit, das gilt auch für mich. Der nächste Beitrag erscheint wie gewohnt am Sonntag, 4. August 2019.

Bis dann

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Wappen und Dichter – Die ersten Briefmarken für das Saarland (III)

Wappen und Dichter – Die Zwischenstegpaare

Hallo

Im vorhergehenden Beitrag zur Ausgabe Wappen und Dichter habe ich euch die 13 Werte von 1 Pfennig bis 5 Mark (SP1-SP13) im Detail vorgestellt. Eine philatelistische Spezialität, welche bei dieser Ausgabe ausschliesslich bei den Pfennig-Werten auftritt, sind die Zwischenstegpaare.

Der Begriff Zwischenstegpaar sagt euch nichts? Ohne an dieser Stelle auf den Herstellungsprozess der Ausgabe Wappen und Dichter bei der französischen Staatsdruckerei in Paris einzugehen, eine simple Erklärung: Die Druckbögen der Pfennig-Werte – nicht diejenigen der Mark-Werte – bestehen aus 100 Marken, angeordnet in 10 waagerechten Reihen mit je 11 Feldern. Sie stutzen, rechnen und kommen auf 110 Marken pro Druckbogen? Die Erklärung für diese Diskrepanz ist einfach. Das jeweils 6. Feld jeder Markenreihe ist ein unbedrucktes Leerfeld.

Druckbogen 10 Pfennig-Wert Wappen und Dichter SP5, 96686 vom 24. November 1945 (Raschke)

Wie bei vielen Marken französischer Provinienz findet sich auch auf den Druckbögen der Wappen und Dichter auf dem Bogenrand links unten die Bogennummer und rechts unten das Druckdatum. Auf dem zweituntersten Leerfeld, sozusagen „Feld 86“, ist die Zahl 15 aufgedruckt. Dies ist die Maschinennummer; auf die Maschinennummer werden wir später noch zurückkommen. Ebenfalls gut sichtbar sind die Passerzeichen, da sämtliche Pfennig-Werte der Ausgabe Wappen und Dichter im Dreifarben-Buchdruck hergestellt wurden. Was auffällt: Die Druckbögen weisen im Gegensatz zu den Schalterbögen der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland keine Reihenwertzähler auf.

Zurück zum Zwischenstegpaar. Wie der Begriff schon sagt, besteht ein Zwischenstegpaar aus zwei Marken mit dazwischen liegendem Leerfeld.

1 Pfennig Zwischenstegpaar, SP1 ZW

Wenn ich ein Zwischenstegpaar sehe, insbesondere als Frankatur auf einem Brief, stellt sich mir die Frage, ob  Zwischenstegpaare tatsächlich für postalische Verwendung am Schalter verausgabt wurden, oder ob es sich bei diesen um generische Sammlermarken handelt. Was meint ihr?

Bei den Mark-Werten der Ausgabe Wappen und Dichter, die im Gegensatz zu den Pfennig-Werten im Stichtiefdruck-Verfahren hergestellt wurden, treten Zwischenstegpaare nicht auf; dafür findet der Sammler Marken mit anhängendem Leerfeld oben resp. unten. Das mittlere Leerfeld des unteren Bogenrands trägt die Maschinennummer (auch Maschinenzeichen genannt) der jeweiligen Druckmaschine. Ergo kamen beim Druck der Werte der Wappen und Dichter – anders als bei der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland – mehr als eine Druckmaschine zum Einsatz.

Druckbogen 1 Mark-Wert Wappen und Dichter SP11, 24427 vom 4. Dezember 1945 (Raschke)

__________

Zwischenstegpaare und mögliche Maschinennummern

1 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 16
    • Bildmotiv: Wappenschild der Rheinprovinz
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: J. (Jules) Piel 1882-1978, französischer Graveur

_____

3 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 16
    • Bildmotiv: Wappenschild der Pfalz
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: J. (Jules) Piel 1882-1978, französischer Graveur

_____

5 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 17
    • Bildmotiv: Wappenschild Württembergs
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: H. (Henri) Cortot 1892-1950, französischer Graveur

_____

8 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15, 16, 17
    • Bildmotiv: Wappenschild Badens
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: H. (Henri) Cortot 1892-1950, französischer Graveur

_____

10 Pfennig-Wert

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com
    • Mögliche Maschinennummern: 15
    • Bildmotiv: Wappenschild der Rheinprovinz
    • Design: R. (Robert) Louis 1902-1965, französischer Heraldiker
    • Gravur: J. (Jules) Piel 1882-1978, französischer Graveur

__________

Im kommenden Beitrag werde ich euch die Zwischenstegpaare der Werte 12 Pfennig bis 30 Pfennig vorstellen und eine tabellarische Übersicht der möglichen Maschinennummern an die Hand geben.

Bis dann

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Wappen und Dichter – Die ersten Briefmarken für das Saarland (II)

Wappen und Dichter – Die einzelnen Werte

Hallo

Geht es euch auch so? Bringt ihr die Briefmarken-Ausgabe Wappen und Dichter, umgangssprachlich auch als Allgemeine Ausgabe bezeichnet ausschliesslich mit dem Sammelgebiet „Französische Zone“ in Verbindung? Also mit den Briefmarken der späteren Länder der Zone d’occupation française en Allemagne Baden, Rheinland-Pfalz und Württemberg-Hohenzollern? Falls ja, befinden ihr euch in bester Gesellschaft.

Meiner Ansicht nach ist diese sehr einseitige Sicht auf die Ausgabe Wappen und Dichter vor allen auf die nicht immer nachvollziehbare Art der Katalogisierung im Michel-Katalog zurückzuführen.

Ich will nicht darauf hinaus, dass die Augabe Wappen und Dichter auch beim Sammelgebiet Saarland aufgeführt werden sollten. Nein, ich will hier nicht der Doppelspurigkeit das Wort reden. In einer 5. Auflage eines Saar Spezial-Kataloges müsste jedoch die Ausgabe Wappen und Dichter als Vor- und Mitläufer der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland definitiv einen Platz haben. Nur habe ich da wenig Hoffnungen. Beim Schwaneberger-Verlag wird auch weiterhin nur mit Copy/Paste gearbeitet werden; alter Wein in neuen Schläuchen, teuer verkauft.

Item. Ich empfehle euch, insbesondere den geschichtlich interessierten unter euch, die Zuordnung der einzelnen Sammelgebiete im Michel-Briefmarkenkatalog durchaus kritisch zu betrachten.

Die Briefmarkenausgaben für die Saar-Region erstrecken sich – mit einem Unterbruch während der Diktatur des „Dritten Reichs“, über fast vier Jahrzehnte und vier Sammelgebiete:

    • 1920-1935, Saargebiet, Deutschen Reich unter treuhänderischer Verwaltung des Völkerbunds, ergo Sammelgebiet Deutsches Reich
    • 1945-1947, Territoire de la Sarre, französische Annektion, ergo Sammelgebiet Frankreich, Kolonialausgaben
    • 1947-1956, Saarland, (teil-) souveräner Staat, ergo eigenes Sammelgebiet evtl. Sammelgebiet Westeuropa
    • 957-1959, Bundesland der BRD, meist bildgleiche Ausgaben, ergo Sammelgebiet Bundesrepublik Deutschland

Nach diesem kurzen Exkurs zurück zu der Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter. Die Werte dieser Ausgabe waren im Saarland von Dezember 1945 bis zum 27. November 1947 frankaturgültig. die Marken waren somit Vor- und Mitläufer der Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland und zwar anfänglich auch des Malstatt-Burbacher Drucks. Interessant ist dies insbesondere deshalb, da die Nominale der Wappen und Dichter ja auf Reichsmark und-pfennige lauteten und dies – anders als bei den Werten der 1. Offenburger Ausgabe nach der Währungsumstellung vom 16. Juni 1947 – in den Ländern der Zone d’occupation française en Allemagne auch weiterhin gegen diese schwindsüchtige Währung verkauft wurden. Wurde dieses Schlupfloch für den streng untersagten und mit drakonischen Strafen belegten Kapitaltransfer aus dem besetzten Deutschen Reich ins Saarland genutzt? Wer weiss? Denkbar wäre es.

Die 13 Werte der Ausgabe Wappen und Dichter SP1-SP13, aufsteigend nach Wert sortiert

Ich werde nun die einzelnen Werte der Ausgabe Wappen und Dichter im Einzelnen vorstellen. Zwei Vorbemerkungen bezüglich der Druckdaten und der Farbbeschreibungen:

Die Werte der Wappen und Dichter wurden nicht, wie die Werte der 1. Offenburger Ausgabe, in einer Druckperiode hergestellt, sondern – verständlich bei dem grossen Gültigkeitsbereich und den daher benötigten Mengen an Briefmarken – immer wieder neu aufgelegt. Nicht nur zwischen den verschiedenen Druckperioden, sonder auch innerhalb derselben Druckperiode treten grosse Farbschwankungen auf, beispielsweise nach zuvor erfolgter Reinigung der Druckmaschine). Ein Effekt, welcher durch die Verwendung unterschiedlicher Papiersorten noch verstärkt wird.

    • Katalognummer: SP1
    • Wert/Währung: 1 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild der Rheinprovinz (ohne preussischen Adler) in dunklem Rahmen, der weisse, wellenweis gezogene Schrägrechtbalken auf grünem Grund stammt ursprünglich aus dem Wappen des Grossherzogtums Niederrhein
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 1PF BRIEFPOST 1PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug J.PIEL von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Jules Piel
    • Farben:
      • a = schwarz, hellgelb, dunkelsmaragdgrün auf weiss
      • b = schwarz (glänzend), hellbraungelb, dunkelsmaragdgrün auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 21.-29. Dezember 1945
      • 31. Januar 1946
      • 6.-11. März 1946
      • 14.-23. August 1946
    • Auflage: 21’600’000 Stück
    • Erstausgabetag: 20. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP2
    • Wert/Währung: 3 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild der Pfalz in dunklem Rahmen (auch Wappen des Hauptortes Neustadt an der Haardt)
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 3PF BRIEFPOST 3PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug J.PIEL von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Jules Piel
    • Farben:
      • a = schwarz, dunkellilarot, dunkelorangegelb auf weiss
      • b = schwarz (glänzend), dunkelliarot, orangegelb auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 17.-19. Dezember 1945
      • 16.-24. Januar 1946
      • 7.-12. März 1946
      • 2./3. Mai 1946
      • 7.-26. August 1946
      • 17.-19. Dezember 1946
    • Auflage: 44’800’000 Stück
    • Erstausgabetag: 20. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP3
    • Wert/Währung: 5 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild Württembergs in dunklem Rahmen
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 3PF BRIEFPOST 3PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug H.Cortot von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Henri Cortot (1892-1950)
    • Farben:
      • a = schwarz, (dunkel-) braun, (dunkel-) gelborange auf weiss
      • b = schwarz (glänzend), (dunkel-) braun, (dunkel-) gelborange auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • y = pergamentartiges, graues bis gelbliches Papier, durchscheinend, raue Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • y = 0.07-0.08 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 17.-20. Dezember 1945
      • 17.-22. Januar 1946
      • 11.-21. März 1946
      • 7.-14. Mai 1946
      • 27. August-10. September 1946
    • Auflage: 53’600’000 Stück
    • Erstausgabetag: 20. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP4
    • Wert/Währung: 8 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild Badens in dunklem Rahmen
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 8PF BRIEFPOST 8PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug H.Cortot von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Henri Cortot (1892-1950)
    • Farben:
      • a = dunkelbraun, (dunkel)gelborange, rot auf weiss
      • b = (lebhaft-) braun, dunkelgelborange, rot auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • y = pergamentartiges, graues bis gelbliches Papier, durchscheinend, raue Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • y = 0.07-0.08 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 19.-21. Dezember 1945
      • 22.-26. Februar 1946
      • 2. April 1946
      • 30. April 1946
      • 2./3. Mai 1946
      • 24. Juli-13. August 1946
      • 26. August-3. September 1946
    • Auflage: 43’300’000 Stück
    • Erstausgabetag: 20. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP5
    • Wert/Währung: 10 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild der Rheinprovinz (ohne preussischen Adler) in dunklem Rahmen, der weisse, wellenweis gezogene Schrägrechtbalken auf grünem Grund stammt ursprünglich aus dem Wappen des Grossherzogtums Niederrhein
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 10PF BRIEFPOST 10PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug J.PIEL von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Jules Piel
    • Farben: braun, hellbraungelb, dunkelgrün auf weiss
    • Papiersorten:
      • y = pergamentartiges, graues bis gelbliches Papier, durchscheinend, raue Oberfläche
    • Papierdicke:
      • y = 0.07-0.08 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 24.-26. November 1945
    • Auflage: 1’137’000 Stück
    • Erstausgabetag: 5. Januar 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP6
    • Wert/Währung: 12 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild der Pfalz in dunklem Rahmen (auch Wappen des Hauptortes Neustadt an der Haardt)
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 12PF BRIEFPOST 12PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug J.PIEL von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Jules Piel
    • Farben:
      • a = schwarz, (dunkel-) orangerot, dunkelgelborange auf weiss
      • b = schwarz (glänzend), (dunkel-) orangerot, dunkelgelblichorange auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 7.-15. Dezember 1945
      • 2.-12. Januar 1946
      • 12. Februar-4. März 1946
      • 13.-18. März 1946
      • 4.-9. Mai Mai 1946
      • 18. Juli-5. August 1946
      • 8.-26. September 1946
    • Auflage: 90’400’000 Stück
    • Erstausgabetag: 5. Januar 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP7
    • Wert/Währung: 15 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild Saarbrückens in dunklem Rahmen
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 15PF BRIEFPOST 15PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug J.Piel von oben nach unten
    • Entwerfer/GraveurRobert Louis, Jules Piel
    • Farben:
      • a = schwarz, lebhaft- bis dunkelviolettultramarin, (dunkel-) zinnober auf weiss
      • b = schwarz (glänzend), violettultramarin, (dunkel-) zinnober auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • y = pergamentartiges, graues bis gelbliches Papier, durchscheinend, raue Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • y = 0.07-0.08 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 14.-17. Dezember 1945
      • 27. Februar-4. März 1946
      • 16./17. Mai 1946
      • 28. August-5. September 1946
    • Auflage: 22’300’000 Stück
    • Erstausgabetag: 20. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP8
    • Wert/Währung: 20 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild Württembergs in dunklem Rahmen
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 20PF BRIEFPOST 20PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug H.Cortot von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Henri Cortot (1892-1950)
    • Farben:
      • a = schwarz, lebhaftrot, dunkelgelborange auf weiss
      • b = schwarz (glänzend), lebhaftrot, dunkelgelblichorange auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • y = pergamentartiges, graues bis gelbliches Papier, durchscheinend, raue Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • y = 0.07-0.08 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 1.-3. Dezember 1945
      • 24.-28. Januar 1946
      • 28. Februar-6. März 1946
      • 11.-21. März 1946
      • 14.-16. Mai 1946
      • 10.-19. September 1946
    • Auflage: 25’100’000 Stück
    • Erstausgabetag: 5. Januar 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP9
    • Wert/Währung: 24 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild Saarbrückens in dunklem Rahmen
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 24PF BRIEFPOST 24PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug J.Piel von oben nach unten
    • Entwerfer/GraveurRobert Louis, Jules Piel
    • Farben:
      • a = schwarz, (dunkel-) lilaultramarin, orangerot auf weiss
      • b = schwarz, mittellilaultramarin, (dunkel-) zinnober auf weiss
      • c = schwarz (glänzend), mittellilautramarin, zinnober auf weiss
      • d = schwarz (glänzend), dunkelliaultramarin, orangerot auf weiss
      • e = schwarz (glänzend), lebhaftlilaultramarin, orangerot auf weiss
      • f = schwarz (glänzend), preussischblau bis grauultramarin, orangerot auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • y = pergamentartiges, graues bis gelbliches Papier, durchscheinend, raue Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • y = 0.07-0.08 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 22.-27. Dezember 1945
      • 18.-23. März 1946
      • 30. April-15. Mai 1946
      • 10.-18. Juli 1946
      • 6.-21. September 1946
      • 23./24. September 1946
    • Auflage: 22’300’000 Stück
    • Erstausgabetag: 20. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

______

    • Katalognummer: SP10
    • Wert/Währung: 30 (Reichs-)Pfennig
    • Bildmotiv: Wappenschild Badens in dunklem Rahmen
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Unterrand 30PF BRIEFPOST 30PF; Seitenrand links Schriftzug R.LOUIS von unten nach oben; Seitenrand rechts Schriftzug H.Cortot von oben nach unten
    • Entwerfer/Graveur: Robert Louis, Henri Cortot (1892-1950)
    • Farben:
      • a = schwarz, dunkelgelborange, dunkelorangerot auf weiss
      • b = schwarz (glänzend), gelborange, rot bis dunkelorangerot auf weiss
    • Papiersorten:
      • w = weiches, (gelblich-) weisses, dickes Papier, nicht durchscheinend, faserige Oberfläche
      • x = steifes, zähes, leicht (gelblich-) graues, dünnes Papier, stark durchscheinend, glatte Oberfläche
      • y = pergamentartiges, graues bis gelbliches Papier, durchscheinend, raue Oberfläche
      • z = pergamentartiges, weisses, teils leicht bläulich oder rötlich getöntes Papier, glatte Oberfläche
      • zz = pergamentartiges, bräunlichgraues Papier, glatte Oberfläche
    • Papierdicke:
      • w = 0.09-0.1 mm
      • x = 0.06-0.07 mm
      • y = 0.07-0.08 mm
      • z = 0.08-0.09 mm
      • zz = 0.08-0.09 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Buchdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 20 x 24 Millimeter / ca. 17.6 x 21.5 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 14:13 ½
    • Druckdaten:
      • 10./11. Dezember 1945
      • 25.-30. Januar 1946
      • 3.-7. Mai 1946
      • 3.-10. September 1946
    • Auflage: 20’500’000 Stück
    • Erstausgabetag: 5. Januar 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP11
    • Wert/Währung: 1 (Reichs-)Mark
    • Bildmotiv: frontales Brustbild Johann Wolfgang Goethe vor zwei griechischen Säulen
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Bildaufschrift 1749 GOETHE 1832 die Buchstaben O und E in Goethe sind miteinander verbunden; Unterrand 1M BRIEFPOST 1M; unterhalb BRIEFPOST mittig in kleiner Schrift OUVRÉ
    • Entwerfer/Graveur: Achille Ouvré
    • Farben: dunkelsiena auf weiss
    • Papiersorten:
      • v = pergamentartiges, graues, steifes Papier, durchscheinend
    • Papierdicke:
      • v = 0.08-0.1 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Stichtiefdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 26 x 40 Millimeter / ca. 22.4 x 35.9 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 13:13 ¼
    • Druckdaten:
      • 1.-6. Dezember 1945
      • 14. Januar 1946
    • Auflage: 1’044’325 Stück
    • Erstausgabetag: 5. Januar 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP12
    • Wert/Währung: 2 (Reichs-)Mark
    • Bildmotiv: seitliches Brustbild Friedrich Schiller (von rechts)
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Bildaufschrift 1759 SCHILLER 1805; Unterrand 2M BRIEFPOST 2M; unterhalb BRIEFPOST mittig in kleiner Schrift OUVRÉ
    • Entwerfer/Graveur: Achille Ouvré
    • Farben: dunkelpreussischblau auf weiss
    • Papiersorten:
      • v = pergamentartiges, graues, steifes Papier, durchscheinend
    • Papierdicke:
      • v = 0.08-0.1 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Stichtiefdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 26 x 40 Millimeter / ca. 22.4 x 35.9 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 13:13 ¼
    • Druckdaten:
      • 15.-20. März 1946
    • Auflage: 1’032’175 Stück
    • Erstausgabetag: 28. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948

_____

    • Katalognummer: SP13
    • Wert/Währung: 5 (Reichs-)Mark
    • Bildmotiv: seitliches Brustbild Heinrich Heine (von links)
    • Beschriftung: Oberrand ZONE FRANÇAISE; Bildaufschrift 1797 HEINRICH HEINE 1856; die Buchstaben HEINRICH in etwas kleineren Grossbuchstaben als die Initiale H resp. der Familienname HEINE; Unterrand 5M BRIEFPOST 5M; unterhalb BRIEFPOST mittig in kleiner Schrift OUVRÉ
    • Entwerfer/Graveur: Achille Ouvré
    • Farben: braunrot
      • v = pergamentartiges, graues, steifes Papier, durchscheinend
    • Papierdicke:
      • v = 0.08-0.1 mm
    • Wasserzeichen: kein
    • Druckverfahren: Stichtiefdruck
    • Druckort: Französische Staatsdruckerei, Paris
    • Masse: ca. 26 x 40 Millimeter / ca. 22.4 x 35.9 Millimeter (Bildmotiv)
    • Perforation: Kammzähnung
    • Zähnungsmass: K 13:13 ¼
    • Druckdaten:
      • 13.-20. März 1946
    • Auflage: 1’032’175 Stück
    • Erstausgabetag: 28. März 1946 im Saarland (1)
    • Gültigkeit:
      • Saarland 27. November 1946
      • Französische Besatzungszone 20. Juni 1948
    • Anmerkung: Das Bildmotiv Heinrich Heine für den höchsten Wert der Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter war von den französischen Behörden bewusst und sehr treffend gewählt worden. War dieser im rheinischen Düsseldorf geborene Dichter, Journalist, Essayist, Satiriker, Polemiker und Reiseschriftsteller doch ein aufgeklärter, scharfsinniger Denker der Moderne. Von den rückständigen und bornierten Fürsten der Restaurationszeit gefürchtet und mit einem Publikationsverbot belegt, den Judenhassern und Ultranationalisten östlich des Rheins bis heute verhasst, fand der international anerkannte und geschätzte Literat deutscher Sprache in Frankreich nicht nur Anerkennung, sondern eine zweite Heimat.

Bis dann

__________

(1) Die Erstausgabetage nach Dr. W. D. Meisel

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Wappen und Dichter – Die ersten Briefmarken für das Saarland (I)

Wappen und Dichter – Generelle Bemerkungen

Hallo

Wahrscheinlich habt ihr an dieser Stelle einen Beitrag zum 84 Pfennig-Wert der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland erwartet. Ich hoffe, eurre Enttäuschung hält sich in Grenzen.

Die Beiträge zum 84 Pfennig-Wert sowie zum 1 Mark-Wert der Saar I habe ich, wie ich finde, aus gutem Grund etwas aufgeschoben. Welcher Grund ist das? Das Projekt Saarphilatelie.com wird die kommenden Tage in der Region Saar-Lor-Lux unterwegs sein und dabei die originalen Vorlagen für die von Vytautas Kazimieras Jonynas fotorealistisch ausgeführten Bildmotive – den Alten Turm in Mettlach, das Denkmal für Maréchal Ney in Saarlouis sowie die Saarschleife bei Mettlach – aufsuchen. Ich werde ausgiebig recherchieren, fotografieren und die – hoffentlich vorzeigbaren – Ergebnisse in die ausstehenden zwei Beiträge zu den einzelnen Werten der 1. Offenburger Ausgabe einfliessen lassen.

Diese ausgiebige Ortsbesichtigung hat zur Folge, dass der reguläre Beitrag vom 2. Juni 2019 ausfallen wird. Der nächste Beitrag erscheint dann wieder wie gewohnt am Sonntag, 9. Juni 2019.

So, genug der Vorrede. Worum geht es in diesem Beitrag? Einerseits zeige ich euch einige Belege mit Marken der Ausgabe Wappen und Dichter. Andererseits stelle ich den Forschungsschwerpunkt des Projekts Saarphilatelie.com für die kommenden Wochen vor.

Beginnen wir mit den Belegen mit Marken der Ausgabe Wappen und Dichter. Bereits wenige Monate nach Kriegsende in Europa (vgl. hier) liessen die Militärbehörden der Zone d’occupation française en Allemagne, zu welcher die Saar-Region (grob, das ehemalige Saargebiet) zu dieser Zeit noch gehörte, nach und nach den zivilen Postverkehr wieder zu. Zur Freimachung von Briefen und Postkarten fehlte es jedoch an den notwendigen Briefmarken und die Sendungen mussten im Postamt bar frankiert werden. Zur Kenntlichmachung solchermassen freigemachter Sendungen wurden Stempel mit Aufdruck Taxe perçue oder Gebühr bezahlt verwendet.

Die P.T.T. der Zone d’occupation française en Allemagne in Baden-Baden gab eine Briefmarkenserie in Auftrag, deren Werte von führenden französischen Gestaltern und Graveuren wie Robert Louis, Achille Ouvré, Jules Piel und Henri Cortot geschaffen und in der Pariser Staatsdruckerei gedruckt wurden. Die ersten der 13 in Mark und Pfennig (Reichswährung) denominierten Werte der Ausgabe Wappen und Dichter – der Gestalter Robert Louis war in Heraldik bewandert und hatte sich auf Wappen spezialisiert- gelangten im Saarland am 5. Januar 1946, die letzten bereits am 28. März 1946 an die Postschalter. Die Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter war somit ein Vorläufer der Briefmarkenausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

SP1-SP13, Wappen und Dichter

Was macht diese Freimarken-Serie für uns Saarsammler so aussergewöhnlich?

    • Die Marken wurden in (Reichs-) Mark und -pfennigen ausgegeben und blieben im Saarland bis zum 27. November 1947 – also fünf Monate nach der kleinen und eine Woche nach der grossen Währungsreform – frankaturgültig. Deswegen bezeichnen wir die Werte der Ausgabe Wappen und Dichter als Mitläufer.
    • Die Marken tragen die Aufschrift Zone Française. Das Saarland war jedoch bereits seit dem 16. Februar 1946 nicht mehr dem Alliierten Kontrollrat für das ehemalige Deutsche Reich in Berlin unterstellt und wurde Schritt für Schritt aus der Zone d’occupation française en Allemagne herausgelöst. Spätestens mit der Errichtung einer streng überwachten Zollgrenze zu dieser Zone am 22. Dezember 1946 war die französische Annexion des Saarlands abgeschlossen (vgl. hier). Also: Obschon die Saar-Region und nachher das Saarland nicht mehr zur Zone d’occupation française en Allemagne gehörte, blieben die Werte der Ausgabe Wappen und Dichter mit der Aufschrift Zone Française dennoch frankaturgültig.
    • Diese – für die damalige Umbruchszeit – mit fast 2 Jahren enorm lange Frankaturgültigkeit der Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter brachte auf Belegen schöne Mischfrankaturen hervor:
      • Wappen und Dichter mit zusätzlichem Stempel Gebühr bezahlt
      • Wappen und Dichter mit Werten der 1. Offenburger Ausgabe
      • Wappen und Dichter mit Werten des Malstatt-Burbacher Drucks
      • Wappen und Dichter mit den Werten von 1. Offenburger Ausgabe (möglich wäre auch 2. Offenburger Ausgabe) sowie des Malstatt-Burbacher Drucks (auf einem solchen Beleg wären dann drei unterschiedliche Währungen verklebt: Reichsmark, Saarmark und Franken)

__________

Abbildungen
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Dieser Beleg ist mit 12 Pfennig portogerecht frankiert, jedoch nicht gelaufen, also postalisch befördert worden. Ich zeige den Beleg dennoch, da hier zwei sehr spezielle Stempel vereint sind.

    • Stempel von Saarlouis vom 19. Mai 1946 mit der schriftgeraden Zahl 18 im Kreis (Letzteres existiert bei anderen Stempeln des Saarlandes nicht)
    • Als Nebenstempel ein Sonderstempel zu den Französischen Festtagen und der Einweihung des Denkmals für Maréchal Ney auf der Vauban-Insel in Saarlouis; das Denkmal für Maréchal Ney ist das Bildmotiv des 84 Pfennig-Werts der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland
© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Dieser Beleg vom 5. März 1947 von Mettlach nach Stuttgart ist mit 24 Pfennig ebenfalls portogerecht frankiert. Verklebt wurden neben einem 16 Pfennig-Wert der 1. Offenburger Ausgabe je ein 3 Pfennig-Wert (SP2) und ein 5 Pfennig-Wert (SP3) der Ausgabe Wappen und Dichter. Dies, obschon der eigentlich vorgesehene 24 Pfennig-Wert der 1. Offenburger Ausgabe bereits seit dem 4. Februar 1947 an den Postschaltern verfügbar gewesen wäre. Daraus lässt sich schliessen, das sechs Wochen nachdem am 20. Januar 1947 die ersten Werte der Ausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland an die saarländischen Postschalter gelange waren, insbesondere Firmen noch Bestand an Marken der Ausgabe Wappen und Dichter hatten.

Beim genauen Hinschauen erkennt man unterhalb der Werte der Ausgabe Wappen und Dichter kleine Stempel. Ein Prüfer hat hier die Markentypen, die bei der Ausgabe Wappen und Dichter existieren, geprüft, jedoch das Ergebnis leider nicht als schriftliche Expertise, sondern als unschönes und wertminderndes Grafitti auf dem ansonsten einwandfreien Beleg hinterlassen.

© Sammlung Projekt Saarphilatelie.com

Ein portogerecht frankiertes Einschreiben vom 13. März 1947 von Reisbach nach Babenhausen im besetzten ehemaligen Deutschen Reich (48 Pfennig für einen Brief der 2. Gewichtsstufe plus 60 Pfennig Einschreibegebühr). Was ist an diesem Beleg so speziell, dass ich Ihnen diesen nicht vorenthalten wollte?

Der Poststempel wurde aptiert, das bedeutet amtlich abgeändert. Aus Reisbach über Saarlautern wurde Reisbach über Saarl.. Saarlautern war von 1936 bis 1945 der Name der Stadt Saarlouis. Der Name Saarlouis wurde am 13. Januar 1936, ein Jahr nach dem verhängnisvollen Plebiszit im Saargebiet in Saarlautern „germanisiert“. Der von den US-amerikanischen Truppen in das von ihnen neugeschaffene Regierungspräsidium Saar eingesetzte Regierungspräsident Hans Neureuther  hat den geschichtlich begründeten Namen der Stadt mit Wirkung zum 14. Juli 1945 wiederhergestellt. Nur zwischen dem Verwaltungsakt und dem vollständigen Vollzug liegen – insbesondere in Zeiten allgemeinen Mangels – zwar nicht Welten, aber doch Jahre. Schaut genau hin. Der Einschreibezettel vermerkt weiterhin als Aufgabeort Reisbach über Saarlautern.

__________

Steckbrief der Ausgabe Wappen und Dichter

    • die Freimarkenserie Wappen und Dichter besteht aus 13 Werten:
      • 1 Pfennig – Wappen Rheinland
      • 3 Pfennig – Wappen Pfalz
      • 5 Pfennig – Wappen Württemberg
      • 8 Pfennig – Wappen Baden
      • 10 Pfennig – Wappen Rheinland
      • 12 Pfennig – Wappen Pfalz
      • 15 Pfennig – Wappen Saarbrücken
      • 20 Pfennig – Wappen Württemberg
      • 24 Pfennig – Wappen Saarbrücken
      • 30 Pfennig – Wappen Baden
      • 1 Mark – Dichter Johann Wolfgang von Goethe
      • 2 Mark – Dichter Friedrich von Schiller
      • 5 Mark – Dichter Heinrich Heine
    • die Marken werden durch das Projekt Saarphilatelie.com unter SP1-SP13 katalogisiert
    • die Marken wurden in Reichsmark und -pfennig verausgabt
    • die Bildmotive wurden von führenden französischen Künstlern gestaltet
    • der Markendruck erfolgte bei der französischen Staatsdruckerei in Paris
    • erste Marken wurden am 17. Dezember 1945 (ZOF)/5. Januar 1946 (Saarland) verausgabt, die letzten Marken gelangten am 28. März 1946 (Saarland)/1. April 1946 (ZOF) an die Postschalter
    • die Marken wurden ab Januar 1947 durch Briefmarkenausgaben für das Saarland, sowie die neu geschaffenen Länder des besetzten ehemaligen Deutschen Reichs: Baden (bis Dezember 1946 Südbaden), Württemberg-Hohenzollern und Rheinland-Pfalz (bis 18. Mai 1947 Land Rheinpfalz) ergänzt, behielten aber Frankaturgültigkeit bis:
      • Saarland: 27. November 1947
      • Land Baden: 20 Juni 1948
      • Land Württemberg-Hohenzollern: 20 Juni 1948
      • Land Rheinland-Pfalz: 20 Juni 1948
    • die Briefmarkenausgabe Wappen und Dichter wird auch als Allgemeine Ausgabe bezeichnet, da die Marken in allen Teilen der Zone d’occupation française en Allemagne sowie im Saarland frankaturgültig waren.

__________

Ausblick auf weitere Vorhaben

Die Fragestellung, die mich in den kommenden Wochen intensiv beschäftigen wird ist:

Befinden sich in der Forschungs- und Referenzsammlung von Saarphilatelie.com Marken der 1. Offenburger Ausgabe ohne Aufdruck, jedoch mit Blinddruck des Überdrucks für die Überdruckausgabe Malstatt-Burbacher Druck, analog den Marken der 2. Offenburger Ausgabe?

Ausgangslage

In Folge der geplanten Währungsumstellung auf Frankenwährung wurden die noch vorhandenen Bestände an Schalterbögen der 1. Offenburger Ausgabe sowie die bereits ausgelieferten resp. weiterhin von der Druckerei Franz Burda in Offenburg gelieferten Schalterbögen der 2. Offenburger Ausgabe von der P.T.T. des Saarlandes in Saarbrücken an die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH geschickt. Hier wurden die Schalterbögen unbesehen ihrer Provinienz im Buchdruckverfahren (Typographie) mit neuen Werte und neuen Währungskürzeln überdruckt.

Wir wissen, dass der für den Überdruck verwendete, bereits in die Jahre gekommene Heidelberger Automat nicht fehlerfrei arbeitete. Unter anderem kam es zu partiellen oder totalen Druckausfällen oder es wurden statt eines Schalterbogens deren zwei zugeführt, mit dem Ergebnis, dass der hintere der zwei Bögen nicht überdruckt wurde.

Erkennbar sind fehlende Aufdrucke an dem sogenannten Blinddruck. Der Buchdruck ist ein Hochdruckverfahren und verändert die Markenrückseiten mehr oder weniger deutlich durch reliefartige Durchprägung. Dieser Effekt wird besonders bei Streiflichtbeleuchtung gut erkennbar, gelegentlich ist er auch mit dem Finger zu fühlen.

Marken der 1. Offenburger Ausgabe ohne Aufdruck jedoch vorhandenem Blinddruck sind meines Wissens nach bislang in keinem Katalog und in keinem Fachbuch erwähnt.

These

Die Schalterbögen von Original- und Neuausgabe wurden in der Malstatt Burbacher Handelsdruckerei GmbH unterschiedslos behandelt, also überdruckt. Die teilweisen resp. totalen Druckausfälle wie auch der Überdruck von zwei Schalterbögen gleichzeitig müssten somit auf beiden „Sorten“ Schalterbögen auftreten. Diese These ist originär von mir aufgestellt worden und wurde m. E. noch an keiner anderen Stelle behandelt.

Ich werde euch über den Verlauf der Forschung auf dem Laufenden halten.

Bis dann

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Die einzelnen Werte – Nachträge (I)

Hallo

Die letzten sechs Beiträge behandelten nach aufsteigendem Wert die einzelnen Werte der Ausgaben Berufe und Ansichten aus dem Saarland. Ihr erwartet nun sicherlich den Beitrag zum 15 Pfennig-Wert. Ich hoffe, eure Enttäuschung hält sich in Grenzen. Auf unserer gemeinsamen Wanderung durch 20 Werte lege ich eine Rast ein. Weshalb? In den letzten sechs Beiträgen haben wir uns mit den Marken beschäftigt, die das Bildmotiv Hauer im Streb vor Saarlandschaft zeigen. Die kommenden vier Beiträge werden die Werte mit dem Bildmotiv Stahlwerker beim Hochofenabstich behandeln. Bei den beiden Ausgaben der Berufe und Ansichten aus dem Saarland sind die Bildmotive nach aufsteigenden Werten sortiert. Das ist eher ungewöhnlich, wenn wir uns andere Freimarkenserien aus dieser Zeit ansehen:

    • Ausgabe Wappen und Dichter frankaturgültig im Territoire de la Sarre wie auch in den Gebieten der Zone d’occupation française en Allemagne
    • 2. Alliierte Kontrollratsausgabe
    • Ausgabe Bauten der Bizone
    • Länderausgaben Zone d’occupation française en Allemagne

All diesen Briefmarkenserien ist gemeinsam, dass bei ihrer Sortierung nach aufsteigenden Werten die verwendeten Bildmotive – für die Länderausgabe für Rheinland-Pfalz gilt diese Aussage nur mit Einschränkungen – bunt gemischt erscheinen. Auch warten jeweils die zwei bis vier höchsten Werte nicht nur mit anderen Formaten, sondern auch mit separaten Bildmotiven auf (vgl. Abbildungen). Damit wären wir schon mitten im ersten Abschnitt dieses Beitrages.

Ausgabe Wappen und Dichter der Zone d’occupation française en Allemagne
Zweite Kontrollratsausgabe (hier mit Schwarzaufdruck Berlin)
Bi-Zone Ausgabe Bauten (weit gezähnt)

Zum Vergleich die Marken der 1. Offenburger Ausgabe, sortiert nach aufsteigenden Werten.

SP14-SP33, sortiert nach aufsteigenden Werten

__________

Ein bunter Auftakt. Was kommt nun? Ich schreibe keine Zusammenfassung, sondern eher eine Abrundung. Gegliedert habe ich diesen Beitrag in drei Abschnitte.

    • Statistik. Keine Sorge, mathematische Kenntnisse werden keine vorausgesetzt und wie ihr wisst, kann ein Blick aus der statistischen Perspektive erhellend sein.
    • Abbildungen. Immer gut, immer schön.
    • Fehler. Nicht so gut. Es geht aber nicht um meine eigenen.

__________

Statistik

Das Bildmotiv des Bergmanns wird bei der 1. Offenburger Ausgabe für sechs Werte und bei der 2. Offenburger Ausgabe für vier Werte verwendet. Damit ist es das häufigste Bildmotiv dieser Ausgaben.

Bildmotiv Hauer im Streb vor stilisierter Saarlandschaft

Verwendung der sechs Bildmotive bei den beiden Ausgaben:

    • Bergmann: 10x
    • Stahlwerker: 8x
    • Bäuerinnen: 7x
    • Alter Turm Mettlach: 4x
    • Marschall Ney: 2x
    • Saarschleife Mettlach: 2x
Bildmotiv Bäuerinnen bei der Ernte

Bei der Anzahl katalogisierter Feldmerkmale der 1. Offenburger Ausgabe nehmen die sechs Werte mit dem Bildmotiv Bergmann eine Spitzenposition ein. Nicht nur bei der Gesamtzahl der Feldmerkmale, sondern mit einer Ausnahme auch bei der bereinigten durchschnittlichen Anzahl Feldmerkmale pro Wert:

    • Michel-Katalog: 43 (∅ 7.61) von gesamt 109 Feldmerkmalen gefolgt von Stahlwerker beim Hochofenabstich mit 22 (∅ 5.5) und Bäuerinnen bei der Ernte mit 21 (∅ 4.2)
    • End/Becker: 55 (∅ 9.16) von gesamt 154 Feldmerkmalen gefolgt von Bäuerinnen bei der Ernte mit 37 (∅ 7.4) und Stahlwerker beim Hochofenabstich mit 32 (∅ 7.4)
    • Paul Staedel: 61 (∅ 10.16) von gesamt 161 Feldmerkmalen gefolgt von Stahlwerker beim Hochofenabstich mit 40 (∅ 10) und Bäuerinnen bei der Ernte mit 30 (∅ 6)
    • F.S.A.: 28 (∅ 4.66) von gesamt 89 Feldmerkmalen gefolgt von Stahlwerker beim Hochofenabstich mit 22 (∅ 5.5) und Bäuerinnen bei der Ernte mit ebenfalls 22 (∅ 4.4)
    • Saarhandbuch: 287 (∅ 47.8) von gesamt 808 Feldmerkmalen gefolgt von Bäuerinnen bei der Ernte mit 195 (∅ 39) und Stahlwerker beim Hochofenabstich mit 169 (∅ 42.25)
Bildmotiv Stahlarbeiter beim Hochofenabstich

Welche Schlussfolgerung können wir hieraus ziehen? Feldmerkmale treten nach meinen Beobachtungen über alle Werte hinweg gleich häufig auf. Es gibt kaum ein Bogenfeld, welches dem anderen gleicht. Nur haben sich die Sammler und die Autoren der massgeblichen Studien wie Paul Staedel, Karl End, Willibald Becker, Louis Lutz, Josef Schwarz, Dr. Charles Dufloz sowie die Autoren des Saarhandbuchs wohl ausgiebiger mit dem Bildmotiv Bergmann auseinandergesetzt als mit den anderen.

Der 12 Pfennig-Wert – die eierlegende Wollmilchsau der 1. Offenburger Ausgabe – ist zusammen mit seiner Neu- und Überdruckausgabe bereits allein ein eigenes Forschungsgebiet mit sehr vielen Facetten. Beispielsweise:

    • 1. Offenburger Ausgabe / Originalausgabe
      • Frühe Ausgaben 30. Dezember 1946 – 3. Januar 1947
      • Späte Ausgaben 4.-8. Januar 1947
      • 7 Druckdaten
      • Wasserzeichen fallende Wellenlinien / steigende Wellenlinien
      • 38 Feldmerkmale im Saarhandbuch
      • Abklatsche
      • Druck auf Gummiseite
      • ungezähnte, also geschnittene Marken
      • Viele Bogennummern
    • 2. Offenburger Ausgabe / Neuausgabe
      • 2 Druckdaten
      • 23 Feldmerkmale im Saarhandbuch
      • Abklatsche
      • Druck auf Gummiseite
      • Viele Bogennummern
    • Malstatt-Burbacher Druck (Typ I) / Überdruckausgabe (Urdruck)
      • Wasserzeichen fallende Wellenlinien / steigende Wellenlinien
      • 38 Feldmerkmale im Saarhandbuch
      • 13 Aufdruckfehler im Saarhandbuch
      • kopfstehende Aufdrucke
      • verschobene Aufdrucke
      • Doppelaufdrucke
      • Abklatsche
      • Druck auf Gummiseite
    • Malstatt-Burbacher Druck (Typ II) / Überdruckausgabe (Neuausgabe)
      • 23 Feldmerkmale im Saarhandbuch
      • 13 Aufdruckfehler im Saarhandbuch
      • kopfstehende Aufdrucke
      • verschobene Aufdrucke
      • Doppelaufdrucke
      • Abklatsche
      • Druck auf Gummiseite

Der 12 Pfennig-Wert hatte auch die längste Gültigkeit von allen Werten: 20. Januar 1947 – 31. Mai 1948

Warum setzen sich die Sammler hauptsächlich mit den Werten auseinander, welche das Bildmotiv Bergmann zeigen? Ich bin der Meinung, dass die hohen Auflagen dieser Marken und die schiere Menge an tatsächlich verkauften Marken der Hauptgrund sind:

    • Auflage, Motiv Bergmann: ca. 39,345 Millionen
    • Verkaufte Marken, Motiv Bergmann: ca. 29,843 Millionen

All diese Statistiken unterstreichen meiner Ansicht nach generell die Bedeutung, die der Bergmann, der ja überwiegend zum Arbeiterstand gehörte, in dieser Zeit für das Saarland hatte. Der Beruf des Bergmann nimmt noch heute einen Spitzenplatz auf der Liste der weltweit gefährlichsten Berufe ein. Zu dem enorm hohen Unfallrisiko kommen die vielen Berufskrankheiten wie Wurmerkrankungen, Staublunge, Silikose oder Lungenkrebs. Beides führt zu einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung des Bergmanns. Dennoch oder gerade deshalb hat dieser Beruf auch ein grosses Prestige.

Saarbergmann mit Grubenlampe, Skulptur von Fritz Koelle

Die hohen Auflagen einiger Marken erwecken schnell den Eindruck, dass es unendlich viele Sätze der verschiedenen Ausgaben gegeben hätte und zum Teil auch heute noch geben müsste. Dem ist nicht so.

    • 1. Offenburger Ausgabe: max. 1’010’000 komplette Sätze möglich
    • Malstatt-Burbacher Druck (Typ I): max. 5’700 komplette Sätze möglich
    • Malstatt-Burbacher Druck (Typ II) : max. 703’000 komplette Sätze möglich

Die Zahlen geben die theoretisch mögliche Anzahl wieder. In der Praxis wurde mit vielen Briefmarken das gemacht, wozu sie vorgesehen waren; sie wurden verwendet. Viele Marken dürften somit erst gar nicht den Weg zu einem Sammler gefunden haben.

Nun wird jedem klar, weshalb ein ungebrauchter Satz des Malstatt-Burbacher Drucks (Typ I, Urdruck) erstens selten und zweitens entsprechend teuer ist. Auch die Bewertungsunterschiede von Feldmerkmalen auf unterschiedlichen Werten der Urdruckmarken lassen sich nun rasch erläutern:

Von dem  3 Pfennig-Wert (Überdruck 60 cent.) wurden 7’000 Marken MBD I (Urdruck) verkauft, das sind 70 komplette Schalterbögen. Von Feldmerkmalen, welche sowohl auf A- wie auf B-Bögen vorkommen wie die Nabelschnur zwischen Streb und Kirchturm (Michel IV) existieren weltweit nur 70 Exemplare. Alle anderen, im Michel katalogisierten Feldmerkmale dieses Wertes kommen jedoch ausschliesslich auf dem A- oder dem B-Bogen vor. Von diesen Feldmerkmalen existieren somit maximal 35 Exemplare. Diese Zahl errechnet sich unter der Annahme, dass die Verteilung der 70 überdruckten Schalterbögen auf A- und B-Bögen gleichmässig gewesen ist. Das sind Raritäten, die im Bereich der blauen Mauritius liegen. Die Bewertung in den Michel-Katalogen von Euro 400 für eine Marke, von der maximal 35 Exemplare existieren, ist grob fahrlässig. Unterschätzt die Redaktion des Michel unsere Rechenkünste? Auf gut Deutsch: Halten die uns für blöd?

Von dem 12 Pfennig-Wert (Überdruck 2 F) wurden dagegen 3,54 Mio. MBD I (Urdruck) verkauft, das sind 35’400 komplette Schalterbögen. In diesem Fall sind im Michel katalogisierte Feldmerkmale ebenfalls selten, aber viel häufiger als beim 3 Pfennig-Wert.

__________

Abbildungen

Ich möchte als erstes die Dokumentation der Druckdaten der 2 Pfennig- und der 3 Pfennig-Werte nachreichen. Diese Dokumentation habe ich erst mit dem Beitrag über den 6 Pfennig-Wert eingeführt.

In der Zwischenzeit hat aufgrund meines Aufrufes eine Abbildung des Druckdatums 15. Februar 1947 des 8 Pfennig-Werts den Weg zu mir gefunden:

In der Auflistung über die Vielfalt des 12 Pfennig-Werts habe ich kopfstehende Aufdrucke erwähnt. Hier die Abbildung eines solchen Aufdruckfehlers beim 10 Pfennig-Wert.

SP49 II e K, 10 Pfennig/1 F (enger Abstand) mit kopfstehendem Aufdruck

Zum Schluss dieses Abschnittes möchte ich noch auf eine Eigentümlichkeit des Malstatt-Burbacher Drucks hinweisen, die rasch einmal übersehen wird. Beim Überdruck der Marken der Originalausgabe wie auch der Neuausgabe durch die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei wurden die Reihenwertzähler der Schalterbögen weder durchbalkt noch sonstwie unkenntlich gemacht, obschon diese durch die Wertänderung obsolet geworden waren.

SP47 II, 2 Pfennig/10 cent. obere rechte Bogenecke mit intakten Reihenwertzählern

__________

Fehler im Michel-Katalog und in der Wikipedia

Zu den Werten der 2. Offenburger Ausgabe, welche unüberdruckt an die saarländischen Postschalter gelangten, schreibt der Michel-DSK (bei meinem Exemplar die Seite 772 unten):

Nur Mi.Nr. 229 II fA, 230 II fA und 233 II fA wurden an einigen Postämtern abgegeben; diese Werte können bis 27.11.1947 (Marken in deutscher Währung durften danach weder verkauft noch verwendet werden) gebraucht vorkommen.

Diese von Ausgabe zu Ausgabe unrevidiert mitgeschleppte Aussage der Michel-Redaktion ist in mehrfacher Hinsicht unrichtig:

    • Mi.Nr. 229 entspricht dem 12 Pfennig-Wert der 2. Offenburger Ausgabe. Die Bögen dieses Werts wurden zwischen dem 22. und 24. November 1947 bei der Druckerei Franz Burda in Offenburg gedruckt, am 24. November 1947 an die P.T.T. Saarbrücken verschickt und von dieser zwecks Aufdruck in Frankenwährung umgehend zur Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH spediert. Die 12 Pfennig-Werte der Neuausgabe wurden – abgesehen von Aufdruckfehlern (erkennbar am Blinddruck) – ausschliesslich überdruckt an saarländische Postschalter ausgeliefert. Wer den Saarphilatelie-Blog© liest, weiss halt mehr.
12 Pfennig Neuausgabe (Druckdaten 22./24. November 1947
    • Die Werte zu 15 Pfennig (SP38), zu 16 Pfennig (SP39) und zu 24 Pfennig (SP41) der 2. Offenburger Ausgabe, die bereits am 24. Oktober 1947 von der Druckerei Burda geliefert worden waren (1), wurden zum Teil – wie von der P.T.T. Saarbrücken vorgesehen – an die saarländischen Postschalter ausgeliefert und dort auch verkauft (erkennbar sind diese Marken am fehlenden Blinddruck, da diese Marken die Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei GmbH nie von innen gesehen haben). Nur stimmt hier die Kategorisierung des Kataloges nicht. Hier handelt es sich nicht um Briefmarken, denen der Aufdruck fehlt (fA = fehlender Aufdruck), sondern um Briefmarken der 2. Offenburger Ausgabe, die ihrer ursprünglichen Bestimmung – Auffüllung der Markenbestände bei den Postämtern – zugeführt worden waren. Da fehlen dem Michel einfach die Katalognummern für einen kompletten Briefmarkensatz.
    • Die Anmerkung „Marken in deutscher Währung …“ ist kompletter Unsinn. Die Reichsmark – also die deutsche Währung – war im Saarland bereits seit dem 16. Juni 1947 abgeschafft und durch eine eigene, saarländische Währung, die (Saar-) Mark als gesetzlichem Zahlungsmittel ersetzt worden. Kurz: Wer im Zusammenhang mit dem Saarland nach dem 16. Juni 1947 von „deutscher Währung“ spricht oder schreibt, ist entweder komplett ahnungslos – was mich in diesem Falle nicht wundern würde – oder politisch sehr weit Rechtsnational zu verorten.
    • Zu guter Letzt: Vielleicht durften ab dem 28. November 1947 nach irgendeiner Verordnung die Briefmarken der 1. resp. 2. Offenburger Ausgabe offiziell nicht mehr verwendet werden. Doch die Not und der Mangel richten sich selten nach Verordnungen. Insbesondere in den ersten Tagen nach dem Ablauf der einwöchigen Übergangsfrist wurde die Verwendung dieser Marken immer noch geduldet. Weshalb? Ganz einfach. Es waren ja noch längst nicht alle Werte des Malstatt-Burbacher Drucks ausgegeben worden, geschweige denn bei allen saarländischen Postämtern vorrätig (vgl. hierzu diesen Beitrag). Diese Feinheiten interessiert am Gewinn orientierte Katalog-Redakteure natürlich nicht.
Dienstpost vom 4. Dezember 1947, Spätverwendungen wurden bis Februar 1948 geduldet

_____

Zu den Feldmerkmalen des 84 Pfennig-Werts der 1. Offenburger Ausgabe schreibt der Michel-DSK (bei meinem Exemplar Seite 770 Mitte) unter 224Z IV:

224Z IV Punkt im Mantel über zweitem „A“ in „SAAR“ (Feld 50)

Erklärung eine Seite zuvor:

Fehlt nach der Feldangabe eine Angabe über Bogen, ist der Fehler auf A- und B-Bogen zu finden.

Das bedeutet, gemäss dem Standardwerk der deutschen Philatelie tritt das – durchaus verständlich und korrekt beschriebene – Feldmerkmal auf A- wie auf B-Bögen auf. Diese Aussage ist jedoch falsch, wie gut informierte Saarsammler bereits aus dem Saarhandbuch (dort wegen unterschiedlicher Zählweise unter Feld 5 gelistet) oder aus der Étude von Paul Staedel wissen. Das beschriebene Feldmerkmal tritt ausschliesslich auf den B-Bögen auf.

SP32 50B

_____

Noch eine Kuriosität im Michel-DSK, in dem es von Fehler und Unrichtigkeiten bei den Ausgaben der Berufe und Ansichten aus dem Saarland nur so wimmelt. Zu den Werten der 1. Offenburger Ausgabe schreibt die Redaktion (bei meinem Exemplar Seite 768) mit Ausrufezeichen:

Marken aus dem B-Bogen sind alle etwas dunkler als die aus den A-Bogen!

Keine Erklärung, kein Hinweis, woher die Redaktion ihre Weisheit bezieht. Auch in diesem Fall wissen Leser des Saarphilatelie-Blog©, dass sie hier auf gut lutherdeutsch verarscht werden. Die Marken der 1. Offenburger Ausgabe, egal welchen Wertes wurden in einem Zug auf der gleichen Druckmaschine Palatia O mit derselben von Siegwerk hergestellten Farbe als Druckbogen zu 200 (resp. bei den grossformatigen Werten 100) Marken hergestellt, dieser Druckbogen wurde von einer Schnellpresse mit Bogenrandsignaturen versehen und – immer noch als kompletter Druckbogen – von einer Titan Flachperforiermaschine gezähnt. Erst dann wurde der Druckbogen in zwei Schalterbögen (A und B) auseinandergeschnitten. Ich habe während meiner Beschäftigung mit diesen Marken etwa 800 Schalterbögen vor mir gehabt, in seltenen Fällen sogar mit derselben A/B-Bogennummer. Ein genereller Farbunterschied, wie ihn die Redaktion des Michel DSK stipuliert, existiert nicht.

_____

Auch die Wikipedia ist – wie wir alle – nicht vor Fehlern gefeit. Der verlinkte Artikel über die Briefmarken des Saarlandes von 1947 zeigt eine Aufstellung.  In dieser werden in der Spalte Auflage nicht die Auflagen, sondern die Anzahl verkaufter Marken angegeben.

In der Anmerkung 1 desselben Wikipedia-Artikels heisst es:

Es wurden nur wenige Marken der Serie Saar I überdruckt …

Angesichts von 8’193 Mio. für den Malstatt-Burbacher Druck (Typ I) überdruckter Marken der 1. Offenburger Ausgabe, würde ich diese Aussage nochmals überdenken.

Zu guter Letzt ging die Erwähnung des Währungswechsel von Reichsmark zu (Saar-) Mark am 16. Juni 1947 inkl. Einführung neuer Banknoten unter.

Bis dann

__________

(1) Druckdaten der drei Werte: 24 Pfennig (SP41) 13.-15. Oktober 1947; 15 Pfennig (SP38) 21./22. Oktober 1947; 16 Pfennig (SP39) 22./23. Oktober 1947

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Belege (III) – Entschlüsselung eines alten Belegs

Hallo

Diesen Beitrag widme ich meiner Frau, die ich über alles liebe.

    • Ohne meine Frau wäre ich heute nicht derjenige, der ich bin.
    • Ohne meine Frau wäre mein Leben sehr viel ärmer.
    • Ohne meine Frau, ihr Verständnis und ihre Unterstützung würdet ihr diesen Beitrag gar nicht lesen können. Der Saarphilatelie-Blog wäre wohl kaum veröffentlicht worden; denn ich hätte Saarphilatelie.com wohl nicht ins Leben gerufen.

Meine Frau wird morgen Ihren Geburtstag feiern – den wievielten verrate ich selbstverständlich nicht -und ich werde alles daransetzen, dass sie diesen – ihren – Tag geniessen wird.

__________

In diesem Beitrag möchte ich euch einen – wie der Beitragstitel schon verrät – alten Beleg vorstellen. Es handelt sich um einen Bedarfsbrief aus dem Jahr 1859, der von Rossla nach dem ca. 70 km östlich gelegenen Halle an der Saale gelaufen ist. In diesem Brief geht es um einen Todesfall in der 1844 gegründeten, preussischen Provinzial-Irrenanstalt Halle-Nietleben in Halle an der Saale, die den gräflich Stolberg-Rosslaischen Polizei-Rath veranlasst, zwecks ordnungsgemässer Abwicklung der Erbschaftsangelegenheit beim Direktor der Provinzial-Irrenanstalt brieflich ein Verzeichnis der persönlichen Hinterlassenschaften der Verblichenen anzufordern.

Dieser Beleg ist bislang der älteste meiner Sammlung und war aufgrund verschiedener Umstände – die ich im weiteren Verlauf des Beitrags aufführen werde – nicht einfach zu entschlüsseln. Mein tiefempfundener Dank geht an zwei liebe Mitstreiter aus einem Briefmarken-Forum auf Facebook. Sie halfen mir bei der Transkription aus der Sütterlin-Schrift sowie bei der Zuordnung eines – mir völlig unbekannten – Stempels auf der Siegelseite des Briefes. Ohne diese Hilfe würde ich bei dem Beleg immer noch „wie ein dummer Ochs vorm Berg stehen“. Eine Mitstreiterin möchte nicht namentlich erwähnt werden. Doch Stephan Jürgens kann ich meinen Dank direkt aussprechen.

__________

Weshalb veröffentliche ich diesen Beitrag, der – seien wir ehrlich – nicht viel mir den Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter oder Berufe und Ansichten aus dem Saarland zu tun hat? Ich fand die komplexe Geschichte der Entschlüsselung dieses Beleges sehr lehrreich, denn diese beinhaltet drei wichtige Erkenntnisse:

    • nicht bei der ersten Unstimmigkeit aufgeben; es gibt auch für vorderhand Unmögliches eine Erklärung (der Beleg lag bei mir schon lange auf dem Pult)
    • wenn man bei einer Recherche ansteht … Unterstützung in Anspruch nehmen (Einzelkämpfer sterben auch einsam)
    • sich soweit möglich in die Entstehungszeit des Beleges hineinversetzen und nicht alles aus unserer heutigen Sicht beurteilen

Hm … bislang keine Abbildung? Ich vergass, zu erwähnen, dass ich euch in diesem Beitrag bloss vier Abbildungen zeigen werde.

Hier die erste Abbildung.

So habe ich den Beleg aus einer 50 Eurocent Wühlkiste gegriffen. Eine sehr saubere, klare Handschrift, die ich problemlos entziffern konnte.

„An den königlichen Direktor Herrn Geheimen Medicinal=Rath Dr. Dammerow, Ritter [Pi Pi = Auslassungen für die komplette Titelaufzählung] Hochwohlgeboren … zu Halle a/S. … He[rrschaftliche] Polizei=Sachen“

Geht es euch gleich wie mir? Ich las Polizei-Sachen und meine Neugier war geweckt. Diebstahl, Raub, Mord, Totschlag? Was würde ich finden? Dazu noch eine wunderbar lesbare Abstempelung aus Rossla vom 19. Dezember in der Stunde zwischen 5 und 6 Uhr. Ich hatte zwar – als ich da vor der Wühlkiste stand – keinen blassen Schimmer, wo Rossla lag, aber sowas findet man in Zeiten von Google Maps und Maps.me ja rasch heraus. Noch weniger klar war mir, in welchem Jahr der Beleg von Rossla nach Halle gelaufen war, denn der Stempel auf dem Umschlag wies zwar ein Datum, jedoch keine Jahreszahl auf.

Doch zuerst habe ich den Beleg einmal umgedreht. Das war doch mal ein schöner Anblick. Ein wachsgesiegelter Brief.

Das Siegel war zwar erbrochen, aber äusserst detailreich erhalten. Da kenne ich ganz andere Erhaltungsarten. Ich war zwar hinsichtlich Ortschaft und Laufjahr nicht klüger geworden, aber meine Hand ging in den Hosensack … 50 Eurocent … der Beleg wechselte seinen Besitzer. Ein Bauchentscheid.

Der Beleg war kompliziert gefaltet und landete erst einmal in der Ablage auf meinem Pult. Immer wieder einmal in die Hand genommen, beschäftigten mich die Fragen: „Wie kann ich den Beleg auseinanderfalten, ohne diesen übermässig weiter zu beschädigen?“ „Wie kann ich verhindern, dass das Siegel komplett zerbricht?“

Ich bezähmte meine Neugier betreffend des Inhalts und fertigte erst einmal hochauflösende Scans von Adress- und Siegelseite an. Dokumentiert ist dokumentiert! Danach landete der Beleg erst einmal wieder in der Ablage. Abgehakt! „Weshalb hatte ich den Beleg nochmal erstanden? Was hat mich damals getrieben?“ Der Sommer war schön und da waren Tausend andere Dinge, die plötzlich wichtiger waren. Für einen angefressenen Philatelisten völlig unverständlich – das ist mir bewusst.

Vor einigen Tagen habe ich realisiert, dass ich bei diesem Beleg nie weiterkommen würde, wenn ich diesen nicht öffnete und den Inhalt dokumentierte. Gesagt, getan! Ich habe den gefalteten Brief vorsichtig auseinandergenommen … et voilà:

Ich war platt! Eine gestochene Handschrift auf der Adress-Seite und hier …? Ausser dem Titel, den Ziffern und dem Datum „December 1859“ konnte ich nicht viel entziffern. Nach einem zweiten Blick war mir klar: „Ich brauche Unterstützung!“ Unterstützung nicht allein bei der Transkription. Nein, auch der Stempel auf der Siegelseite des Beleges war mir völlig fremd. Ein Eingangsstempel konnte „Ausg“ wohl nicht sein. Ein zusätzlicher Stempel aus Rossla? Wozu? Der war ja – wie wir es heute immer noch kennen – auf der Adressseite aufgebracht worden.

Würde mich der Inhalt bei der Entschlüsselung des Beleges weiterbringen? Hier musste wegen der Handschrift (s.o.) eine Spezialistin herangezogen werden. Mir wurde sofort klar, an wen ich mich wenden würde.  An einen tollen und hilfsbereiten Menschen, bei welchem ich mich sehr glücklich schätze, diesen in meinem Bekanntenkreis zu wissen.

Innerhalb weniger Stunden lag die Transkription auf meinem Pult, besser gesagt in meinem Mac:

„Verzeichniss der von der verstorbenen geisteskranken Frie=derike Werther hinterlegtenen Effecten.

    1. ein Obersack
    2. ein wattirter Untersack
    3. ein weisser Untersack
    4. eine Mantille
    5. ein Paar Stiefelchen
    6. ein Umlegetuch
    7. ein Paar Hausschuhe und
    8. ein Kragen

P.I. Anstalt bei Halle den 22. December 1859″

Das war ein toller Anfang. Was mir jedoch Kopfschmerzen bereitete, war die Datierung des „Verzeichniss“ zu Halle an der Saale am 22. December 1859.

Das ergab für mich gar keinen Sinn! Ein Schreiben, dass am 19. Dezember in Rossla abgeschlagen nach Halle an der Saale gesendet wird, enthält eine Aufstellung der Habseligkeiten einer Verstorbenen, welche am 22. Dezember in Halle an der Saale angefertigt wurde. Die Kausalität war auf den Kopf gestellt.

Ich wusste nicht mehr weiter. Da war der Stempel auf der Siegelseite des Briefes, der mir nichts sagte. Ich habe einen Scan des Stempels in dem Facebook-Forum Whatsbriefmarken.de eingestellt, mit der Bitte um Unterstützung bei der Identifikation. Innerhalb kurzer Zeit die Antwort von Stephan Jürgens. Zitat:

AUSG. ist die Abkz. für AUSGABE, dies ist ein sogenannter „Ausgabestempel“, gibt es in vielen preussischen (und später reichsdeutschen) Städten, in denen es mehr als einen Bestellgang der Briefträger gab. Sie wurden anstelle der Ortstagesstempel verwendet, die normalerweise die Ankunft des Briefes „anzeigen“. Die N 1 gibt den Bestellgang an.

In diesem Moment machte es bei mir nicht einmal, sondern gleich zweimal „klick“. Einerseits wusste ich nun, dass der Beleg tatsächlich von Rossla nach dem preussischen Halle an der Saale gelaufen war und dort auch mit dem Bestellgang N 1 ausgeliefert worden war. Andererseits brachte mich die Information dazu, den Gesamtbeleg neu zu begutachten.

Als erstes versuchte ich den Adressaten zu verifizieren. Das ging erstaunlich rasch. Adressat war der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. med. Heinrich Philipp August Damerow (28. Dezember 1798-22. September 1866), seit der Eröffnung der Provinzial-Irrenanstalt Halle-Nietleben am 1. November 1844 bis zu seinem Tod Direktor und Chefarzt dieser Institution.

Nun ging es an die Identifikation des Absenders. Das ging nur über das Siegel und den Einsatz des Mikroskops sowie Streiflicht. Das Ergebnis:

Die vollständige Umschrift lautet: Gräf. Stolberg.Rosslaischer Polizei-Rath

Das Siegel enthält auch das Wappen derer von Stolberg-Rossla

Nun ging es darum, herauszufinden, weshalb die Daten inkongruent waren. Einen entscheidenden Hinweis lieferte mir meine sehr geschätzte Kollegin mit dem Hinweis, dass das Verzeichnis von einem Oeconom unterzeichnet sei. Ein Oeconom oder Factotum war ein Bewirtschafter, Hauswart oder neudeutsch Manager. In diesem Fall der Manager der Provinzial-Irrenanstalt.

Der zweite Hinweis war mir zuvor schon aufgefallen, aber nicht mehr bewusst. Die Handschriften auf der Vorderseite des Schreibens und auf der Innenseite des Papiers unterschieden sich auffällig voneinander. Die Schrift auf der Vorderseite war die gestochen klare Schrift eines gebildeten Mannes, der seine Schreiben so sorgfältig siegelte, dass das Siegel heute noch mustergültig erhalten ist. Die Handschrift auf der Innenseite des Schreibens ist dagegen eher fahrig und schwer lesbar – daher benötigte und erhielt ich ja Unterstützung. Hier hatten zwei verschiedene Personen geschrieben.

Des Rätsels Lösung:

In der königlichen Provinzial-Irrenanstalt in Halle-Nietleben verstirbt die Insassin Friederike Werther. Der Todesfall wird an ihren letzten Wohnsitz, resp. ihren Geburtsort, Rossla gemeldet. In Rossla verfasst der zuständige Polizei-Rath ein Schreiben in „herrschaftlichen Polizei=Sachen“ an den Direktor der königlichen Provinzial-Irrenanstalt in Halle-Nietleben, Prof. Dr. med. Damerow. Der Grund? Er benötigt ein Verzeichnis über die Hinterlassenschaft der Verblichenen, um deren Nachlass ordnungsgemäss zu regeln. Dieses Schreiben an Prof. Dr. med. Damerow muss im Umschlag gesteckt haben, ist uns jedoch nicht überliefert. Prof. Dr. med. Damerow in seiner Funktion als Anstalts-Direktor beauftragt den „Oeconomen“ der Anstalt mit der Erstellung des Verzeichnisses. Dieser – sparsam wie er ist – verwendet den Umschlag der Anforderung des Polizei-Raths, das Schreiben selbst landet ja in den Akten, zur Erstellung des nicht sehr umfangreichen Verzeichnisses. Wie das Verzeichnis der Hinterlassenschaft der verstorbenen Friederike Werther schliesslich nach Rossla gelangte und von dort schlussendlich in meine Hände gekommen ist … um diese Fragen zu beantworten, braucht es mehr Fakten als der Beleg beinhaltet.

Bis dann

__________

Folgt mir auch auf Facebook und ihr erhaltet immer die aktuellen Informationen rund um die Briefmarkenausgaben Wappen und Dichter sowie Berufe und Ansichten aus dem Saarland.

Die Saarschleife bei Mettlach (V)

Hallo

Ich hoffe, das Thema Bildmotiv Saarschleife bei Mettlach ist für euch noch nicht zu einem roten Tuch geworden. Ich gebe zu, ich schreibe viel über die schöne Saarschleife. Ich habe nachgezählt: Dies ist seit dem 3. Januar 2018 der fünfte Beitrag zu diesem Thema. Was kann ich euch heute noch Neues, Interessantes bieten?

Am letzten Wochenende rief mich ein Sammlerfreund aus Deutschland an. Er hätte meine Beiträge zum Bildmotiv Saarschleife gelesen. Ich freute mich schon, doch dann kam das ABER. Was er nicht begreife. Woher ich wisse, dass Vytautas Kazimieras Jonynas nicht persönlich an die Saarschleife gereist sei und eine Aufnahme für seinen Entwurf gemacht habe? Wieso wäre ich mir so sicher, dass er die Ansichtskarte aus der Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks als (eine) Vorlage verwendet hätte?

Ich gebe zu, ich benötigte einige Zeit, um meinem Sammlerfreund den zwingenden Schluss zu erläutern. Erschwerend kam hinzu, dass ich die notwendigen Abbildungen nicht zur Hand und mein Sammlerfreund diese nicht vor Augen hatte. Am Schluss des Gespräches – zum Glück für meinen Geldbeutel gibt es heute grenzüberschreitende Flat-Tarife – versprach ich ihm, die Abbildungen in einem weiteren Beitrag zu Die Saarschleife bei Mettlach (I) nachzuliefern. Und genau dieses Versprechen löse ich heute ein.

Ich möchte vorausschicken, dass es nicht darum geht, ob oder ob nicht Vytautas Kazimieras Jonynas im Spätsommer resp. Herbst 1946 an die Saarschleife gereist. Das wissen wir nicht und dies dürfte nur über eine Recherche des Nachlasses im litauischen Nationalmuseum möglich sein.  Wir wissen nur, dass er nicht auf die Cloef reisen musste, um seine Vorlage für das Bildmotiv des 1 Mark-Werts zu erhalten. Für uns Saarbriefmarkensammler ist wichti zu wissen, woher Jonynas seine „Inspiration“ erhielt. Kurz: Welche Vorlage verwendete Vytautas Kazimieras Jonynas in der zweiten Hälfte des Jahres 1946 für das Bildmotiv Saarschleife bei Mettlach?

Welche Indizien für meine These, Vytautas Kaszimieras Jonynas habe bei dem Entwurf des Bildmotivs Saarschleife eine weitverbreitete Ansichtskarte als Vorlage verwendet, habe ich in meinen Beiträgen bislang zusammengetragen?

    • Die verblüffende Ähnlichkeit zwischen zwei Ansichtskarten und dem Bildmotiv des 1 Mark-Werts der 1. und 2. Offenburger Ausgabe
    • Die fotorealistische Qualität des Bildmotivs
    • Die Beschwernisse und die Exklusivität des Reisens etwas mehr als ein Jahr nach Kriegsende in Europa
Welche Indizien kann ich hinzufügen?
    • Die Ansichtskarte aus der Bildpostkartenserie des Saar-Hilfswerks und das Bildmotiv des 1 Mark-Werts der beiden Ausgaben lassen sich am Computer mittels Adobe Photoshop recht simpel und ohne ins Gewicht fallende Abweichungen überblenden
    • Der Entstehungszeitraum des für die Bildpostkarte genutzten Fotos kann auf die Zeit vor 1934 fixiert werden, da die Bildpostkartensets des Saar-Hilfsvereins (12 Karten mit 12 Motiven) nachweislich schon 1934 durch Schüler verkauft wurden.
    • Die für eine Reise notwendige Zeit. Jonynas führte im Herbst 1946, als er – durch die Vermittlung seines guten Bekannten Général Raymond Schmittlein – von Raymond Croze, den Direktor der P.T.T. der Zone d’occupation française en Allemagne, den Auftrag für die Erstellung von Entwürfen für die Briefmarkenausgabe Berufe und Ansichten aus dem Saarland erhielt, in Freiburg an der Wonnhaldestrasse 1 die neu eröffnete École des Arts et Métiers de Fribourg. Die französischen Behörden hatten im Frühsommer 1946 den Entschluss gefasst, für die einzelnen „Länder“ ihrer Besatzungszone jeweils separate Briefmarkenausgaben zu erstellen. Die Ausgaben des Saarlandes waren sehr dringend, da man diese Region am 16. Februar 1946 der Zuständigkeit des Alliierten Kontrollrates entzogen hatte und plante, gegen Ende des gleichen Jahres eine Zollgrenze zum besetzten Deutschland zu errichten. Auch die Pläne zur Annexion des Rheinlandes hatten die Franzosen zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgegeben. Die Verwendung identischer Briefmarken (Ausgabe Wappen und Dichter der Französischen Zone) passte da nicht ins Konzept. Wollte die Druckerei Franz Burda in Offenburg die ambitiösen Vorgaben der P.T.T. (postes, télégraphes et téléphones; Post- Telephon- und Telegraphenbetriebe) einhalten, benötigte sie Jonynas Entwürfe rasch, denn der Weg vom ersten Andruck bis zur endgültigen Freigabe der Bildmotive durch die zuständigen Personen/Behörden war zeitintensiv.
    • Das letzte Indiz ist schlussendlich der schlagende Beweis. Die forstwirtschaftliche Nutzung der Landzunge direkt an der Saarschleife. Konkret die Umtriebszeit der Anpflanzung. Was versteht man unter der Umtriebszeit? Bäume werden angepflanzt, wachsen heran und werden Zwecks wirtschaftlicher Nutzung des Rohstoffes bei Erreichen der Hiebszeit gefällt. Dann beginnt der Kreislauf erneut. Wie ihr euch vorstellen könnt, wandelt sich das Aussehen einer forstwirtschaftlich genutzten Zone über die Zeit. Der Nachweis dieses Wandels anhand von zeitgenössischen Aufnahmen zeigt, dass die von der Saar umflossene Landzunge 1946 nicht so ausgesehen haben kann, wie auf dem ebenfalls 1946 von Jonynas entworfenen Bildmotiv.

Was hat es für die Identifikation des letztendlich schlagenden Indizes gebraucht?

    • Möglichst viele Aufnahmen, die anhand unterschiedlicher Anhaltspunkte zumindest grob chronologisch geordnet werden können.
    • Grundlegendes Kenntnisse der Geschichtswissenschaft.
    • Forstwirtschaftliches Fachwissen: hier habe ich mich durch Mitglieder der örtlichen Waldkorporation fachlich beraten lassen.

Sie sehen schon, Philatelisten sind flexibel und suchen sich ihre Informationen auch in nicht unbedingt alltäglichen Bereichen.

Der von der Saar umflossene Hügelrücken war und ist heute noch überwiegend von Laubbäumen bewachsen. Im Gegensatz hierzu war die Landzunge lange Jahre mit Nadelbäumen bepflanzt, die sich aufgrund der kürzeren Umtriebszeit gut für die Nutzholzgewinnung eignen. Die standortbedingt schwankende Umtriebszeit von Nadelbäumen von 50-100 Jahren erscheint im Vergleich zu unserer Lebenszeit zwar lang, ist aber kein Vergleich zu der von Buchen oder Eichen (120-160 resp. 180-300 Jahre). Ein Sprichwort sagt: „Willst Du, dass Deine Enkel fluchen? Setze Buchen, Buchen, Buchen!“ Die nachfolgende Ansichtskarte verdeutlicht gut die Verteilung von Laub- und Nadelbäumen an der Saarschleife, da die Laubbäume zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht ausgetrieben hatten.

Für die chronologische Einordnung der nachfolgenden Abbildungen von tatsächlich postalisch beförderten Ansichtskarten der Saarschleife sind vier Faktoren zu berücksichtigen:

    • Anhand des Poststempels und in einigen Fällen angebrachten handschriftlichen Datierungen kann eindeutig festgestellt werden, wann die Ansichtskarten verwendet wurden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Aufnahmen aus dem Jahr der Verwendung stammen, sondern ausschliesslich, dass das Bild, welches für die Herstellung der Ansichtskarte verwendet wurde, VOR diesem Zeitpunkt aufgenommen worden sein musste. Wie viele Monate oder Jahre vorher? Das entzieht sich unserer Kenntnis.
    • Wer von euch schon einmal an einem beliebten Ausflugsort vor den Souvenirläden die grosse Anzahl an Ansichtskarten in den weisslackierten Drehständern durchgesehen hat, weiss, dass nicht alle angebotenen Karten aktuell sind. Einige Exemplare sind von Alter und Sonne so ausgeblichen, dass die ursprünglich wohl farbige Abbildung nun einer in Sepia gehaltenen Aufnahme ähnelt. Warum sollte der oder die Inhaber(in) die Karten auch fortrühren? Sie sind ja bezahlt. Dies ist heute so und war früher wohl kaum anders.
    • Auf den Vorderseiten von Ansichtskarten ist häufig der Herausgeber oder eine kurze Beschreibung des rückseitigen Bildes aufgeführt. Die Lage der Saarschleife auf dem Gemeindegebiet von Orscholz ermöglicht uns eine weitere chronologische Einordnung.
      • 1816: Orscholz (auch Orschholz) wird eine eigenständige Bürgermeisterei im preussischen Kreis Saarburg im Regierungsbezirk Trier.
      • Wird auf der Ansichtskarte Kreis Saarburg angegeben, wurde die Ansichtskarte vor 1938, der Umbenennung in Landkreis Saarburg herausgegeben.
      • Wird auf der Ansichtskarte Landkreis Saarburg angegeben, wurde die Ansichtskarte vor 1946, der Zuweisung von Orscholz zum neu gebildeten Landkreis Merzig-Wadern herausgegeben.
    • Bäume wachsen zwar nicht in den Himmel, werden im Verlauf der Zeit aber auch nicht kürzer, solange man sie nicht schneidet, resp. fällt. Das haben Sie mit unseren Haaren gemeinsam. Ein geübtes Auge kann anhand des Baumwuchses bei bekannter Wuchsgeschwindigkeit den Zeitraum zwischen zwei Aufnahmen abschätzen.

Die erste Ansichtskarte – die ich euch präsentieren werde – wurde am 25.01.1912 am Bahnhof von Saarbrücken abgestempelt (bei den nachfolgenden Abbildungen verzichte ich darauf, die Vorderseiten der Ansichtskarten abzubilden).

Wir können sehen, dass die Forstflächen auf der linken und rechten Seite der Landzunge frisch angepflanzt wurden. Links im Bild sind drei streifenförmige Anpflanzungen zu erkennen. Auf dem hintersten, nördlichsten Streifen (die Streifen werden auch als Keile bezeichnet) ist der Bewuchs höher als auf dem mittleren und dieser wieder höher als auf dem vordersten Streifen. Der Forstbesitzer hat damals die Anpflanzung für einen Saumschlag erstellt. Säume (Saum = Randbereich eines Waldes) mit Breiten von 30 bis 50 Meter werden (in Deutschland) in Abständen von fünf bis zehn Jahren von Nord nach Süd hintereinander angelegt und nach Erreichen der Hiebsreife im selben zeitlichen Abstand von Nord nach Süd abgeholzt (Absäumung). Diesem Vorgehen haftet etwas Schematisches an, das optisch stark in Erscheinung tritt. Der Saumschlag vermeidet Kahlschlag auf der gesamten Anbaufläche und bietet die Möglichkeit zur natürlichen Verjüngung des Baumbestandes bei gleichzeitigem Schutz der bestehenden Flächen vor Sturmschäden. Darüber hinaus ergeben sich auch wirtschaftliche Vorteile, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen werde.

Die folgende Ansichtskarte stammt aus der Zeit vor 1934 und ist die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Vytautas Kazimieras Jonynas verwendete Vorlage.

Zu dieser Ansichtskarte liegen die nachstehenden Informationen vor:

    • Diese Ansichtskarte war ein Motiv in einem Set von 12 Bildpostkarten  mit Bildmotiven aus dem Saarland, die 1934 im Vorfeld des Plebiszits über den völkerrechtlichen Status des Saargebietes am 13. Januar 1935, überall im Deutschen Reich zu Gunsten des Saar-Hilfswerks (einer NS-Propagandaorganisation) auf Anweisung des Saarbeauftragten der Regierung Hitler von Schülern zu 30 Reichspfennig das Set verkauft wurden. Dies erklärt die weite Verbreitung der Ansichtskarten. Der Vertrieb über Schulklassen ist bei uns in der Schweiz immer noch üblich. Jedes Jahr gehen Schüler von Tür zu Tür, „putzen Klinken“ und verkaufen zum 1. August – unserem Nationalfeiertag – „1.-August-Abzeichen“ zu Gunsten der Stiftung Pro Patria und im Herbst „Schoggitaler“ zu Gunsten des Schweizer Heimatschutzes.
    • Das für die Gestaltung der Ansichtskarte verwendete Foto wurde etwa 1929/1930 aufgenommen.

Gut ersichtlich, wie die auf der ersten Ansichtskarte noch sehr kleinwüchsigen Bestände inzwischen gewachsen sind. Auf der linken Bildseite ist die Abstufung der Wuchshöhe der Saumanpflanzung gut zu erkennen.

Die nächsten Aufnahmen stammen alle aus der Zeit nach Ende des Weltkrieges.

Die freie Fläche in der Mitte der Landzunge wurde mit Setzlingen bepflanzt (evtl. auch natürlicher Bewuchs). Zur Saar hin wurden für den Windschutz Laubbäume gepflanzt.

Diese Luftaufnahme entstand im Juli 1954.

Diese Aufnahme muss einige Jahre nach der Luftaufnahme entstanden sein. Der Uferbewuchs an beiden Seiten der Saar hat zugenommen. Die Bäume entlang des Saarufers sind geschätzt über 20 Jahre alt.

Hier wollen wir einhalten. Wäre Vytautas Kazimieras Jonynas 1946 an die Saarschleife gereist, um sich ein Bild von diesem Naturjuwel zu machen … der Entwurf zum 1 Mark-Wert wäre anders ausgefallen. Vergleichen Sie:

Es fehlen im Bildmotiv die Büsche an beiden Saarufern und die frische Bepflanzung in der Mitte der Landzunge. Die Wuchshöhe der Nadelbäume ist generell niedriger und auf der rechten Seite ist der „Schirmschlag“ mit der Aufrauhung des Kronendachs nicht ersichtlich.

Hier nun eine weitere Aufnahme vor 1960, zuerst schwarzweiss, dann in Farbe:

Die Ähnlichkeit mit dem von Jonynas entworfenen Bildmotiv ist immer noch gegeben. Jedoch treten die Unterschiede schon sehr deutlich zu Tage.

Die nächste Ansichtskarte stammt aus der Zeit vor 1964. Das Wachstum schreitet voran. Achtet insbesondere auf den Uferbewuchs.

Zu guter Letzt noch eine Aufnahme aus der Gegenwart. Diese stammt von mir und wurde im Mai 2014 erstellt. Klar erkennbar: Die intensive forstwirtschaftliche Nutzung ist einer extensiven, eher dem Tourismus geschuldeten Mischnutzung gewichen. Die Büsche am Saarufer mussten an vielen Stellen weichen, um Wanderern wie Velofahrern die Sicht auf den Fluss und den gegenüberliegenden Hang mit der Cloef und den imposanten Geröllschneisen zu ermöglichen.

Für die folgende Gegenüberstellung habe ich das Bildmotiv Saarschleife plusminus auf die Grösse der Vorlage gebracht und weise bei Letzterer mittels weisser Pfeile auf einige Übereinstimmungen hin. Sie dürfen gerne suchen. Sie werden weitere Übereinstimmungen finden.

Sobald ich von der Saarriva die Jubiläumsmarke erhalten habe, werde ich euch diese hier vorstellen.

Bis dann